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Al-Māʾida
Al-Māʾida (arabisch المائدة ‚Der Tisch') ist die 5. Koransure. Sie umfasst 120 Verse und ist damit die zwölftlängste Sure. Offenbart wurde sie in Medina.
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Einordnung und Bedeutung
Al-Māʾida („Der Tisch“) ist die fünfte Sure des Korans. Sie hat 120 Verse, ist damit die zwölftlängste Sure und wurde in Medina offenbart. In der chronologischen Reihenfolge gilt sie als die 114. und letzte Sure des Korans. Ihr Titel bezieht sich auf Vers 114, der vermutlich auf die wundersame Brotvermehrung und das Abendmahl Jesu anspielt.
Vers 5:3 stellt eine Beziehung zwischen dem Islam und dem arabischen Begriff Dīn her. Dīn bedeutet „Religion“, hat aber auch die Bedeutung oder Konnotation „Schuld“. Der Vers lautet: „Ich habe für euch den Islam als Religion erwählt“. Nach islamischer Tradition wurde er Mohammed während seiner Abschiedswallfahrt in der Ebene ʿArafāt offenbart.
Reinheit und Schutz des Lebens
Vers 5:6 enthält Regeln zur Reinheit. Im Zusammenhang mit al-Mash ʿalā l-chuffain, dem Überstreichen von Fußbekleidung, sind diese zwischen Sunniten und Schiiten umstritten: Sunniten erlauben die Praxis, Schiiten verbieten sie.
Die Sure erzählt in 5:27–31 die Geschichte von Kain und Abel, ohne die beiden namentlich zu nennen. Sie hebt dabei den unschätzbaren Wert menschlichen Lebens hervor. Vers 5:32 paraphrasiert und kommentiert den Traktat Sanhedrin der Mischna. Wie in dem angeführten Talmudtext wird betont, dass das Töten eines Menschen dem Zerstören einer ganzen Welt gleiche und das Retten eines Menschen dem Retten einer ganzen Welt.
Der koranische Vers bezieht dies auf eine Vorschrift für die Kinder Israels: Wer einen Menschen töte, ohne dass es sich um Vergeltung für einen Getöteten oder Strafe für auf der Erde angerichtetes Unheil handle, sei, als habe er alle Menschen getötet. Wer einen Menschen am Leben erhalte, sei, als habe er alle Menschen am Leben erhalten. Vers 5:33 nennt als Lohn beziehungsweise Strafe für Menschen, die gegen Gott und seinen Gesandten Krieg führen und im Land Unheil anrichten, Töten oder Kreuzigen, das wechselweise Abschneiden von Hand und Fuß oder Landesverweisung. Abdullah Takim nutzte diesen Vers zur Verurteilung der Terroranschläge in Paris am 13. November 2015.
Deutungen von Vers 5:51
Anhänger des wahhabitischen und salafistischen Islams begründen die Doktrin Al-walāʾ wal-barāʾa („Loyalität und Lossagung“) unter anderem mit Vers 5:51. In der Übersetzung Rudi Parets heißt es: „Nehmt euch nicht die Juden und die Christen zu Freunden!“; wer sich ihnen anschließe, gehöre zu ihnen und nicht mehr zur Gemeinschaft der Gläubigen.
Die Übersetzung von al-islam.com verwendet dagegen „Beschützer“ statt „Freunde“. Kerem Adigüzel und Ayman Teryaki deuten den arabischen Begriff auliyāʾ als „Beschützer“ beziehungsweise eher als „Verbündete“ als als Freund. Das Wort für Freund, ṣadīq, komme an anderen Stellen vor, etwa in 24:61 und 26:101. Die Darstellung weist jedoch darauf hin, dass auch der Ausdruck „Freund Gottes“ (walī Allāh) existiert, wobei walī der Singular von auliyāʾ ist.
Nach Adigüzel und Teryaki verbietet der Vers nicht allgemein Freundschaft mit Christen und Juden: Gott erlaube Gläubigen schließlich die Heirat mit ihnen. Sie folgern – anders als Salafisten und Wahhabiten – keine Lossagung, sondern verstehen 5:51 politisch. Danach dürften Muslime sich nicht mit Nicht-Muslimen gegen Muslime verbünden; als Beispiel wird ein Bündnis im 19. Jahrhundert gegen das Osmanische Reich genannt. Sie verweisen außerdem auf andere Verse, die zu friedlicher Koexistenz aufrufen.
Partei Gottes, Wein und Glücksspiel
Vers 5:56 enthält den Ausdruck ḥizb Allāh, „Partei Gottes“. Der Satz „Die auf Gottes Seite stehen, werden Sieger sein“ findet sich deshalb teilweise auf der Fahne der Hisbollah.
In 5:90–92 werden Wein und Glücksspiele als „Greuel von Satans Werk“ bezeichnet. Das im Islam schrittweise eingeführte Alkoholverbot erhält erst in diesen Versen seine vollständige Form.