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Akustische Gitarre
Als akustische Gitarre wird umgangssprachlich eine Gitarre bezeichnet, bei der die Tonverstärkung im Gegensatz zur elektrischen Gitarre (E-Gitarre) allein …
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Grundprinzip und Einordnung
Eine akustische Gitarre ist umgangssprachlich eine Gitarre, deren Ton im Unterschied zur E-Gitarre allein mechanisch verstärkt wird. Die Anschlagshand versetzt die Saiten durch Zupfen mit Daumen, Fingern oder Plektrum in Schwingung; Abzugs- und Aufschlagsbindungen entstehen mit den Fingern der Greifhand. Über den Steg werden die Schwingungen auf Decke und Korpus übertragen, die den Klang verstärken. Lautstärke und Klangbild hängen von Bauweise, Materialien und Spieltechnik ab.
Der Oberbegriff grenzt akustische von elektrischen Gitarren ab. „Akustikgitarre“ kann enger auch Stahlsaitengitarren meinen. Gitarren mit Nylonsaiten heißen unter anderem Spanische, Klassische oder – je nach Einsatz – Konzert- beziehungsweise Flamencogitarre. Für Stahlsaitengitarren sind Bezeichnungen wie Folk-, Western- und Jazzgitarre (Archtop) üblich; sie verweisen zugleich auf musikalische Verwendung und Konstruktionsunterschiede. Halbakustische Gitarren sind dagegen elektroakustische Halbresonanzgitarren: Ihr meist flacher Resonanzkorpus dient vor allem der Klangfarbe und nicht primär der Tonverstärkung.
Konzertgitarre: Entwicklung, Bau und Saiten
Die heutige klassische Konzertgitarre geht auf die sechssaitige, einchörige Gitarre des 19. Jahrhunderts zurück. Ende des 18. Jahrhunderts wandelte sich die vier- bis fünfchörige Barockgitarre beziehungsweise Spanische Gitarre zu dieser Bauform. Francisco Tárrega (1852–1909) prägte in Spanien bis heute gebräuchliche Griff- und Anschlagtechniken. Antonio de Torres (1817–1892) entwickelte Form, Abmessungen, fächerförmige Decken-Verleistung und mechanische Einzelheiten entscheidend weiter. Seine Torres-Gitarre bildet bis heute die Grundlage der klassischen Konzertgitarre. Weitere Entwicklungen ergaben sich im frühen 20. Jahrhundert unter anderem durch Miguel Llobet, Andrés Segovia, Manuel Ramírez und Hermann Hauser I.
Gegenüber Western- und E-Gitarre besitzt die Konzertgitarre ein breiteres Griffbrett: Das Normalmaß am Sattel beträgt 52 mm, die Standardmensur 65 cm. Die Mensur ist die schwingende Saitenlänge. Schüler- und kleinere Gitarren werden anteilig angegeben, etwa als 3/4-Gitarre mit 595 bis 614 mm, 1/2-Gitarre mit 530 bis 547 mm oder 1/4-Gitarre mit 472 bis 487 mm Mensur. Mensur und Korpus werden verkleinert, die Saitenabstände jedoch nicht im selben Maßstab. Kleinere Mensuren gibt es auch als Oktav-, Terz- oder Quintgitarre.
Bei hochwertigen Instrumenten bestehen Zargen und Boden meist aus massivem Hartholz, etwa Mahagoni, Ovangkol, Ostindischem Palisander, Ahorn oder Kirsche. Besonders klangbestimmend ist die meist mit Rosette versehene Decke: Sie wird überwiegend aus Red Cedar oder Fichte gefertigt, in Nordamerika insbesondere aus Sitka-, Engelmann- oder Adirondack-Fichte. Der Hals besteht meist aus Cedro, Ahorn oder Mahagoni, das Griffbrett aus Ebenholz oder Palisander. Schellack-Handpolitur schützt das Holz sehr dünn und lässt die Decke weitgehend frei schwingen, erfordert aber Pflege; widerstandsfähigere Nitrolacke sind ebenfalls üblich.
Die Standardstimmung der sechssaitigen Gitarre lautet E – A – d – g – h – e′. Basssaiten sind aus Nylonseide und mit Kupfer- oder Silberdraht umsponnen, Diskantsaiten aus homogenem Nylon. Auch PVDF- beziehungsweise Carbonsaiten werden verwendet; wegen ihrer höheren Dichte sind sie bei gleicher Tonhöhe dünner. Historische Gitarren werden gelegentlich mit Saiten aus Schafsdarm gespielt. Neben sechssaitigen Gitarren gibt es Instrumente mit sieben oder mehr Saiten, etwa die auf Anregung von Narciso Yepes entwickelte zehnsaitige Gitarre, die vor allem ein ausgeglicheneres Resonanzverhalten erreichen soll.
Flamencogitarre und Spielweise
Die Flamencogitarre entstand aus den guitarras de tablao des Café cantante und ähnelt der von Antonio de Torres entwickelten Konzertgitarre; deshalb kann zum Flamencospiel auch eine klassische Gitarre dienen. Typisch ist jedoch eine niedrigere Saitenlage am Griffbrett oder Steg. Das dadurch mögliche Schnarren beziehungsweise Anschlagen der Saiten auf den Bünden ist ein gewünschter, perkussiver Klanganteil.
Bei der guitarra blanca bestehen Boden und Zargen traditionell aus leichtem spanischem oder marokkanischem Zypressenholz; auch Ahorn oder Walnuss kommen vor. Die Guitarra negra verwendet oft Palisander und soll sich klanglich der Konzertgitarre nähern. Die Decke ist meist aus Fichte, kann aber auch aus verschiedenen anderen Fichtenarten, Douglasie oder „Zedern“ gefertigt werden. Zedernholz soll hölzerner oder nasaler klingen und eine kürzere Lebensdauer haben, Fichte dagegen brillanter und kräftiger. Charakteristisch sind dünnere Decke, Boden und Zargen sowie etwa ein, teilweise zwei bis drei Zentimeter niedrigere Zargen. Der Hals wird typischerweise aus Honduras-Zeder gefertigt.
Ein Golpeador ist eine harte Kunststofffolie ober- und unterhalb des Schalllochs. Er schützt die Decke beim Golpe, dem Klopfen auf die Decke. Die leichte Bauweise führt zu schneller Ansprache und hoher Lautstärke besonders im mittleren Frequenzbereich, aber zu kurzem Sustain, also kurzer Ausklingzeit. Der Klang ist dadurch schärfer und perkussiver als bei der Konzertgitarre. Oft wird nahe am Steg mit Nagel und Fingerkuppe angeschlagen, was einen brillanten, trockenen Ton erzeugt. Ein Kapodaster (cejilla) sitzt meist am 2., 3. oder 4. Bund und dient vor allem der Anpassung an die Stimmlage von Sängern sowie bestimmten Klangfarben; beim Solospiel wird er seltener verwendet.
Wichtige Techniken sind rasgueado, ein Akkordanschlag überwiegend mit der Nagelseite, und punteado, das Zupfen einzelner Töne. Beim picado wechseln Mittel- und Zeigefinger, beim alzapúa wird der Daumen plektrumartig mit Nagel und Kuppe eingesetzt. Arpegio bezeichnet die Akkordzerlegung, ligado Aufschlags- oder Abzugsbindungen, glisando das hörbare Gleiten auf einer Saite und apagado beziehungsweise sorda das Dämpfen. Das Flamenco-Trémolo wird als p-i-a-m-i gespielt. AH bedeutet Anschlagshand, GH Greifhand; p, i, m, a und q stehen für Daumen, Zeige-, Mittel-, Ring- und Kleinfinger.
Folk- und Westerngitarre
Die Folk- und Westerngitarre ist eine Stahlsaitengitarre. Christian Friedrich Martin (1796–1873) und C.F. Martin setzten mit dem X-Bracing die Entwicklung in Gang. Dieses Verstrebungssystem stabilisiert die Decke gegen den hohen Saitenzug: Zwei Leisten kreuzen sich direkt unterhalb des Schalllochs in X-Form. Fast alle heutigen Stahlsaitengitarren folgen diesem Prinzip. Beim Scalloped X-Bracing werden die Leisten an bestimmten Stellen verjüngt, um Resonanzen zu verändern und die Ansprache zu verbessern; dies sollte individuell von erfahrenen Gitarrenbauern erfolgen. Ab 1916 baute Martin die ersten Dreadnought-Gitarren, damals lange Zeit die größte Gitarrenbauform; ab 1929 mündete der Hals seiner Gitarren erst am 14. Bund in den Korpus. In den 1930er Jahren wurden Gibson und Epiphone wichtige Konkurrenten. Gibson verwendete einstellbare metallene Halsspannstäbe (truss rods), die den Zug der Stahlsaiten ausgleichen.
Die Stahlsaiten haben deutlich höhere Spannung als Nylonsaiten. Der Hals ist meist schmal, das Griffbrett am Sattel in der Regel 43 bis 45 mm breit, bei einigen Herstellern 46 mm. Westerngitarren besitzen üblicherweise 6 oder 12 Saiten, selten 7 oder 9. Ihr flacher Korpus wird flattop genannt und ist heute größer als der einer klassischen Gitarre; Bauformen sind Dreadnought, Jumbo, Grand Auditorium, Auditorium und Parlour. Das Griffbrett ist meist gewölbt. Die Decke besteht meist aus Fichte, Zargen und Boden häufig aus Mahagoni oder Palisander. Auch Verbundwerkstoffe werden verwendet; Charles Kaman und seine Firma Ovation waren bei dieser Bauweise führend.
Im Vergleich zur Konzertgitarre klingt die Westerngitarre heller, mit Plektrum noch brillanter. Ein Pickguard unterhalb des Schalllochs schützt die Decke. Bei einer zwölfseitigen, sechschörigen Gitarre liegen zu E, A, D und G jeweils dünnere, eine Oktave höher gestimmte Saiten; H und E′ sind doppelt vorhanden. Das ergibt einen volleren, hellen Klang, bei leichter Verstimmung der Doppelsaiten auch einen Choruseffekt, fordert aber deutlich mehr Griffkraft. Viele Western- und auch Nylonsaitengitarren sind heute mit Tonabnehmer, oft einem Piezo-Tonabnehmer im Steg, Vorverstärker, Klangregelung und Verstärkeranschluss ausgestattet. Zwischen Konzert- und Westerngitarre steht die robuste, meist stahlsaitige Wandergitarre; außerdem gibt es die viersaitige Tenorgitarre.
Resonator- und Bassgitarre
Die Resonatorgitarre, oft Dobro genannt, ist eine Stahlsaitengitarre mit einem metallenen Resonator (Single-cone) oder drei Resonatoren (Tri-cone) im Korpus. Der mit dem Resonator verbundene Steg überträgt die Saitenschwingungen auf den Konus. Dadurch zählt sie zu den lautesten unverstärkten Gitarren; ihr Korpus besteht häufig aus Metall.
Eine sechssaitige Bassgitarre ist eine Oktave tiefer als die übliche Primgitarre gestimmt. Meist ist mit Bassgitarre jedoch die viersaitige akustische Bassgitarre gemeint, die wie der Kontrabass in Quarten ‚E – ‚A – D – G gestimmt wird. Fünf- oder sechssaitige Modelle haben zusätzlich ein tiefes H und/oder ein hohes c. Siebensaitige Bassgitarren sind selten und meist Sonderanfertigungen. Akustische Bassgitarren lassen sich elektromagnetisch oder mit piezoelektrischen Tonabnehmern verstärken. Wegen unterschiedlicher Voll- oder Halbresonanzkorpusse und Zargenhöhen sind ihre Grenzen zum E-Bass fließend.