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Flageolettton
Flageoletttöne kommen, wie bereits oben angedeutet, hauptsächlich bei Saiten-, beziehungsweise Streich- und Zupfinstrumenten (Violine, Bratsche, Cello, …
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Definition und physikalische Grundlage
Ein Flageolettton, kurz Flageolett, ist ein auf einem Saiteninstrument erzeugter Ton beziehungsweise Oberton. Er entsteht, wenn eine Oberschwingung, also eine Teilschwingung der Saite, angeregt wird. Seine Frequenz ist deshalb ein ganzzahliges Vielfaches der Grundfrequenz der Saite.
Zur Erzeugung setzt man einen Finger leicht auf einen Teilungspunkt der Saite, zum Beispiel auf das Verhältnis 1 : 2 oder 1 : 3, und streicht oder schlägt die Saite anschließend an. An der berührten Stelle entsteht ein Schwingungsknoten. Dadurch können nur bestimmte Oberschwingungen erklingen. Anders als beim festen Greifen wird die Saite nicht verkürzt: Sie schwingt als Ganze, auch hinter dem Finger.
Flageoletttöne werden vor allem bei Streich- und Zupfinstrumenten wie Violine, Bratsche, Cello, Kontrabass sowie akustischer und elektronischer Gitarre verwendet. Auf dem Klavier sind sie möglich, aber in der Spielpraxis deutlich seltener. Physikalisch entsprechen sie den Naturtönen von Blasinstrumenten, die durch Überblasen entstehen. Je höher ein Flageolett liegt, desto schlechter spricht es an und desto schwieriger ist es zu erzeugen. 1821 konstruierte Villeroi eine als Guitar-harmonica bezeichnete Gitarre, deren Tastatur Flageoletttöne erzeugen konnte.
Natürliches, künstliches und Plektrum-Flageolett
Beim natürlichen Flageolett ist die leere Saite der Ausgangspunkt. In der Notenschrift wird meist der klingende Ton notiert, weil häufig nur eine mögliche Ausführung existiert oder die Auswahl zwischen mehreren Ausführungen dem Spieler überlassen wird. Ein über den Ton gesetzter Kreis weist auf die Flageolettausführung hin. Der leicht aufgesetzte Finger wird durch einen rautenförmigen Notenkopf dargestellt. Soll der Griff eindeutig angegeben werden, kann zusätzlich die betreffende Saite bezeichnet werden.
Beim künstlichen Flageolett wird zunächst ein Ton fest gegriffen, wodurch sich die schwingende Saitenlänge verkürzt. Ein weiterer Finger wird an einem geeigneten Teilungspunkt nur lose aufgesetzt. Der fest gegriffene Ton erscheint als normaler Notenkopf, der lose aufgesetzte Finger als rautenförmiger Notenkopf. Häufig wird der tatsächlich erklingende Ton in Klammern ergänzt. Wegen der komplexeren Griffkombinationen und der erforderlichen Genauigkeit sind künstliche Flageoletts schwieriger auszuführen als natürliche.
Das Plektrum-Flageolett bei der Gitarre wird hauptsächlich mit der Anschlagshand erzeugt. Nach dem Anschlag mit dem Plektrum wird die Saite unmittelbar mit der Schlaghand, etwa mit dem Daumenknöchel oder dem Mittelfinger, wieder gedämpft. Die andere Hand greift den erforderlichen Grundton. Auf diese Weise lassen sich auch sehr hohe Flageoletts erzeugen. Der Gitarrist Roy Buchanan experimentierte 1962 erstmals in dieser Weise mit Pinchharmonics.
Flageoletts nach dem gegriffenen Intervall
Die Bezeichnung richtet sich nach dem Intervall zwischen dem Ausgangston und dem Ton, der bei festem statt losem Greifen an derselben Stelle erklingen würde. Das Teilungsverhältnis der Saite bestimmt die Höhe des tatsächlich klingenden Flageoletts:
- Das Oktav-Flageolett entsteht bei der halben Saitenlänge, also im Verhältnis 1/2. Es klingt in derselben Tonhöhe, wie der entsprechende hohe Ton beim festen Greifen.
- Beim Quint-Flageolett liegt der aufgelegte Finger eine Quinte über dem leeren oder gegriffenen Ausgangston, bei 1/3 der Saitenlänge. Das Ergebnis erklingt eine Duodezime, also eine Oktave plus eine Quinte, über dem Ausgangston.
- Das Quart-Flageolett liegt bei 1/4 der Saitenlänge. Es erklingt zwei Oktaven über dem Ausgangston.
- Ein großes Terz- oder Sext-Flageolett entsteht bei 1/5 oder 2/5 der Saitenlänge. Der Klang liegt zwei Oktaven plus eine große Terz über dem Ausgangston.
- Beim kleinen Terz-Flageolett beträgt das Verhältnis 1/6. Es erklingt zwei Oktaven plus eine Quinte über dem Ausgangston.
Spezielle Anwendungen
Natürliche Flageoletts, die mehr als eine Oktave über der leeren Saite liegen, klingen in vielen, aber nicht in allen Fällen wie fest gegriffene Töne. Da sie besser ansprechen und auch bei leicht ungenauem Greifen noch richtig klingen können, werden sie in schwierigen Streicherpassagen der hohen Lage als spieltechnische Erleichterung eingesetzt.
Weil die erklingenden Tonhöhen zur Naturtonreihe gehören, weichen sie mehr oder weniger von der gleichschwebenden Stimmung ab. Ein Terzflageolett klingt beispielsweise 14 Cent tiefer als die fest gegriffene große Terz. Auf Bundinstrumenten wie Gitarre oder Gambe können mit Flageoletttönen daher Tonfolgen in reiner Stimmung gespielt werden.
Beim Flageolett-Glissando erklingen im Unterschied zum fest gegriffenen Glissando nicht alle Töne, sondern nur die Obertöne der jeweiligen leeren Saite. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel steht in Strawinskis Ballett Der Feuervogel: In der Einleitung dient dieser Effekt zur atmosphärischen Darstellung des Zauberwaldes.
Flageoletttöne eignen sich außerdem als Stimmhilfe, besonders bei tieferen Saiteninstrumenten wie Gitarre, E-Bass, Cello und Kontrabass. Dazu wird ein geeigneter natürlicher Flageolettton gleichzeitig mit dem Grundton einer anderen, höheren leeren Saite gespielt. Stimmen die Tonhöhen nicht überein, sind die entstehenden Schwebungen deutlich hörbar.
Darstellung bei der Gitarre
Bei der Gitarre können natürliche Flageoletts den einfach gegriffenen Tönen gegenübergestellt werden. Für die Darstellung und Berechnung wird eine vereinfachte Kurzschrift verwendet: Additionen beziehen sich auf die Bünde, Divisionen auf das Teilungsverhältnis der Saite. Die Ziffern ₈ und ⁸ weisen auf Oktavsprünge hin. Die Notation soll damit verdeutlichen, an welchem Teilungspunkt ein Flageolett auf der Saite entsteht und in welcher Beziehung sein klingender Ton zum Ausgangston steht.