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Aktionsart

Die Aktionsart eines Verbs charakterisiert unter anderem den Verlauf, die Ausdehnung und das Ergebnis eines Vorgangs. Beispiel: Er suchte sein Auto zwanzig …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Abgrenzung zum Aspekt
  2. 2. Wichtige Arten des Geschehens
  3. 3. Bildung und Satzumgebung
  4. 4. Zeitadverbien als Test
  5. 5. Ausdruck in anderen Sprachen
  6. 6. Aktionsarten im Deutschen

Grundidee und Abgrenzung zum Aspekt

Die Aktionsart ist in der Sprachwissenschaft eine Klassifikation von Verben nach Verlaufsweise und Begrenzung des bezeichneten Geschehens. Sie beschreibt also etwa, ob ein Vorgang dauert, beginnt, endet, sich wiederholt oder zu einem Ergebnis führt. Meist handelt es sich um Bedeutungsklassen einzelner Verben; manchmal entsprechen ihnen auch Formklassen.

Sie ist vom Aspekt zu unterscheiden. Aspekt ist eine morphologisch-grammatische Kategorie, die durch Kontraste zwischen Verbformen im Verbalparadigma ausgedrückt wird. Aktionsart gehört dagegen zur Wortbedeutung und kann durch Wortbildung am Verb markiert sein. Die Bezeichnungen „Situationsaspekt“ und „lexikalischer Aspekt“ sind deshalb missverständlich.

Die zeitliche Struktur zeigt sich zum Beispiel an Zeitangaben: „Er suchte sein Auto zwanzig Minuten lang“ ist möglich, weil suchen ein zeitlich ausgedehntes Ereignis bezeichnet. „?? Er fand sein Auto zwanzig Minuten lang wieder“ ist nicht passend, weil wiederfinden punktuell ist. Entsprechend hat das Deutsche Aktionsarten, aber keinen Aspekt im genannten grammatischen Sinn. Eine ähnliche Unterscheidung gibt es bei Substantiven zwischen abgegrenzten, zählbaren Dingen wie „Apfel“ und homogenen Massenausdrücken wie „Apfelmus“.

Wichtige Arten des Geschehens

Die Fachbegriffe und ihre Abgrenzungen sind nicht immer einheitlich; Kategorien können sich überschneiden. Zentral ist der Gegensatz zwischen durativen und punktuellen beziehungsweise nicht-durativen Verben.

Durativ bedeutet, dass eine Situation eine unbestimmte zeitliche Ausdehnung hat und andauert. Dazu gehören atelische Verben ohne Kulminations- oder Endpunkt, etwa „blühen“, „wohnen“ und „träumen“. Iterativ, auch Frequentativ oder Repetitiv, bezeichnet Wiederholungen, etwa „fünf Minuten lang klopfen“. Semelfaktiv meint dagegen einen einzelnen, prinzipiell wiederholbaren Vorgang, etwa „einmal klopfen“. Delimitativ bezeichnet einen nur eine gewisse Zeit dauernden Vorgang, russisch почитать (potschitat') „ein bisschen lesen“; perdurativ einen dauernden Vorgang mit Abschluss, etwa „die ganze Nacht über schlafen“.

Nicht-durative oder punktuelle Aktionsarten richten den Blick auf einen Zustandswechsel, einen Anfang oder ein Ende. Ingressiv oder initiv bezeichnet den Beginn als ganzheitlichen Anfang; inchoativ den allmählichen Beginn, etwa „losrennen“ oder altgriechisch ἠράσθην (erasthēn) „ich verliebte mich“. Mutativ oder transformativ bezeichnet eine Zustandsveränderung, etwa „erkranken“ beziehungsweise „krank werden“. Egressiv, effektiv oder finitiv bezeichnet das Ende eines Vorgangs, etwa „verblühen“ zu „blühen“ oder „verschwinden“ zu „schwinden“. Resultativ oder konklusiv hebt das abschließende Ergebnis hervor; beim griechischen Gegensatz θνῄσκειν (thnēskein) und τεθνηκέναι (tethnēketai) bedeutet Letzteres „gestorben und nun tot sein“.

Telische Verben beschreiben Ereignisse mit einem natürlichen Anfangs- oder Endpunkt; atelische Verben tun dies nicht. Weitere Aktionsarten können Intensität oder Bedeutungsergänzungen ausdrücken: attenuativ steht für abgeschwächte Qualität, etwa italienisch canterellare „trällern“; kausativ für Veranlassung, etwa „fällen“ zu „fallen“; faktitiv für eine bewirkte Zustandsänderung, etwa „trocknen“ oder „leeren“; konativ für Versuch oder Bemühen und desiderativ für den Wunsch, dass ein Vorgang eintritt.

Bildung und Satzumgebung

Ist eine Aktionsart nicht besonders markiert, gilt sie als Teil der lexikalischen Bedeutung des Verbstamms. „ruhen“ ist durativ, „finden“ punktuell, „aufgehen“ mutativ und „öffnen“ kausativ. Aktionsartneutrale Verben werden besonders bei den Grundverben der slawischen Sprachen angenommen; ob jedes deutsche Verb eine Aktionsart ausdrückt, ist umstritten.

Sprachen können Aktionsarten durch Wortbildung ausdrücken: durch Stammveränderung wie „stehen – stellen“, Umlaut oder Ablaut wie „fallen – fällen“ und „trinken – tränken“, Suffixe wie „husten – hüsteln“ oder Zusammensetzungen wie „laufen – loslaufen“ und „weiterlaufen“. Deutsche Präfixe verändern häufig die Aktionsart: „wachen“ ist dynamisch, durativ und atelisch, „erwachen“ dynamisch, punktuell und telisch. Im Hebräischen drücken die sieben von einem meist dreikonsonantigen Grundstamm abgeleiteten Verbstämme, die binjanim, unter anderem Intensiv und Kausativ aus.

Auch Flexion, Umschreibungen und Adverbien können eine Aktionsart anzeigen. Das lateinische Perfekt dixi von dicere kann resultativ bedeuten, dass alles Nötige gesagt wurde. Periphrastische, also umschreibende Bildungen sind zum Beispiel „ich war am Lesen“ für einen progressiven Verlauf und französisch commencer à + Infinitiv für Inchoativität. Adverbien können ebenfalls steuern, wie etwa „Plötzlich sah ich ihn“. Der Artikel weist allerdings darauf hin, dass die Darstellung von Aktionsart in Konjugation und Syntax überarbeitungsbedürftig ist, weil sie der anfänglichen Abgrenzung zum Aspekt widerspricht.

Zeitadverbien als Test

Die Verträglichkeit mit Temporaladverbien hilft, Aktionsarten zu erkennen. States, also Zustände, und activities, also Aktivitäten oder Prozesse, sind normalerweise mit Daueradverbialen vereinbar: „Agilmar war eine Woche lang in der Stadt“ und „Ciela aß acht Minuten lang Eis“. Achievements, punktuelle Zustandswechsel, und accomplishments, allmähliche Zustandswechsel, sind damit gewöhnlich nicht vereinbar: „* Friedrich trank eine Stunde lang ein Bier“ und „* Sengül verließ eine Stunde lang die Universität“. Eine solche Verbindung ist nur bei veränderter Bedeutung möglich.

Accomplishments passen dagegen zu Zeitrahmenadverbialen wie „in einer Stunde“: „Agilmar trank in einer Stunde ein Bier“. States, activities und achievements passen normalerweise nicht dazu. Mit Zeitpunkt- oder Positionsadverbialen wie „genau um acht Uhr“ sind states und achievements unmittelbar vereinbar: „Agilmar war genau um acht Uhr in der Turnhalle“ und „Ciela verließ genau in diesem Moment den Sportplatz“. Activities und accomplishments sind damit normalerweise nicht vereinbar.

Ausdruck in anderen Sprachen

Im Altgriechischen werden Aktionsarten auch durch grammatisch realisierte Aspektkategorien ausgedrückt. Präsens und Imperfekt gehören zum imperfektiven oder paratatischen Bereich, der Aorist zum perfektiven oder aoristischen und Perfekt sowie Plusquamperfekt zum perfektischen oder resultativen Bereich. Das Futur ist dagegen eine reine Zeitstufe. Im Neugriechischen wurde das System auf alle Zeitstufen außer der Gegenwart ausgeweitet: κοιμήθηκε (kimíthike) im Aorist bedeutet „er schlief ein“, während κοιμόταν (kimótan) im imperfektiven Aspekt „er schlief“ ausdrückt.

In den slawischen Sprachen entstanden schon im Altkirchenslawischen morphologisch gebildete Aktionsarten; daraus entwickelte sich das binäre Aspektsystem der modernen slawischen Sprachen. Präfixe, Infixe, Suffixe sowie Laut- und Akzentwechsel bilden zahlreiche Derivate. Russisch идти (idti) „gehen“ wird mit Präfix zu пойти (pojti) „losgehen“; прыгать (prygat’) wird mit Infix zu прыгнуть (prygnut) „einmal springen“. Das polnische Präfix po- kann inchoativ, ingressiv, distributiv, delimitativ oder resultativ sein. Es kann aber auch nur den perfektiven Aspekt markieren, etwa błogosławić – pobłogosławić; dann spricht die Slawistik nicht von Aktionsart.

In den romanischen Sprachen besteht eine Tendenz zu syntaktischem Ausdruck. Dennoch gibt es Ableitungen, etwa französisch craquer – craqueter „knistern“ und italienisch dormire – dormicchiare „schlummern“. Im Spanischen ist die synthetische Markierung seltener als die analytische Darstellung durch Verbalperiphrasen, weil viele synthetisch gebildete Aktionsartverben stark lexikalisiert sind.

Aktionsarten im Deutschen

In einer verbreiteten germanistischen Einteilung stehen imperfektive, durative Verben nicht auf ein vom Anfangszustand verschiedenes Resultat hin: „schlafen“, „wachen“, „leben“, „meditieren“, „betrachten“. Perfektive, nicht-durative Verben verändern sich und enden in einem Ergebnis: „einschlafen“, „erwachen“, „sterben“, „auferstehen“, „erblicken“.

Durative Verben verbinden sich mit „eine Stunde lang“, etwa „Sie suchte den Schlüssel eine Stunde lang“. Nicht-durative Verben passen eher zu „in einer Stunde“, etwa „sie fand den Schlüssel in einer Stunde“. Nicht-durative Verben bilden beide Passivformen: „Der Schlüssel wird/ist gefunden“; durative meist nur das werden-Passiv: „Der Schlüssel wird gesucht“, aber „*Der Schlüssel ist gesucht“. Durative Verben bilden ihre Perfektformen vielfach mit haben; genannt werden Ausnahmen wie sein, bleiben und Bewegungsverben.

Durative Unterarten sind iterativ („sticheln“), intensiv („schnitzen“), diminutiv oder attenuativ („tänzeln“) und intransformativ, bei dem sich der Zustand ausdrücklich nicht ändert („behalten“). Nicht-durative Unterarten sind vor allem inchoativ, etwa „einschlafen“ oder das plötzliche „aufspritzen“, und resultativ, etwa „verbrennen“ oder „finden“. Punktuelle oder momentane Verben bezeichnen einen schnellen Situationswechsel und bilden mit Daueradverbialen ungrammatische Sätze wie „*sie stöhnt eine Stunde lang auf“.

Deutsch drückt diese Bedeutungen durch Wortbildung, Umschreibungen und Adverbien aus: -ln in „tropfen – tröpfeln“, wieder- für Wiederholung, los- oder an- für Beginn, ver- oder aus- für Ende, anfangen/beginnen + zu-Infinitiv für den Beginn und aufhören + zu-Infinitiv für das Ende. Adverbien wie „ununterbrochen“, „mehrmals“, „stark“, „ein bisschen“, „allmählich“ und „nicht mehr“ können die jeweilige Aktionsart zusätzlich kennzeichnen.

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