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Akademie für Jugendführung
Die NS-Lehranstalt wurde zwischen 1937 und 1939 errichtet. Heute sind in ihrem Gebäude das Braunschweig-Kolleg für Erwachsenenbildung sowie das Abendgymnasium …
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Aufgabe und Bedeutung
Die Akademie für Jugendführung in Braunschweig war während des Nationalsozialismus die höchste Schulungseinrichtung der Hitlerjugend (HJ) für hauptamtlichen Führungsnachwuchs. Sie wurde auch Akademie für Deutsche Jugendführung oder (Reichs-)Akademie für Jugendführung der Hitlerjugend genannt. Das NS-Regime wollte sie zur wichtigsten Einrichtung dieser Art machen.
Sie sollte berufsmäßige Jugendführer im Alter von 23 bis 35 Jahren ausbilden, den Nachwuchs planmäßig gewinnen und eine hauptberufliche Laufbahn in der HJ schaffen. Damit stand sie an der Spitze eines HJ-Schulungssystems mit Reichsführerschulen, Reichsführerlagern und einem Führerschulungswerk. Die Gebäude entstanden 1937 bis 1939. Heute befinden sich dort das Braunschweig-Kolleg für Erwachsenenbildung und das Abendgymnasium Braunschweig.
Ausbildung und Kriegsverlauf
Die Ausbildungsordnung wurde am 18. Februar 1938 erlassen. Die einjährige Ausbildung sollte alle Aufgaben der Jugendführung erfassen. Neben sportlicher Ertüchtigung wurden politische, wirtschaftliche, kulturelle und naturwissenschaftliche Themen behandelt, jedoch ausschließlich nach ihrer propagandistischen und erzieherischen Nutzanwendung für die nationalsozialistische Ideologie. Dazu gehörten Biologie als Vererbungslehre und Rassenhygiene sowie Politik als Führungslehre. Geschichte wurde aus dem Blickwinkel des „völkischen Staates“ unterrichtet. Fremdsprachen und Tanz sollten ein international angemessenes Auftreten vermitteln.
Bewerber brauchten einen Ariernachweis sowie Abitur oder eine abgeschlossene Berufsausbildung. Vor der Akademie waren vier Monate Arbeit in einer HJ-Gebietsführung und ein achtwöchiger Lehrgang an der Reichsführerschule in Potsdam vorgeschrieben. Nach dem Akademiejahr sollten drei Wochen Industriearbeit und ein halbes Jahr im Ausland folgen. Nach bestandener Abschlussprüfung waren ein Jugendführer-Patent, ein Führerdolch und die Berufung zum Bannführer vorgesehen. Die Verpflichtung umfasste zwölf Jahre HJ-Dienst; anschließend war ein Wechsel in Partei-, Staatsdienst oder Wirtschaft geplant.
Dieses Konzept wurde nie vollständig verwirklicht. Der erste Lehrgang begann am 20. April 1939 in Potsdam. Die Akademie wurde am 2. August 1939 mit 87 Schülern in Braunschweig eröffnet. Knapp vier Wochen später begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg; fast alle Schüler und Dozenten wurden einberufen und der Lehrbetrieb endete rasch. Von 1940 bis 1942 nutzte der Bund Deutscher Mädel (BDM) die Räume für Lehrgänge. 1942 verwendete die Wehrmacht sie als Lazarett. Ab November 1942 liefen provisorische Fünfmonatslehrgänge für kriegsversehrte ehemalige HJ-Führer bis Anfang April 1945.
Leitung
Kommandeure der Akademie waren Kurt Petter (1909–1969) vom 16. August 1938 bis zum Kriegsbeginn, Ernst Schlünder vom Kriegsbeginn bis zum 1. Juli 1942 sowie Kurt Budäus bis zum 10. Oktober 1944.
Anlage, Symbolik und heutiger Zustand
Braunschweig erhielt die prestigeträchtige Institution auch durch die Bemühungen des NSDAP-Ministerpräsidenten Dietrich Klagges. Die Stadt schenkte der Partei ein Gelände südlich der Oker nahe Schloss Richmond und übernahm den größten Teil der Baukosten. Der Architekt Erich zu Putlitz plante eine funktionale Dreiteilung in Lehr-, Wohn- und Sportbezirk.
Das Haupthaus enthielt Hörsaal, Bibliothek, Lese- und Verwaltungsräume sowie eine offene „Ehrenhalle“ mit vier Säulen; über ihr lag ein Fechtsaal. Vor einem rechtwinklig angesetzten Unterrichtsbau befand sich ein Appellplatz, der von fünf „Studentenhäusern“ umgeben war. Die Ehrenhalle besaß zwei monumentale Hochreliefs von Emil Hipp: „Treue“ und „Ehre“. Sie sollten „Kraft, Einigkeit und Zuversicht der nationalsozialistischen Jugend“ symbolisieren. Vier Mahntafeln bezogen sich auf Baldur von Schirach und die sogenannte „Unsterbliche Gefolgschaft“ der HJ, darunter Herbert Norkus.
Geplante Sportanlagen wurden wegen des Krieges nicht fertiggestellt; lediglich das heute genutzte Kennel-Freibad entstand nach dem Krieg. Auch eine geplante Bronzeplastik Hipps und der bronzene Schriftzug „AKADEMIE FÜR DEUTSCHE JUGENDFÜHRUNG“ wurden nicht ausgeführt. Die Gebäude überstanden den Krieg fast unbeschädigt, obwohl die Braunschweiger Innenstadt durch alliierte Bombenangriffe bis zu 90 % zerstört wurde. Der Komplex steht unter Denkmalschutz. Erhalten beziehungsweise wiederhergestellt ist unter anderem das 1941 fertiggestellte Deckenfresko des Hörsaals von Hermann Wilhelm Berger mit Sternbildern, Figuren der griechischen Mythologie und Jupiter in pseudogermanischer Heldenmystik.