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Agora (Athen)
Daher stellt die Agora einen bedeutenden Schritt in der Entwicklung der attischen Demokratie dar. Ab Kleisthenes von Athen wurde dies die Pnyx, ab 330 v.
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Bedeutung und Entwicklung der Agora
Die Agora von Athen war in der griechischen Antike der Versammlungsplatz der Polis, also der athenischen Bürgergemeinschaft. Freie Bürger nutzten sie für Heeres-, Gerichts- und Volksversammlungen. Seit etwa dem 5. Jahrhundert v. Chr. bildete sie einen Gegensatz zur Akropolis, dem kultischen und politischen Machtzentrum der archaischen Burganlage. Damit war sie ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der attischen Demokratie. Die Volksversammlung tagte ab Kleisthenes auf der Pnyx, ab 330 v. Chr. im Dionysostheater.
Das Gebiet war wahrscheinlich schon in der Jungsteinzeit bewohnt; Keramik bei Brunnen datiert auf rund 3000 v. Chr., Siedlungsspuren fehlen jedoch. Von 1600 bis 1100 v. Chr. und noch bis ins 7. Jahrhundert v. Chr. diente es als Friedhof. Ab etwa 1000 v. Chr. wurde es auch bewohnt; erhalten sind vor allem Brunnenschächte. Zugeschüttete Brunnen gegen Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. deuten auf einen starken Bevölkerungsrückgang.
Um 600 v. Chr. begann der Ausbau zum öffentlichen Platz. Um 500 v. Chr. grenzten Horoi, Grenzsteine, die Agora rechtlich ab. Sie trugen die Inschrift „ὅρος εἰμι τῆς ἀγορᾶς“: „Ich bin die Grenze der Agora“. Sie sollten ungeordnetes Bauen verhindern; Verbrecher, Kriegsdienstverweigerer und andere unerwünschte Personen durften die Agora nicht betreten.
Die Perser zerstörten 480 v. Chr. große Teile Athens und der Agora. Beim Wiederaufbau entstanden zahlreiche Bauten. Im 2. Jahrhundert v. Chr. ließen Herrscher unter anderem aus Ägypten, Syrien und Pergamon Gebäude errichten; große Säulenhallen entstanden, und in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts war die Agora auf allen Seiten von Bauten mit Säulenfronten umgeben. Nach der römischen Eroberung Griechenlands 146 v. Chr. und der Belagerung Athens 86 v. Chr. wurde sie erneut beschädigt. Eine rund 150 Meter östlich errichtete Römische Agora übernahm weitgehend ihre Marktfunktion; der freie Platz wurde bebaut. Trajan (98–117) und Hadrian (117–138) bewirkten noch eine letzte Blüte. Beim Herulersturm 267 wurden die meisten Gebäude zerstört, im 4. Jahrhundert wurde die Agora weitgehend aufgegeben.
Wege, Feste und Heiligtümer
Die breite Panathenäen-Straße durchquerte die Agora von Südosten nach Nordwesten. Obwohl sie ein Hauptverkehrsweg war, bestand ihr Belag nur aus festgestampftem Schotter; erst in hellenistischer Zeit erhielt sie einen Rinnstein. Sie diente auch für Sportveranstaltungen, Prozessionen und Übungen der Reiterei. Für Zuschauende gab es hölzerne Tribünen, Ikria genannt. Ein Teil der Agora hieß Orchestra und war Ort vieler öffentlicher Veranstaltungen. Nach dem Zusammenbruch der Ikria im frühen 5. Jahrhundert v. Chr. wurden die meisten Veranstaltungen ins Dionysostheater verlegt; Denkmäler für Wettkampfsiege zeigen aber die weitere Bedeutung der Orchestra.
Auf dem westlichen Hügel Kolonos Agoraios steht ein fast unzerstörter Marmortempel, der meist als Hephaisteion gilt. Die Identifizierung ist nicht gesichert: Auch Theseion oder Tempel der Eukleia wurden vorgeschlagen. Metallschmelzgruben und Schlackereste stützen die Deutung als Tempel für Hephaistos, Gott der Schmiedekunst, und Athene, Göttin des Handwerks und der schönen Künste. Der Bau begann vermutlich in der perikleischen Zeit, 443–429 v. Chr.; die Bronzestatuen von Hephaistos und Athene in der Cella, dem Innenraum, stellte Alkamenes zwischen 421 und 415 v. Chr. auf. Der Tempel aus überwiegend Pentelischem Marmor hat 6 × 13 dorische Säulen. Seine Metopen zeigen Taten des Herakles und Theseus, die Friese Schlachten, darunter eine Kentauromachie, den Kampf von Lapithen und Kentauren. Als christliche Kirche blieb er besonders gut erhalten.
Der Zwölfgötter-Altar lag wahrscheinlich im Nordwesten neben der Panathenäen-Straße. Eine Inschrift nennt die Weihung des Leagros, Sohn des Glaukon, an die zwölf Götter; Thukydides zufolge stiftete der jüngere Peisistratos ihn als Archont 522/521 v. Chr. Er diente als künstlicher Mittelpunkt Athens, zur Entfernungsmessung sowie als Flucht- und Asylort. Der Tempel des Apollon Patroos entstand in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. an der Westseite. Vermutlich war er ein Prostylos mit sechs ionischen Frontsäulen; er ersetzte wahrscheinlich einen 480 v. Chr. zerstörten Vorgänger. Der dorische Ares-Tempel für Ares und Athene wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. errichtet, im späten 1. Jahrhundert v. Chr. aber aus Pallene Stein für Stein auf die Agora versetzt.
Säulenhallen, Handel und Kultur
Stoen waren Säulenhallen mit unterschiedlichen öffentlichen Aufgaben. Die Stoa Basileios, 18 × 7,5 Meter groß, war Amtssitz des Archon basileus, des für Kultangelegenheiten zuständigen zweithöchsten Archonten. Vor ihr lag der Lithos, ein Stein, auf dem Beamte beim Amtsantritt schworen. In oder an der Stoa standen Gesetzestafeln; 399 v. Chr. fand dort der Vorprozess gegen Sokrates statt. Sie wurde außerdem für Festbankette genutzt.
Die wahrscheinlich im zweiten Viertel des 5. Jahrhunderts v. Chr. errichtete Stoa Poikile war etwa 12,5 × 36 Meter groß, außen dorisch und innen ionisch. Ihre offene Südseite nutzte die Sonne, während die Nordwand kalten Wind abhielt. Bemalte Holztafeln mit militärischen Szenen sowie Rüstungen und Schilde machten sie zu einem Ausstellungsort; sie war zugleich Treffpunkt für Bürger, Händler, Gaukler, Bettler und Philosophen. Zenon traf dort seine Anhänger; von dieser Stoa leitet sich die Bezeichnung der Stoiker ab. Die Stoa des Zeus Eleutherios entstand wohl zwischen 430 und 420 v. Chr., war Zeus dem Befreier geweiht und mit Schilden gefallener Athener sowie Bildern geschmückt.
Die Süd-Stoa I entstand zwischen 430 und 420 v. Chr. Ihre Räume waren wahrscheinlich Speiseräume, Münzfunde und die Inschrift eines Metronomos, eines staatlichen Prüfers für Maße und Gewichte, weisen aber auch auf Handel oder Bankgeschäfte. Um 150 v. Chr. wurde sie für die Süd-Stoa II abgerissen. Die Mittel-Stoa, vermutlich um 180 v. Chr. gebaut, maß etwa 147 × 17,5 Meter und trennte einen südlichen Platz vom Rest der Agora. Die Funktion dieses Platzes ist ungeklärt; möglicherweise war er ein Markt. Süd-Stoa II und Ost-Gebäude wurden vermutlich im 1. Jahrhundert v. Chr. bei der römischen Belagerung zerstört.
Die Stoa des Attalos schenkte König Attalos II. Philadelphos von Pergamon im 2. Jahrhundert v. Chr. dem athenischen Volk. Das 115 × 20 Meter große, zweigeschossige Gebäude besaß je Stockwerk zwei Säulenreihen und 21 Räume, die sämtlich Ladengeschäfte waren. Nach der Zerstörung durch die Heruler 267 wurde es von 1952 bis 1956 als Museum rekonstruiert. Die römische dreischiffige Basilika im Nordosten diente wahrscheinlich Verwaltungsaufgaben, Handel, Markt und Gerichten. Das Odeion des Agrippa, um 15 v. Chr. errichtet, bot zunächst rund 1000 Personen Platz; nach dem Einsturz seines 25 Meter weit spannenden Dachs und dem Neubau nach der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. noch rund 500. Es wurde anschließend als Vortragssaal für Philosophen und Sophisten genutzt und 267 zerstört.
Rat, Verwaltung und Rechtsprechung
Das alte Buleuterion war ein etwa 23 Meter langes quadratisches Gebäude auf der Westseite. Es entstand bei den Reformen des Kleisthenes 509–507 v. Chr. als Amtssitz der Bule, des Rates, der über Gesetze beriet und entschied. Nach dem Wiederaufbau in der Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. wurde es auch Staatsarchiv. Als der Rat Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. in das neue Buleuterion umzog, hieß das alte Gebäude Metroon, blieb Archiv und diente zugleich als Heiligtum der Rhea. Um 140 v. Chr. wurde es durch einen Neubau ersetzt. Das neue Buleuterion war rechteckig und maß 16 × 22 Meter; die Bule saß vermutlich auf Holzstühlen mit Blick nach Osten.
Die runde Tholos mit knapp 20 Metern Durchmesser entstand vermutlich zwischen 470 und 460 v. Chr. Sie war Stammsitz der Prytaneis, des Exekutivkomitees der Bule mit 50 Mitgliedern. Mindestens ein Drittel musste ständig, auch nachts, anwesend sein. Wahrscheinlich bewahrte man dort offizielle Maße und Gewichte auf. Geschirr mit der eingeritzten Ligatur ΔΕ für Demosion, „Volkseigentum“, belegt die öffentliche Nutzung. Das Essen bestand zunächst aus Käse, Wein und Gemüse, im späten 5. Jahrhundert v. Chr. auch aus Fisch und Fleisch.
Die unbedachte, 27 × 31 Meter große Einfriedung im Südwesten könnte die Heliaia, den größten Gerichtssaal Athens, gewesen sein. Schwurgerichte umfassten etwa 200 bis 2.500 Geschworene. Jede Person erhielt zwei Stimmmärkchen: eines mit durchbohrter, eines mit undurchbohrter Achse. Die verdeckte Stimmabgabe erfolgte in eine Urne; überwogen die durchbohrten Achsen, galt der Angeklagte als schuldig. Ein Kleroterion, eine Auslosungsmaschine mit zehn Spalten für die Phylen, teilte Gerichtsdienste zu: Weiße Kugeln bedeuteten Dienst für die betreffende Reihe, schwarze Freistellung. Eine Wasseruhr an der Nordfassade brauchte etwa 17 Stunden zur Entleerung. Die Heliaia wurde bei der römischen Belagerung im 1. Jahrhundert v. Chr. zerstört. Ein um 300 v. Chr. angelegter Peristyl-Hof von etwa 35 Metern Seitenlänge diente vermutlich ebenfalls als Gerichtshof.
Versorgung, Münzprägung und Bibliothek
Das Südost-Brunnenhaus entstand zwischen 530 und 520 v. Chr., nachdem dafür Privathäuser abgerissen worden waren. Über Terrakottaleitungen speisten Wasserspeier die Anlage; Überlaufrohre verhinderten Überflutungen. In einer Kammer schöpfte man Wasser aus einem Tank, in einer anderen füllte man Krüge direkt am Wasserspeier. Brunnenhäuser waren besonders für Sklaven und Frauen wichtige Treffpunkte. Das Südwest-Brunnenhaus wurde wohl zwischen 350 und 325 v. Chr. errichtet, möglicherweise als Reaktion auf eine Dürre. Sein L-förmiges Becken und eine Wasserleitung machten es mit rund 100 m² zum größten bekannten Brunnenhaus Athens.
Die staatliche Münze lag im Südosten neben der Panathenäen-Straße. Essen, Schlacke, Wasserbassins und Münzrohlinge belegen die Prägung. Das um 400 v. Chr. errichtete Gebäude könnte anfangs auch als staatliche Bronzeschmiede für Maße, Gewichte, Lampen oder Stimmmärkchen gedient haben. Nahe der Stoa des Attalos fanden Ausgräber 1938 einen über 20 Meter tiefen Schacht mit 450 Babyskeletten, durch Terrakotta auf etwa 150 v. Chr. datiert. Es handelte sich laut Untersuchung um Säuglinge, die Infektionskrankheiten oder Missbildungen hatten und die Woche bis zum Amphidromia-Ritual nicht überlebten.
Die Pantainos-Bibliothek wurde vor 102 n. Chr. von Titus Flavius Pantainos errichtet. Ihr Kern war ein etwa 20 × 13,5 Meter großer Innenhof. Inschriften bestimmen sie als Bibliothek, nennen Öffnungszeiten von der ersten bis zur sechsten Stunde und verbieten das Heraustragen von Büchern.
Archäologische Erforschung
Seit 1931 gräbt die American School of Classical Studies at Athens auf der Agora. Die ersten Arbeiten leitete Theodore Leslie Shear mit Finanzierung durch John D. Rockefeller; 1939 wurden sie wegen des Krieges unterbrochen. 1946 nahm Homer A. Thompson die Grabungen wieder auf. Spätere Leiter waren ab 1967 T. Leslie Shear, Jr. und ab 1994 John McK. Camp. Rockefeller finanzierte in den frühen 1950er Jahren die Rekonstruktion der Stoa des Attalos als Museum. Dort wurde 2003 der EU-Beitrittsvertrag zum Beitritt von zehn neuen Mitgliedern unterzeichnet.