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Agnostizismus

Agnostizismus ist eine Weltanschauung, die insbesondere die Begrenztheit menschlichen Wissens, Verstehens und Begreifens betont. Die Möglichkeit der Existenz …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundgedanke des Agnostizismus
  2. 2. Wichtige Varianten
  3. 3. Verhältnis zum Theismus
  4. 4. Abgrenzung vom Atheismus
  5. 5. Erweiterte Anwendung
  6. 6. Kritik am Agnostizismus

Grundgedanke des Agnostizismus

Agnostizismus ist die philosophische Ansicht, dass Annahmen – besonders über die Existenz oder Nichtexistenz einer höheren Instanz wie eines Gottes – ungeklärt oder nicht klärbar sind. Er betont die Grenzen menschlichen Wissens, Verstehens und Begreifens.

Agnostiker bestreiten nicht, dass transzendente Wesen oder Prinzipien existieren könnten. Auf die Frage „Gibt es einen Gott?“ antworten sie daher nicht mit „Ja“ oder „Nein“, sondern etwa: „Ich weiß es nicht“ oder „Es ist nicht geklärt“. Agnostizismus kann sowohl mit Glauben an Gott als auch mit dessen Ablehnung vereinbar sein. Auch die Einschätzung, atheistische Thesen seien wahrscheinlicher als theistische, ist damit vereinbar.

Wichtige Varianten

Der Abschnitt zu den Varianten ist im Artikel ausdrücklich als nicht hinreichend mit Belegen ausgestattet gekennzeichnet.

• Agnostischer Atheismus bezeichnet Menschen, die nicht an eine oder mehrere Gottheiten glauben, aber nicht behaupten zu wissen, dass keine Gottheit existiert.

• Agnostischer Theismus bezeichnet Menschen, die kein Wissen über die Existenz einer Gottheit beanspruchen, aber dennoch an eine oder mehrere Gottheiten glauben.

• Ignostizismus hält die Gottesfrage für bedeutungslos, solange keine kohärente Definition von „Gott“ vorliegt. Ein Ignostiker kann deshalb weder über Existenz noch Nicht-Existenz entscheiden. Der Ausdruck wurde von Rabbi Sherwin Wine (1928–2007) geprägt.

• Eine agnostische Lehre kann außerdem besagen, dass über das wahre Sein, besonders über Gott, nichts gewusst werden könne und Aussagen über dessen Wesen oder Dasein offenbleiben müssten. Als Formel wird Emil du Bois-Reymonds „Ignoramus, ignorabimus“ verwendet: „wir wissen nicht, noch werden wir je wissen“.

• Starker Agnostizismus behauptet, die Existenz oder Nichtexistenz von Göttern sei für alle Menschen und alle Zeiten prinzipiell unerkennbar. Schwacher Agnostizismus besagt nur, dass sie für die jeweils äußernde Person zum Zeitpunkt der Aussage unbekannt sei.

• Undogmatischer Agnostizismus beschreibt den Zustand nach dem Abfall von einem bisherigen Glauben, der auch Atheismus sein kann, während nach einem neuen Glauben gesucht wird.

Verhältnis zum Theismus

Theismus und Agnostizismus sind grundsätzlich vereinbar: Man kann an einen Gott glauben, ohne dessen Existenz für gesichert zu halten. Glauben kann dabei als „Für-Wahrscheinlich-Halten“ verstanden werden.

Viele Agnostiker stehen konkreten Gottesvorstellungen dennoch kritisch gegenüber. Sie halten Gottesbeweise, Offenbarungswissen, überlieferte Wunder und weitere religiöse Argumente häufig nicht für wissenschaftlich überprüfbar. Eine Theorie über Gott, die nicht widerlegt werden kann, gilt wegen fehlender Falsifizierbarkeit – also fehlender Möglichkeit, sie durch Beobachtungen zu widerlegen – als unwissenschaftlich. Russells Teekanne dient dafür als Analogie. Das entscheidet zunächst nicht über die Wahrheit der Theorie.

Nach Ockhams Rasiermesser soll ein unnötig komplizierter Erklärungsversuch vermieden werden. Viele Agnostiker lehnen besonders anthropomorphe, also menschenähnlich gedachte, Gottesvorstellungen ab. Teilweise akzeptiert wird Pantheismus: Er bezeichnet Welt, Natur und Universum als „göttlich“, ohne darüber hinausgehende Gottheiten anzunehmen. Schopenhauer bezeichnete Pantheismus allerdings als dezenten Atheismus.

Abgrenzung vom Atheismus

Agnostizismus und Atheismus werden gelegentlich gleichgesetzt, sind aber unterschiedliche Auffassungen. Beim Agnostizismus geht es um die Möglichkeit oder Unmöglichkeit abschließender Gewissheit, etwa in der Gottesfrage. Atheismus ist dagegen die Überzeugung, dass nachvollziehbare Beweise für Gottes Existenz bisher nicht erbracht wurden oder dass Gott nicht existiert. Agnostizismus ist damit vor allem eine philosophische Grundsicht, Atheismus vornehmlich ein Gegenpol zum Theismus.

Unter nicht-theistischen Agnostikern gibt es zwei im Artikel genannte Haltungen. Die erste lehnt sowohl starken Atheismus als auch Theismus ab: Wegen der Grenzen von Wissen und Vorstellungskraft sei ein pauschaler Glaube an die Nicht-Existenz ebenso irrational wie ein Glaube an die Existenz eines Gottes. Eine Festlegung auf eine Glaubensposition sei nicht notwendig.

Die zweite verbindet Agnostizismus mit schwachem Atheismus und wird agnostischer Atheismus oder atheistischer Agnostizismus genannt; über die Rangfolge der Begriffe besteht Uneinigkeit. Danach ist die Existenz Gottes unbekannt, seine Nicht-Existenz aber auf Grundlage von Ockhams Rasiermesser plausibler.

Erweiterte Anwendung

Agnostizismus kann auch außerhalb theologischer Fragen verwendet werden, etwa bei Fragen nach einem Leben nach dem Tod oder nach Reinkarnation. Eine agnostische Position gesteht dort die Ungewissheit ein oder hebt sie hervor.

Seltener wird „Agnostizismus“ gleichbedeutend mit Skeptizismus gebraucht. Gemeint sind dann erkenntnistheoretische Lehren, die bezweifeln, dass die Welt insgesamt oder in wesentlichen Bereichen erkennbar ist.

Kritik am Agnostizismus

Aus theistischer Sicht kritisiert die Natürliche Theologie den Agnostizismus. Sie behauptet, die menschliche Vernunft könne ohne göttliche Offenbarung beweisen, dass Gott existiert. Thomas von Aquin vertrat in der Summa contra gentiles, Buch 1, Kapitel 12, zwar könne nicht bewiesen werden, was Gott sei, wohl aber, dass Gott existiere. Dieser Standpunkt wurde später von vielen Philosophen, darunter Kant, verworfen, weil Gottes Existenz weder verifiziert noch falsifiziert werden könne.

Joseph Ratzinger hielt Agnostizismus für theoretisch einleuchtend, aber nicht für praktisch durchhaltbar. Nach ihm sei dem Menschen vor der Gottesfrage keine Neutralität eingeräumt: Er könne nur „Ja oder Nein sagen“ und müsse die Folgen bis in die kleinsten Dinge des Lebens tragen.

Auch Richard Dawkins kritisiert Agnostizismus. In Der Gotteswahn erklärt er, Agnostizismus sei bei vielen wissenschaftlichen Fragen angemessen, bei Gott seien Existenz und Nicht-Existenz aber nicht gleich wahrscheinliche Möglichkeiten. Er bezeichnet sich als „de facto atheistisch“: Gottes Existenz sei sehr unwahrscheinlich, und er lebe unter der Annahme, dass es keinen Gott gebe. Als Vergleich nennt der Artikel die Zahnfee, Russells Teekanne und das Fliegende Spaghettimonster.

Lernvideos zu Agnostizismus

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