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Agatha Christie

Bekannt wurde sie vor allem durch eine große Anzahl von Kriminalromanen und Kurzgeschichten, die auch mehrfach mit großem Erfolg für Kino und Fernsehen verfilmt …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Hauptfiguren
  2. 2. Leben und schriftstellerische Laufbahn
  3. 3. Aufbau und Arbeitsweise der Krimis
  4. 4. Schauplätze und Beispiele
  5. 5. Einordnung, Kritik und Wirkung

Bedeutung und Hauptfiguren

Agatha Mary Clarissa Christie (15. September 1890 in Torquay, Devon; 12. Januar 1976 in Wallingford) war eine britische Schriftstellerin. Sie schrieb vor allem Kriminalromane, Kurzgeschichten und Bühnenwerke. Ihre Bücher erreichten nach gängigen Schätzungen eine Weltauflage von über zwei Milliarden Exemplaren. Laut UNESCO-Index Translationum steht sie mit großem Abstand an erster Stelle der meistübersetzten Autoren; sie gilt als erfolgreichste Kriminalschriftstellerin der Welt und wird auch „Queen of Crime“ genannt.

Zu ihren bekanntesten Ermittlerfiguren gehören Hercule Poirot, ein belgischer ehemaliger hoher Polizeibeamter, und Miss Marple, eine ältere Hobbydetektivin. Wiederkehrende Figuren sind außerdem Tommy und Tuppence Beresford, Inspektor Battle, Sir Henry Clithering und die Krimiautorin Mrs. Ariadne Oliver. Unter dem Pseudonym Mary Westmacott veröffentlichte Christie sechs romantische Erzählungen.

Leben und schriftstellerische Laufbahn

Christie wurde als Agatha Mary Clarissa Miller geboren und wuchs mit zwei Geschwistern in Torquay auf. Bis zu ihrem 16. Lebensjahr unterrichtete ihre Mutter sie zu Hause; mit elf Jahren veröffentlichte sie ein Gedicht in einem Lokalblatt. Während des Ersten Weltkriegs arbeitete sie als Krankenschwester beim Britischen Roten Kreuz und später in einer Apotheke. Dabei lernte sie giftige Mittel und Stoffe kennen, die später in ihren Kriminalgeschichten wichtig wurden.

1914 heiratete sie Archibald Christie; ihre Tochter Rosalind kam am 5. August 1919 zur Welt. Ihr erster Kriminalroman, Das fehlende Glied in der Kette (The Mysterious Affair at Styles), erschien 1920 und führte Poirot ein. Der Erfolg von Alibi (The Murder of Roger Ackroyd, 1926) machte sie berühmt. Nach einer persönlichen Krise verschwand sie im Dezember 1926 für zehn Tage; sie wurde in einem Hotel in Harrogate unter dem Namen Mrs. Neele gefunden. Was in dieser Zeit geschah, ist ungeklärt. Die Ehe wurde 1928 geschieden.

1928 reiste Christie mit dem Orient-Express in den Nahen Osten. Bei Ausgrabungen in Ur lernte sie den 14 Jahre jüngeren Archäologen Max Mallowan kennen, den sie am 11. September 1930 heiratete. Sie unterstützte seine Expeditionen im Nordirak und in Syrien, unter anderem bei der Restaurierung prähistorischer Keramik und bei der Fotodokumentation. Erfahrungen aus diesen Reisen gingen in mehrere Werke ein. Miss Marple trat 1930 erstmals in Mord im Pfarrhaus auf.

Christie schrieb insgesamt 66 Kriminalromane, zahlreiche Kurzgeschichten und 23 Bühnenstücke. Die Mausefalle ist das weltweit am längsten ununterbrochen aufgeführte Theaterstück. 1971 wurde sie von Königin Elisabeth II. zur Dame Commander des Order of the British Empire ernannt. Sie starb im Alter von 85 Jahren an einem Schlaganfall.

Aufbau und Arbeitsweise der Krimis

Christie notierte fortlaufend Ideen und führte Listen zu Figuren, Motiven, Mordarten und Schauplätzen. Sie griff auch auf ältere Notizhefte zurück. Ihre Geschichten folgen häufig einem Krimi-Schema, unterscheiden sich aber durch wechselnde Erzählperspektiven: auktorial bedeutet mit einem übergeordneten Erzähler, personal aus der Sicht einer Figur und Ich-Erzählung aus der Sicht eines „Ich“.

Typisch ist ein scheinbar perfekter Mord oder seltener ein anderes Verbrechen. Täter, Tatmodus und Motiv sind zunächst unbekannt. Im Ermittlungsteil erscheinen die entscheidenden Hinweise bereits, ihre Bedeutung wird aber durch Teilrätsel und falsche Zusammenhänge verdeckt. Erst im Lösungsteil werden die Teilrätsel und die Frage nach dem Täter aufgeklärt. Christie spielt dabei zugleich mit Täterrätsel, Hergangsrätsel und Enthüllung.

Sie brach gelegentlich mit Erwartungsregeln des Genres. In Alibi ist der Ich-Erzähler am Ende der Mörder, obwohl er zuvor besonders vertrauenswürdig wirkt. In Hercule Poirots Weihnachten ist ein vermeintlich unverdächtiger Polizeisuperintendent der Täter. Poirots Außenseiterrolle als Belgier ermöglicht es ihm, in der britischen Oberschicht zu ermitteln. Miss Marple löst Fälle dagegen vor allem durch Beobachtung und scheinbar belanglosen Small Talk.

Schauplätze und Beispiele

Viele Romane nutzen reale oder an reale Orte angelehnte Schauplätze. Mord im Orient-Express und Der blaue Express spielen teilweise in historischen Zügen; Tod in den Wolken beginnt mit einem Mord in einem Passagierflugzeug von Paris nach London. Der Tod auf dem Nil spielt auf einem Nildampfer, Der Mann im braunen Anzug auf einem Schiff von Southampton nach Südafrika.

Christies Reisen in den Nahen Osten prägten Romane wie Mord in Mesopotamien, Sie kamen nach Bagdad und Der Tod wartet. Der Tod auf dem Nil, Das Abenteuer des ägyptischen Grabes und Rächende Geister sind in Ägypten angesiedelt; Rächende Geister spielt im Alten Ägypten zur Zeit der Pharaonen. Viele weitere Geschichten spielen in England, etwa in London, Devon, Cornwall, Wales oder erfundenen Dörfern wie Miss Marples St. Mary Mead. Greenway, Christies eigener Landsitz, und ihr Elternhaus Ashfield dienten ebenfalls als Vorlagen.

Einordnung, Kritik und Wirkung

Christie erklärte ihre Detektivgeschichten als Kampf gegen das Böse und für Unschuldige. Ihre Werke gelten als modellhaft für die klassische Kriminalliteratur. Häufig siedelte sie ihre Rätsel in der gentry an, also im gehobenen Bürgertum und niederen Adel. Dieses Umfeld ermöglicht Figuren, ihre tatsächlichen Beziehungen und Motive hinter äußerlich korrektem Verhalten zu verbergen. Ihre Täter sind meist verzweifelte oder gebrochene Menschen, die sie dennoch mit Sympathie zeichnet.

Kritiker werfen Christie besonders für frühe Werke antisemitische und rassistische Stereotype vor. Gillian Gill sieht eher gedankenlosen, reflexartigen Gebrauch solcher Stereotype als bewusst bösartigen Antisemitismus; die stereotyp gezeichneten jüdischen Figuren seien in mehreren Krimis zugleich Sympathieträger oder unschuldig. Der Roman Und dann gabs keines mehr erschien 1939 in Großbritannien zunächst unter einem Titel aus einem Kinderlied, der heute als rassistisch gilt. In den USA erschien etwa gleichzeitig And Then There Were None; seit 1985 wird dieser Titel auch in Großbritannien und international verwendet.

Zu Christies Auszeichnungen zählen der Grand Master Award der Mystery Writers of America (1955), der Grand Master der Schwedischen Krimiakademie (1972) und die Auszeichnung „Beste Kriminalautorin des Jahrhunderts“ (2000). Ihre Werke wurden unter anderem für Hörspiel, Kino, Fernsehen, Zeichentrick und Computerspiele adaptiert.

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