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Ada Brodsky

Geschichte einer Kindheit in Hitler-Deutschland, 1999 (mit Eldad Neumark) ... Zeitzeugeninterview mit Ada Brodsky vom 8.5.1991. Einzelnachweise. Bearbeiten.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Kindheit, Verfolgung und Flucht
  3. 3. Ausbildung und berufliche Arbeit
  4. 4. Beziehungen zu Deutschland und Erinnerung

Überblick

Ada Brodsky, geborene Neumark, (30. Oktober 1924 in Frankfurt (Oder) – 12. April 2011 in Jerusalem) war eine israelische Hörfunkjournalistin und Übersetzerin. Sie übertrug vor allem deutsche Lyrik und Prosa ins Hebräische. Besonders wichtig war für sie das Werk Rainer Maria Rilkes. Ihr Lebensweg war durch die Verfolgung jüdischer Menschen im nationalsozialistischen Deutschland, die Flucht 1938 ins Mandatsgebiet Palästina sowie später durch kulturelle Kontakte zwischen Israel und Deutschland geprägt.

Kindheit, Verfolgung und Flucht

Ada Neumark wuchs in Frankfurt (Oder) mit ihrem Bruder Eldad (Alfred) Neumark (1921–2010) auf. Ihre Eltern waren der jüdische Kinderarzt Hermann Neumark und Ilse Neumark, geborene Bernhard. Sie übersprang eine Klasse der Volksschule und besuchte nach drei Jahren das Heinrich von Kleist Lyzeum. Nach 1933 erlebte sie dort keine unmittelbaren antisemitischen Anfeindungen durch Mitschülerinnen, wurde von Lehrern jedoch weitgehend ignoriert.

Ada und ihr Bruder gehörten wegen der zionistischen Überzeugung ihrer Mutter dem zionistischen Jugendbund Werkleute an. Der Bund unterstützte sie im Umgang mit zunehmendem Antisemitismus. Als Ortsgruppenleiterin musste Ada sich bei der Kriminalpolizei melden; einmal holte die Gestapo sie aus dem Unterricht ab. Mit dreizehn Jahren verließ sie die Schule in der Obertertia. Im August 1938 begann sie eine Hachschara, eine Vorbereitung auf die Auswanderung nach Palästina, in Rüdnitz bei Berlin. 1938 erschien ein Gedicht von ihr in der Jüdischen Rundschau für Kinder.

Sie erhielt ein Ausreisezertifikat der Kinder- und Jugend-Alijah und reiste im Oktober 1938 mit einem Kindertransport über Triest auf der Gerusalemme ins Mandatsgebiet Palästina. Ihr Bruder konnte Deutschland mit einem Studentenzertifikat für das Jerusalemer Konservatorium verlassen. Nach der Reichspogromnacht wurde ihr Vater im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Die Eltern erhielten mit geliehenem Geld das letzte ausgegebene Zertifikat der britischen Botschaft und flohen im März 1939 nach Palästina. Der Vater war durch die Haft unheilbar geschwächt und konnte nicht mehr als Kinderarzt arbeiten; die Eltern eröffneten einen Weinhandel.

Ausbildung und berufliche Arbeit

Nach ihrer Einwanderung lebte Ada Brodsky zwei Jahre im Kinderdorf Ben Schemen südlich des Flughafens von Tel Aviv, das damals wiederholt von feindlichen Arabern beschossen wurde. Anders als vorgesehen wechselte sie nicht in das Jugenddorf zur Vorbereitung auf einen landwirtschaftlichen Beruf. Mit einem Stipendium besuchte sie stattdessen drei weitere Jahre eine Schule in Jerusalem und machte 1943 Abitur.

Das geringe Stipendium ergänzte sie durch Nachhilfe und Übersetzungen für Sänger, die deutsche Lieder nur mit hebräischem Text aufführen konnten. Nach dem Abitur lebte sie ein Jahr in einem Kibbuz. Danach studierte sie englische Literatur und Judaistik in Jerusalem sowie später Musikerziehung und Musikwissenschaft an der Jerusalemer Musikakademie.

Als Rundfunkjournalistin gestaltete sie meist mehrteilige Sendungen über Leben und Werk bedeutender Komponisten. Daneben übersetzte sie deutsche Lyrik und Prosa ins Hebräische. Zu Rainer Maria Rilke schrieb sie unter anderem die zweibändige hebräische Monographie-Anthologie „Rainer Maria Rilke, Weg eines Dichters“. Über lange Zeit arbeitete sie eng mit dem Goethe-Institut in Jerusalem zusammen.

Beziehungen zu Deutschland und Erinnerung

1992 nahm Ada Brodsky erstmals Briefkontakt mit dem Stadtarchiv ihrer Geburtsstadt auf. 1994 besuchte sie Frankfurt (Oder) zum ersten Mal wieder. Gemeinsam mit ihrem Bruder gestaltete sie am 8. Mai 1994 im Kleist-Museum den literarisch-musikalischen Vortrag „Nach Hause vertrieben“ über ihre Vergangenheit. 1995 erhielt sie in Weimar von Hilmar Hoffmann die Goethe-Medaille für Verdienste um die Verständigung zwischen Deutschland und Israel. Sie war mit David Brodsky verheiratet und hatte zwei 1949 und 1953 geborene Töchter. Am 12. April 2011 starb sie an einem im Spätherbst 2010 festgestellten Krebsleiden.

In Frankfurt (Oder) wurden am 5. Juli 2010 Stolpersteine für Alfred, Hermann und Ilse Neumark verlegt. Für Ada Brodsky folgte am 8. September 2011 ein Stolperstein. Seine Inschrift nennt: „ADA BRODSKY“, „GEB. NEUMARK“, „JG. 1924“, „FLUCHT 1938“, „PALÄSTINA“, „ÜBERLEBT“. 1999 erschien mit Eldad Neumark „Nach Hause vertrieben. Textbuch und CD. Geschichte einer Kindheit in Hitler-Deutschland“.

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