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Absentiv
Der Absentiv stellt eine Verbalform dar, die man in den Bereich Aspekt des Verbs einordnen könnte, und wird verwendet, um auszudrücken, dass eine Person an …
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Bedeutung und Funktion
Der Absentiv ist eine grammatikalisierte Konstruktion, mit der ausgedrückt wird, dass eine Person an einem bestimmten Ort nicht anwesend oder für eine Interaktion nicht verfügbar ist. Die im Infinitiv genannte Handlung erklärt diese Abwesenheit. „Thomas ist einkaufen“ bedeutet also: Thomas befindet sich gerade nicht am Ort des Sprechers, weil er einkauft oder auf dem Weg zum beziehungsweise vom Einkaufen ist.
Eine Absentiv-Konstruktion muss vier Merkmale ausdrücken können: Die Person hat einen bestimmten Ort, den Topikort, verlassen; sie geht außerhalb dieses Ortes einer andauernden, zeitlich begrenzten Beschäftigung nach; sie wird nach deren Abschluss voraussichtlich zurückkehren; und die Abwesenheit wird ohne zusätzliche Wörter wie „weg“, „außer Haus“ oder „weggegangen“ ausgedrückt.
Typisch ist die Antwort auf die Frage, wo sich eine gesuchte Person befindet: Sie ist etwa zum Einkaufen in die Stadt gegangen. Je nach Sprache kann der Absentiv auch für die eigene Person verwendet werden. Er ist unter anderem im Deutschen, Friesischen, Niederländischen, Ungarischen, Italienischen, Norwegischen, Schwedischen, Finnischen und Katalanischen unterschiedlich stark ausgebildet. Im Deutschen wird sein Status als eigenständige grammatische Kategorie von einigen Fachleuten in Frage gestellt.
Bildung und Grenzen im Deutschen
Im Deutschen besteht der Absentiv aus dem finiten Hilfsverb „sein“ und einem Handlungsverb im Infinitiv, nicht im Partizip. Räumliche Angaben wie „(weg)gegangen“ oder Lokaladverbiale sind nicht nötig. Beispiele sind: „Karin ist einkaufen.“ und „Karin ist joggen.“
„Karin ist joggen gegangen“ ist zwar grammatisch, aber kein Absentiv, sondern das Perfekt von „Karin geht joggen“. Das Perfekt des Absentivs lautet „Karin ist joggen gewesen.“ Auch die 1. Person ist möglich: „Ich habe deine Nachricht erst später gesehen; ich war einkaufen.“ Damit wird ausgedrückt, dass die Person den Ort verlassen hatte, an dem sie die Nachricht hätte sehen können. In der 1. Person Präsens kann der Absentiv oft eine zukünftige Handlung ausdrücken: „Ich bin dann mal wieder arbeiten!“
Die Konstruktion ist ungrammatisch, wenn wesentliche Merkmale fehlen: „*Präsident Obama ist als US-Präsident die USA regieren“ passt nicht, weil er den Topikort nicht verlassen hat und nicht dorthin zurückkehren wird. „*Petra ist auswandern“ ist nicht möglich, weil Petra nicht wiederkommen wird. „*Hier stehen überall noch Umzugskartons herum, meine Freundin ist auspacken“ ist ebenfalls nicht möglich, weil die Freundin anwesend ist. „Mein Bruder ist nicht da; er ist in die Stadt gegangen“ ist zwar grammatisch, aber kein Absentiv: Die Abwesenheit wird hier ausdrücklich mit „nicht da“ ausgedrückt.
Der Absentiv lässt sich nicht mit Verlaufsformen verbinden, die mit „am“, „beim“ oder „im“ gebildet werden. „Peter ist einkaufen“ ist ein Absentiv; „Peter ist am/beim Einkaufen“ ist eine Verlaufsform.