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Abraham im Islam
Abraham, arabisch Ibrāhīm (arabisch إبراهيم ), gilt als einer der wichtigsten Propheten des Islam und als Begründer der monotheistischen Religion an der Kaaba …
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Bedeutung Abrahams im Islam
Abraham heißt im Islam Ibrāhīm und gilt als einer der wichtigsten Propheten. Er wird als Begründer der monotheistischen Religion an der Kaaba in Mekka verstanden. Im Koran wird er in 25 Suren insgesamt 69-mal namentlich genannt; die 14. Sure trägt seinen Namen. Sein verbreiteter Beiname lautet „Freund Gottes“ (Ḫalīl Allāh). Er beruht auf Sure 4:125, nach der Gott Abraham zu seinem Freund nahm.
Abraham ist im Islam ein Vorbild für Glauben an den einen Gott, Gehorsam gegenüber Gott und die Verbindung von Glauben, Wallfahrt und Kaaba. Seine Rolle ist außerdem wichtig für die islamische Sicht auf die eigene Religionsgemeinschaft und ihre Beziehung zu Juden und Christen.
Abraham als Verkünder des einen Gottes
Der Koran verwendet durchgängig die Namensform Ibrāhīm. Abū Mūsā al-Aschʿarī überlieferte jedoch eine abweichende Vokalisierung: Ibrāhām.
In den mekkanischen Suren erscheint Abraham als Verkünder des Monotheismus, also des Glaubens an nur einen Gott. Er widersetzt sich seinem Vater Azar und dessen Götzenverehrung und zerstört Götzenbilder (Sure 6:74; 21:52–58; 37:88–96). Deshalb wirft sein Volk ihn ins Feuer. Gott rettet ihn jedoch auf wunderbare Weise (Sure 21:68 f.). Daraufhin bekehren sich einige seiner Landsleute zum Glauben an Gott, darunter Lot (Sure 29:26).
Abraham bittet Gott außerdem, Mekka zu einem geschützten Ort zu machen. Seine Nachkommen sollen in dem unfruchtbaren Gebiet unter Gottes Schutz leben und ihren Lebensunterhalt finden können (Sure 14:35–41).
Abraham, Kaaba und islamische Gemeinschaft
In den medinischen Suren wird Abraham zum Vorbild und zur Vorausdarstellung der neuen islamischen Gemeinschaft. Der Koran fordert dazu auf, der „Gemeinschaft Abrahams“ (millat Ibrāhīm) zu folgen, zum Beispiel in Sure 2:130 und 4:125. Abraham sei weder Jude noch Christ noch Muschrik, also kein Mensch, der Gott andere Wesen beigesellt habe. Er wird vielmehr als Muslim und Hanīf bezeichnet: als jemand, der schon vor Mohammed den Glauben an den einzigen Gott erkannte (Sure 3:67; 95).
Diese Aussagen stützen auch die Ausrichtung der Qibla, der Gebetsrichtung, auf Mekka statt auf Jerusalem. Nach Sure 2:127 errichteten Abraham und sein Sohn Ismael die Grundmauern des „Hauses“, der Kaaba. Das Heiligtum heißt in Sure 2:125 und 3:97 „Standplatz Abrahams“ (maqām Ibrāhīm). In Sure 22:26 f. wird Abraham aufgefordert, die Menschen zum Haddsch, der Wallfahrt nach Mekka, zu rufen.
Vorislamische Bezüge und Regeln der Fitra
Koranische Aussagen über Abraham knüpfen teilweise an Vorstellungen des vorislamischen Arabiens an. In Kreisen der Hanīfen gab es die Idee einer monotheistischen „Religion Abrahams“ (dīn Ibrāhīm), die dem heidnischen Götzendienst entgegengesetzt wurde. Zaid ibn ʿAmr erklärte, er sei unter den Quraisch der Einzige, der an dieser Religion festhalte. Er betete zur Kaaba und betrachtete sie als Bau von Abraham und Ismael. Auch Abū ʿĀmir ar-Rāhib verstand sich als Anhänger der Religion Abrahams, war aber ein Gegner Mohammeds.
Sure 2:124 berichtet, dass Gott Abraham „mit Worten“ (bi-kalimāt) prüfte und ihn nach deren Erfüllung zum Imam der Menschen machte. Daran schließt die Vorstellung an, Abraham habe bestimmte islamische Normen eingeführt. Nach einer Überlieferung von Hanasch über ʿAbdallāh ibn ʿAbbās sind es zehn Normen, die Sunan al-Fitra („Regeln der Fitra“): sechs betreffen die Körperpflege – Rasieren des Schamhaars, Beschneidung, Auszupfen des Achselhaars, Schneiden der Fingernägel und des Schnurrbarts sowie die Waschung am Freitag. Vier betreffen die Wallfahrt: Tawaf, das Laufen zwischen Safa und Marwa, das Werfen der Steine in Mina und die ifāda, das Herausströmen aus der Ebene ʿArafat am Abend des 9. Dhu l-hiddscha. Zu Zahl und Art dieser Normen gibt es unterschiedliche Angaben.
Der Sohn bei der Opferprüfung
Sure 37:101–107 erzählt, dass Abraham bereit ist, auf Gottes Befehl seinen Sohn zu opfern. Gott greift ein, als Abraham seine Bereitschaft zeigt, und ersetzt den Sohn durch ein Schlachtopfer (Sure 37:107). Anders als die Bibel in Gen 22 nennt der Koran den Sohn nicht.
Bis zum frühen 8. Jahrhundert wurde häufig Isaak als der betroffene Sohn angesehen. In der Zeit des Kalifen ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz, der von 717 bis 720 regierte, wurde die Auffassung vertreten, es müsse Ismael sein. Als Argument diente, dass Sure 37 die Opfererzählung in den Versen 101–107 berichtet und die Geburt Isaaks erst in Vers 112 f. ankündigt. Von ʿAbdallāh ibn ʿAbbās sind beide Auffassungen überliefert. Später setzte sich im Islam allgemein die Lehre durch, dass Ismael geopfert werden sollte.
Das Tier, das anstelle des Sohnes geopfert wurde, gilt als Vorbild für das rituelle Opfern von Schlachtvieh während der Wallfahrtszeit bei Mekka und für das jährliche Islamische Opferfest.
Heiligtümer und moderne Erinnerung
In der Heiligen Moschee in Mekka wird ein Stein mit zwei Abraham zugeschriebenen Fußabdrücken aufbewahrt. Dieser Maqām Ibrāhīm soll der Stein sein, auf dem Abraham beim Bau der Kaaba stand und den er beim Gebet benutzte. Muslime verehren außerdem Abrahams Grab in Hebron. Die Stadt heißt auf Arabisch al-Chalīl, nach Abrahams Beinamen; der Bau über dem Grab gilt seit dem 13. Jahrhundert als Haram.
In Şanlıurfa in der Südosttürkei verbindet eine lokale Legende Abraham mit dem Balıklıgöl an der Halil-Rahman-Moschee: Abraham soll dort geboren und auf einem Scheiterhaufen verbrannt werden sollen, doch Gott habe das Feuer in Wasser verwandelt. Der Teich mit seinen Karpfen wird als Heiliger Teich verehrt. Auch die Zitadelle von Aleppo war lange ein Abraham-Heiligtum.
In der Moderne setzte sich unter anderem der ägyptische Literat ʿAbbās Mahmūd al-ʿAqqād (1889–1964) mit Abraham auseinander. Er veröffentlichte Anfang der 1960er Jahre die Biographie „Abraham, Vater der Propheten“ (Ibrāhīm, abū l-anbiyāʾ).