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Abraham Maslow
2.1 Bedürfnispyramide nach Maslow ; 2.2 Die Umsetzung von Selbstverwirklichung ; 2.3 Erkennen des Seins versus Erkennen des Defizits ; 2.4 Weitere Leistungen.
Inhalt5 Abschnitte
Überblick und Bedeutung
Abraham Harold Maslow (1. April 1908 in Brooklyn, New York City; 8. Juni 1970 in Menlo Park, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Psychologe. Er gilt als Gründervater der Humanistischen Psychologie und führte den Begriff Positive Psychologie ein. Bekannt wurde er vor allem durch die Maslowsche Bedürfnispyramide, ein Entwicklungsmodell, das menschliche Bedürfnisse hierarchisch ordnet. Sein Ansatz beeinflusste neben der akademischen Psychologie auch Erziehung und Management.
Maslow wollte die Wissenschaft vom Menschen neu orientieren. Seine Theorien beruhen auf einem humanistischen Menschenbild: Der Mensch besitzt nach Maslow eine wesentliche, biologisch begründete innere Natur. Sie ist teilweise gegeben und veränderlich, gehört zur menschlichen Gattung und ist nicht an sich gut oder böse. Diese eher gute oder neutrale innere Natur soll gefördert statt unterdrückt werden. Wird sie in einer Gesellschaft verneint, kann dies nach Maslow zu Krankheit führen.
Bedürfnisse und ihre Hierarchie
Maslow entwickelte ein Motivationsmodell mit fünf Stufen. Die physiologischen Bedürfnisse sind die grundlegendsten und mächtigsten Bedürfnisse; dazu gehören Nahrung und Wärme. Wenn sie weitgehend erfüllt sind, folgen die Sicherheitsbedürfnisse: Sicherheit, Stabilität, Geborgenheit, Schutz, Angstfreiheit sowie das Bedürfnis nach Struktur, Ordnung, Gesetz und Grenzen.
Die dritte Stufe bilden soziale Bedürfnisse. Sind physiologische Bedürfnisse und Sicherheitsbedürfnisse erfüllt, treten Bedürfnisse nach Liebe, Zuneigung und Zugehörigkeit auf. Es folgen das Bedürfnis nach Achtung als vierte und Selbstverwirklichung als fünfte Stufe.
Maslow unterscheidet außerdem Defizitbedürfnisse und Wachstumsbedürfnisse. Die Stufen 1 bis 4 sind essentielle Defizitbedürfnisse: Sie müssen erfüllt sein, damit Zufriedenheit entstehen kann. Die höheren Wachstumsbedürfnisse führen über Zufriedenheit hinaus zu Glück. Erst wenn Defizitbedürfnisse sicher befriedigt sind und sich physische Zufriedenheit etwa in höherer Lebenserwartung, weniger Krankheit und besserer Ernährung zeigt, rücken Wachstumsbedürfnisse in den Vordergrund. Ihre Befriedigung bewirkt tieferes Glück, Gelassenheit, ein reiches inneres Leben und stärkere Individualität.
Zwischen höheren und niedrigeren Bedürfnissen bestehen laut Maslow reale psychologische und funktionale Unterschiede. Höhere Bedürfnisse zeichnen den Menschen gegenüber dem Tier aus, sind aber für sein Überleben nicht zwingend nötig. In seinen letzten Lebensjahren ergänzte Maslow die fünf Stufen um das Bedürfnis nach Transzendenz, das über der Selbstverwirklichung steht.
Selbstverwirklichung
Selbstverwirklichung bezeichnet bei Maslow die Entfaltung eines im Menschen vorhandenen, aber noch kaum erkannten und entwickelten Potenzials. Diese Entfaltung kann zu größerer Reife, Gesundheit und Furchtlosigkeit führen. Selbstverwirklichende Menschen haben nach Maslow einen hohen Grad an Reife, Gesundheit und Selbsterfüllung erreicht.
Maslow widerspricht der Vorstellung, Bedürfnisse, Triebe und motivierende Zustände seien grundsätzlich ärgerlich, irritierend oder unerwünscht. Es gebe viele idiosynkratische, also individuell unterschiedliche, Bedürfnisse, die zur Selbstverwirklichung gehören. Deshalb sei die Gleichsetzung „Bedürfnis gleich Ärger“ nicht zutreffend.
Um wahre Selbstverwirklichung zu erreichen, sei eine Auseinandersetzung mit den höchsten Möglichkeiten menschlichen Seins nötig. Dabei müssten etablierte Vorstellungen über die psychische Verfasstheit des Menschen möglicherweise verworfen werden. Von Maslows Ideen beeinflusst entstand das Human Potential Movement, in dem die Entfaltung menschlicher Persönlichkeit und Potenziale sowie die Sinnerfüllung des Lebens im Mittelpunkt stehen.
Motivation, Ganzheit und Erkenntnis
Maslow betont die Ganzheitlichkeit des Menschen: „der gesamte Einzelne“ sei motiviert, nicht nur ein Teil von ihm. Hunger betrifft beispielsweise den ganzen Menschen. Auf körperlicher Ebene verändert er die Wahrnehmung, sodass hungrige Menschen Nahrung gezielter wahrnehmen; auf psychischer Ebene können Anspannung und Nervosität entstehen.
Motivation lässt sich nach Maslow nicht eindeutig definieren, weil geeignete Messgeräte für ihr Ausmaß fehlen. Entscheidend ist zunächst die subjektive Erfahrung: Ein Mensch ist motiviert, wenn er Verlangen, Bedürfnis, Sehnsucht, Wunsch oder Mangel verspürt. Eine taugliche behavioristische, also allein an beobachtbarem Verhalten orientierte, Definition von Motivation gebe es noch nicht. Deshalb könne man Menschen nach ihren subjektiven Erfahrungen fragen.
Maslow unterscheidet D-Erkennen und S-Erkennen. D-Erkennen, Erkenntnis des Defizits, umfasst die meisten menschlichen Erkenntniserfahrungen und ist fragmentarisch sowie unvollständig. S-Erkennen, Erkenntnis des Seins, betrachtet eine Erfahrung oder ein Objekt als vollständige Einheit, losgelöst von Nützlichkeit, Zweckmäßigkeit und anderen Beziehungen. Es verlangt „totale Aufmerksamkeit“, also ausschließliche und volle Aufmerksamkeit für den wahrgenommenen Gegenstand. Dieses ganzheitliche Erkennen entspricht dem humanistischen Welt- und Menschenbild, auf dem Maslows Arbeit beruht.
Werdegang und weitere Arbeit
Maslow studierte zunächst drei Semester Jurisprudenz am City College of New York, wandte sich dann an der University of Wisconsin der Psychologie zu. Dort erwarb er 1930 den B.A., 1931 den M.A. und promovierte 1934 in Psychologie. Von 1937 bis 1951 war er Dozent am Brooklyn College. Von 1951 bis 1969 leitete er die Psychologieabteilung der Brandeis University nahe Boston.
1962 gründete Maslow gemeinsam mit Charlotte Bühler und Carl Rogers die „Gesellschaft für Humanistische Psychologie“. In seinen letzten Lebensjahren gehörte er zu den Begründern der Transpersonalen Psychologie. Er untersuchte außerdem den Existentialismus: Dieser betone einerseits die Identität als notwendige Bedingung menschlicher Natur und andererseits Erfahrungswissen stärker als abstrakte Begriffssysteme. Der Existentialismus beruht dabei auf Phänomenologie, also auf persönlicher, subjektiver Erfahrung als Grundlage abstrakten Wissens. Als weitere Leistung wird das „Law of the instrument“ genannt.