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Brooklyn

Geographie. Fläche gesamt: 251,0 km². Wasserfläche: 68,1 km². Karte. Karte von ... Deindustrialisierung, Suburbanisierung und Gentrifizierung.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Geographie
  2. 2. Stadtteile und soziale Struktur
  3. 3. Historische Entwicklung
  4. 4. Bevölkerung, Vielfalt und Politik
  5. 5. Wirtschaft und Verkehr
  6. 6. Sehenswürdigkeiten, Kultur und Sport

Überblick und Geographie

Brooklyn ist einer der fünf Stadtbezirke von New York City und zugleich deckungsgleich mit dem Kings County im US-Bundesstaat New York. Der Bezirk liegt am westlichen Ende von Long Island, südöstlich von Manhattan, und grenzt an Land nur im Nordosten an Queens. Mit 2.736.074 Einwohnern im Jahr 2020 ist Brooklyn der bevölkerungsreichste Stadtbezirk New Yorks. Seine Bevölkerungsdichte beträgt 14.959,4 Einwohner je km²; nach Manhattan ist er damit der am dichtesten besiedelte Verwaltungsbezirk der Vereinigten Staaten.

Brooklyn umfasst 251,0 km², davon 182,9 km² Land und 68,1 km² beziehungsweise 27,1 % Wasser. Im Norden liegt der East River, im Westen die Upper New York Bay und im Süden der Atlantik. Zur Küstenlandschaft gehören Red Hook mit dem Erie Basin, die Gowanus Bay, Coney Island und die inselreiche Jamaica Bay. Der höchste Punkt liegt im Gebiet um den Prospect Park und den Green-Wood Cemetery rund 60 Meter über dem Meeresspiegel. Wegen seiner Lage an der Upper Bay ist Brooklyn Hurrikans stärker ausgesetzt als weiter im Landesinneren gelegene Stadtbezirke.

Stadtteile und soziale Struktur

Downtown Brooklyn ist das Verwaltungszentrum und nach Midtown und Lower Manhattan das drittgrößte Geschäftsviertel New Yorks. Die Fulton Mall bildet eine wichtige Einkaufsmeile. Nordwestliche Viertel wie Brooklyn Heights, Park Slope, Cobble Hill und Boerum Hill sind durch Backstein- und Brownstone-Häuser des 19. Jahrhunderts geprägt und gehören zu den wohlhabendsten und am stärksten gentrifizierten Gebieten. Gentrifizierung bezeichnet die Aufwertung eines Viertels durch Investitionen und den Zuzug einkommensstärkerer Bewohner, die oft steigende Mieten auslöst.

Williamsburg, Greenpoint, Red Hook und Sunset Park waren traditionelle Arbeiter-, Hafen- oder Industrieviertel. Seit den 1990er Jahren zogen besonders nach Williamsburg Künstler und später zahlungskräftigere Bewohner. Auch Bushwick besitzt eine wachsende alternative Kulturszene und gilt als weiteres Ziel der Gentrifizierung.

Die zentralen und südlichen Viertel unterscheiden sich stark: Borough Park ist vorwiegend orthodox-jüdisch, Bensonhurst und Dyker Heights sind italienisch geprägt, Brighton Beach ist wegen seiner russischen und jüdisch-russischen Bevölkerung als „Little Odessa“ bekannt. Bedford-Stuyvesant und Flatbush besitzen große afroamerikanische beziehungsweise karibische Gemeinschaften. Im Osten liegen sozial benachteiligte Gebiete wie East New York und Brownsville mit vielen Sozialwohnungsanlagen, Armut und hoher Kriminalitätsbelastung. Die räumliche Trennung ethnischer und sozialer Gruppen sowie die ungleiche Einkommensverteilung relativieren das Bild Brooklyns als einheitlichen „Melting Pot“.

Historische Entwicklung

Das Gebiet war ursprünglich vor allem vom indigenen Volk der Canarsee bewohnt. Niederländer gründeten 1634 Midwout und 1646 die nach Breukelen bei Utrecht benannte Siedlung Breukelen. 1664 eroberten die Engländer Nieuw Nederland; 1683 entstand das nach König Karl II. benannte Kings County. Die sechs niederländisch geprägten Orte Brooklyn, Flatbush, Bushwick, Flatlands, Gravesend und New Utrecht versorgten das wachsende New York mit Getreide und Gemüse.

Am 27. August 1776 fand im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg die Schlacht von Long Island beziehungsweise Brooklyn statt. Die Briten erlangten die Kontrolle über den New Yorker Hafen und behielten das Gebiet bis zum Frieden von Paris 1783. Danach wuchsen Bevölkerung und Industrie rasch. Eine regelmäßige Dampfschifffähre nach Manhattan ab 1814 und der Erie-Kanal ab 1825 förderten Handel und Besiedlung. Brooklyn erhielt 1834 das Stadtrecht. Eisenbahnstrecken ab 1863 und die Brooklyn Bridge von 1883 verstärkten die Verbindung zu New York. Nach mehreren Eingemeindungen umfasste die Stadt Brooklyn 1896 das gesamte Kings County.

Am 1. Januar 1898 wurde Brooklyn nach einer knappen Mehrheit in einer nicht bindenden Volksabstimmung Teil des vergrößerten New York City. 1930 lebten etwa 2,2 Millionen Menschen im Bezirk. Industrie, Hafen und Schifffahrt blieben zunächst prägend; während des Zweiten Weltkriegs wurden über das Brooklyn Army Terminal große Mengen Material und Personal nach Europa verschifft. Nach 1945 folgten Deindustrialisierung und der Verlust vieler Hafenarbeitsplätze. Symbolisch war 1957 der Umzug der Brooklyn Dodgers nach Los Angeles. Seit den 1990er Jahren wandelten Gentrifizierung und Neubauten besonders die westlichen Viertel. Nach einer Umzonung 2004 entstanden über 50 Hochhäuser von mindestens 100 Metern Höhe. Der 325 Meter hohe Brooklyn Tower erreichte 2021 seine Endhöhe und ist seit 2022 das höchste Gebäude Brooklyns sowie außerhalb Manhattans.

Bevölkerung, Vielfalt und Politik

Brooklyns Einwohnerzahl überschritt vor der Eingemeindung 1898 bereits eine Million und 30 Jahre später 2,5 Millionen. Nach einem Rückgang um fast ein Fünftel bis 1980 steigt sie wieder; von 2010 bis 2020 betrug das durchschnittliche jährliche Wachstum 0,9 %. Rund 41 % der Bevölkerung sind außerhalb der Vereinigten Staaten geboren.

Weiße ohne Hispanics stellen 35,4 %, Schwarze und Afroamerikaner 26,7 %, Hispanics 18,9 % und Asiaten 13,6 % der Bevölkerung. Zwei Drittel der asiatischen Einwohner sind Chinesen. Englisch ist für gut die Hälfte die Hauptsprache; zu Hause sprechen 17 % Spanisch und jeweils knapp 6 % Chinesisch oder Russisch. 24 % geben an, nicht sehr gut Englisch zu sprechen. Religiös gehören 23 % der römisch-katholischen Kirche, 11 % dem Judentum und 29 % verschiedenen protestantischen Richtungen an.

Die Gemeinschaften konzentrieren sich häufig räumlich: In Borough Park, Williamsburg und Midwood leben viele orthodoxe und chassidische Juden. Mehr als 200.000 chinesische Amerikaner wohnen vor allem in Sunset Park, Bensonhurst, Gravesend und Homecrest. Afroamerikanische und karibische Gruppen prägen unter anderem Bedford-Stuyvesant, Crown Heights, Flatbush und Canarsie. Bushwick besitzt eine große hispanische Bevölkerung; russische und ukrainische Gemeinschaften konzentrieren sich in Brighton Beach und Sheepshead Bay. Hinzu kommen unter anderem polnische, italienische, arabische, südasiatische, irische und griechische Gemeinschaften. Brooklyn hat außerdem eine große LGBTQ-Community; am Brooklyn Liberation March vom 14. Juni 2020 nahmen 15.000 bis 20.000 Menschen teil.

Brooklyn gliedert sich in 18 Community Districts mit beratenden Community Boards. Die Brooklyn Borough Hall in Downtown ist der Verwaltungssitz. Der Borough President wird für vier Jahre gewählt, besitzt aber seit der Abschaffung des Board of Estimate 1990 deutlich weniger Befugnisse. Seit 2022 ist der Demokrat Antonio Reynoso Borough President. Die Demokratische Partei stellt die Mehrheit der Amtsträger.

Wirtschaft und Verkehr

Brooklyns Wirtschaft wuchs in den 2010er Jahren stärker als die der Gesamtstadt, blieb aber von niedrigen Löhnen und großen räumlichen Unterschieden geprägt. Rund die Hälfte der Arbeitsplätze entfällt auf Gesundheit und Einzelhandel. Weitere Wachstumsfelder sind Unternehmensdienstleistungen, neue Technologien, Kreativwirtschaft und Gastronomie. 2012 beschäftigte der private Sektor 484.560 Menschen; 160.410 arbeiteten im Gesundheits- und Sozialwesen und 64.890 im Einzelhandel. Die klassische Produktion war auf etwa 20.000 Arbeitsplätze zurückgegangen.

Der durchschnittliche Privatsektorlohn lag 2012 bei 38.550 US-Dollar jährlich, das mittlere Haushaltseinkommen bei 45.230 US-Dollar. Die Armutsquote betrug 24,2 %. Von 2000 bis 2011 stiegen die Mieten um 71 %, die Einkommen dagegen um 41 %; fast 30 % der Haushalte mussten mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Miete ausgeben. Wirtschaftliche Schwerpunkte sind Downtown, das Brooklyn Tech Triangle, Sunset Park, Williamsburg–Greenpoint, Süd-Brooklyn und die Greater Borough Park Area. Hurrikan Sandy verursachte im Oktober 2012 schwere Schäden in Küstengebieten.

57 % der Haushalte besitzen kein Auto. Für Fahrten nach Manhattan nutzen 92,8 % der Brooklyner die Subway; 18 U-Bahn-Linien bedienen den Bezirk. Busse, Expressbusse, die Long Island Rail Road und Fähren ergänzen das Netz. Mit Manhattan ist Brooklyn über die Brooklyn Bridge von 1883, die Williamsburg Bridge von 1903 und die Manhattan Bridge von 1909 verbunden. Die Verrazzano-Narrows Bridge von 1964 führt nach Staten Island. Wichtige Straßen sind der Brooklyn–Queens Expressway, Prospect Expressway, Gowanus Expressway und Shore Parkway.

New York verfügt über mehr als 2.200 km Radwege, davon 900 km baulich vom Autoverkehr getrennt, sowie über mehr als 1.000 Leihradstationen und 24.000 Räder. Der Ocean Parkway erhielt am 15. Juni 1894 den ersten Radweg des Landes. Dennoch sind manche äußeren Wohnviertel weiterhin unzureichend angebunden.

Sehenswürdigkeiten, Kultur und Sport

Zu den wichtigsten Anlagen gehört der 1867 eröffnete Prospect Park. Er ist 2,4 km² groß und wurde von Frederick Law Olmsted und Calvert Vaux nach dem Vorbild des Central Parks entworfen. Der 1837 angelegte Green-Wood Cemetery umfasst etwa 1,9 km² und rund 600.000 Gräber. Weitere bedeutende Orte sind der Brooklyn Botanic Garden von 1910, Coney Island mit dem Riegelmann Boardwalk, die Brooklyn Heights Promenade, der Brooklyn Bridge Park, der ehemalige Brooklyn Navy Yard und das historische Viertel DUMBO. Zehn Orte besitzen den Status eines National Historic Landmark; 193 Bauwerke, historische Bezirke und Stätten waren am 20. Mai 2024 im National Register of Historic Places verzeichnet.

Das Brooklyn Museum wurde 1887 eröffnet und ist das zweitgrößte Museum New Yorks; seine Sammlung reicht von altägyptischen Objekten bis zu US-amerikanischer und zeitgenössischer Kunst. Das 1899 gegründete Brooklyn Children’s Museum gilt als ältestes Kindermuseum der Welt. Das New York Transit Museum behandelt die Geschichte des städtischen Nahverkehrs. Bedeutende Kulturorte sind außerdem die Brooklyn Academy of Music, das Billie Holiday Theatre und das BRIC Media House. Regelmäßige Veranstaltungen sind der karibisch geprägte Labor Day Carnival und die Coney Island Mermaid Parade.

Brooklyn ist ein wichtiger Schauplatz und Produktionsort für Literatur, Film, Fernsehen, Theater und Musik. Werke wie Ein Baum wächst in Brooklyn, Last Exit Brooklyn und Brooklyn behandeln Einwanderung, Armut und das Leben in verschiedenen Gemeinschaften. Filme wie Brennpunkt Brooklyn, Saturday Night Fever und Do the Right Thing zeigen unterschiedliche Seiten des Bezirks. Musikalisch ist Brooklyn mit klassischer Musik, Jazz, Punk, Rock und besonders Hip-Hop verbunden; in den späten 2010er Jahren gewann Brooklyn Drill an Bedeutung.

Sportgeschichtlich wichtig sind die Brooklyn Dodgers und Jackie Robinson, der am 15. April 1947 als erster schwarzer Spieler seit 1888 in einem Major-League-Team auflief. Heute spielen die Brooklyn Nets seit 2012 im Barclays Center; die Brooklyn Cyclones treten in der Minor League im Baseball an.

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