Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

4. Sinfonie (Schubert)

Die Sinfonie Nr. 4 in c-Moll, D 417, genannt Tragische Sinfonie, wurde 1816 von Franz Schubert komponiert. Inhaltsverzeichnis. 1 Entstehung; 2 Zur Musik.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Entstehung
  2. 2. Charakter und erste zwei Sätze
  3. 3. Menuett und Finale
  4. 4. Besetzung, Aufführung und Veröffentlichung

Überblick und Entstehung

Die Sinfonie Nr. 4 in c-Moll, D 417, ist eine 1816 komponierte Sinfonie von Franz Schubert. Sie trägt den nachträglich vom Komponisten vergebenen Beinamen „Tragische“ und gehört neben der „Unvollendeten“ zu Schuberts einzigen Sinfonien in einer Moll-Tonart. Ihre vier Sätze dauern zusammen ungefähr 30 Minuten.

Schubert schrieb das Werk im April 1816, ein Jahr nach seiner Dritten Sinfonie, im Alter von 19 Jahren; laut Notiz in der Partitur vollendete er es am 27. April 1816. Damals arbeitete er als Schulgehülfe an der Schule seines Vaters in Wien am Himmelpfortgrunde No. 10. Eine Bewerbung um eine Musiklehrerstelle in Ljubljana blieb trotz Antonio Salieris Fürsprache erfolglos. Gleichzeitig hatte Schubert mit der heute verschollenen Prometheus-Kantate für Heinrich Joseph Watteroths Namenstag seine erste bezahlte Auftragsarbeit.

Mit der Vierten erfüllte Schubert seinen Wunsch, erstmals eine Sinfonie in Moll zu schreiben. Vermutlich entstanden die Sinfonien Nr. 4, 5 und 6 für das „Hatwig’sche Orchester“. Ob dieses die Vierte im Schottenhof oder Gundelhof aufführte, ist möglich, aber nicht gesichert.

Charakter und erste zwei Sätze

Der Titel „Tragische“ bezieht sich auf aufgewühlte Momente des Werkes. Seine Berechtigung wurde unterschiedlich beurteilt: Antonín Dvořák sprach von „tiefem Pathos“, Robert Schumann verlangte von einer tragischen Sinfonie mehr, und Harry Goldschmidt nannte das Werk eher „pathetisch“. In der Forschung wurde die c-Moll-Tonart teilweise als Bezug auf Beethoven verstanden, besonders auf dessen Fünfte Sinfonie. Wolfram Steinbeck betont dagegen Beethoven und Schubert als unterschiedlich mit der gemeinsamen Tradition umgehende Komponisten.

Der erste Satz beginnt mit einer 29 Takte langen Einleitung, der längsten in einer Schubert-Sinfonie bis dahin. Das Seitenthema steht ungewöhnlich nicht in Es-Dur, der III. Stufe von c-Moll, sondern in As-Dur, der VI. Stufe. Nach Haupt- und Seitenthema werden beide gesteigert wiederholt; dieses Verfahren erscheint auch in der kurzen Durchführung und in der Reprise, also der Wiederkehr des Anfangsmaterials. Synkopierte Rhythmen, bei denen Betonungen gegen den regelmäßigen Takt verschoben sind, prägen den Satz ebenso wie das Finale. Über g-Moll, Es-Dur und E-Dur wird C erreicht; die Coda führt überraschend zu einem strahlenden Schluss in C-Dur.

Auch das Andante weicht vom üblichen Schema ab: Statt in der Durparallele Es-Dur steht es im Dur-Gegenklang As-Dur. Der 270 Takte lange Satz hat die fünfteilige Wiederholungsform A-B-A-B-A’-Coda. Eine 52-taktige Pianissimo-Einleitung der Streicher führt zur Solo-Oboe; danach treten Flöten, Klarinetten, Oboe und Fagotte hinzu. Das kantable, also gesanglich gestaltete Andante-Thema der A-Teile kontrastiert mit energischen B-Teilen und Seufzerketten in erster Violine und Holzbläsern. Wegen seiner Länge wurde dieser Satz besonders kritisiert, zugleich aber auch als wertvolle Partie des Werkes beurteilt.

Das Menuett hat durch seine Rhythmik und die Tempoangabe den Charakter eines Scherzos, wie Beethoven diesen Typus seit seiner Sinfonie Nr. 2 bezeichnete. Der 3/4-Takt steht dabei im Widerspruch zum Versmaß des Choriambus. Sein schlichtes Thema besteht aus einer chromatisch umspielten und chromatisch abwärts steigenden Tonleiter, was den „tragischen“ Eindruck verstärkt. Das Trio bildet den Kontrast: Es bringt eine Tanzmelodie im üblichen Dreivierteltakt mit pizzicatoartiger, also zupfend wirkender, Violinbegleitung.

Das Finale hat einen drängenden, zu c-Moll passenden Charakter und wechselt zwischen fünf tonalen Ebenen. Es beginnt mit einem viertaktigen Vorspann, der an ein Liedvorspiel erinnert und später von Schubert um eine Fagottfigur ergänzt wurde. Diese Figur erscheint auch zwischen Ende der Exposition und ihrer Wiederholung sowie vor der Reprise. Unklar ist, wo sie zuerst eingetragen wurde. Der Satz endet ohne Coda festlich in C-Dur, mit Trompeten und vierfach besetzten Hörnern. Kritiker werteten diese Dur-Wendung unterschiedlich: Walther Vetter hielt das tragische c-Moll für bloße „Fassade“, Alfred Einstein sah darin „keine echte Lösung“ und etwas Konventionelles.

Besetzung, Aufführung und Veröffentlichung

Die Orchesterbesetzung umfasst 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 4 Hörner, 2 Trompeten, Pauke sowie I. und II. Violine, Bratsche, Violoncello und Kontrabass.

Die erste gesicherte Aufführung fand am 19. November 1849 in Leipzig statt, geleitet von August Ferdinand Riccius bei einem Konzert der Musikgesellschaft „Euterpe“ – mehr als zwei Jahrzehnte nach Schuberts Tod. Die Neue Zeitschrift für Musik urteilte, die Sinfonie sei kleiner angelegt als die große C-Dur-Symphonie, biete aber in allen vier Sätzen viel Schönes; besonders das Finale erscheine durch seine „lodernde Leidenschaftlichkeit“ bedeutend. Am 2. Dezember 1860 erklangen im Wiener Redoutensaal unter Johann von Herbeck nur die ersten beiden Sätze; Eduard Hanslick lobte darin reifes Formgefühl und eigentümlich Schubertsche Gedanken, kritisierte aber die Breite des Andante.

1884 veröffentlichte Breitkopf & Härtel die Sinfonie in der von Johannes Brahms redigierten Alten Gesamtausgabe. Brahms sprach den sogenannten Jugendsinfonien keinen hohen künstlerischen Wert zu; Dvořák gehörte dagegen zu ihren Bewunderern und erkannte Schuberts Individualität in Melodien, harmonischen Progressionen und der Orchestrierung. Die Partitur besteht aus 94 hochformatigen, zwölfzeiligen Notenblättern und gehört der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.

Lernvideos zu 4. Sinfonie (Schubert)

Weiterlesen

Robert Schumann Erst nach 1830 wurde die Musik zum Mittelpunkt seines Lebenskonzeptes, und er verstand sich selbst als Tondichter. Sowohl in seinen Kompositionen als auch … 5. Sinfonie (Beethoven) Die Sinfonie ist auch unter dem (umstrittenen) Beinamen „Schicksalssinfonie“ bekannt und wurde am 22. Dezember 1808 im Theater an der Wien uraufgeführt. Moll Diese Bezeichnung kann sich im modernen Sprachgebrauch auf eine Tonart, eine Tonleiter oder einen Akkord beziehen. Moll bildet mit Dur ein Begriffspaar und … Klarinette Die Klarinette ist ein Holzblasinstrument mit teils zylindrischer und teils konischer Bohrung. Ihr Mundstück ist wie beim Saxophon mit einem einfachen … Violine Die Violine oder Geige ist ein zu den Kastenhalslauten gehörendes Streichinstrument. Ihre vier Saiten (g – d 1 – a 1 – e 2) werden hauptsächlich mit den … Violoncello Das Violoncello [ˌviolɔn'tʃɛlo], kurz Cello, ist ein aus verschiedenen Holzarten gefertigtes Streichinstrument aus der Viola-da-braccio-Familie. Synkope (Musik) Als Synkope bezeichnet man in der Musik rhythmische Konstellationen, die einen Konflikt zwischen dem intendierten metrischen Betonungsschema einer Taktart … Ludwig van Beethoven Er führte die Wiener Klassik zu ihrer höchsten Entwicklung und bereitete der Musik der Romantik den Weg. ... Heute gilt Beethoven als der Vollender der Wiener … Subdominante Subdominante, auch Unterdominante, bezeichnet den Akkord auf der vierten Stufe einer Dur- oder Molltonleiter. Die Bezeichnung Subdominante (sous-dominante) … Coda (Musik) Besondere Bedeutung kommt der Coda in der Sonatenhauptsatzform zu. Als ein Phrasenteil leitet sie den zweiten Themenabschnitt (vor der Wiederholung des … Exposition (Musik) Die Exposition der klassischen Sonatensatzform besteht üblicherweise aus dem „Hauptsatz“ (mit dem ersten Thema), dem Seitensatz (mit dem zweiten Thema) und der … Wolfgang Amadeus Mozart Dezember 1791 in Wien, Erzherzogtum Österreich), der selbst zumeist den Namen Wolfgang Amadé Mozart führte, war ein Komponist der Wiener Klassik. Er schuf eine …