Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs
14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs ist der deutsche Titel einer internationalen dokumentarischen Dramaserie, die sich mit fiktionalen, dokumentarischen …
Inhalt5 Abschnitte
Konzept und Perspektive
„14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs“ ist eine internationale dokumentarische Dramaserie aus Deutschland, Frankreich und Kanada von 2014. Sie umfasst acht Folgen zu je 52 Minuten. Regie führte Jan Peter, die Drehbücher schrieben Jan Peter und Yury Winterberg; die Musik stammt von Laurent Eyquem.
Die Serie erzählt den Ersten Weltkrieg nicht hauptsächlich aus Sicht von Politikern und Militärs, sondern anhand des Alltags und der Gefühle von 14 Menschen. Zu ihnen gehören Soldaten, Hausfrauen, Fabrikarbeiterinnen, Krankenschwestern und Kinder. Spielszenen, dokumentarisches Material und Animationen werden verbunden. Dadurch entsteht eine multiperspektivische Darstellung: Die einzelnen Lebensgeschichten stehen gleichwertig nebeneinander und zeigen Krieg sowohl an der Front als auch in der Heimat, in besetzten Gebieten, Gefangenschaft, Krankenhäusern und Fabriken.
Quellen und Herstellung
Die Drehbücher beruhen vor allem auf Originalzitaten aus Tagebüchern und Briefen von Menschen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich, Russland und den USA aus den Jahren 1914 bis 1918. Für die Auswahl wurden mehr als 1.000 Tagebücher und Briefsammlungen gesichtet; die Entwicklungsarbeit dauerte vier Jahre.
Von den 14 Hauptpersonen sind sieben Frauen und sieben Männer; sie stammen aus acht Nationen. Nur ein kleiner Teil ihrer Geschichten spielt unmittelbar an der Front. Die Darsteller sprechen jeweils die Originalsprache ihrer Figur und werden nicht synchronisiert. In der deutschsprachigen Fassung spricht Udo Samel den Kommentar.
An der Produktion waren LOOKSfilm, Les Films d’ici Paris und Filmoption International Montreal beteiligt. Für das historische Bildmaterial wurden Filme und Fotos aus 71 Archiven in 21 Ländern verwendet, darunter British Pathé, Gaumont Pathé, Krasnogorsk, Bundesfilmarchiv, Österreichisches Filmmuseum, National Archives and Records Administration und Imperial War Museum. Besonders wertvoll waren oft erhaltene Amateurfilme. Die Spielszenen entstanden an 50 Drehtagen in Deutschland, Frankreich und Kanada. In Québec wurde auf 5.000 m² ein Schützengrabensystem mit Niemandsland gebaut.
Menschen und Kriegserfahrungen
Die 14 Biografien machen unterschiedliche Folgen des Krieges sichtbar. An der Front stehen etwa der französische Fassmacher und Reservist Louis Barthas, der österreichische Bauer Karl Kasser, der in russische Gefangenschaft gerät, der freiwillige Ernst Jünger, der Brite Charles Edward Montague und der italienisch-amerikanische Freiwillige Vincenzo D’Aquila. Barthas erlebt den Grabenkrieg und wird nach dem Krieg zu einem entschiedenen Befürworter von Frieden und Brüderlichkeit. Kasser bleibt bis zum 4. Oktober 1920 in einer Odyssee durch das Zarenreich. D’Aquila wird nach einer Verwundung wegen seiner Kritik am Krieg in eine Psychiatrie eingewiesen.
Marina Yurlova, Tochter eines Kuban-Kosaken-Offiziers, sucht mit 14 Jahren ihren Vater und wird Kindersoldatin der russischen Armee. Sie erlebt die Revolutionen von 1917 und flieht später in die USA. Sarah Broom Macnaughtan arbeitet als britische Krankenschwester und erlebt 1915 bei Ypern den ersten Gasangriff. Käthe Kollwitz wird vom patriotischen Beginn des Krieges erfasst, verliert aber ihren Sohn Peter kurz nach Kriegsbeginn.
Die Serie zeigt ebenso den Krieg in der Heimat. Die Australierin Caroline Ethel Cooper gilt in Leipzig als „feindliche Ausländerin“, wird überwacht und darf nicht ausreisen. Gabrielle West arbeitet in einer Munitionsfabrik und begegnet den schlechten Bedingungen der Arbeiterinnen. Marie und Paul Pireaud erleben Trennung, Sehnsucht und die Belastung der Feldpost: Während Paul Soldat ist, führt Marie den Bauernhof. Die Kinder Elfriede Alice Kuhr und Yves Congar erfahren Not, Tod und Besatzung. Congar erlebt die vierjährige deutsche Besatzung von Sedan; Kuhr beobachtet, wie die anfängliche Kriegsbegeisterung in Leid und Elend umschlägt.
Verlauf der acht Folgen
Die Episoden folgen dem Kriegsverlauf von 1914 bis 1918. „Der Abgrund“ beginnt mit dem Kriegsausbruch: Patriotische Erwartungen stehen dem schnellen Erleben von Gewalt, Besatzung und Verlusten gegenüber. Ende 1914 sind bereits eine Million Männer gefallen; noch mehr sind verwundet oder in Gefangenschaft.
„Der Angriff“ und „Die Verwundung“ zeigen Freiwillige, Grabenkrieg, Gefangenschaft und schwere Verletzungen. Bei Ypern begegnet Macnaughtan den Folgen des Giftgasangriffs; Yurlova wird bei einem Sprengauftrag schwer verletzt. „Die Sehnsucht“ behandelt die Trennung von Angehörigen, den Tod von Kollwitz’ Sohn, heimliche Beziehungen und den Wunsch nach menschlicher Nähe.
„Die Vernichtung“ führt zur Schlacht an der Somme, zu Gasangriffen und zu Macnaughtans Beobachtung des Völkermords an den Armeniern. „Die Heimat“ konzentriert sich auf Hunger, Zwang, Fabrikarbeit, Kriegsgefangenschaft und das Leben unter Besatzung. „Der Aufstand“ schildert die russischen Revolutionen, Streiks, psychische Traumatisierung und Meutereien: Mehr als 500.000 französische Soldaten meutern zwei Monate lang; Tausende werden vor Kriegsgerichte gestellt, viele zum Tod verurteilt.
In „Die Entscheidung“ zerfallen Armeen und Staaten. Yurlova sitzt als angebliche Staatsfeindin der Roten Armee im Gefängnis und entgeht knapp einer Hinrichtung. Am 11. November 1918 um 11.00 Uhr läuten in Europa wieder die Glocken, und die Waffen an den Fronten schweigen.
Ausstrahlung und Begleitangebote
ARTE strahlte die Serie ab dem 29. April 2014 parallel in Deutschland und Frankreich aus. Anlass war der hundertste Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs. Das Budget der deutschen Fassung betrug etwa 6 Millionen Euro, für alle internationalen Fassungen rund 8 Millionen Euro. Vor der Ausstrahlung war die Reihe bereits in mehr als 25 Länder verkauft.
Die BBC sendete ab dem 2. August 2014 eine eigenständige, dreistündige Fassung unter dem Titel „Great War Diaries“. Sie verzichtet vollständig auf Kommentar und erzählt ausschließlich fiktional aus Sicht der Hauptpersonen. Der Audience Appreciation Index der Reihe lag bei 87 von 100.
Begleitend erschienen 2014 ein Bildband mit acht Kapiteln und historischen Erläuterungen sowie das Buch „Der große Krieg“ von Oliver Janz. Eine sechsteilige WDR-Hördokumentation lief ab dem 9. März 2014. Die Serie wurde am 14. Mai 2014 in Deutschland auf DVD und Blu-ray Disc veröffentlicht. Die Dresdner Ausstellung „14 – Menschen – Krieg“ zeigte vom 1. August 2014 bis 24. Februar 2015 dieselben 14 Biografien. Sie stellte nicht Schlachten und politische Ereignisse, sondern die Erfahrungen von Soldaten und Zivilbevölkerung in den Mittelpunkt.