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1077
Heinrich bittet Mathilde und seinen Taufpaten Abt Hugo von Cluny um Vermittlung König Heinrich IV. begibt sich auf den „Gang nach Canossa“. Gregor VII.
Inhalt5 Abschnitte
Kernereignis im Reich: Canossa und Gegenkönigtum
Der wichtigste Vorgang des Jahres 1077 im Heiligen Römischen Reich ist der Investiturstreit. Vom 25. bis 28. Januar wird König Heinrich IV. auf der Burg Canossa in Oberitalien von Papst Gregor VII. vom Kirchenbann gelöst. Vorausgegangen ist, dass Heinrich seine Bußfertigkeit zeigt; dies wird als „Gang nach Canossa“ bezeichnet.
Die Bannlösung beendet den politischen Konflikt jedoch nicht. Am 15. März wählen oppositionelle Adelige in Forchheim den Schwabenherzog Rudolf von Rheinfelden zum Gegenkönig. Dabei fordern die Fürsten erstmals auch Wahlversprechen ein. Rudolf wird entweder am 26. März oder am 7. April durch den Mainzer Erzbischof Siegfried I. von Eppstein im Mainzer Dom gekrönt. Im Herbst beginnen erstmals militärische Auseinandersetzungen zwischen Heinrich IV. und Rudolf von Rheinfelden.
Weitere Entwicklungen im Reich und in Europa
Im Reich verwüstet der steirische Markgraf Adalbero, ein Bruder Otakars, die Stadt Friesach, die von den Salzburger Erzbischöfen gegründet worden war. Im Erzstift Salzburg lassen Landesfürst Erzbischof Gebhard I. von Helffenstein und sein Nachfolger die Festung Hohensalzburg errichten. Zu ihr gehören ein romanischer gemauerter Palas, ein Wohnturm als heutiger Kern des Hohen Stocks, eine kleine Kirche und ein Nebengebäude.
In Ungarn folgt Ladislaus I. nach dem Tod seines Bruders Géza I. als König. Robert, der älteste Sohn Wilhelms des Eroberers, beginnt eine Rebellion gegen seinen Vater. Das langobardische Fürstentum Salerno endet, nachdem Fürst Gisulf II. dem Normannen Robert Guiskard unterworfen wird. Salerno wird Hauptstadt von Guiscards Herzogtum aus Apulien, Kalabrien und Sizilien. Durch die päpstliche Belehnung des Bischofs von Pisa wird Korsika pisanische Kolonie.
Schlanders wird erstmals urkundlich erwähnt.
Krise in Byzanz und Krieg in Ostasien
Im Byzantinischen Reich schließt Kaiser Michael VII. mit den Seldschuken einen für Byzanz äußerst ungünstigen Vertrag über großflächige Gebietsabtretungen in Anatolien. General Johannes Bryennios löst deshalb in Adrianopel eine Rebellion gegen den Kaiser und dessen mächtigen Minister Nikephoritzes aus.
Im Oktober lässt sich Johannes’ Bruder Nikephoros Bryennios in Traianopolis zum Gegenkaiser ausrufen, nachdem er von seiner geplanten Absetzung als Dux von Dyrrhachion erfahren hat. Im November kontrollieren die Brüder fast ganz Makedonien und Thrakien und ziehen gegen Konstantinopel. Nikephoros Basilakes, der sie aufhalten soll, verständigt sich nach einem kurzen Scharmützel mit ihnen. Da die Bryennoi die Vororte plündern lassen, wächst in Konstantinopel der Widerstand. Michael VII. erreicht schließlich ihren Rückzug nach Thrakien.
Im Frühjahr stoppt der vietnamesische General Lý Thường Kiệt in der Schlacht am Như-Nguyệt-Fluss, dem heutigen Cầu-Fluss, eine chinesische Song-Armee unter General Guo Kui. Die Armee war im Vorjahr weit nach Vietnam vorgedrungen. Wegen hoher chinesischer Verluste durch Krankheiten und des anhaltenden vietnamesischen Widerstands schließen beide Seiten einen Waffenstillstand. Die Song-Truppen ziehen sich zurück; Đại Việt bewahrt seine Unabhängigkeit, und in den folgenden Jahren wird verhandelt.
Religion und Natur
Im heutigen Rumänien wird das lateinische Bistum Magnovaradinensis Latinorum gegründet. Außerdem tritt eine Seegfrörni ein: Der Bodensee ist vollständig zugefroren.
Geborene und Gestorbene
Geboren werden Ibn Tūmart, islamischer Reformer und Begründer der Bewegung der Almohaden († 1130), sowie Josef ibn Migasch, spanischer Rabbiner († 1141).
Mit gesichertem Todesdatum sterben Johan II. van Arkel am 7. Januar, Géza I., König von Ungarn, am 25. April, Gertrud die Ältere von Braunschweig am 21. Juli, der Patriarch von Aquileia Sieghard am 12. August, der byzantinische General und Hofwürdenträger Andronikos Dukas am 14. Oktober, der Straßburger Bischof Werner II. am 14. November, der Bischof und katholische Heilige Gerald von Ostia am 7. Dezember sowie Agnes von Poitou, Regentin des Heiligen Römischen Reichs, am 14. Dezember.
Das genaue Todesdatum ist bei Shao Yong, chinesischem Philosophen, Dichter, Kosmologen und Historiker, sowie bei Zhang Zai, chinesischem Moralphilosophen und Kosmologen, nicht bekannt.