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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Canossa (Burg)

Hier trat im Januar 1077 König Heinrich IV. auf seinem Gang nach Canossa Papst Gregor VII. entgegen, um die Lösung vom Kirchenbann zu erreichen.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Gang nach Canossa und Mittelalter
  3. 3. Umbauten und Besitzerwechsel
  4. 4. Verfall und Nationaldenkmal
  5. 5. Heutige Ruine

Überblick und Bedeutung

Canossa war eine oberitalienische Höhenburg und der Hauptsitz des mächtigen Markgrafengeschlechts von Canossa. Die aus Bruchstein errichtete Anlage entstand im 10. Jahrhundert und liegt auf 576 Metern Höhe am Rand des Apennins zwischen Bologna und Parma, 18 Kilometer südwestlich von Reggio nell’Emilia.

Besonders bekannt wurde sie als Residenz der Markgräfin Mathilde von Canossa (1046–1115) und als Schauplatz des „Gangs nach Canossa“: Im Januar 1077 suchte König Heinrich IV. dort die Begegnung mit Papst Gregor VII., um vom Kirchenbann gelöst zu werden.

Gang nach Canossa und Mittelalter

Adalbert Atto (939–988), Graf von Canossa, ließ die Burg im 10. Jahrhundert errichten. Im Dezember 1076 und Januar 1077 hielt sich Papst Gregor VII. als Gast Mathildes auf der Burg auf. Er hatte Heinrich IV. im Februar 1076 exkommuniziert, also aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen. Der König soll drei Tage vor den Burgtoren um seine Wiederaufnahme in die Kirche gefleht haben. Schließlich gewährte ihm der Papst Einlass und erteilte die Absolution, die ihn vom Kirchenbann löste.

1092 erlitt Heinrich IV. während seines zweiten Italienfeldzugs bei Canossa eine schwere Niederlage gegen Mathildes Truppen. In den Kämpfen zwischen Ghibellinen und Guelfen wurde die Burg 1255 beschädigt.

Umbauten und Besitzerwechsel

1320 gehörte Canossa Giberto III. da Correggio, dem damaligen Signore von Parma und Correggio. Er ließ die Burg restaurieren und umbauen. 1412 belagerten und beschädigten Truppen Niccolòs III. d’Este die Anlage.

Leonello d’Este erwarb sie 1449; Borso d’Este ließ sie 1452 erneut restaurieren. 1570 vergab Alfonso II. d’Este Canossa als Lehen an Boniface Ruggeri, Graf von Reggio nell’Emilia, der die Burg restaurieren und erweitern ließ. 1642 übertrug Francesco I. d’Este das Lehen der Familie Valentini. Mit kurzen Unterbrechungen – 1557 nahm Ottavio Farnese die Burg ein – blieb sie von 1449 bis 1796 im Besitz der Familie Este. Die Valentini verwalteten das Lehen von 1642 bis zum Italienfeldzug Napoleons 1796.

Verfall und Nationaldenkmal

1819 erhielt die Familie Valentini die Burg im Zuge der Restauration zurück. 1846 löste ein herabfallender Felsblock einen Erdrutsch aus, der das Gebäude beschädigte und auch in deutschen Zeitschriften erwähnt wurde.

1877 veröffentlichte ein örtlicher Bergverein das Buch „La montagna fra la Secchia e l’Enza“ über den Apennin zwischen Secchia und Enza. Darin machte er auf den schlechten Zustand der Burg und die Notwendigkeit von Ausgrabungen aufmerksam. Der italienische Staat erwarb die Ruine daraufhin 1878 und erklärte sie zum Nationaldenkmal.

Heutige Ruine

Von der Burg ist heute nur eine Ruine erhalten. Konservierungsarbeiten verhinderten ihren weiteren Verfall. Vom ursprünglichen Bau des 10. Jahrhunderts sind keine Spuren mehr vorhanden: Verantwortlich dafür waren die Erweiterungen unter Mathilde, die Beschädigungen von 1255 sowie der Umbau durch Guilberto da Correggio im 14. Jahrhundert.

Überlieferte und heutige Ansichten zeigen unter anderem einen Stich der Burg aus einer Ausgabe der „Gartenlaube“ von 1872, den Felsen von Canossa im Nebel, den gegenwärtigen Zustand der Anlage und das Innere der Ruine.

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