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ß

Das Schriftzeichen ẞ (Großbuchstabe) bzw. ß (Kleinbuchstabe) ist ein Buchstabe des deutschen Alphabets. ... Das ß dient zur Wiedergabe des stimmlosen s-Lautes [s] …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Funktion
  2. 2. Entstehung und Schriftformen
  3. 3. Rechtschreibung und regionale Regeln
  4. 4. Großschreibung, Sortierung und Ersatz
  5. 5. Internationale und digitale Verwendung

Bedeutung und Funktion

Das ß beziehungsweise ẞ ist ein Buchstabe des deutschen Alphabets. Es wird Eszett [ɛsˈt͜sɛt], scharfes S oder Scharf-S genannt. Umgangssprachliche Bezeichnungen sind unter anderem „Doppel-S“, „Buckel-S“ und „Rucksack-S“; „Ringel-S“ bezeichnet üblicherweise eine andere s-Variante.

Das ß gibt den stimmlosen s-Laut, die Fortis [s], wieder. In der Standardschreibung des Deutschen steht es vor allem nach langen betonten Vokalen und Diphthongen. Es wird ausschließlich in deutschen Sprachen und Dialekten verwendet, darunter im Standarddeutschen und in einigen Rechtschreibungen des Niederdeutschen. Früher kam es auch in Schreibungen des Sorbischen vor. In der Schweiz und in Liechtenstein wird es nicht verwendet.

Die amtliche deutsche Rechtschreibung umfasst seit dem 29. Juni 2017 auch den Großbuchstaben ẞ. Das große ß wird vor allem bei Wörtern in durchgängiger Großschreibung benötigt, da ß im Hochdeutschen nicht am Wortanfang stehen kann.

Entstehung und Schriftformen

Die historische Entwicklung hängt mit der Zweiten Lautverschiebung im 7. und 8. Jahrhundert zusammen. Aus germanischem /t/ und /tː/ entstanden ein Frikativ und eine Affrikate, die zunächst beide mit z oder zz geschrieben wurden. Zur Unterscheidung verwendete man seit dem Althochdeutschen sz für den Frikativ und tz für die Affrikate. Der alte Unterschied zwischen dem mit s beziehungsweise ss geschriebenen Laut und dem mit sz geschriebenen Laut verschwand vermutlich im 13. oder 14. Jahrhundert, die unterschiedlichen Schreibungen blieben jedoch erhalten.

Beim Aufkommen des Buchdrucks im späten 15. Jahrhundert wurde für die häufige Verbindung aus langem s und z mit Unterschlinge eine Ligatur-Letter, also ein verbundenes Schriftzeichen, geschnitten: ſʒ. Sie wurde auch in späteren gebrochenen Schriften wie Fraktur verwendet. Der Typograph Max Bollwage vermutete einen Einfluss tironischer Kürzungszeichen. Herbert Brekle widersprach dem und verwies darauf, dass sich die Es-Zett-Ligatur bis ins 14. Jahrhundert nachweisen lasse und sich in Schwabacher und Fraktur ab dem frühen 16. Jahrhundert die eigentliche Ligatur durchsetzte.

In der Antiqua, der aus der Renaissance hervorgegangenen lateinischen Druckschrift, entstand daneben eine Ligatur aus langem ſ und rundem s. Sie ist bereits um 1515 bei Lodovico Vicentino degli Arrighi belegt und wurde 1522 in seinem Kalligrafielehrbuch La Operina verwendet. Im Druck erscheint sie 1518 in einer Livius-Ausgabe; eine deutsche Übersetzung von Leonis Judae aus dem Jahr 1521 enthält sie in Wörtern wie wyßheit, böß und schloß. Bis weit ins 17. Jahrhundert wurde diese Ligatur in Italien, Frankreich und teilweise Deutschland auch in lateinischen, italienischen und französischen Texten als typografische Variante für ss verwendet, ohne eigene orthografische Funktion.

Im deutschen Antiquasatz wurde ß bis ins 19. Jahrhundert meist durch ss oder durch die nicht ligierte Folge ſs ersetzt. Die Orthographische Konferenz von 1876 empfahl ſs. Für eine einheitliche Antiqua-Glyphe gab es ab 1876 mehrere Entwürfe; 1879 wurde die sogenannte Sulzbacher Form vorgeschlagen und 1903 anerkannt. Verbreitet sind vier Grundformen: eng zusammengerücktes ſ und s, eine ſs-Ligatur, eine ſʒ-Ligatur sowie die Sulzbacher Form. Heute entsprechen die meisten Antiqua-ß entweder der ſs-Ligatur oder der Sulzbacher Form.

Der Duden von 1880 empfahl ſs, ließ aber auch einen ß-ähnlichen Buchstaben zu. Die Vereinheitlichung von 1901 schrieb ß auch im Antiquasatz amtlich vor und verpflichtete Schriftgießereien, es bei Antiquaschriften mitzuliefern. 1941 wurde in Deutschland die Antiqua als „Normal-Schrift“ eingeführt und die Abschaffung des ß erwogen. Hitler entschied sich jedoch für die Beibehaltung des kleinen ß; bei Großbuchstaben sollte nach seiner Entscheidung SS verwendet werden.

Rechtschreibung und regionale Regeln

Die heutige Verteilung von s, ss und ß folgt der heyseschen s-Schreibung. Johann Christian August Heyse formulierte sie 1829. Sie galt in Österreich ab 1879, wurde aber durch die Orthographische Konferenz von 1901 zugunsten der adelungschen s-Schreibung abgeschafft. Die Rechtschreibreform von 1996 führte die heysesche s-Schreibung in Österreich und im gesamten deutschen Regelwerk wieder ein.

Nach den heutigen Regeln schreibt man ß:

  • nach einem betonten langen Vokal: Straße, aßen, aß, Buße, grüßt;
  • nach einem Diphthong, also einem Doppelvokal, der als lang gilt: heißen, außen.

Steht im Wortstamm danach ein Konsonant, schreibt man s: Trost, Faust, räuspern, geistig. Bei Auslautverhärtung bleibt ebenfalls s, wenn der entsprechende Laut in verwandten Formen stimmhaft ist: nieste zu niesen, Gras zu Gräser, löslich zu lösen, Aas zu des Aases.

Die Regeln gelten nicht automatisch für Eigennamen. Daher heißen Personen oder Orte weiterhin Theodor Heuss, aber auch Schüßler-Salze, Litfaßsäule und Kößlarn. Unterschiedliche Aussprachen können unterschiedliche Schreibungen erlauben: Lössboden und Lößboden sind beide korrekt, weil ö kurz oder lang gesprochen werden kann. In Österreich steht Geschoß statt Geschoss, wenn das o lang gesprochen wird; außerdem ist Spass eine aussprachebedingte Variante von Spaß.

Von 1901 bis 1996 stand ß zusätzlich am Wortende und am Ende eines Wortstamms vor einem Konsonanten: Kuß, kußecht, Paßbild, mußt, paßt, wäßrig und unvergeßne. Die historische Regel berücksichtigte damit neben der Vokallänge auch die graphische Umgebung, etwa Wortende, Wortfuge oder folgenden Konsonanten. Die historische Entwicklung lässt sich beispielsweise an Wasserschloß beziehungsweise Wasserschloss, Straßeneinfluß beziehungsweise Straßeneinfluss und Paßstraße beziehungsweise Passstraße verfolgen.

In der Schweiz und in Liechtenstein wird ß immer durch ss ersetzt. Dadurch kann die Vokallänge unklar bleiben: Masse kann für Maße oder Masse stehen, Busse für Buße oder Busse. Seit der Rechtschreibreform von 1996 wird ss auch bei der Worttrennung in s-s getrennt, etwa Stras-se für Strasse. In der Schweiz wurde das ß nach der Umstellung von Fraktur auf Antiqua zunächst 1873 eingeführt, 1906 wieder aufgegeben und ab 1. Januar 1938 an den Volksschulen nicht mehr gelehrt. Die letzte schweizerische Tageszeitung, die Neue Zürcher Zeitung, verzichtete ab dem 4. November 1974 darauf; 2006 wurde es auch im amtlichen Schriftverkehr abgeschafft. Verlage für den gesamten deutschen Sprachraum verwenden es weiterhin.

Großschreibung, Sortierung und Ersatz

Bei durchgängiger Großschreibung gab es lange keine eigene Großbuchstabenform. Als Ersatz wurden SS, in Ausnahmefällen das kleine ß oder bis 1996 SZ verwendet. Seit dem 29. Juni 2017 ist ẞ amtlich zulässig. Bis zum 2. August 2024 blieb STRASSE mit SS der Regelfall und STRAẞE die Alternative. Seit dem 3. August 2024 gilt STRAẞE als Regelfall; STRASSE ist die alternative Schreibweise.

Im normalen deutschen Satz darf ß nur dann durch ss ersetzt werden, wenn die verwendete Schrift oder der Zeichensatz kein ß enthält. In der Schweiz und in Liechtenstein ist ss die reguläre Schreibweise. In behördlichen Fernschreiben wurde ß bis ins frühe 21. Jahrhundert teilweise durch sz ersetzt. Bei Fernschreibgeräten und Schreibmaschinen ohne ß wurde auch :s verwendet, um Namen wie Strasser, Straszer und Straßer unterscheiden zu können.

Nach DIN 5007 wird ß bei der alphabetischen Sortierung wie ss behandelt. Unterscheiden sich zwei Wörter nur durch ss und ß, steht das Wort mit ss zuerst, etwa Masse vor Maße. Der Duden weicht davon ab und ordnet das Wort mit ß zuerst ein.

Für Familiennamen kann die technische Ersetzung problematisch sein. In Personalausweisen und Reisepässen steht der Name oft korrekt mit ß, während die maschinenlesbare Zone (MRZ) ss verwendet. Das kann besonders im Ausland zu Missverständnissen führen. Österreichische Ausweisdokumente können die Erklärung enthalten, dass „ß“ „ss“ entspricht. Das Bundesverwaltungsgericht entschied am 1. Oktober 1980, dass technisch bedingte fehlerhafte Wiedergaben ein wichtiger Grund für eine Namensänderung sein können (Aktenzeichen 7 C 21/78). Seit 1. Januar 1981 erkennt die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Namensänderungsgesetz Sonderzeichen im Familiennamen als möglichen Änderungsgrund an.

Internationale und digitale Verwendung

Außerhalb des deutschen Sprachraums wird das ß meist durch ss ersetzt. In den Niederlanden heißt es Ringel-S, wird aber nicht verwendet; dort schreibt man beispielsweise edelweiss und gausscurve. In englischsprachigen Ländern kommt der Buchstabe im Alphabet nicht vor und wird wegen seiner Form gelegentlich als „German B“ gelesen oder durch b ersetzt. Dadurch können Missverständnisse entstehen. Auch eine Verwechslung mit dem griechischen β ist möglich. Die korrekten englischen Bezeichnungen sind Sharp S oder Eszett.

Im Sorbischen wurde ß bis zur Durchsetzung der auf dem Tschechischen basierenden Rechtschreibung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Darstellung des scharfen s-Lautes verwendet. Im Niedersorbischen blieb diese Schreibweise noch weit ins 20. Jahrhundert gebräuchlich. Im Ungarischen wird der scharf ausgesprochene s-Laut mit dem Doppelkonsonanten sz geschrieben, etwa in Szeged, miniszterelnök und tenisz.

Das Zeichen war im ASCII-Zeichensatz von 1963 nicht enthalten. Die davon abgeleiteten Standards DIN 66003 von 1974, ISO 6937 von 1983 und ISO 8859-1 (Latin-1) von 1986 enthielten es. Der 1991 eingeführte Unicode-Standard umfasst beide Formen: ß hat den Codepoint U+00DF und die UTF-8-Codierung C3 9F; ẞ hat U+1E9E und E1 BA 9E. In HTML lautet die benannte Entität für ß ß. Dezimal sind die XML-/XHTML-Entitäten ß und ẞ, hexadezimal ß und ẞ.

Auf der deutschen Standardtastatur liegt ß zwischen der Taste für 0 und der Taste für den Akutakzent. Die schweizerische Tastatur besitzt keine standardisierte ß-Taste. Beispiele für Eingaben sind unter Windows Alt+0223 beziehungsweise Alt+225 in CP850, auf dem deutschen Mac ⌥+S und unter Linux Alt Gr+Umschalttaste+S. Auf neueren Windows-Systemen kann ẞ teilweise mit Alt Gr+Umschalttaste+ß eingegeben werden. Moderne Unicode-Systeme können das Zeichen grundsätzlich weltweit darstellen, verarbeiten, übertragen und archivieren; eine technische Ersetzung ist daher nur noch selten erforderlich.

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