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Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat
„Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“ ist ein 1849 erstmals abgedruckter Essay von Henry David Thoreau. Der Originaltitel lautete zunächst The …
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Kernidee des Essays
„Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“ ist ein Essay von Henry David Thoreau, der 1849 erstmals abgedruckt wurde. Der ursprüngliche Titel lautete The Resistance to Civil Government; später wurde der Text unter Civil Disobedience und On the Duty of Civil Disobedience bekannt.
Der Essay ist wichtig, weil er eine zentrale Begründung für zivilen Ungehorsam formuliert: Menschen sollen staatlichen Gesetzen nicht blind folgen, wenn diese ihrer persönlichen moralischen Überzeugung widersprechen. Thoreau fordert ein Gewissensrecht der Moral gegen staatliches Unrecht, besonders im Zusammenhang mit der amerikanischen Eroberungs- und Sklavenpolitik seiner Zeit.
Entstehung und Anlass
Thoreau hielt seit 1834 Vorträge an der Volkshochschule seiner Heimatstadt Concord. Das Manuskript des Essays las er dort am 26. Januar 1848 vor. Im folgenden Jahr erschien der Vortrag in der ersten und einzigen Ausgabe der Zeitschrift „Aesthetic Papers“.
Der konkrete Anlass war Thoreaus Verhaftung, weil er sich geweigert hatte, seine seit vier Jahren fällige Kopfsteuer zu bezahlen. Er hätte die Steuer bezahlen können, lehnte dies aber ab und wurde deshalb eingesperrt. Am nächsten Tag bezahlte jemand aus seiner Verwandtschaft die Schuld beim Gefängniswärter, woraufhin Thoreau freigelassen wurde.
Moral gegen ungerechtes Recht
Thoreau unterscheidet zwischen positivem Recht, also den geltenden staatlichen Gesetzen, und dem persönlichen moralischen Urteil. Nach seiner Auffassung soll man dem Staat nur gehorchen, wenn dessen Recht mit dem eigenen Gewissen vereinbar ist.
Besonders deutlich wird das in seiner Aussage: „Wenn aber das Gesetz so beschaffen ist, dass es notwendigerweise aus dir den Arm des Unrechts an einem anderen macht, dann, sage ich, brich das Gesetz. Mach’ dein Leben zu einem Gegengewicht, um die Maschine aufzuhalten. Jedenfalls muss ich zusehen, dass ich mich nicht zu dem Unrecht hergebe, das ich verdamme.“ Damit meint Thoreau: Wer durch Gehorsam an Unrecht mitwirkt, soll den Gehorsam verweigern.
Er kritisiert außerdem Beamtinnen und Beamte beziehungsweise die Beamtenschaft, wenn sie dem Staat treu dienen, ohne auf das eigene Herz und Gewissen zu hören.
Kritik am Mehrheitsprinzip
Ein weiterer wichtiger Punkt ist Thoreaus Kritik am Mehrheitsprinzip in Demokratien. Er hält Mehrheitsentscheidungen nicht automatisch für gerecht oder vernünftig. Eine „unqualifizierte Mehrheit“ könne ungerechte Rechte beschließen, und ein Mehrheitsbeschluss bedeute keinesfalls, dass die beste Entscheidung getroffen wurde.
Daraus folgt seine Forderung nach einem individuellen Gewissensrecht. Einzelne Menschen sollen nicht unkritisch tun, was die Mehrheit beschlossen hat, sondern prüfen, ob eine Entscheidung moralisch vertretbar ist.
Einfluss und Wirkung
Der Essay blieb einflussreich, obwohl seine Argumentation teilweise von romantischen Voraussetzungen abhängig ist, etwa vom Glauben an einen Volksgeist, die im 20. Jahrhundert fragwürdig geworden waren.
Thoreaus Idee des zivilen Ungehorsams aus Gewissensgründen inspirierte wichtige Bewegungen und Personen. Dazu gehören die Ideen zum gewaltfreien Widerstand von Gandhi und Martin Luther King. Auch die französische Widerstandsbewegung im Zweiten Weltkrieg, die Protestbewegung von 1968, die Friedensbewegung und die Umweltbewegung wurden durch die Lektüre des Essays beeinflusst.
Verfilmung
2012 erschien der prämierte portugiesische Western Estrada de Palha, dessen englischer Festivaltitel Hay Road lautet. Das Drehbuch schrieb der Regisseur Rodrigo Areias; es basiert auf Thoreaus Essay.