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Ökotourismus
Ökotourismus trägt aktiv zum Erhalt des natürlichen und kulturellen Erbes bei. · Er berücksichtigt und involviert die lokale oder indigene Bevölkerung und trägt …
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Grundidee und Definition
Ökotourismus, auch naturnaher Tourismus genannt, ist eine Form des Tourismus, die besonders auf die Belange der Umwelt und der ansässigen Bevölkerung Rücksicht nimmt. Er soll nicht nur Natur erleben lassen, sondern zugleich natürliche und kulturelle Ressourcen schützen und den Menschen vor Ort zugutekommen.
Nach der Weltorganisation für Tourismus (UNWTO) beruht Ökotourismus auf den Grundpfeilern nachhaltiger Entwicklung: Wirtschaft, Ökologie und soziokulturelle Verträglichkeit. Er unterscheidet sich von anderen nachhaltigen Tourismusformen durch vier besonders strikte Prinzipien:
- Er trägt aktiv zum Erhalt des natürlichen und kulturellen Erbes bei.
- Er berücksichtigt und beteiligt die lokale oder indigene Bevölkerung und trägt zu deren Wohl bei.
- Er vermittelt den Besuchern das natürliche und kulturelle Erbe des Reiseziels.
- Er richtet sich vor allem an Individualreisende oder kleinere organisierte Gruppen.
Das Bundesamt für Naturschutz versteht Ökotourismus als Weiterentwicklung des umweltverträglichen beziehungsweise umweltfreundlichen Tourismus. Die Perspektive soll über die menschliche Umwelt hinaus auf ökologische Zusammenhänge erweitert werden. Ziel ist ein „ökologisch verantwortlicher Tourismus“, der einen intakten Naturhaushalt und eine auch für wildlebende Pflanzen und Tiere angemessene Umwelt berücksichtigt.
Aktivitäten und Abgrenzungen
Der Begriff Ökotourismus bezieht sich meist weniger auf die An- und Abreise als auf ein umweltfreundliches Verhalten am Urlaubsort. Naturtourismus bezeichnet nach der GTZ beziehungsweise Ludwig Ellenberg ein spezielles Nachfragesegment, bei dem naturbezogene Aktivitäten in attraktiven naturnahen Landschaften, bevorzugt in Schutzgebieten, ausgeübt werden. Dazu gehören Wissenschaftstourismus, Tierbeobachtungen, Naturphotographie, konsumtive Aktivitäten wie Fischen und Jagen sowie Sport- und Abenteuertourismus.
Naturtourismus wird erst dann zu Ökotourismus, wenn die Aktivitäten nachhaltig sind, die Natur schützen und zur lokalen Bevölkerung beitragen. Ein Beispiel ist der Vergleich zwischen Tierbeobachtung und Jagd: Bei Grizzlybären an der Pazifikküste konnten Beobachtungstouren das Zwölffache der touristischen Einnahmen aus der Bärenjagd einbringen.
Ein Konzept der inzwischen nicht mehr existierenden PAN Parks Foundation sollte Ökotourismus, lokale Wirtschaftsförderung und Naturschutz in europäischen Schutzgebieten mit Wildnischarakter verbinden. Die European Wilderness Society führt dieses Konzept weiter.
Ökotourismus ist nicht gleichbedeutend mit nachhaltigem Tourismus. Nachhaltiger Tourismus kann auch in Städten stattfinden, während Ökotourismus meist auf naturnahe oder geschützte Gebiete bezogen ist. Zudem bestehen Abgrenzungsprobleme zu Angeboten, die nur einzelne ökologische Aspekte vermarkten, insgesamt aber eine negative Ökobilanz aufweisen. Dies wird als Greenwashing bezeichnet. Im spanischen Sprachgebrauch kann „ecoturismo“ außerdem lediglich einen Ausflug ins Grüne meinen; in Ecuador dient die Bezeichnung teilweise als Marketingstrategie für naturtouristische Reisen, die tatsächlich wenig umweltfreundlich sind.
Entwicklung des Konzepts
Der Begriff Ökotourismus entstand in den 1960er-Jahren in den USA. Eine Definition der The Ecotourism Society aus dem Jahr 1991 lautet: „Ecotourism is responsible travel to natural areas that conserves the environment and sustains the well being of local people.“ Gemeint ist damit verantwortungsbewusstes Reisen in natürliche Gebiete, das die Umwelt erhält und das Wohlergehen der lokalen Bevölkerung unterstützt.
Namibia war 1990 eines der ersten Länder der Erde, das dem Umweltschutz Verfassungsschutz einräumte. Seitdem koordiniert dort ein eigens geschaffenes Ministerium für Umwelt und Tourismus einen ökologischen Tourismus.
Auf der Rio-Konferenz von 1992 rückte das Thema Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt der Vereinten Nationen. Die Staatengemeinschaft verständigte sich auf das Nachhaltigkeitsprinzip, das auch für den Tourismus gelten sollte. Gästezufriedenheit und die Stärkung der regionalen Wirtschaft sollten mit Naturschutz und einer Verbesserung der Lebensqualität der Einheimischen verbunden werden. In Deutschland setzt das Bundesamt für Naturschutz diese Forderungen durch konkrete Projekte um.
Verbreitung und Beispiele
Ökotourismus ist zu einem eigenen Marktsegment geworden und weltweit verbreitet. Der Artikel nennt zwei afrikanische Beispiele, die der WWF positiv bewertet: das Schutzgebiet Kavango-Zambezi (KAZA) und den Virunga-Nationalpark.
Als Beispiel für ökotouristische Ansätze in schwedisch Lappland werden die Anreise mit Bahn und Bus, die Übernachtung im Zelt oder in Unterkünften der Samen, Wanderungen sowie Informationen zur Flora und Fauna durch die Reiseleitung genannt. Ein weiteres Angebot sind Regenwaldtouren mit einem Motorboot in das Wildtierreservat Cuyabeno in Ecuador. Die Bewerbung als Ökotourismus garantiert dort jedoch nicht automatisch ein umweltfreundliches Reiseangebot.
Ökologische und soziale Kritik
Ökotourismus findet häufig in abgelegenen, wenig erschlossenen Regionen statt, deren seltene Flora und Fauna wegen ihrer vermeintlichen Ursprünglichkeit geschätzt werden. Gerade diese Natur kann durch die touristische Erschließung gefährdet werden. In Nepal und Tibet wurden beispielsweise ganze Wälder abgeholzt, um Trekker und Bergsteiger zu beherbergen. Die Folgen können wüstenartige Landstriche, Bodenerosion, Bergstürze, Überschwemmungen, ein hohes Müllaufkommen sowie Boden- und Wasserverschmutzung sein.
Kritiker befürchten, dass die Öffnung eines Gebietes für Ökotourismus zu umfangreicher Infrastruktur und schließlich zu Massentourismus führt. Auf den Seychellen galt über Jahre eine selbstverordnete Obergrenze von 125.000 Besuchern pro Jahr. Als diese Grenze erhöht werden sollte, wurden Arbeitskräfte importiert. Dadurch verstärkten sich die Abhängigkeit vom Tourismus und die Instabilität des Systems.
Entwicklungsländer gelten als besonders gefährdet, weil geringe Umweltschutzauflagen sie für ausländische Tourismusunternehmen attraktiv machen können. Die Anreise, vielfach mit dem stark umweltschädigenden Flugzeug, wird häufig nicht ausreichend berücksichtigt. Ebenso werden Ausgaben für den Schutz ökologischer und sozialer Ressourcen sowie für gemeinsam genutzte Infrastruktur selten vollständig als Tourismus¬kosten erfasst.
Auch Einnahmen, die angeblich dem Naturschutz dienen, verhindern ökologische Schäden nicht automatisch. Reisen zu den Laichgebieten von Meeresschildkröten können deren Ökosystem beispielsweise durch ungeklärte Hotelabwässer beeinträchtigen. In Kenia haben Einnahmen aus Safari- und Tauchtourismus das Riffesterben keineswegs aufgehalten. Für eine Bewertung der Nachhaltigkeit müssten auch Belastungen außerhalb von Parks und auf dem Weg dorthin einbezogen werden. Die naturverträgliche Steuerung steigender Besucherzahlen kostet zusätzlich Geld; direkte Folgen touristischer Aktivitäten und der dafür gebauten Infrastruktur sind außerdem Umweltverschmutzung und hoher Ressourcenverbrauch.
Konflikte entstehen auch für indigene Völker. Rund 300 Millionen Menschen bewohnen schätzungsweise 90 Prozent der Gebiete mit der weltweit höchsten Artenvielfalt und den seltensten Arten. Im Zuge ökologisch begründeter Tourismusprojekte wurden Indigene teilweise aus ihrem angestammten Lebensraum vertrieben oder durch Zäune am Betreten von Schutzgebieten gehindert. Wegen ihrer rechtlich unsicheren Landrechte kann Tourismus daher ihre Existenzgrundlage gefährden.
Internationales Jahr des Ökotourismus
Die UNO erklärte das Jahr 2002 zum internationalen Jahr des Ökotourismus.