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Ökotheologie

Die Ökotheologie (auch Ökologische Theologie) bezeichnet eine Richtung in der Theologie aller Konfessionen, die sich mit dem Verhältnis des monotheistischen …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Ausgangspunkt
  2. 2. Christliche theologische Ansätze
  3. 3. Globale Perspektive und neuere Entwicklungen

Gegenstand und Ausgangspunkt

Ökotheologie, auch ökologische Theologie, ist eine Richtung der Theologie aller Konfessionen. Sie untersucht das Verhältnis des monotheistischen Gottes zur Natur und zu den Menschen, die in der Natur leben. Sie entstand in den 1980er Jahren. Ihr Anliegen ist, Aussagen über Gott, Schöpfung und den Menschen so zu bedenken, dass ökologische Zusammenhänge berücksichtigt werden.

Wichtige Anstöße kamen aus Tradition, Ethik und Kosmologie. Als Vorläufer gilt der heilige Franziskus von Assisi: Er nahm belebte und unbelebte Natur, etwa Mond, Gestirne, Feuer, Wasser, Luft und Erde, als „Geschwister“ wahr. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 1979 zum Patron des Umweltschutzes und der Ökologie. Papst Franziskus wählte 2015 die Anfangsworte des Sonnengesangs des Franziskus von Assisi als Incipit seiner Enzyklika Laudato si’.

Carl Amery kritisierte 1972 in Das Ende der Vorsehung, das Christentum habe den Herrschaftsauftrag aus Gen. 1,28 – „Macht euch die Erde untertan“ – als Erlaubnis zur hemmungslosen Ausbeutung der Erde missverstanden. Er griff damit eine These des Historikers Lynn White aus einem Vortrag von 1966 auf. Hans Jonas formulierte 1979 in Das Prinzip Verantwortung den „ökologischen Imperativ“: „Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“ Alfred North Whitehead rückte die Natur bereits 1926 an den evolutionären Prozess Gottes heran und schuf damit eine Grundlage für die Prozesstheologie.

Christliche theologische Ansätze

Die katholische Theologie reagierte zunächst vergleichsweise spät auf das ökologische Bewusstsein. Die Pastoralkonstitution Gaudium et spes des II. Vatikanums war durch Fortschrittsoptimismus und Technikgläubigkeit geprägt. Auch die kosmologische Sicht Teilhard de Chardins prägte diesen Geist bis in die 1980er Jahre. Danach wurde ökologisches Denken verstärkt eingefordert. Alfons Auer veröffentlichte 1984 seine Umweltethik; zeitgleich verfasste Jürgen Moltmann seine Ökologische Schöpfungslehre.

In den USA entwickelte der Methodist John B. Cobb in Claremont, angeregt durch Whitehead, eine theologische Schule und verband deren Denken mit christlicher Lehre. Ökofeministische Konzepte knüpften neue Schöpfungstheologie stark an das Geschlechterverhältnis: Der Herrschaft des Mannes über die Natur wurde ein weibliches Verhältnis zur Natur entgegengesetzt. Rosemary Radford Ruether gilt dabei als Vordenkerin. Elisabet Sahtouris versteht die Erde nahezu mythisch als „Gaia“; aus dieser Sicht ist jeder Anthropozentrismus, also die Ausrichtung auf den Menschen als Mittelpunkt, unangemessen. Im deutschsprachigen Raum wurden solche Ansätze kaum aufgegriffen.

Dort behandelt die Schöpfungstheologie eher klassische Fragen: Naturalismus und „mind-brain-Debatte“, Evolutionstheorie und „Intelligent Design“, das Verhältnis von Freiheit und Sünde sowie die Theodizee, also die Rechtfertigung Gottes angesichts des Leidens. Papst Benedikt XVI. hob 2011 zwei Leitfragen hervor: Welche Natur umgibt uns und wie leben wir in ihr? Was ist der Mensch im Kosmos, was ist seine Bestimmung? Er betonte außerdem eine „Ökologie des Menschen“: Der Mensch habe eine Natur, die zu achten und nicht beliebig zu manipulieren sei; wahre Freiheit vollziehe sich, wenn der Mensch auf diese Natur höre und sie annehme.

Globale Perspektive und neuere Entwicklungen

Anne Primavesi beschreibt in ihrem Artikel Ökologische Theologie von 2003 eine globale Perspektive als Ausgangspunkt: Die Erde wird als globales Öko-System verstanden. Aussagen über Gott sollen nicht nur menschlich-göttliche Beziehungen, sondern auch die planetarische Geschichte berücksichtigen. Kennzeichnend für die ökologische Theologie ist damit eine Relativierung des traditionellen Anthropozentrismus; nach Primavesi ist dieser am Ende.

2008 gründeten Rainer Hagencord und der Schweizer Kapuziner Anton Rotzetter ein Institut für Theologische Zoologie, das seit 2009 zur Philosophisch-Theologischen Hochschule Münster gehört. Markus Vogt bezeichnete die Ökologiekrise 2021 als „Erfahrung der Abwesenheit Gottes oder auch [...] Erfahrung des gekreuzigten (kosmischen) Christus“. Bei einer Tagung mit dem Titel „Konstruierte Schöpfung?“ in Stuttgart im September 2021 bestand Einigkeit darin, nichtmenschliches Leben stärker ins Zentrum der Theologie zu rücken. Zudem wurden prozesstheologische Theorien unter anderem von Catherine Keller und Elizabeth Jordan weitergedacht.

Ansatzpunkte außerhalb des Christentums nennt der Artikel bei jüdischen Denkern wie Martin Buber, der sagte: „Man kann zu Gott nicht anders kommen als durch die Natur“, und Abraham Joshua Heschel: „Wer einer Kreatur hilft, hilft Gott“. Genannt wird auch der islamische iranische Philosoph Hossein Nasr. Für Indien wird Vandana Shiva angeführt, allerdings nicht wegen eines direkten theologischen Bezugs, sondern wegen eines spirituellen Verhältnisses zur Natur.

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