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Édith Piaf

Édith Piaf (bürgerlich Édith Giovanna Gassion; * 19. Dezember 1915 in Paris; † 10. Oktober 1963 in Plascassier) war eine französische Sängerin, die durch …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und künstlerisches Profil
  2. 2. Kindheit und Weg zur Sängerin
  3. 3. Durchbruch, Krieg und Besatzungszeit
  4. 4. Karrierehöhepunkt, Krankheit und Tod
  5. 5. Nachwirkung und Veröffentlichungen

Bedeutung und künstlerisches Profil

Édith Piaf, bürgerlich Édith Giovanna Gassion, wurde am 19. Dezember 1915 in Paris geboren und starb am 10. Oktober 1963 in Plascassier. Sie war eine französische Sängerin, die durch ihre Interpretation von Chansons weltweit berühmt wurde. Ein Chanson ist ein französischsprachiges, meist erzählendes Lied, bei dem Text und persönlicher Ausdruck besonders wichtig sind. Piafs Gesangsstil und Ausdruckskraft wurden häufig mit den Tragödien ihres Lebens verbunden.

Zu ihren größten Erfolgen zählen La Vie en rose, Hymne à l’amour, Milord und Non, je ne regrette rien. Sie nahm über 200 Lieder auf Schallplatte auf. Ihre Karriere und ihre Förderung anderer Künstler beeinflussten unter anderem Charles Aznavour, Gilbert Bécaud, Yves Montand, Georges Moustaki und Francis Lai.

Kindheit und Weg zur Sängerin

Piaf wurde wenige Wochen nach ihrer Geburt – nach anderen Darstellungen erst im Alter von zwei Jahren – von ihrer Mutter Annetta Jacqueline Gassion, geborene Maillard, verlassen. Sie lebte zunächst bei ihrer Großmutter mütterlicherseits und litt dort Hunger. Ihr Vater Louis Alphonse Gassion, ein Schlangenmensch in einem Wanderzirkus, brachte sie 1917 zu seiner Mutter in ein Bordell in Bernay in der Normandie.

1919 erkrankte Piaf an einer Entzündung der Augenhornhaut und drohte zu erblinden. Nach einer Wallfahrt zur heiligen Therese von Lisieux im Jahr 1921 schrieb sie ihre Heilung dieser Wallfahrt zu. Mit sieben Jahren nahm ihr Vater sie erstmals mit; ab dem zehnten Lebensjahr begleitete sie ihn und wurde zur Straßensängerin ausgebildet. Ihre Kindheit war zudem von Gewalt im Umfeld und vom Alkoholismus ihres Vaters geprägt.

Mit 15 Jahren verließ sie ihren Vater und sang mit einer Freundin auf den Straßen von Paris. Louis Leplée entdeckte sie und holte sie in sein Kabarett. Wegen ihrer Körpergröße von 1,47 Metern gab er ihr den Namen la môme piaf, das „Spatzenmädchen“. Mit 16 Jahren bekam sie ihre Tochter Marcelle, die im Alter von zwei Jahren an Hirnhautentzündung starb. 1935 nahm Piaf ihre erste Schallplatte auf. Nach der Ermordung Leplées wurde sie der Mitwisserschaft beschuldigt, vor Gericht aber freigesprochen. Seit ihrer Rückkehr nach Paris 1937 förderte Raymond Asso sie; sein Chanson Mon légionnaire machte sie bekannt.

Durchbruch, Krieg und Besatzungszeit

In den folgenden Jahren gelang Piaf der künstlerische Durchbruch: Sie trat in ganz Europa auf und nahm zahlreiche Schallplatten auf. Auch während der deutschen Besatzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg setzte sie ihre Karriere fort. Das von Michel Emer geschriebene L’Accordéoniste schildert die Liebe einer Prostituierten vor dem Hintergrund des Krieges.

1940 wurde Piaf „Patin“ des Kriegsgefangenen-Stammlagers Stalag III D in Berlin-Lichterfelde. 1942 wohnte sie im 16. Arrondissement von Paris über einem Nachtklub, der zum Umfeld des Gestapo-Hauptquartiers gehörte. 1943 reiste sie mit weiteren französischen Künstlern zu Konzerten nach Berlin und fotografierte vor dem Brandenburger Tor. Im Frühjahr 1944 arbeitete sie erstmals mit Yves Montand zusammen und stellte ihm wichtige Kontakte vor.

Nach dem Krieg stand Piaf unter dem Verdacht der Kollaboration. Sie wurde jedoch vom französischen Säuberungsausschuss freigesprochen; ihre Sekretärin Andrée Bigard, Mitglied der Résistance, bürgte für ihre aufrechte Gesinnung. Fotos mit französischen Kriegsgefangenen sollen außerdem dazu gedient haben, gefälschte Arbeitserlaubnisse auszustellen und Fluchten zu ermöglichen. Der Ruf einer Kollaborateurin blieb dennoch bestehen; 1946 wurde ein Auftritt in Saarbrücken durch den Militärgouverneur Gilbert Grandval unterbrochen.

Karrierehöhepunkt, Krankheit und Tod

Der Tod ihres Geliebten, des Boxweltmeisters Marcel Cerdan, bei einem Flugzeugabsturz im Oktober 1949 löste bei Piaf eine schwere seelische Krise aus. 1952 heiratete sie den Sänger Jacques Pills; Marlene Dietrich war Trauzeugin. Die Ehe endete 1956. In den 1950er Jahren war Piaf mit Georges Moustaki zusammen. Er schrieb 1959 zu einer Komposition von Marguerite Monnot den Text von Milord, das Piafs größter Erfolg wurde. Non, je ne regrette rien von Charles Dumont und Michel Vaucaire erschien 1960 und hatte ebenfalls große Bedeutung; Piaf widmete es der französischen Fremdenlegion.

Nach einem Autounfall im September 1958 wurde Piaf mehrfach operiert und erhielt Morphium gegen Schmerzen; dies soll zu einer lebenslangen Drogenabhängigkeit geführt haben. Sie gab übermäßigen Alkoholkonsum auf, litt aber an chronischer rheumatoider Arthritis. Ende der 1950er Jahre wurde bei ihr nach einem Schwächeanfall eine unheilbare Krebserkrankung festgestellt. Dennoch trat sie weiter auf, bis sie am 20. September 1959 in New York zusammenbrach und viele Auftritte absagen musste.

Ende 1960 sollen erfolgreiche Auftritte, darunter mit Non, je ne regrette rien, das Pariser Olympia vor dem finanziellen Ruin bewahrt haben. 1961 gelang ihr ein Comeback. Im Oktober 1962 heiratete sie den Sänger Théo Sarapo. Anfang August 1963 wurde die schwer geschwächte Piaf nach Plascassier gebracht, wo sie am Mittag des 10. Oktober starb. Ihr Leichnam wurde heimlich nach Paris überführt; der Totenschein nannte als Todeszeitpunkt den 11. Oktober 1963 um 8 Uhr in Paris. Etwa 40.000 Menschen nahmen an ihrem Begräbnis auf dem Friedhof Père Lachaise teil.

Nachwirkung und Veröffentlichungen

In Paris erinnern die Place Édith Piaf und das Édith-Piaf-Museum in der Rue Crespin du Gast an die Sängerin. Das Museum zeigt persönliche Erinnerungsstücke, ein Kleid und ihre Porzellansammlung. Ihr Leben wurde in Büchern, Zeitungsartikeln sowie Bühnen- und Filmwerken vielfach dargestellt. Der Film La vie en rose von Olivier Dahan aus dem Jahr 2007 zeigt Piafs Leben mit Marion Cotillard in der Hauptrolle; Cotillard erhielt dafür einen Oscar.

Piafs Musik blieb auch nach ihrem Tod erfolgreich. Kompilationen ihrer Lieder werden weiterhin veröffentlicht, und Künstlerinnen wie Patricia Kaas und Lara Fabian coverten ihre Songs. Als Beispiele für spätere Charterfolge erreichte der Soundtrack La Môme 2007 in Frankreich Platz 4 und blieb dort 38 Wochen in den Charts; Symphonique erreichte 2023 in Frankreich Platz 33 und in der Schweiz Platz 19. Milord stand 1960 in Deutschland auf Platz 1 und 32 Wochen in den Charts.

Für Musikverkäufe erhielt Piaf postum unter anderem Auszeichnungen in Argentinien, Australien, Frankreich und dem Vereinigten Königreich. Insgesamt nennt der Artikel eine silberne, 13 goldene und 9 Platin-Schallplatten. Für Frankreich werden 11 Gold- und 8 Platin-Auszeichnungen sowie 2.545.000 Verkäufe angegeben.

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