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Karthagisches Reich
Karthago hat die drei Punischen Kriege mit Rom geführt. Zwischen dem Ersten und Zweiten Punischen Krieg ereignete sich der Libysche Krieg, ein Bürgerkrieg, …
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Das Karthagische Reich im Überblick
Das Karthagische Reich war das Macht- und Einflussgebiet einer See- und Handelsmacht im westlichen Mittelmeer. Seine Einwohner werden auch Punier genannt; politisches und wirtschaftliches Zentrum war Karthago im heutigen Tunesien. Die Stadt wurde im 9. oder 8. Jahrhundert v. Chr. als Tochterstadt von Tyros gegründet. Aus der städtischen Seemacht entwickelte sich ein selbstständiges Reich, das von der Mitte des 7. bis ins 2. Jahrhundert v. Chr. bestand. Als wichtiges Symbol gilt das Zeichen der Göttin Tanit, das auf zahlreichen Stelen gefunden wurde.
Karthago war eine Thalassokratie, also eine vor allem auf Seemacht gestützte Herrschaft, zugleich eine Oligarchie unter Führung weniger einflussreicher Familien und eine Plutokratie, in der Reichtum politische Macht begünstigte. Die Stadt besaß zwei gleichberechtigte Sufeten als höchste Amtsträger sowie einen Ältestenrat. Ab etwa 550 v. Chr. bestand außerdem der „Ältestenrat der 104“.
Das Reich umfasste nordafrikanische Küstengebiete sowie Stützpunkte und Herrschaftsgebiete auf Sizilien, Sardinien, Korsika, den Balearen und im südlichen Iberien. Östliche Grenzorte waren Leptis, Oea und Sabratha an der libyschen Syrte, westliche Zentren Cádiz und Huelva. Zu bekannten Gründungen oder Niederlassungen gehören außerdem Palermo, Ibiza, Magon, Cartagena, Tanger, Algier und Essaouira.
Ursprünge, Gründung und Stadt
Die Entwicklung Karthagos ging aus der phoinikischen Expansion hervor. Die Phoiniker waren kein einheitlicher Staat; Städte wie Sidon, Tyros und Byblos handelten als selbstständige Gemeinwesen. Seit dem 12. Jahrhundert v. Chr. dominierte zunächst Sidon den Handel, seit dem 10. Jahrhundert v. Chr. Tyros. Nach den Zerstörungen und politischen Umbrüchen der Spätbronzezeit wurden phoinikische Händler neben den Hellenen zu einer führenden Seemacht. Militärischer Druck aus Assyrien, Babylonien und Persien löste zusätzlich Auswanderungswellen aus.
Für Karthagos Gründung nennen die literarischen Quellen unterschiedliche Daten. Nach Timaios von Tauromenion ergibt sich 814/13 oder 813/12 v. Chr.; Menandros von Ephesos setzt sie ungefähr zwischen 825 und 820 v. Chr. an. Andere Autoren schlugen etwa 890 v. Chr. vor. Die ältesten archäologischen Funde reichen jedoch nur bis 760 v. Chr. zurück. Möglich ist, dass anfangs eine zeitweise besetzte Handelsniederlassung mit Bauten aus vergänglichem Material bestand.
Karthago lag ungefähr auf halber Strecke zwischen der Levante und Südspanien und passte damit zu den Strömungen und Etappen des Mittelmeerhandels. Die Stadt befand sich auf einer gut zu verteidigenden Halbinsel. Salzsee, Mittelmeer und See von Tunis schützten sie; das fruchtbare Hinterland und die landwirtschaftlich genutzte Megara erleichterten die Versorgung. Das Stadtgebiet umfasste bei der Gründung im 8. Jahrhundert v. Chr. rund 55 Hektar.
Die Stadt bestand aus der erhöhten Byrsa mit Altstadt und religiösem Zentrum, der Unterstadt mit dem Kothon genannten Hafen sowie der Vorstadt Neapolis. Westlich des Hafens lag der Tofet, der Kultbezirk für Baal Hamon und Tanit; die Agora befand sich wahrscheinlich nördlich oder nordwestlich davon. Nekropolen waren stadtartig angelegte Friedhöfe. Die nördliche Megara wurde durch Gehöfte und Landwirtschaft geprägt.
Handel, Seefahrt und kulturelle Bedeutung
Die phoinikische und karthagische Expansion beruhte zunächst vor allem auf Handel, nicht auf Eroberung. Händler nutzten anfangs Randbereiche einheimischer Siedlungen, richteten Kontore – ausländische Handelsstützpunkte – ein und gründeten später feste Wohnsiedlungen. Wo eine Verständigung nicht möglich war, kam es zum „stummen Handel“: Händler legten Waren ab, Einheimische boten Gold, und beide Seiten veränderten das Angebot, bis sie den Tausch als gerecht ansahen.
Gehandelt wurden zunächst unter anderem Lebensmittel, Wein, Stoffe und Salben, später vor allem Metalle sowie Erzeugnisse des Handwerks. Berühmt waren teurer Purpur aus Schnecken, die Fischwürzsauce Garum und die Verarbeitung von Zedernholz. Das um die Mitte des 12. Jahrhunderts v. Chr. entwickelte phoinikische Alphabet erleichterte Preisvergleiche und Buchhaltung. Es wurde durch Phoiniker und Karthager verbreitet und gilt als Vorläufer des griechischen und lateinischen Alphabets. Karthagische Münzprägungen setzten hauptsächlich im 5. Jahrhundert v. Chr. ein.
Die Navigation nach den Sternen erlaubte Fahrten außerhalb der Küstensicht und bei Nacht. Der Kleine Bär mit dem Polarstern diente als Orientierungspunkt. Karthagische Seefahrer erkundeten außerdem den Atlantik: Hanno fuhr gegen Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. an der westafrikanischen Küste möglicherweise bis zum Golf von Guinea oder zum Kamerunberg. Himilkon suchte ungefähr gleichzeitig entlang Nordwestiberiens und möglicherweise bis zu den Scilly-Inseln nach Zinn und Blei. Herodot berichtet zudem von einer angeblich zweijährigen Umsegelung Afrikas durch Phoiniker um 600 v. Chr. im Auftrag Pharao Nechos II.
Karthago war Endpunkt des Transsaharahandels mit den Garamanten; aus Innerafrika kamen Gold, Elfenbein und Sklaven. Von besonderer Bedeutung waren auch die Metalle Sardiniens und Iberiens. Angaben über Madeira sind möglich, Fahrten zu den Azoren bleiben ungeklärt und strittig; ein Erreichen Amerikas gilt als unwahrscheinlich.
Aufstieg und Herrschaft im westlichen Mittelmeer
Karthago blieb während seiner ersten beiden Jahrhunderte von Tyros abhängig. Als Persien 539 v. Chr. das phoinikische Mutterland eroberte, konnten die dortigen Städte ihre westlichen Kolonien nicht mehr schützen und mussten Schiffe für die persische Flotte stellen. Karthago besaß inzwischen eine starke eigene Flotte, löste sich spätestens bis zum Ende der Regierungszeit Hirams III. im Jahr 532 v. Chr. von Tyros und übernahm die Führungsrolle über die westlichen phoinikischen Niederlassungen.
Zu den wichtigsten Gebieten gehörte Sardinien, wo Phoiniker spätestens seit 1000 v. Chr. Bodenschätze gewannen. In der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. griff Karthago militärisch ein. Nach einer Niederlage des Feldherrn Malchus reformierte Mago Militär und Staat; Hasdrubal und Hamilkar setzten die Eroberungen fort. Zur Zeit des ersten karthagisch-römischen Vertrages 508/507 v. Chr. beanspruchte Karthago die vollständige Herrschaft über Sardinien, auch wenn einige Stämme im Landesinneren unabhängig blieben.
Mit den Etruskern bestand ein dauerhaftes Bündnis. Gemeinsam kämpften beide Mächte 537 oder 535 v. Chr. vor Alalia gegen phokaische Griechen. Eine karthagisch-etruskische Flotte von 120 Schiffen traf auf 60 griechische Schiffe. Obwohl Herodot den Griechen den Sieg zuschreibt, verloren sie 40 Schiffe und gaben Alalia auf. Korsika blieb zunächst vor allem etruskisches Einflussgebiet; als die Etrusker zwischen etwa 320 und 240 v. Chr. von Rom assimiliert wurden, übernahmen die Karthager stärker die Kontrolle, ohne die Insel nachweislich zu kolonisieren.
Im westlichen Sizilien waren Phoiniker und Karthager mit den Elymern verbündet. Dagegen entstanden im Osten zahlreiche griechische Städte, darunter Naxos 735/734 v. Chr. und Syrakus 733 v. Chr. Nach der karthagischen Niederlage bei Himera 480 v. Chr. blieb Syrakus jahrzehntelang die führende Macht im zentralen Mittelmeer. Karthago konzentrierte sich währenddessen auf Nordafrika, Sardinien, die Balearen und Südspanien.
Kriege um Sizilien und gegen Pyrrhus
Seit 410 v. Chr. nutzte Karthago die Schwächung der griechischen Städte im Peloponnesischen Krieg für eine erneute Expansion auf Sizilien. Unter Hannibal Mago und Himilkon wurden 409 v. Chr. Selinunt, 408 v. Chr. Himera und 406 v. Chr. Akragas erobert; um 400 v. Chr. folgten Plünderungen weiterer Städte. Nach der Zerstörung Motyes durch Dionysios I. von Syrakus im Jahr 397 v. Chr. gründeten die Karthager Lilybaion als neue Festung.
Die beiden Flüsse namens Himera bildeten lange eine Grenze zwischen der karthagischen Westhälfte und dem von Syrakus beherrschten Osten. Mehrere Angriffe auf Syrakus scheiterten, teilweise weil Epidemien die karthagischen Heere schwächten. Im Krieg gegen Agathokles eroberten die Karthager ab 315 v. Chr. große Teile Siziliens. Agathokles griff daraufhin 310 v. Chr. mit 14.000 Männern überraschend das karthagische Mutterland an. Sein Heer wurde geschlagen, doch er konnte einen Frieden aushandeln, der ihm Ostsizilien sicherte.
Zwischen 280 und 275 v. Chr. kämpfte Pyrrhus von Epirus gegen Rom in Italien und gegen Karthago auf Sizilien. Er vereinigte zunächst die griechischen Städte und nahm Karthago fast alle Besitzungen auf der Insel ab; nur Lilybaion hielt stand. Seine Innenpolitik entfremdete ihm jedoch die sizilischen Verbündeten. Nach einer Niederlage auf See und der späteren Niederlage bei Benevent kehrte Pyrrhus nach Epirus zurück. Tarent ergab sich 272 v. Chr. Rom. Damit sank der griechische Einfluss im westlichen Mittelmeer, während die Rivalität zwischen Rom und Karthago hervortrat.
Die drei Punischen Kriege und das Ende
Verträge von 348 und 306 v. Chr. hatten die Interessensphären abgegrenzt: Karthago sollte sich aus Italien fernhalten, Rom überließ ihm Sizilien. Die römische Expansion führte dennoch zu drei Punischen Kriegen.
Der Erste Punische Krieg (264–241 v. Chr.) begann, als Rom den Mamertinern in Messina half. Rom baute ein gestrandetes karthagisches Kriegsschiff nach und versah seine Schiffe mit Enterbrücken, dem Corvus. Nach dem römischen Sieg bei den Ägatischen Inseln musste Karthago 241 v. Chr. Sizilien abtreten. Im anschließenden Söldnerkrieg erhoben sich unbezahlte Soldaten und Teile der nordafrikanischen Bevölkerung. Rom nutzte die Schwächung: Karthago musste Sardinien und Korsika abgeben und 1200 Talente zahlen.
Vor dem Zweiten Punischen Krieg erweiterte Karthago seine Macht in Spanien. Nach Hannibals Bruch des Vertrages, den Hasdrubal mit Rom über den Iber geschlossen hatte, begann der Krieg. Hannibal überquerte mit 38.000 Soldaten und 37 Kriegselefanten die Alpen. Am Trasimenischen See und bei Cannae fügte er Rom schwere Niederlagen zu und kämpfte insgesamt siebzehn Jahre auf der Apenninischen Halbinsel. Vom Nachschub abgeschnitten konnte er Rom jedoch nicht entscheidend gefährden. Scipio Africanus der Ältere errang römische Erfolge in Spanien, landete 204 v. Chr. in Nordafrika und besiegte Karthago bei Zama. Der Frieden von 201 v. Chr. zwang Karthago, Spanien und seine Kriegsflotte abzugeben, Tribute zu zahlen und Kriege nur mit römischer Genehmigung zu führen. Damit verlor es seinen Großmachtstatus.
Karthago erholte sich wirtschaftlich, wurde aber von den Numidern König Massinissas bedrängt. Als es sich 150 v. Chr. militärisch wehrte, nahm Rom dies zum Anlass für den Dritten Punischen Krieg (149–146 v. Chr.). Im Jahr 146 v. Chr. zerstörten die Römer Karthago und gliederten das Mutterland als Provinz Africa proconsularis ein. Elemente der karthagischen Kultur prägten die ehemals punischen Gebiete jedoch noch über Jahrhunderte.
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