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Zukunftsmarkt
Als Zukunftsmarkt wird in der Marktforschung und Wirtschaft ein Markt verstanden, dessen Marktpotenzial ein mittelfristig andauerndes Marktwachstum erwarten …
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Definition und Bedeutung
Ein Zukunftsmarkt ist nach der Definition der Marktforschung und Wirtschaft ein Markt, dessen Marktpotenzial ein mittelfristig andauerndes Marktwachstum erwarten lässt. Das Marktpotenzial bezeichnet dabei die künftig möglichen Marktchancen, die durch gezielte Marktbearbeitung ausgeschöpft werden können.
Der Begriff wird in Massenmedien häufig zusammen mit „Wachstumsmarkt“ und „Boommarkt“ verwendet, ohne dass die genaue Bedeutung immer geprüft wird. Eine Untersuchung zu 365 Beiträgen über „Neue Märkte“ fand 98 Treffer in 80 Dokumenten; mindestens einer dieser Begriffe kam damit in mehr als 20 % der Beiträge vor. Der Ausdruck „Markt“ kann dabei unterschiedlich weit gefasst sein: Er kann einen Teilmarkt, etwa die Börse als Teil des Kapitalmarkts, einen Gesamtmarkt wie den Gütermarkt oder ganze Staaten und Wirtschaftsräume wie den Weltmarkt bezeichnen.
Unterschiedliche Begriffsverständnisse
Dieter Schneider verwendete den Begriff enger und bezog ihn auf einen Spotmarkt. Dort werden an einem Börsentag „Verfügungsrechte gehandelt, um Termin-, Terminkontrakt- und Optionsgeschäfte … durchzuführen“. Die beiderseitige Erfüllung erfolgt in diesem Verständnis nicht Zug um Zug, sondern erst in der Zukunft. Deshalb können aus dieser Sicht auch ein Arbeitsvertrag oder ein Architektenvertrag als Geschäfte auf einem Zukunftsmarkt gelten, weil die Arbeitsleistung beziehungsweise die Bauleistung erst später erbracht wird.
In der Handelsbetriebslehre ist ein Zukunftsmarkt dagegen ein Markt für nicht-kontingente Güter. Das sind Güter, bei denen die Gültigkeit eines Anspruchs nicht an ein spezifisches Ereignis gebunden ist. Die heutige Marktforschung verbindet mit dem Begriff vor allem vorhandene Marktpotenziale, die künftig durch Marktbearbeitung genutzt werden können.
Marktdynamik und Prognose
Märkte verändern sich ständig. Diese Veränderungen untersucht die Marktdynamik. Für Unternehmen ist daher wichtig zu erkennen, welcher Markt sich künftig entwickeln kann.
Die Marktforschung untersucht dazu zunächst den Markt und wertet sämtliche Marktdaten der Vergangenheit aus. Aus diesen Daten wird die erwartete künftige Marktentwicklung durch Trendextrapolation fortgeschrieben. Eine Trendextrapolation bedeutet, dass ein in der Vergangenheit erkennbarer Trend in die Zukunft verlängert wird. Ist ein aufsteigender Trend nachhaltig erkennbar, wird der betreffende Markt als Zukunftsmarkt eingeordnet.
Marktzyklus
Einzelne Märkte können ähnlich wie die Gesamtwirtschaft einen Marktzyklus durchlaufen. Marc Faber beschreibt für Kapitalmärkte in Schwellenländern einen Ablauf, der auf Zukunftsmärkten in sechs Phasen stattfinden soll. Die Darstellung nennt allerdings die Bezeichnungen „Phase 0“ bis „Phase 6“, also sieben nummerierte Phasen.
In Phase 0 beginnt ein fortschreitendes Marktwachstum mit einem ziemlich sicheren Trend. Der höchste Scheitelpunkt wird innerhalb der Phase 3 erreicht; diese gilt als Boom-Phase. Danach folgt eine Konsolidierungsphase, die bis zur Phase 4 reicht. In dieser Zeit stagniert die Marktentwicklung oder geht leicht zurück. Anschließend kann es nochmals zu Marktwachstum kommen, das in Phase 5 endgültig endet. In Phase 6 zeigen sich die typischen Merkmale eines Schrumpfmarktes.
Die Marktzyklen überlagern die Entwicklung einzelner Handelsobjekte. Daher kann der allgemeine Zyklus eines Marktes die Entwicklung bestimmter Produkte oder Dienstleistungen auf diesem Markt beeinflussen.
Handelsobjekte und Abgrenzung
Auf Zukunftsmärkten werden insbesondere Produkte und Dienstleistungen gehandelt, die ein Dauerschuldverhältnis begründen. Ein Dauerschuldverhältnis ist ein Vertragsverhältnis, bei dem die Leistungen über einen längeren Zeitraum oder wiederholt erbracht werden. Beispiele sind Abonnements und Sukzessivlieferungsverträge. Solche Angebote sollen eine hohe Kaufintensität versprechen.
Als Zukunftsmärkte gelten außerdem Märkte, auf denen eine Stammkundschaft beliefert wird, Märkte für Luxusgüter sowie Märkte, die durch erfolgreiche Produktinnovationen neu entstehen. Auch nichterneuerbare Rohstoffe werden hierzu gezählt, wenn ihre Reichweite für Jahrzehnte gesichert ist. Nachwachsende Rohstoffe gehören erst recht zum Zukunftsmarkt, weil für sie keine Reichweite ermittelt wird.
Wachstumsaussichten werden insbesondere Technologieunternehmen in den Bereichen Anlagenbau, Biotechnologie, Computertechnik, Gentechnik, Kommunikationstechnik, künstliche Intelligenz, Lebensmitteltechnologie, Maschinenbau, Medizintechnik, Multimedia und Umwelttechnik zugeschrieben. Für die Marktentwicklung wird vorausgesetzt, dass auf einem Zukunftsmarkt ein stetiges Wachstum über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren erwartet wird.
Erfüllen Schwellenmärkte diese Voraussetzung, zählen auch sie zu den Zukunftsmärkten. Als Beispiele werden die Volksrepublik China und der Wirtschaftsraum Asien genannt. China wird wegen seiner „traumhaften Wachstumsraten“ und „enormen Wachstumsmöglichkeiten“ als „Markt der Zukunft“ betrachtet und zieht dadurch die Hoffnungen vieler Unternehmen an.
Vom Zukunftsmarkt unterscheidet sich der Wachstumsmarkt dadurch, dass bei ihm ein stetiges Marktwachstum für weniger als zwei Jahre erwartet wird. Eine Marktlücke ist dagegen meist an ein bestimmtes Produkt gebunden und orientiert sich eher am kurzfristigen Bedarf. Der Zukunftsmarkt ist dagegen auf mittelfristige wirtschaftliche Nachhaltigkeit ausgerichtet.