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Zeugen des Jahrhunderts
Zeugen des Jahrhunderts ist eine Interview-Reihe des ZDF mit Personen der Zeitgeschichte, die von wechselnden Gesprächspartnern befragt werden.
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Überblick und Konzept
„Zeugen des Jahrhunderts“ ist eine deutsche Interview-Reihe des ZDF. Sie porträtiert Personen der Zeitgeschichte: Wechselnde Gesprächspartner befragen sie zu ihrem Leben, ihren Erfahrungen und ihrem Wirken. Die Sendung ist damit eine Quelle für persönliche Erinnerungen und Einschätzungen zu politischen, gesellschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Entwicklungen.
Die Reihe startete am 23. September 1979 im ZDF. Ihre Folgen dauern je Sendetermin 45 bis 75 Minuten. Sie erschien von 1979 bis 2004 und wird seit 2014 wieder ausgestrahlt. Produzent ist das ZDF.
Entwicklung und Gestaltung
Die erste Ausgabe führte Walther Schmieding mit Wolfgang Stresemann, dem Sohn des Reichskanzlers und Außenministers Gustav Stresemann, zum 50. Todestag seines Vaters. Für manche Gesprächspartner reichte eine einzelne Sendung nicht aus: Rund 20 von über 300 Gesprächen wurden in zwei Teilen ausgestrahlt, etwa mit Kurt Georg Kiesinger, Willy Brandt und Leo Löwenthal. Robert Jungk und Rudolf Arnheim erhielten jeweils drei Teile.
Die Ausstrahlung erfolgte unregelmäßig. In den ersten zehn Jahren lagen die Sendeplätze meist vor 23 Uhr, in den folgenden zehn Jahren meist kurz vor Mitternacht. 1999 zeigte das ZDF zum 20-jährigen Bestehen ältere Folgen in langen „Zeugen des Jahrhunderts“-Nächten. Bis 2004 wurde die Nacht der regelmäßige Sendeplatz. Nach der Neuauflage 2014 rückte die Reihe auf den späten Abend; Gast der ersten neuen Ausgabe war der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder zu seinem 70. Geburtstag, befragt von ZDF-Intendant Thomas Bellut.
Meist führten Journalisten die Gespräche, teilweise auch Publizisten oder Historiker. Nach dem Artikel ist bei vielen Fragestellern, besonders in Gesprächen mit Politikern, eine gewisse inhaltliche Grundsympathie erkennbar. Hans Abich, Axel Eggebrecht, Joachim Fest und Marcel Reich-Ranicki waren bislang sowohl Befragte als auch einladende Gesprächspartner. Hans-Dietrich Genscher und Karl Holzamer waren die einzigen Zeitzeugen, die jeweils zweimal zu Gast waren.
Themen, Gäste und Verfügbarkeit
Die Episodenliste umfasst 291 Gespräche (Stand: Januar 2021); nach ZDF-Angaben von April 2014 wurden insgesamt über 300 Gespräche gesendet. Die Gäste stammen aus vielen Bereichen, darunter Politik, Wissenschaft, Kunst, Literatur, Medien, Religion, Wirtschaft und Widerstand gegen den Nationalsozialismus oder die DDR. Dadurch verbindet die Reihe unterschiedliche persönliche Perspektiven auf das 20. Jahrhundert und die Zeit danach.
Beispiele sind Gespräche mit Politikern wie Willy Brandt, Helmut Schmidt, Richard von Weizsäcker, Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Hans-Dietrich Genscher, Egon Krenz und Joschka Fischer. Hinzu kommen etwa Holocaust-Überlebende und NS-Verfolgte wie Simon Wiesenthal, H. G. Adler, Jean Améry und Imre Kertész, Wissenschaftler wie Konrad Zuse, Max Delbrück, Karl Popper und Joseph Weizenbaum sowie Kulturschaffende wie Herbert von Karajan, Yehudi Menuhin, Günter Grass, Marcel Reich-Ranicki und Margarethe von Trotta.
Viele Gespräche erschienen auch als Taschenbücher. Das 1984 von Joachim Fest geführte Gespräch mit Marcel Reich-Ranicki wurde unter dem Titel „Zwischen Diktatur und Literatur“ veröffentlicht; darin sprach Reich-Ranicki erstmals ausführlich vor einem breiten Publikum über sein Schicksal vor allem während der NS-Zeit, zwölf Jahre vor dem großen Verkaufserfolg seiner Autobiografie „Mein Leben“. Zahlreiche Gespräche sind vollständig oder teilweise auf Webportalen abrufbar; einzelne Sendungen werden außerdem auf ZDF-Spartenkanälen, Phoenix und 3sat wiederholt, teils zu Themenblöcken gebündelt.