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Zeittafel der Bahai-Religion
Diese Zeittafel der Bahai-Religion stellt wichtige Ereignisse in der Bahai-Geschichte chronologisch dar. Inhaltsverzeichnis. 1 Schaichi-Periode; 2 Babi-Periode …
Inhalt6 Abschnitte
Überblick und Vorgeschichte
Die Zeittafel der Bahai-Religion stellt wichtige Ereignisse der Bahai-Geschichte chronologisch dar. Sie beginnt mit der Schaichi-Bewegung, aus der der Babismus hervorging, und führt über die Babi-Periode zur Bahai-Periode. Wichtig sind dabei die aufeinanderfolgenden religiösen Führungsfiguren: Scheich Ahmad al-Ahsā'ī, Sayyid Kāzim Raschti, der Bab, Baha’u’llah, Abdul-Baha, Shoghi Effendi und später das Haus der Gerechtigkeit.
Der Schaichismus wurde 1795 durch Scheich Ahmad al-Ahsā'ī begründet. Nach seinem Tod 1826 ernannte er Sayyid Kāzim Raschti zum Führer der Schaichis. Als Sayyid Kāzim Raschti zwischen dem 31. Dezember 1843 und dem 2. Januar 1844 starb, begannen seine Anhänger mit der Suche nach dem Mahdi bzw. Qa’im. Mullah Husayn traf dabei auf den Bab und erkannte in ihm den Mahdi. In diese Vorgeschichte fallen auch die Geburten zweier zentraler Gestalten: Mirza Husayn-Ali Nuri, später Baha’u’llah, wurde am 12. November 1817 in Teheran geboren; Siyyid Ali Muhammad Shirazi, später „der Bab“, wurde am 20. Oktober 1819 in Schiraz geboren.
Entstehung des Babismus
Die Babi-Periode beginnt 1844. Der Bab offenbarte sich in der Nacht vom 22. auf den 23. Mai gegenüber Mulla Husayn, genannt Babu’l Bab, als Mahdi und verkündete ihm seine Sendung. Mulla Husayn wurde dadurch sein erster Anhänger. In derselben Nacht wurde Abbas Effendi, später Abdul-Baha, geboren. Der Bab offenbarte in dieser Zeit den Qayyumu’l-Asma und die „Sieben Beweise“ (Dala’i-i-Sab’ih). Alle Buchstaben des Lebendigen bekannten sich zum neu gegründeten Babismus. Anfang September 1844 begab sich der Bab auf die Pilgerreise nach Mekka im Osmanischen Reich und erklärte dort im Dezember seine Sendung öffentlich.
1845 kam es zu ersten Konflikten und Verfolgungen. Mulla Ali Bastami, ein Sendbote des Bab im Irak, wurde am 13. Januar vor Gericht gestellt. Der Bab gab ein geplantes Treffen mit seinen Anhängern in Kerbela auf, hielt sich zwei Monate in Maskat im Oman auf und kehrte dann nach Persien zurück. In Schiraz begannen erste Übergriffe auf die Babis. Nach seiner Rückkehr wurde der Bab Anfang Juli inhaftiert und unter Druck gesetzt, seine Sendung zu verleugnen; dies lehnte er ab. Zu den neuen Anhängern gehörten Sayyid Yaha Darabi, genannt Vahid, und Mulla Muhammad-Ali Zanjani, genannt Hujjat. Qurrat al-ʿAin errichtete in Kerbela ein bedeutendes Zentrum der Babi.
Verfolgung und Ende des Bab
Ab 1846 verschärfte sich die Lage. Der Bab floh am 23. September aus Schiraz nach Isfahan, wo ihn der Statthalter Manuchihr Khan freundlich aufnahm. Nach dessen Tod am 21. Februar 1847 wurde der Bab gefangen genommen, nach Kulayn deportiert und im Juli in das Festungsgefängnis von Maku gebracht. Dort begann er mit der Abfassung der „Erklärung“ (Bayan). Zugleich wurden Babis systematisch verfolgt: Tahirih wurde aus dem Osmanischen Reich ausgewiesen, die Ermordung von Mulla Muhammad Taqi Baraghani wurde ihr angelastet, und in Qazvin kam es zu ersten systematischen Morden an Babis.
1848 wurde der Bab in die Festung von Chihriq verlegt. Bei einem öffentlichen Verhör in Täbris zwischen Juli und August beanspruchte er, der Qa’im zu sein. Im August verfasste er das „Buch der Namen“ (Kitab-i-Asma). Im Juni traf sich eine größere Gruppe von Babi auf der Konferenz von Badasht. Gleichzeitig entwickelte sich der Tabarsi-Konflikt: Babu’l Bab zog mit der Schwarzen Standarte nach Barfurush, wurde dort am 10. Oktober angegriffen und zog sich am 12. Oktober mit Anhängern in den Schrein von Shaykh Ahmad ibn Abi Talib Tabarsi zurück. 1849 kam Babu’l Bab am 2. Februar während dieses Konflikts ums Leben. Obwohl die Babi zahlenmäßig, militärisch und materiell stark unterlegen waren, endete der Konflikt am 10. Mai mit einer Waffenruhe; dennoch wurden die Babi beim Abzug niedergemetzelt. Quddus wurde gefangen genommen, gefoltert und ermordet.
1850 verfasste der Bab im März und April das Kitab-i-panj sha'n. Am 9. Juli wurde er in Tabriz öffentlich hingerichtet. 1852 versuchten verzweifelte Babis am 15. August, Naser ad-Din Schah zu töten. Daraufhin ließ der Schah Baha’u’llah gefangen nehmen und mehrere tausend Babi hinrichten, darunter Táhirih und Siyyid Husayn-i-Yazdi.
Baha’u’llah und die frühe Bahai-Religion
Die Bahai-Periode beginnt 1852 mit Baha’u’llahs Haft im Syah-Chal, dem „Schwarzen Loch“, in Teheran. Während dieser viermonatigen Haft vertraute er einem Besucher an, dass er der vom Bab angekündigte nächste Offenbarer Gottes „für dieses Zeitalter“ sei. Am 12. Januar 1853 wurde er mit seiner Familie von Teheran nach Bagdad im Osmanischen Reich verbannt. 1854 zog er sich nach einem eskalierten Konflikt mit seinem Halbbruder Mirza Yahya in die Berge Kurdistans nahe Sulaimaniyya zurück, kehrte aber 1856 auf die Bitte Abdul-Bahas nach Bagdad zurück.
In den folgenden Jahren verfasste Baha’u’llah wichtige Schriften: 1857 die Verborgenen Worte und die Vier Täler, 1860 die Sieben Täler und Ende 1861 oder Anfang 1862 das Buch der Gewissheit in zwei Tagen und Nächten. Am 21. April 1863 erklärte er sich im Garten Ridvan in Bagdad am Vorabend seines Exils nach Istanbul selbst zu „dem, den Gott offenbaren wird“. Nach vier Monaten in Istanbul wurde er am 12. Dezember 1863 ins Haft-Exil nach Edirne geschickt. 1865 verfasste er die Tafel von Ahmad; 1867 begann er mit Arbeiten an der Tafel an die Könige und dem Kitab-i-Badi.
Am 5. August 1868 wurden Baha’u’llah und eine größere Gruppe seiner Anhänger in die osmanische Strafkolonie Akkon in Palästina im heutigen Israel geschickt, die sie am 31. August erreichten. 1873 verfasste Baha’u’llah den Kitab-i-Aqdas. Kurz vor seinem Tod schrieb er den Brief an den Sohn des Wolfes. Am 29. Mai 1892 starb Baha’u’llah; sein Leichnam wurde im Schrein Baha’u’llahs in der Nähe des Landhauses Bahji beigesetzt. In seinem Testament bestimmte er Abdul-Baha zum Ausleger seiner Schriften.
Abdul-Baha und weltweite Ausbreitung
Nach Baha’u’llahs Tod wurde Abdul-Baha zur zentralen Gestalt der Bahai-Gemeinde. 1893 war die Bahai-Religion erstmals beim Weltparlament der Religionen in Chicago vertreten. 1897 wurde Shoghi Effendi, der Enkel Abdul-Bahas und Urenkel Baha’u’llahs, am 1. März in Akkon geboren. 1898 erreichten die ersten westlichen Pilger Akkon, darunter Phoebe Hearst und der erste afroamerikanische Bahai Robert Turner. 1901 wurde in Aşgabat, damals Russisches Reich, der Grundstein für das erste Haus der Andacht gelegt. 1903 wurden bei der ersten Verfolgung der Bahai des 20. Jahrhunderts in Yazd im Iran über 100 Bahais getötet.
1908 erhielt Abdul-Baha infolge der Jungtürkischen Revolution im Alter von 64 Jahren seine Freiheit zurück. 1909 veranlasste er, dass die leiblichen Überreste des Bab am 21. März in den Schrein des Bab überführt wurden. 1911 reiste Abdul-Baha durch Europa, unter anderem nach London, Bristol und Paris. Am 10. September hielt er im Stadt-Tempel Londons seine erste öffentliche Ansprache. 1912 bereiste er die Vereinigten Staaten, erreichte am 11. April New York City und legte den Grundstein zum Haus der Andacht in Wilmette, Illinois. 1916 verfasste er die ersten acht der 14 Sendschreiben zum Göttlichen Plan, 1917 die letzten sechs Tafeln des Göttlichen Plans.
1920 wurde Abdul-Baha für seine humanitären Verdienste während der Kriegsjahre am 27. April zum Ritter des Britischen Empires geschlagen. Er starb am 28. November 1921 in Haifa. In seinem Testament ernannte er Shoghi Effendi zum Hüter des Glaubens.
Institutionen, Gegenwart und Verfolgung
Unter Shoghi Effendi entwickelte sich die Bahai-Gemeinde organisatorisch weiter. 1935 übersetzte er die Ährenlese aus dem Arabischen und Persischen ins Englische. 1937 veröffentlichte er das „Sendschreiben zum Göttlichen Plan“ und heiratete Mary Maxwell, die später als Ruhiyyih Khanum bekannt wurde. 1944 veröffentlichte er Gott geht vorüber zum 100. Jahrestag der Offenbarung Baha’u’llahs. 1951 bestanden weltweit elf vollständige Nationale Geistige Räte; außerdem ernannte Shoghi Effendi 32 Bahai zu den „Händen der Sache Gottes“ und gründete den Internationalen Bahai-Rat, den Vorläufer des Hauses der Gerechtigkeit. 1953 erstellte er den Zehn-Jahres-Plan; im selben Jahr wurde das nordamerikanische Haus der Andacht in Wilmette eröffnet und der Schrein des Bab fertiggestellt.
Shoghi Effendi starb am 4. November 1957 ohne Kinder und ohne einen Nachfolger ernannt zu haben. Die Hüter des Glaubens, bestehend aus 27 Händen der Sache Gottes, übernahmen den Zehn-Jahres-Plan und gründeten das Haus der Gerechtigkeit. 1963 fand am 21. April in London der erste Bahai-Welt-Kongress statt. Im selben Jahr wurden in Haifa die ersten Mitglieder des Hauses der Gerechtigkeit von Vertretern aus 56 Nationalen Geistigen Räten gewählt. Damit endeten der Zehn-Jahres-Plan und die Hundertjahrfeier der Erklärung Baha’u’llahs im Garten Ridvan.
Seit 1979 führte die „Islamische Revolution“ im Iran zu jahrelanger Verfolgung der Bahai mit über 200 getöteten Bahai bis heute. 1983 bezog das Haus der Gerechtigkeit seinen Sitz in Haifa, Israel. 1985 veröffentlichte es Die Voraussetzungen für den Weltfrieden. 1986 wurde das indische Haus der Andacht, der „Lotustempel“, in Delhi eröffnet. 1992 begann mit dem 100. Todestag Baha’u’llahs am 21. April ein Heiliges Jahr; vom 22. bis 26. November fand der zweite Bahai-Welt-Kongress in New York statt. 2001 wurden die Terrassen der Bahaʾi-Gärten vervollständigt, und weltweit gab es 182 Nationale Geistige Räte. 2006 verabschiedeten Iran und Ägypten Gesetze, die Rechte der Bahai einschränkten; die Vereinten Nationen bezeichneten die iranischen Gesetze als den Nürnberger Gesetzen nahekommend. 2008 bedrohte ein neues iranisches Gesetz die Abkehr vom Islam mit der Todesstrafe, wovon vor allem iranische Bahai betroffen waren. 2008/2009 wurde das Bahai-Weltzentrum zum Weltkulturerbe ernannt, und an 41 regionalen Konferenzen weltweit nahmen etwa 60.000 Menschen teil.