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Yukon (Territorium)
Yukon ist ein Territorium im äußersten Nordwesten Kanadas mit einer Fläche von 482.443 km². Im Westen grenzt das Territorium an Alaska (Vereinigte Staaten), …
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Lage, Naturraum und Klima
Yukon ist ein kanadisches Territorium im äußersten Nordwesten des Landes. Es ist 482.443 km² groß, grenzt im Westen an Alaska, im Süden an British Columbia, im Osten an die Nordwest-Territorien und im Norden an die Beaufortsee beziehungsweise den Arktischen Ozean. Hauptstadt und größte Stadt ist Whitehorse. Der Name geht über den Yukon River auf die Gwich'in-Bezeichnung yu-kun-ah, „großer Fluss“, zurück. Bis 2003 hieß das Gebiet Yukon-Territorium.
Das Territorium gehört, mit Ausnahme der Küstenbereiche im Norden, zu den nördlichen Rocky Mountains und zum Küstengebirge. Im Südwesten dominiert die Eliaskette mit dem Kluane-Nationalpark. Dort liegt der Mount Logan, mit 5959 m der höchste Berg Kanadas und nach dem 6190 m hohen Denali in Alaska der zweithöchste Nordamerikas. Viele Gebirge und Vulkanfelder entstanden durch frühere Bewegungen und Kollisionen tektonischer Platten. Rund einhundert Vulkanfelder liegen im Yukon; zu den genannten Vulkanen zählen Volcano Mountain, Ibex Mountain und die Caldera Bennett Lake Volcanic Complex.
Die Eliaskette hält feuchte Westwinde ab. Deshalb war ein großer Teil Yukons während der Eiszeiten vergleichsweise trocken und, anders als die Küstengebirge und der Osten, kaum vergletschert. Diese eisfreie Tundrenlandschaft heißt Beringia. Permafrost, also Boden, der nie auftaut, ist im Norden durchgängig und in weiten Teilen Yukons vorherrschend; seine Tiefe kann mehr als 300 m betragen, nimmt nach Süden aber stark ab. Der Permafrostboden ist insgesamt im Rückzug.
Die meisten Flüsse entwässern über den Yukon River westwärts durch Alaska ins Beringmeer. Weitere Einzugsgebiete gehören zum Mackenzie, zum Alsek-Tatshenshini oder münden in die Beaufortsee. Bedeutende Flüsse sind Yukon, Pelly, Teslin, Liard, Peel, Porcupine und Klondike. Es gibt zahlreiche Seen, darunter Teslin, Atlin, Tagish, Marsh und Kluane Lake.
Das Klima ist kaltgemäßigt und kontinental bis hochkontinental, mit wenig Niederschlag, der etwa zur Hälfte als Schnee fällt. Im Norden und in Hochgebirgen ist es arktisch. Bei Snag wurden am 3. Februar 1947 −63 °C gemessen. In Whitehorse beträgt die mittlere Temperatur im Januar −17,7 °C, im Juli 14,1 °C; der Jahresniederschlag liegt bei 267,4 mm. Die Carcross Desert ist eine seit der letzten Eiszeit bestehende Dünenlandschaft von rund 2,5 km².
Pflanzen, Tiere und Schutz der Umwelt
Außer der arktischen Tundra im äußersten Norden, den Gebirgskämmen und Gletschergebieten ist Yukon überwiegend von borealen Nadelwäldern geprägt. Typische Baumarten sind Schwarz- und Weiß-Fichte, Zitterpappel, Westliche Balsam-Pappel und Küsten-Kiefer. Die Flora umfasst ungefähr 1100 Gefäßpflanzenarten. Schmalblättriges Weidenröschen gilt als Pflanze des Territoriums.
Zu den auffälligen Tieren gehören Barrenground- und Kanadisches Waldkaribu. Es gibt mehr als 20 Herden, darunter die Porcupine-Herde im Norden und Carcross/Squanga-, Ibex-, Atlin- sowie Wolf-Lake-Herden im Süden. Weitere größere Säugetiere sind Elch, Maultierhirsch, Schneeziege, Dall-Schaf, Wolf, Grizzlybär, Puma, Kojote, Kanadischer Luchs und Amerikanischer Schwarzbär. Bison und Wapiti wurden erst spät wieder durch Menschen angesiedelt; Bisons beispielsweise 1986 am Aishihik Lake. Mehr als 250 Vogelarten sind heimisch. Bei den Fischen sind vier Pazifische Lachsarten wichtig: Königslachs, Rotlachs, Ketalachs und Silberlachs. Königslachse schwimmen den über 3000 km langen Yukon hinauf, um oberhalb von Whitehorse zu laichen.
Die Nutzung von Holz und Pelztieren, später auch giftige Stoffe bei der Erzgewinnung, verursachten Umweltprobleme. Fischotter und Biber waren zeitweise durch starke Bejagung bedroht. Beim Bau des Alaska Highway wurde Wild stark dezimiert; der Vorgänger des heutigen Kluane-Nationalparks sollte Großwild schützen. Der Ausschluss lokaler First Nations von der Jagd nahm ihnen jedoch die Möglichkeit zur Selbstversorgung.
Wichtige heutige Probleme sind der Rückgang von Gletschern, abnehmende Feuchtigkeit und das Auftauen des Permafrosts infolge der globalen Erwärmung. Die Ölgewinnung im Arctic National Wildlife Refuge in Alaska betrifft die Porcupine-Karibuherde, weil sie dort ihren Nachwuchs bekommt. Kanada und die USA schlossen 1997 einen Vertrag zum Schutz dieser Herde. Yukon besitzt die Nationalparks Kluane, Ivvavik und Vuntut mit zusammen rund 26.500 km² sowie mehrere Territorial Parks, darunter Tombstone mit 2.164 km².
Indigene Geschichte, Kolonisierung und Landrechte
Menschen leben seit mindestens 12.000 Jahren im Yukon. Die Vorfahren der heutigen First Nations gehören überwiegend zur athabaskischen Sprachfamilie. Archäologisch sind mehr als 3000 Fundstätten bekannt; die Bluefish-Höhlen zählen mit mindestens 12.000 Jahre alten Funden zu den ältesten Fundstellen Kanadas. Kleine, bewegliche Jagdgruppen nutzten die eisfreie Beringia. Frühere Kulturen sind unter anderem durch Microblades, winzige Steinklingen, und beidseitig geschärfte Werkzeuge erkennbar. Die Taye-Lake-Phase am südlichen Yukon von 4000 bis 1000 v. Chr. wird mit den Tutchone verbunden.
Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts lebten viele First Nations nomadisch, verbrachten die Winter aber stets in denselben Dörfern. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erschloss die Hudson’s Bay Company das Gebiet für den Pelzhandel und übte aufgrund eines britischen Handelsmonopols Verwaltungshoheit aus. Im Süden standen dem faktische Handelsmonopole der Chilkat, einer Tlingit-Gruppe, entgegen. Die Pockenepidemie von 1862 schwächte die Küstenbevölkerung und damit deren Vorherrschaft. Das Gebiet mehrerer Stämme wurde durch die Grenze zu Alaska und dessen Verkauf an die USA 1867 geteilt.
Goldfunde führten 1887 zur ersten nichtindigenen Siedlung Forty Mile. Der Klondike-Goldrausch von 1896 bis 1898 brachte rund 100.000 Goldsucher in die Region. Daraufhin trennte ein Bundesgesetz Yukon am 13. Juni 1898 von den Nordwest-Territorien. Dawson hatte zeitweise mehr als 40.000 Einwohner, verlor nach dem Ende des Goldrauschs jedoch rasch den größten Teil seiner Bevölkerung.
Die Regierung schloss im Yukon keine Landabtretungsverträge wie die Numbered Treaties, da das Gebiet nicht für Landwirtschaft geeignet war und neue Goldfunde möglich schienen. Indigene Menschen wurden über Jahrzehnte benachteiligt: Kleine Reservate ließen kaum Schutz der Ressourcen zu, in Dawson galten Sperrstunden und Aufenthaltsbeschränkungen, und die medizinische Versorgung war mangelhaft. Tuberkulose, hohe Kindersterblichkeit und Segregation führten dazu, dass die Zahl der Indianer von 3322 im Jahr 1901 auf etwa 1300 bis 1600 zwischen 1911 und 1951 sank.
Straßenbau und Pipelineprojekte ab 1942 brachten Krankheiten und förderten die Ansiedlung an festen Orten. Residential Schools zwangen Kinder zum Schulbesuch; der Gebrauch der Muttersprachen und kulturelle Äußerungen waren dort bei Strafe verboten. Zwangsumsiedlungen, unzureichender Wohnraum und Assimilierung trugen zur kulturellen Entwurzelung bei. 1973 legten die First Nations eine gemeinsame Landforderung vor. Seit Mitte der 1990er Jahre schlossen die meisten Stämme Verträge über Landansprüche und Selbstregierung ab. Sie erhielten damit politische, wirtschaftliche und ökologische Kontrolle über Kerngebiete ihrer traditionellen Territorien zurück.
Bevölkerung, Orte und politische Ordnung
Yukon hat eine sehr geringe Bevölkerungsdichte von 0,08 Einwohnern je km². In den Basisdaten werden für 2016 42.986 Einwohner genannt, der Text spricht von rund 43.000 Einwohnern im Jahr 2021; die ausführliche Volkszählungsdarstellung nennt für 2016 dagegen 35.874 Einwohner. Die Bevölkerung schwankte stark: Nach dem Goldrausch wurden 1901 27.219 Einwohner gezählt, 1921 nur 4.157, 2011 33.897 und 2016 35.874. Das Durchschnittsalter betrug 2016 39,1 Jahre, gegenüber 41,0 Jahren in Kanada.
Die Bevölkerung konzentriert sich stark auf Whitehorse. Dort lebten 2016 25.085 Menschen, also gut zwei Drittel der damaligen Territorialbevölkerung; der Großraum Whitehorse zählte 28.225 Menschen. Zweitgrößter Ort war Dawson mit 1.375 Einwohnern, gefolgt von Watson Lake mit 790. Old Crow im äußersten Norden ist eine teilweise nur über Winterstraßen erreichbare indigene Siedlung.
Rund 8.800 Menschen beziehungsweise knapp 26 % der Bevölkerung von 2011 gehörten zu First Nations. Ende 2017 waren es rund 10.000. Im Text werden 16 First Nations genannt; zu ihren Sprach- und Kulturgruppen gehören Gwich'in im Norden, Tutchone, Tagish, Tlingit, Hän und Kaska. Der Council of Yukon First Nations vertritt elf First Nations; neun seiner Mitgliedsstämme hatten Landansprüche und Selbstregierung vertraglich geregelt. Drei weitere First Nations sind nicht angeschlossen.
Yukon war lange direkt von Ottawa abhängig. Bis 1979 regierte ein vom Bundesminister eingesetzter Commissioner, während der Territorialrat nur beratend tätig war. Ein Brief von Minister Jake Epp übertrug 1979 die meisten Regierungsangelegenheiten an den Rat. Der Yukon Act regelte 2003 die Zuständigkeiten der gewählten Territorialregierung; sie entsprechen ungefähr denen kanadischer Provinzen. Die Legislative Assembly hat seit der Wahl 2025 21 Mitglieder und bestimmt den Premierminister. Seit der Wahl im November 2025 ist Currie Dixon von der Yukon Party Premierminister. Yukon entsendet einen Abgeordneten ins kanadische Unterhaus und stellt einen Senator.
Wirtschaft und Verkehr
Die traditionellen Lebensgrundlagen waren Jagd, Fischfang und die Nutzung essbarer Pflanzen. Pelzhandel und später der Goldrausch banden Yukon an die Weltwirtschaft an. Heute sind Tourismus, Rohstoffgewinnung und Dienstleistungen wichtig; Landwirtschaft ist wegen des Klimas nur begrenzt möglich. Nach dem Ende großer Straßen- und Pipelinebauten und der Schließung großer Minen ist der öffentliche Dienst mit rund 40 % der etwa 12.500 Beschäftigten der größte Arbeitgeber. Whitehorse bietet die meisten Arbeitsplätze.
Rohstoffunternehmen suchen oder gewinnen unter anderem Gold, Silber, Molybdän und Zink. Landwirtschaftliche Produkte für den lokalen Bedarf werden auf rund 12.500 ha erzeugt, vor allem im Takhini Valley westlich von Whitehorse. Hauptenergieressource ist Wasser. Im Kotaneelee-Feld wird Gas für den Export gewonnen; für den Verbrauch muss Gas eingeführt werden. Mehr als ein Viertel der Unternehmen lebt zumindest teilweise vom Tourismus. Dieser nutzt Nationalparks, Kajak- und Raftingfahrten, Tierbeobachtungen, Wanderungen, Angebote zu First-Nations-Kulturen und historische Spuren des Goldrauschs. 2007 kamen 329.203 Besucher, 2008 sank die Zahl um 9 %.
Die Verkehrserschließung erfolgte zunächst über Flüsse und Dampfschiffe. Der 1942 gebaute Alaska Highway machte Yukon für den Straßenverkehr zugänglich und löste bis etwa 1955 die Dampfschifffahrt ab. Wichtige Straßen sind außerdem Klondike Highway, Dempster Highway, Robert Campbell Highway, Atlin Road und Canol Road. Viele Besucher kommen mit dem Auto aus British Columbia oder Alaska oder über den Flughafen von Whitehorse, der seit Dezember 2008 Erik Nielsen Whitehorse International Airport heißt. Innerhalb Yukons gibt es 31 Flugplätze.
Die White Pass and Yukon Railway verband ursprünglich Whitehorse mit Skagway; heute fährt eine Touristenbahn von Skagway nach Carcross. Weitere Verkehrsmittel im Territorium sind Busse, Autos, Flugzeuge sowie Motor- und Hundeschlitten.
Sprache, Bildung und Kultur
Amtssprachen für Gesetzestexte, Gerichtsverfahren und Akten der Gesetzgebenden Versammlung sind Englisch und Französisch. Englisch ist zugleich die wichtigste Verständigungssprache. Bei der Volkszählung 2006 nannten 25.655 Personen, 85,69 %, Englisch als Muttersprache; Französisch nannten 1.105 Personen, Deutsch 775 und athabaskische Sprachen 650. Außerhalb von Whitehorse prägen acht indigene Sprachgruppen die Lage: Northern und Southern Tutchone, Tlingit, Upper Tanana, Tagish, Kaska, Hän und Gwich’in. Sprachprogramme bemühen sich um Erhalt und Verbreitung dieser Sprachen.
Die Kultur ist sowohl von Zuwanderern europäischer und US-amerikanischer Herkunft als auch von First Nations geprägt. Indigene Gruppen sind verstärkt im Tourismus und bei Kulturdarbietungen tätig. Das Yukon International Storytelling Festival wurde 1988 auf Initiative der Tagish Angela Sidney gegründet.
Die Yukon University in Whitehorse, bis 2020 Yukon College, ist die einzige Einrichtung höherer Bildung im Territorium. Sie bietet unter anderem den Bachelor of Circumpolar Studies zu Nordkanada, Alaska und Nordrussland an. Programme für First Nations dienen der Ausbildung von Verwaltungs- und Managementpersonal sowie dem Umweltschutz. Museen und Kulturzentren vermitteln Frühgeschichte, First Nations, Verkehr, Bergbau, Mission, Goldrausch und Regionalgeschichte. Zu den wichtigen Einrichtungen zählen das Yukon Beringia Interpretive Centre und das MacBride Museum in Whitehorse sowie das Dänojà Zho Cultural Centre in Dawson.
Wichtigste Zeitung ist der Whitehorse Star; l’aurore boréale ist das einzige französischsprachige Blatt. Der Sender CHON-FM strahlt seit 1984 Programme in indigenen Sprachen aus und gehört den First Nations im Yukon. Im Sport sind besonders Hundeschlittenrennen wie der Yukon Quest und die alle zwei Jahre stattfindenden Arktischen Winterspiele bedeutsam. Zu den Wettbewerben gehören unter anderem Hundeschlittenrennen, Wrestling nach Inuit-Art, Head-Pull und Schneeschuhrennen.