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Wolfgang Herrndorf

Wolfgang Otto Georg Herrndorf (* 12. Juni 1965 in Hamburg; † 26. August 2013 in Berlin) war ein deutscher Schriftsteller, Maler, Illustrator und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kurzprofil und Lebensweg
  2. 2. Jugend, Studium und erste künstlerische Arbeiten
  3. 3. Vom Illustrator zum Schriftsteller
  4. 4. Literarisches Werk
  5. 5. Malerei, Illustrationen und Ausstellungen
  6. 6. Krankheit, Tod und posthume Veröffentlichungen

Kurzprofil und Lebensweg

Wolfgang Otto Georg Herrndorf (* 12. Juni 1965 in Hamburg; † 26. August 2013 in Berlin) war ein deutscher Schriftsteller, Maler, Illustrator und Karikaturist. Er wuchs in den Norderstedter Stadtteilen Garstedt und Glashütte auf und lebte ab 1996 in Berlin. Dort entwickelte er sich vom bildenden Künstler zum Schriftsteller. Zu seinen wichtigen Berliner Kontakten gehörten unter anderem Kathrin Passig, Per Leo und Holm Friebe.

Jugend, Studium und erste künstlerische Arbeiten

Herrndorf interessierte sich schon früh für Malerei und Zeichnen. Als Grundschüler gab er eine Zeitung mit dem Titel ZfS (Zeitung für Schwachsinnige) heraus. Am Coppernicus-Gymnasium in Norderstedt war er besonders in den Naturwissenschaften erfolgreich und legte 1984 als Jahrgangsbester mit dem Notendurchschnitt 1,5 das Abitur ab. Danach leistete er Zivildienst in einer evangelischen Gemeinde und absolvierte ein Pflichtpraktikum in einer Druckerei.

Von 1986 bis 1992 studierte Herrndorf Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und beendete das Studium als Meisterschüler. Seine Malerei war stark von Renaissance und Barock beeinflusst. Zu seinen Vorbildern gehörten Albrecht Dürer und Johannes Vermeer. Außerdem verwendete er ältere Verfahren wie die Lasurmalerei. Diese Ausrichtung entsprach nicht dem damaligen Umfeld der Nürnberger Akademie und führte zu Konflikten, besonders mit seiner Kunstprofessorin.

Vom Illustrator zum Schriftsteller

Nach dem Studium arbeitete Herrndorf mehrere Jahre bei der Deutschen Post und lebte in prekären Verhältnissen. 1994 schickte er dem Magazin Titanic eine Mappe mit Comics, Cartoons und Illustrationen. Im Oktober desselben Jahres veröffentlichte Titanic seinen ersten Cartoon; weitere Beiträge folgten 1995 und 1996. Herrndorf arbeitete auch für den Eulenspiegel.

Nach seinem Umzug nach Berlin-Neukölln im August 1996 und später in die Novalisstraße illustrierte er Bücher für den Haffmans Verlag, zeichnete für den Tagesspiegel und die taz und arbeitete unter anderem mit Jürgen Roth und Gerhard Henschel zusammen. 1999 erschien sein erster Text in der taz; insgesamt verfasste er drei taz-Texte. Auf Anregung seiner Lektorin begann er, literarische Texte zu schreiben. Sein erster veröffentlichter literarischer Text war Scham & Ekel GmbH, der 2001 in der Literaturzeitschrift Raben erschien. Der Wechsel vom Maler zum Autor erfolgte um 2002.

Ab 2001 schrieb Herrndorf regelmäßig im Internetforum Wir höflichen Paparazzi, vor allem unter dem Pseudonym Stimmen. Das Forum wurde als „Hinterland und Resonanzraum für sein Schreiben“ beschrieben. Er beteiligte sich außerdem am Weblog Riesenmaschine, war Mitglied der Zentrale Intelligenz Agentur und wirkte an den ironischen Bunny-Lectures mit. Zudem gehörte er der Autoren-Fußballnationalmannschaft Autonama an.

Literarisches Werk

Herrndorfs Debütroman In Plüschgewittern erschien 2002 im Zweitausendeins-Verlag. Obwohl der Protagonist knapp 30 Jahre alt ist, bezeichnete Herrndorf das Buch als „Adoleszenzroman“. Das Werk zeigt laut der Biographie Einflüsse von Christian Krachts Faserland, der Popliteratur und der Romantik. Es enthält ausdrücklich autobiographische Anteile: Freunde des Autors wurden in Figuren verarbeitet, und persönliche Erfahrungen gingen in die Handlung ein. Die Kritik reagierte überwiegend positiv, ein Verkaufserfolg wurde der Roman jedoch nicht. Eine überarbeitete Taschenbuchfassung erschien 2008 bei Rowohlt.

2007 veröffentlichte der Eichborn Verlag Diesseits des Van-Allen-Gürtels, eine Sammlung zusammengehöriger Kurzgeschichten. Ebenfalls 2007 erschien Die Rosenbaum-Doktrin, ein von Herrndorf erfundenes Interview mit einem nicht vollkommen vertrauenswürdigen Kosmonauten, das Science-Fiction-Elemente enthält. Der unzuverlässige Erzähler, also eine Erzählinstanz, deren Darstellung nicht vollständig vertrauenswürdig ist, kehrt in Herrndorfs Prosa wieder und wird auf den Einfluss Vladimir Nabokovs zurückgeführt.

Der große schriftstellerische Erfolg begann 2010 mit Tschick. Der Roman ist ein Bildungsroman und handelt von Protagonisten, die etwa 14 Jahre alt sind. Tschick stand über ein Jahr auf der deutschen Bestsellerliste. 2011 erschien Sand. Der Roman verbindet Merkmale des Kriminalromans, des Gesellschaftsromans und des historischen Romans. Herrndorf hielt auch die Bezeichnung „Genre des Trottelromans“ für möglich. Für Tschick erhielt er 2011 den Clemens-Brentano-Preis und den Deutschen Jugendliteraturpreis sowie 2012 den Hans-Fallada-Preis. Sand wurde 2012 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet und gelangte 2012 auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises.

Malerei, Illustrationen und Ausstellungen

Als Maler und Illustrator arbeitete Herrndorf häufig mit bekannten Motiven und künstlerischen Vorbildern. 1996 wurde ein für Titanic gemaltes Bild des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl im Stil von Vermeer bekannt und als Plakat verkauft. 1997 erschien im Haffmans Verlag der Wandkalender Klassiker Kohl 1998 mit zwölf Porträts Kohls im Stil berühmter Maler wie Cranach, Magritte und Baselitz.

Gemeinsam mit Jürgen Roth veröffentlichte Herrndorf 1998 das Buch Heribert Fassbender – Gesammelte Werke. Band IX/5: Europameisterschaft 1996, Italien–Deutschland, für das er die Illustrationen anfertigte. Seine Bilder wurden nach seinem Tod im Literaturhaus Berlin, im Literaturhaus München und im Kunsthaus Stade ausgestellt. Einzelne Ausstellungen fanden 2015 in Berlin, 2016 in München und 2017 im Kunsthaus Stade statt.

Krankheit, Tod und posthume Veröffentlichungen

Im Februar 2010 wurde bei Herrndorf ein bösartiger Hirntumor, ein Glioblastom, festgestellt. Daraufhin begann er das digitale Tagebuch Arbeit und Struktur, in dem er über sein Leben mit der tödlichen Krankheit berichtete. In den letzten drei Lebensjahren litt er unter epileptischen Anfällen und arbeitete zugleich intensiv an neuen Buchprojekten, die er noch fertigstellen wollte. Herrndorf beging am 26. August 2013 in Berlin Suizid und wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof beigesetzt. Im Mai 2013 hatte er die Kinderbuchautorin Carola Wimmer geheiratet, mit der er zuvor mehrere Jahre liiert gewesen war.

Arbeit und Struktur erschien im Dezember 2013 posthum bei Rowohlt in Buchform, wie Herrndorf es gewünscht hatte. 2014 veröffentlichte Rowohlt Bilder deiner großen Liebe als unvollendeten Roman und Fortsetzung von Tschick aus der Sicht der Figur Isa. Laut dem Nachwort von Kathrin Passig und Marcus Gärtner hatte Herrndorf der Veröffentlichung zugestimmt und den Titel festgelegt. Jan Gehlers brachte den Text 2015 am Staatsschauspiel Dresden als Theaterstück auf die Bühne; 2019 produzierte der Bayerische Rundfunk daraus ein Hörspiel. 2018 erschien außerdem Stimmen. Texte, die bleiben sollten.

Zu den weiteren wichtigen Auszeichnungen gehören der Kelag-Publikumspreis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2004 für Diesseits des Van-Allen-Gürtels, der Deutsche Erzählerpreis 2008, der 1. Internationale Eifel-Literatur-Förderpreis 2008, der Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft 2012 und der Sonderpreis der Goldenen Blogger 2013. Für Tschick war Herrndorf 2011 außerdem für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

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