Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

In Plüschgewittern

In Plüschgewittern ist der Debütroman von Wolfgang Herrndorf. Er erschien 2002 im Verlag Zweitausendeins. Für eine Neuausgabe im Rowohlt Verlag hat der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk und Ausgangslage
  2. 2. Reise und Begegnungen
  3. 3. Erinnerungen und Schluss
  4. 4. Persönlichkeit des Erzählers
  5. 5. Literarische und kulturelle Bezüge

Werk und Ausgangslage

„In Plüschgewittern“ ist der Debütroman von Wolfgang Herrndorf. Er erschien 2002 im Verlag Zweitausendeins und wurde vom Autor für eine Neuausgabe im Rowohlt Verlag überarbeitet.

Im Mittelpunkt steht ein etwa 30-jähriger namenloser Ich-Erzähler, dessen Leben nach der Trennung von seiner Freundin Erika aus der Bahn gerät. Seine Reise von München über Norddeutschland nach Berlin und zurück verbindet gegenwärtige Erlebnisse mit Erinnerungen an Kindheit, Jugend und Studienzeit. Der Roman zeigt besonders seine Einsamkeit, Orientierungslosigkeit und zunehmende Verzweiflung.

Reise und Begegnungen

Nach der Trennung von Erika verlässt der Erzähler München, wo beide studiert haben. Zunächst fährt er zu seinem Bruder, der mit seiner Frau Marit im Elternhaus bei Hamburg lebt. Dort schläft er in seinem früheren Kinderzimmer. Am folgenden Tag reist er nach Süderbrarup, um seine an Krebs erkrankte Großmutter ein letztes Mal zu besuchen.

Anschließend fährt er nach Berlin zu seinem alten Studienfreund Desmond. Er wohnt einige Tage in einer gegenüberliegenden Wohnung, die Desmonds Freund Anthony ihm überlässt. In einer Kneipe begegnet er Ines Neisecke. Beide kommen sich näher, und der Erzähler verliebt sich kurzzeitig in sie; welchen Charakter ihre Beziehung genau hat, bleibt jedoch ungeklärt.

Der Erzähler erwägt, in Berlin eine Wohnung und eine Arbeitsstelle zu suchen. Er verfolgt diese Pläne allerdings nur halbherzig und verlässt die Stadt bereits nach wenigen Tagen. Seine unstete Reise macht deutlich, dass er zwar nach einem neuen Anfang sucht, aber keine Entscheidung konsequent umsetzt.

Erinnerungen und Schluss

Wahrnehmungen in der Gegenwart lösen immer wieder Erinnerungen an frühere Lebensabschnitte aus. Dazu gehören Erlebnisse mit seinem Kindheitsfreund Malte, seiner ersten Freundin Anja und Desmond in einem Münchner Studentenwohnheim. Diese Rückblicke stehen der verwirrten und bedrückenden Gegenwart des Erzählers gegenüber.

Das letzte Kapitel wechselt die Perspektive: Nun sitzt der Bruder am Schreibtisch und verfasst einen Bericht beziehungsweise eine Charakterbeschreibung des Protagonisten. Daraus geht hervor, dass die Großmutter zwei Tage nach dessen Besuch starb. Der Erzähler konnte jedoch nicht benachrichtigt werden.

Nach einigen Tagen erscheint er unerwartet wieder bei seinem Bruder. Er will nach Frankfurt weiterreisen, weil er glaubt, Erika sei dorthin gezogen. Tatsächlich ist sie dort nie angekommen, sondern hatte mit dem Umzugswagen einen Unfall. Als der Protagonist davon erfährt, verzweifelt er an seinem aus seiner Sicht gescheiterten Leben.

Persönlichkeit des Erzählers

Der Protagonist beschreibt seine Umwelt und andere Menschen meist distanziert und emotionsarm. Seine wegwerfenden Kommentare zeigen eine grundsätzliche Skepsis und teilweise Geringschätzung gegenüber der Welt sowie gegenüber seinem eigenen Leben. Gedanklich bezeichnet er zahlreiche Menschen und sogar Gebäude als „geisteskrank“. Im Umgang mit anderen verhält er sich häufig respektlos und egoistisch.

Die Erinnerungen an frühere Zeiten erzählt er mit mehr emotionaler Wärme. Gleichzeitig erkennt er, dass er sich kaum noch in seine damaligen Gefühle zurückversetzen kann; dies gelingt ihm höchstens in einzelnen Augenblicken. Seine Gegenwart ist dagegen von Nervosität, Unentschlossenheit und ständiger Verwirrung geprägt. Alkohol und andere Drogen verstärken diesen Zustand.

Das Schlusskapitel deutet unter anderem durch die Schreibweise des Bruders an, dass der Protagonist gestorben sein könnte. Sein psychischer Zustand lässt an einen Suizid denken, eindeutig ausgesprochen wird dies jedoch nicht. Ein weiterer Hinweis ist Marits abschließende Bemerkung, sie wolle ihr erstes Kind, mit dem sie bereits schwanger ist, nach dem Protagonisten benennen.

Literarische und kulturelle Bezüge

Der Roman enthält zahlreiche Anspielungen auf den Literatur- und Kulturbetrieb. Genannt wird Rainald Goetz’ blutüberströmter Auftritt beim Bachmann-Wettbewerb 1983 in Klagenfurt. Eine Romanfigur trägt außerdem den Namen des Schriftstellers Joachim Lottmann.

Eine Figur erzählt von einem gewissen Basenbrock, der ein „ironisches Möbelgeschäft“ betreibe. Später stellt sich auch der Ich-Erzähler unter diesem Namen vor. „Basenbrock“ verweist auf den Kunsttheoretiker Bazon Brock. Das Möbelgeschäft spielt auf den Konzept- und Aktionskünstler Rafael Horzon an, der 1999 in der Berliner Torstraße das Geschäft Moebel Horzon gründete. Ebenfalls erwähnt werden das Künstlerlokal Kaffee Burger in derselben Straße und die Ankerklause.

Weiterlesen