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Wirtschaftsgeographie
Die Wirtschaftsgeographie, auch Wirtschaftsgeografie, als sozialwissenschaftlicher Teilbereich der Geographie erfasst, beschreibt und erklärt …
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Gegenstand und Bedeutung
Die Wirtschaftsgeographie ist ein sozialwissenschaftlicher Teilbereich der Geographie. Sie erfasst, beschreibt und erklärt Wirtschaftsräume auf der Erdoberfläche. Untersucht werden ihre ökonomischen Strukturen sowie die Prozesse und Funktionsweisen, durch die diese Räume entstehen.
Dabei analysiert die Wirtschaftsgeographie räumliche Netzwerke auf verschiedenen Maßstabsebenen. Sie kann Betriebe und Unternehmen, regional- und volkswirtschaftliche Aspekte oder eine vermittelnde „Mesoebene“ betrachten. Besonders wichtig ist die Wechselwirkung zwischen wirtschaftenden Menschen und ihrer natürlichen Umwelt.
Das Fach hat Schnittstellen unter anderem zu Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Technikwissenschaften, Politikwissenschaften, Immobilienökonomie und Stadtplanung.
Klassische Einteilungen und Aufgaben
Klassisch wird die Wirtschaftsgeographie nach den drei Wirtschaftssektoren eingeteilt:
- Primärsektor: zum Beispiel Agrargeographie.
- Sekundärsektor: zum Beispiel Industriegeographie.
- Tertiärsektor: zum Beispiel Handelsgeographie.
Traditionell wird häufig auch die Verkehrsgeographie zur Wirtschaftsgeographie gezählt.
Eine weitere Einteilung orientiert sich an den Aufgaben des Fachs: Theorie erklärt Zusammenhänge, Empirie beschreibt und misst sie, und Politik entwickelt Gestaltungsempfehlungen für gesellschaftliche Akteure.
Wichtige theoretische Ansätze
Traditionelle wirtschaftsgeographische Ansätze beantworten unterschiedliche Fragen. Der raumwirtschaftliche Ansatz, etwa von Ludwig Schätzl, untersucht Struktur, Interaktion und Prozess. Struktur bedeutet die räumliche Verteilung zu einem bestimmten Zeitpunkt. Interaktion bezeichnet Wechselwirkungen oder Wanderungen von Produktionsfaktoren und Gütern. Prozess meint deren Veränderung im zeitlichen Ablauf. Kennzeichnend ist die Einbeziehung neoklassischer Theorieelemente.
Der verhaltenswissenschaftliche Ansatz geht davon aus, dass Unternehmer nicht ausschließlich ökonomische Ziele verfolgen. Da sie nur begrenzte Informationen besitzen, geben sie sich häufig auch mit „suboptimalen“ Ergebnissen zufrieden. Der funktionale Ansatz untersucht Verflechtungen zwischen Objekten und Räumen sowie gruppenspezifische Aktionsräume. Der Wohlfahrtsansatz beschäftigt sich mit sozialen Zielen und den Möglichkeiten, diese zu erreichen.
Die „Neue Wirtschaftsgeographie“, besonders von angelsächsischen Autoren ausgehend, betont, dass wirtschaftsräumliche „Realität“ durch Kultur und Gesellschaftssystem vermittelt wird. Dies wird als cultural turn und social turn bezeichnet. Außerdem betrachtet sie die Einbindung von Akteuren in ihr Umfeld, englisch embeddedness. Die relationale Wirtschaftsgeographie von Harald Bathelt und Johannes Glückler hebt Relationalität hervor und betrachtet Organisation, Evolution, Innovation und Interaktion.
Theorien räumlicher Wirtschaft
Wirtschaftsgeographische Theorien wurden lange in Standorttheorien, Theorien räumlicher Mobilität sowie regionale Wachstums- und Entwicklungstheorien gegliedert.
Bedeutend ist auch die aus der Ökonomik entwickelte Geographical Economics beziehungsweise New Economic Geography von Paul Krugman. Ihr Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass die Volkswirtschaft entgegen neoklassischen Modellen eine räumliche Dimension besitzt. Dazu gehören Ballungsprozesse und regionale Ungleichheiten. Zentrale Begriffe sind Skalenerträge, externe Effekte, unvollkommene Märkte und Transportkosten.
Methoden und aktuelle Forschung
Wirtschaftsgeographen verwenden Methoden der empirischen Sozialforschung, statistische Methoden sowie Anwendungen der Kartografie und Geoinformationssysteme.
Aktuelle Forschung liegt besonders an der Schnittstelle von Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften. Ein wichtiges Thema ist der Zusammenhang von Globalisierung und Lokalisierung. Untersucht werden dabei Aufwertungs- und Lerneffekte, etwa industrial upgrading und organizational learning, ebenso wie neue Abhängigkeiten von Standorten und regionalen Produktionssystemen.
Forschung kann die Rohstoffgewinnung, beispielsweise die Nahrungsmittelindustrie, das produzierende und verarbeitende Gewerbe wie Automobil- und Elektronikindustrie sowie besonders hochwertige Dienstleistungen betreffen. Weitere Themen sind Auswirkungen auf die Arbeitswelt in der labour geography, Gründungsforschung, Cluster und Logistik.