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Wirtschaft der Slowakei

Erwerbstätige nach Wirtschaftssektor · Landwirtschaft: 3,6 % (2009) Industrie: 38 % (2009) Dienstleistung: 56,6 % (2009). Arbeitslosenquote, 6,8 % (2021).

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und wirtschaftliche Struktur
  2. 2. Transformation und Entwicklung seit 1990
  3. 3. Wachstum, Preise, Arbeit und Staatsfinanzen
  4. 4. Steuern, Investitionen und regionale Unterschiede
  5. 5. Euro und Außenhandel

Überblick und wirtschaftliche Struktur

Die Wirtschaft der Slowakei entwickelte sich seit 1990 von einer sozialistischen Planwirtschaft zu einer weitgehend privatisierten Marktwirtschaft. Die Privatisierung war bis Mitte der 2000er Jahre größtenteils abgeschlossen; nur einige strategische Unternehmen, etwa die Eisenbahn, blieben in staatlicher Hand. Der Bankensektor befindet sich fast vollständig in ausländischem Besitz. Die Slowakei gehört der EU, der WTO und der OECD an und verwendet den Euro.

Die Wirtschaft ist stark auf den Export ausgerichtet. Eine besondere Rolle spielen der Automobilbau und seine Zulieferer. Diese Spezialisierung förderte Wachstum und Investitionen, erzeugt aber ein Clusterrisiko: Schwierigkeiten in der Automobilbranche können große Teile der Wirtschaft gleichzeitig treffen. Das nominelle Lohnniveau war im mitteleuropäischen Vergleich lange niedrig.

Für 2021 werden ein nominales Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 115 Milliarden US-Dollar, ein kaufkraftbereinigtes BIP von 194 Milliarden US-Dollar und Rang 61 der Weltwirtschaft angegeben. Das BIP bezeichnet den Gesamtwert der im Land erzeugten Waren und Dienstleistungen. Die öffentlichen Schulden lagen 2021 bei 62,2 % des BIP, das Haushaltssaldo bei −5,5 % des BIP und die Arbeitslosenquote bei 6,8 %. Viele Detailangaben des Artikels stammen allerdings aus den Jahren 2007 bis 2011 und sind daher nicht als aktuelle Werte zu verstehen.

Nach Angaben für 2017 entfielen 3,4 % des BIP auf die Landwirtschaft, 34,9 % auf die Industrie und 61,7 % auf Dienstleistungen. Für 2007 nennt der Text abweichend 4 %, 27 % und 69 %. Der Dienstleistungsanteil hatte zuvor deutlich zugenommen. Bei den Erwerbstätigen lagen die Anteile 2002 bei 6,2 % in der Landwirtschaft, 38,4 % in der Industrie und 55,4 % bei den Dienstleistungen; für 2009 werden 3,6 %, 38 % und 56,6 % angegeben. Als Wertpapierbörse dient die Börse Bratislava, deren Leitindex der Slovak Share Index ist.

Transformation und Entwicklung seit 1990

Nach dem Ende des Kommunismus und der Planwirtschaft Ende 1989 begann von 1990 bis 1993 eine schwierige Übergangsphase. Das BIP sank deutlich. Zuvor war der Außenhandel überwiegend auf die Länder des ehemaligen Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) ausgerichtet. Als viele osteuropäische Märkte zusammenbrachen, verlor auch die slowakische Wirtschaft wichtige Absatzmöglichkeiten. Besonders betroffen waren die in der Slowakei konzentrierte Rüstungs- und Schwerindustrie. Die Auflösung der Tschechoslowakei 1993 verzögerte den bereits 1992 erkennbaren Aufschwung zusätzlich um etwa ein Jahr; wegen des fortgesetzten Handels mit Tschechien sollen die direkten Folgen der Teilung aber nicht überschätzt werden.

Ein zentraler Reformschritt war die Freigabe zuvor staatlich regulierter Preise zum 1. Januar 1991. Dadurch stieg die Inflation von nahezu 0 % auf 61,2 % im Jahr 1991. Anders als in einigen anderen Transformationsstaaten blieb eine dauerhaft sehr hohe Inflation danach jedoch aus. Zugleich wurde der Außenhandel liberalisiert, unter anderem durch die Abschaffung früherer Mengenbeschränkungen beim Besitz von Fremdwährungen.

Zur Privatisierung gehörten die Restitution, also die Rückgabe von Gütern an frühere Eigentümer, und die Übertragung staatlicher Betriebe in private Hände. Zunächst nutzte die Tschechoslowakei die Coupon-Privatisierung. Die letzte Regierung Mečiar stellte dieses Verfahren 1995 ein und setzte stattdessen auf Direktverkäufe; diese Änderung wird im Artikel rückblickend eher positiv bewertet. Die Arbeitslosenquote sprang während der ersten Umbrüche von 1,5 % im Jahr 1990 auf 11,8 % im Jahr 1991.

Seit Ende 1993 beziehungsweise Anfang 1994 wuchs die nun selbständige Slowakei über längere Zeit vergleichsweise stark. 1997 und 1998 förderten hohe staatliche Investitionen in den Bausektor das Wachstum, erhöhten aber die Verschuldung. Sie lag 1998 dennoch unter 60 % des BIP und war laut Artikel die zweitniedrigste in Mittel- und Osteuropa. Die Regierungen Mečiar wollten strategisch wichtige Großunternehmen überwiegend in slowakischem Besitz halten.

Die ab Ende 1998 amtierende Regierung Dzurinda änderte diesen Kurs grundlegend. Sie öffnete Betriebe für die Privatisierung durch ausländische Unternehmen, stoppte viele Großprojekte und ließ wirtschaftlich schwache Firmen in Konkurs gehen. Kurzfristige Folgen waren ein Anstieg der Arbeitslosigkeit um etwa 6 Prozentpunkte, schwächeres Wachstum, zunächst stagnierende Reallöhne und ein größeres West-Ost-Gefälle. Gleichzeitig kehrte das Vertrauen ausländischer Investoren zurück. Weitere Preisfreigaben, Steuerreformen, Industrieparks und staatlich geförderte Ansiedlungen von Autoherstellern stärkten den Standort; die Höhe der Förderungen wird teilweise als übertrieben beurteilt.

Wachstum, Preise, Arbeit und Staatsfinanzen

Das BIP des Jahres 1989 wurde 1997 wieder erreicht. Nach Polen war die Slowakei damit das zweite osteuropäische Land, das wieder das Produktionsniveau des letzten Jahres vor Beginn der Transformation erreichte. Das reale, also um Preisveränderungen bereinigte BIP wuchs 2007 um 10,6 % und 2008 um 6,2 %. In der weltweiten Wirtschaftskrise schrumpfte es 2009 um 4,7 %. Für 2010 erwartete Eurostat wieder 2,7 % Wachstum. Spätere Angaben nennen 3,3 % für 2011 sowie 4,0 beziehungsweise 4,1 % für 2018.

Das nominale BIP betrug 2009 rund 63,3 Milliarden Euro, entsprechend 11.722 Euro je Einwohner. Kaufkraftparität berücksichtigt dagegen unterschiedliche Preisniveaus. Nach Angaben des IWF lag das kaufkraftbereinigte BIP je Einwohner 2009 bei 21.245 US-Dollar und damit auf Weltrang 40. Für 2021 nennt die Übersicht 21.053 US-Dollar pro Kopf sowohl nominal als auch kaufkraftbereinigt.

Die saisonbereinigte harmonisierte Arbeitslosenquote stieg von 14,9 % Ende 1998 auf 19,2 % Ende 2001. Ende 2003 betrug sie 16,6 %, 2004 dann 16,9 %. Nach dem EU-Beitritt 2004 sank sie bis 2008 auf 9,5 %, stieg infolge der Weltwirtschaftskrise 2009 aber auf 12,1 %. Weitere Angaben lauten 13,4 % für 2011, 5,8 % für 2019 und 6,8 % für 2021. Der Durchschnittslohn wird für 2010 mit 803 Euro angegeben, für 2017 mit jährlich 24.328 US-Dollar.

Die am Verbraucherpreisindex gemessene Inflation sank von 7,5 % im Jahr 2004 auf 1,9 % im Jahr 2007. Im Krisen- und Euroeinführungsjahr 2009 lag sie bei nur 0,9 %. Genannt werden außerdem 3,6 % für 2011, 2,5 % für 2017 und 2,7 % für 2019.

Das staatliche Budgetdefizit stieg durch die Krise 2009 auf rund 6,5 % des BIP, nachdem es vor der Krise etwa 2 bis 3 % betragen hatte. 2008 erfüllte die Slowakei damit die Maastrichtkriterien, die Voraussetzung für die Euroeinführung waren. Für 2010 erwartete die Regierung ein Defizit von ungefähr 7 % und erst ab 2011 wieder einen Rückgang. Tatsächlich weist die Übersicht für 2021 ein Haushaltssaldo von −5,5 % des BIP aus.

Steuern, Investitionen und regionale Unterschiede

Seit dem 1. Januar 2004 galt eine Einheitssteuer oder Flat Tax: Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Umsatzsteuer und weitere Steuern hatten grundsätzlich einen einheitlichen Satz von 19 %. Später kam für Bücher und Medikamente ein ermäßigter Umsatzsteuersatz von 10 % hinzu. Zusammen mit dem niedrigen nominellen Lohnniveau, der Lage in Mitteleuropa und später der Mitgliedschaft im Euroraum machte dies die Slowakei für ausländische Direktinvestitionen attraktiv. Genannt werden Peugeot, Kia, Samsung und Getrag Ford. Der IWF und die OECD bezeichneten die Slowakei Ende 2004 als das „reformfreudigste“ ihrer Mitgliedsländer.

In einer Umfrage der Deutsch-Slowakischen Industrie- und Handelskammer vom März 2010 erklärten 92 % der befragten deutschen Unternehmer vor Ort, sie würden die Slowakei erneut als Investitionsstandort wählen. Mit der Note 2,19 lag das Land vor Tschechien mit 2,47, Polen mit 2,67, Slowenien mit 2,70 und Ungarn mit 3,39. Im Global Competitiveness Index 2017–2018 belegte die Slowakei Rang 59 von 137 Ländern, im Index für wirtschaftliche Freiheit 2017 Rang 57 von 180.

Ein grundlegendes Problem ist das starke Wirtschaftsgefälle zwischen dem ärmeren Osten und dem moderneren, für Investoren attraktiveren Westen. Der Großraum Bratislava erreichte etwa 108 % des durchschnittlichen EU-BIP und gehörte damit zu den reichsten Regionen der mittel- und osteuropäischen Beitrittsländer. Im Osten fehlten lange wichtige Verkehrsverbindungen, insbesondere Autobahnen. Wegen der dort niedrigeren Löhne begannen sich ausländische Investoren jedoch stärker für den Osten zu interessieren, wodurch sich das Gefälle nach Einschätzung des Artikels allmählich verringern könnte.

Euro und Außenhandel

Seit dem 1. Januar 2009 ist der Euro die Währung der Slowakei. Er ersetzte die Slowakische Krone zum festen Kurs von 30,126 SKK je Euro. Die Europäische Kommission empfahl die Einführung am 7. Mai 2008 auf Grundlage des Konvergenzberichts der Europäischen Zentralbank. Die Slowakei war das einzige der neun geprüften Länder, das alle Maastrichtkriterien erfüllte. Am 19. und 20. Juni 2008 stimmten die EU-Staaten der Einführung zu.

Der Außenhandel wird stark von Industrieprodukten geprägt. 2008 bestanden die Exporte vor allem aus Kraftfahrzeugen und Fahrzeugteilen mit 21,7 %, Elektronik mit 17,0 %, Maschinen mit 8,5 %, Eisen und Stahl mit 7,7 % sowie Elektrotechnik mit 5,8 %. Bei den Importen führten Elektronik mit 13,8 %, Kraftfahrzeuge und Teile mit 13,1 %, Brennstoffe und Mineralöle mit 12,6 %, Maschinen mit 9,6 % und chemische Erzeugnisse mit 8,7 %.

Wichtigster Handelspartner war 2008 Deutschland mit 20,2 % der Exporte und 19,7 % der Importe. Danach folgte Tschechien mit 13,0 % der Exporte und 13,3 % der Importe. Weitere bedeutende Exportziele waren Frankreich, Polen, Ungarn, Italien und Österreich. Bei den Importen spielten außerdem Russland, die Republik Korea, die Volksrepublik China, Ungarn, Frankreich, Polen und Italien eine Rolle. Für 2009 werden Exporte von 39,72 Milliarden Euro, Importe von 38,53 Milliarden Euro und damit ein Außenhandelsüberschuss von rund 1,2 Milliarden Euro angegeben. Der Artikel weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Darstellung der Energiewirtschaft fehlt.

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