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Wirtschaft der Niederlande
Gini-Index, 26,8. Erwerbstätige, 8,34 Mio. (2015). Erwerbsquote, 79,5 % (2016) 52,5 % (real) (2009). Arbeitslose, ca. 309.000 (2019). Arbeitslosenquote, 3,39 …
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Überblick und Wirtschaftsraum
Die Wirtschaft der Niederlande konzentriert sich vor allem auf den sekundären Wirtschaftssektor (Industrie) und den tertiären Wirtschaftssektor (Dienstleistungen). Handel und Distribution, also die Verteilung und Weiterleitung von Waren, sind ihre traditionellen Kernelemente. Fischerei und Seefahrt bildeten die historische Grundlage für Außenhandel und Industrie. Die Niederlande haben sich zu einer Distributionsdrehscheibe Europas entwickelt. Sie sind seit 1952 Mitglied der Europäischen Union und gehören außerdem Benelux, NATO und Vereinten Nationen an.
Das Land ist eines der am dichtesten besiedelten Europas. Ein wirtschaftliches Zentrum ist die Randstad zwischen Amsterdam, Rotterdam, Utrecht und Den Haag. Über die Häfen Rotterdam mit 469 Millionen Tonnen Güterumschlag 2019 und Amsterdam mit 105 Millionen Tonnen werden auf dem Seeweg gelieferte Waren ins europäische Hinterland transportiert. Amsterdam und der Flughafen Schiphol ergänzen diese Funktion: Schiphol war 2009 mit etwa 1,3 Millionen Tonnen Fracht und 44 Millionen Passagieren Europas fünftgrößter Frachtflughafen. Wichtige Standortvorteile sind leistungsfähige Infrastruktur, hochqualifizierte Arbeitskräfte, unternehmerfreundliche Genehmigungsverfahren und günstige rechtliche Rahmenbedingungen.
2018 lag das BIP pro Kopf der Niederlande bei 44.900 € beziehungsweise 130 Kaufkraftstandards, KKS, wenn EU-27 = 100 gesetzt wird. Unter den Provinzen lagen Noord-Holland mit 58.700 € und 170 KKS sowie Utrecht mit 55.000 € und 159 KKS vorn. Fryslân und Drenthe lagen mit jeweils 30.700 € und 89 KKS am Ende der Tabelle.
Landwirtschaft, Fischerei und Energie
Die Landwirtschaft ist stark mechanisiert und exportorientiert. Sie beschäftigt etwa 4 % der Arbeitskräfte und erzielt große Überschüsse. 2020 wurden Agrargüter für 95,6 Mrd. € exportiert und für 67,1 Mrd. € importiert; daraus ergab sich ein Überschuss von 27,4 Mrd. €. Zu den wichtigsten Exporten zählten Zierpflanzen mit 9,5 Mrd. €, Fleisch mit 8,7 Mrd. €, Milchprodukte und Eier mit 8,3 Mrd. €, Gemüse mit 7,1 Mrd. € sowie Obst mit 7,0 Mrd. €. 26 % der Agrarausfuhren gingen nach Deutschland. Die Niederlande sind einer der größten Exporteure von Schweinefleisch und nach den USA der zweitwichtigste Exporteur landwirtschaftlicher Produkte.
50 % der landwirtschaftlichen Fläche sind Weideland, 40 % werden mit Nutzpflanzen bebaut und etwa 10 % dienen der Schnittblumenproduktion. Seit Anfang der 1970er Jahre gibt es auch etwas Weinbau. Intensivtierhaltung und Monokulturen sind vorherrschend und gelten als umweltbelastend: Überdüngung belastet Grundwasser und Gewässer, erhöht Treibhausgasemissionen und die Auslaugung der Böden beeinträchtigt laut Artikel den Vitamin- und Nährstoffgehalt vieler pflanzlicher Produkte. Im Kabinett Rutte IV gibt es erstmals einen Minister ohne Geschäftsbereich für Natur und Stickstoff. Fischerei hat weiterhin einen hohen Stellenwert, Forstwirtschaft ist wegen fehlender Wälder praktisch nicht vorhanden.
Die Niederlande sind insgesamt rohstoffarm; die Ausnahme ist Erdgas. Das 1959 entdeckte Gasfeld Groningen gehörte 2009 noch zu den zehn größten der Welt, war damals aber bereits zu zwei Dritteln ausgebeutet. Die bekannten Gasvorräte von 2017 hätten rechnerisch 18 Jahre gereicht. 2016 lagen die Niederlande mit 0,5 % der weltweiten Erdgasbestände auf Rang 26; Ende 2019 wurden nur noch 0,1 % geschätzt, nachdem das Gesamtvorkommen von 2009 bis 2019 auf ein Sechstel gesunken war.
Es gibt ein Kernkraftwerk, Borssele, mit 482 MW; ein geplanter Ausbau wurde aus wirtschaftlichen Gründen nicht weiterverfolgt. Ende 2024 wurde die installierte Photovoltaikleistung auf 24.359 MW geschätzt. 2025 deckte Solarenergie etwa 21 % des Strombedarfs, Bioenergie 5 % und Kernkraft 3 %. Windenergie an Land deckte 2024 und 2025 jeweils 15 %, Offshore-Windkraft weitere 14 %, zusammen 29 %. Ende 2025 betrug die Windkraftleistung 7.054 MW an Land und 4.738 MW im Meer. Wichtige Offshore-Parks sind Egmond aan Zee, Princess Amalia, Luchterduinen, Westermeerwind, Gemini mit 600 MW und Borssele mit 752 MW.
Industrie, Dienstleistungen und Verkehr
Die industrielle Produktion gewann erst nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich an Bedeutung. Schwerindustrie spielte im Vergleich zu europäischen Nachbarländern keine ähnlich wichtige Rolle. Nach 1945 wuchs das produzierende Gewerbe besonders in der Chemie- und Elektronikindustrie. Weitere wichtige Industriezweige sind Nahrungsmittel und Getränke, Tabakwaren, Baumaterialien, Schiffe, raffiniertes Erdöl, Gummi- und Kunststoffwaren sowie Druckereierzeugnisse.
Das Bankwesen ist ein bedeutender Teil der Wirtschaft, wobei Amsterdam ein internationales Bankenzentrum ist. Die Amsterdamer Börse zählt zu den ältesten und bedeutendsten Wertpapierbörsen der Welt. Ihr Leitindex ist der AEX-Index; der AMX index bildet Nebenwerte und Mid-Caps ab.
Das Straßen- und Autobahnnetz sowie das flächendeckende Schienennetz sind gut ausgebaut. Für die Schifffahrt ist die Lage an den Mündungen von Rhein oder Waal, Maas, Lek und Schelde vorteilhaft. Ein Kanalsystem kann auch von größeren Schiffen genutzt werden. Straßenbahnen, Busse und einige Regionalbahnen verwenden ein landesweites Zonentarifsystem, die Nationale vervoerbewijzen NVB. Beim Personenverkehr ist das Fahrrad, auf Niederländisch fiets, wichtig; das flache Land begünstigt seine Nutzung. Der Tourismus beruht vor allem auf Windmühlen, Blumenfeldern, Museen und Städten wie Amsterdam; jährlich kommen mehr als 13 Millionen ausländische Touristen.
Außenhandel und wichtigste Partner
Deutschland ist der wichtigste Handelspartner. Etwa ein Viertel der niederländischen Exporte einschließlich Wiederausfuhren geht in die Bundesrepublik. Mit einem bilateralen Warenumsatz von 233,6 Mrd. € im Jahr 2022 standen die Niederlande hinter China und den Vereinigten Staaten an dritter Stelle der deutschen Partnerländer und an erster Stelle in Europa. Davon entfielen 110,7 Mrd. € auf deutsche Exporte in die Niederlande und 122,9 Mrd. € auf deutsche Importe aus den Niederlanden. Konjunkturschwankungen in Deutschland beeinflussen daher den niederländischen Export stark und schnell.
Exportiert werden hauptsächlich Nahrungsmittel, Blumen, Maschinen, chemische Produkte und Erdgas. Wichtige Einfuhren sind Obst und Getreide, Erdöl sowie Fahrzeuge. Die Handelsbilanz ist positiv: 2016 überstieg der Wert der Ausfuhren den Wert der Einfuhren um knapp 50 Mrd. €. Von 2019 bis 2021 stieg der Außenhandelssaldo von 61,9 auf 67,3 und 71,0 Mrd. US-Dollar. 2021 betrugen die Ausfuhren 691,8 Mrd. US-Dollar, die Einfuhren 620,8 Mrd. US-Dollar.
2021 gingen 22,8 % der Exporte nach Deutschland, 10,8 % nach Belgien und 8,1 % nach Frankreich. Bei den Importen lagen Deutschland mit 17,3 %, China mit 10,2 % und Belgien mit 9,9 % vorn.
Wirtschaftliche Kennzahlen
Für 2023 nennt der Artikel ein Bruttoinlandsprodukt, BIP, von 1,2 Billionen US-Dollar nominal und 1,4 Billionen US-Dollar nach Kaufkraftparität, PPP. Das BIP pro Kopf betrug 64.829 US-Dollar nominal beziehungsweise 79.586 US-Dollar nach PPP. Das reale Wirtschaftswachstum lag bei +0,1 %, die Inflation bei 4,1 %. Die Wirtschaftssektoren hatten folgende Anteile: Landwirtschaft 1,6 %, Industrie 17,94 % und Dienstleistungen 70,04 %. Die öffentlichen Schulden lagen 2021 bei 52,4 % des BIP, der Haushaltssaldo bei −2,6 % des BIP.
Die Zeitreihe nach Kaufkraftparität zeigt einen Anstieg des BIP von 781,8 Mrd. US-Dollar 2010 auf 1.417,5 Mrd. US-Dollar 2023. Das reale BIP sank 2020 um 3,9 %, wuchs 2021 um 6,3 % und 2022 um 5,0 %, bevor es 2023 nur noch um 0,1 % zunahm. Die Inflation erreichte 2022 11,6 % und lag 2023 bei 4,1 %. Die Staatsverschuldung sank in der Tabelle von 59 % des BIP 2010 auf 45 % 2023.
Bei Beschäftigung und Arbeitslosigkeit nennt der Artikel unterschiedliche Bezugsjahre: 2015 gab es 8,34 Millionen Erwerbstätige, 2019 etwa 309.000 Arbeitslose bei einer Arbeitslosenquote von 3,39 %. In den einleitenden Eckdaten werden 309.000 Arbeitslose und 3,3 % für 2021 angegeben.