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Wirtschaft der Europäischen Union

Innerhalb der EU selbst ist Deutschland das wirtschaftsstärkste Mitgliedsland und für 24,4 % der EU-Wirtschaftsleistung verantwortlich (Stand: 2023).

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Wirtschaftliche Bedeutung und Entwicklung
  2. 2. Währung, Wirtschaftsstruktur und Unternehmen
  3. 3. Arbeitsmarkt und Einkommen
  4. 4. Binnen- und Außenhandel
  5. 5. Energie und erneuerbare Energien
  6. 6. Öffentliche Finanzen und regionale Unterschiede

Wirtschaftliche Bedeutung und Entwicklung

Die Europäische Union ist ein gemeinsamer Wirtschaftsraum und mit einem nominalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 18.579 Mrd. US-Dollar im Jahr 2023 die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das BIP misst den Wert aller in einem Gebiet produzierten Waren und Dienstleistungen. Die EU erzeugte 2023 insgesamt 17,6 % der globalen Wirtschaftsleistung. Zeitweise war sie die größte Volkswirtschaft, verlor diesen Rang aber Mitte der 2010er Jahre nominal an die USA und nach Kaufkraftparität (KKP) an China. Die KKP berücksichtigt unterschiedliche Preisniveaus und soll dadurch die tatsächlich erhältliche Gütermenge besser vergleichbar machen.

Deutschland erbrachte 2023 mit 24,4 % den größten Anteil der EU-Wirtschaftsleistung, gefolgt von Frankreich mit 16,4 % und Italien mit 12,4 %. Für 2024 weist die Tabelle ein EU-BIP von 17.956.657 Mio. Euro aus. Die größten nationalen Werte entfielen auf Deutschland mit 4.305.260 Mio. Euro, Frankreich mit 2.919.900 Mio. Euro und Italien mit 2.192.182 Mio. Euro.

Das Wachstum verlief nicht gleichmäßig. Von 2000 bis 2008 wuchs die EU-Wirtschaft durchschnittlich um 2,2 % jährlich. Infolge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise schrumpfte das reale BIP 2009 um 4,3 %. Danach folgten Zuwächse von 2,1 % im Jahr 2010 und 1,9 % im Jahr 2011, bevor es 2012 wieder um 0,7 % sank. Für die EU nennt die Tabelle weitere starke Ausschläge: −5,6 % im Jahr 2020, +6,3 % 2021, +3,4 % 2022, +0,5 % 2023 und +1,1 % 2024. Die durchschnittliche jährliche Inflationsrate lag zwischen 2003 und 2013 bei 2,25 %; für Januar 2022 werden 5,6 % angegeben.

Währung, Wirtschaftsstruktur und Unternehmen

Der Euro ist die offizielle Rechenwährung der EU und wird in ihren Dokumenten und Richtlinien verwendet. 2026 gehörten 21 Mitgliedstaaten zur Eurozone. Daneben bestanden sechs nationale Währungen: Dänische Krone, Polnischer Złoty, Rumänischer Leu, Schwedische Krone, Tschechische Krone und Ungarischer Forint. Die Europäische Zentralbank verantwortet die Geldpolitik der Eurozone und bildet zusammen mit deren nationalen Zentralbanken das Eurosystem. In der Euro-Gruppe koordinieren die Euroländer ihre Wirtschafts- und Steuerpolitik.

Grundsätzlich haben sich die Nicht-Euro-Staaten zur späteren Einführung des Euro verpflichtet. Dänemark besitzt eine Ausstiegsklausel; Schweden darf den Beitritt zum Wechselkursmechanismus II selbst wählen. Dieser Mechanismus begrenzt Wechselkursschwankungen gegenüber dem Euro normalerweise auf ±15 %. Die Europäische Zentralbank muss spätestens eingreifen, wenn diese Grenze überschritten zu werden droht, kann aber früher handeln. 2026 nahm nur Dänemark daran teil.

Die EU ist vor allem eine Dienstleistungswirtschaft. 2017 entfielen 70,7 % des BIP auf Dienstleistungen, 24,7 % auf die Industrie und 1,6 % auf die Landwirtschaft. Zwischen den Staaten gab es deutliche Unterschiede: In Malta erreichten Dienstleistungen 88,1 %, in Luxemburg 87,9 %; Polen hatte mit 40,2 % einen besonders großen Industrieanteil. Die Landwirtschaft blieb überall der kleinste Sektor, erreichte aber etwa in Ungarn 4,4 % und in Bulgarien 4,3 %.

Die EU beherbergt große Unternehmen aus vielen Branchen. 164 Unternehmen der Fortune Global 500 hatten dort ihren Sitz. Die Forbes-Global-2000-Daten für das Geschäftsjahr 2017 nennen unter anderem Royal Dutch Shell mit 321,8 Mrd. US-Dollar Umsatz, Volkswagen mit 272,0 Mrd. US-Dollar sowie große Banken, Versicherungen, Automobil-, Chemie-, Energie-, Technologie- und Telekommunikationskonzerne. Die Forbes-Rangfolge kombiniert Umsatz, Nettogewinn, Aktiva und Marktwert.

Arbeitsmarkt und Einkommen

Der Arbeitsmarkt unterscheidet sich stark zwischen den Mitgliedstaaten. Für die EU insgesamt nennt die Tabelle 2022 eine Beschäftigungsquote von 74,6 %. 2021 betrugen die Arbeitslosenquote 7,8 %, die Jugendarbeitslosenquote der unter 25-Jährigen 16,6 % und der Anteil der Langzeitarbeitslosen 2,8 %. Besonders niedrig war die Gesamtarbeitslosigkeit 2021 in Tschechien mit 2,8 % sowie in Malta und Polen mit jeweils 3,4 %. Hohe Werte hatten Spanien mit 14,8 % und Griechenland mit 14,7 %. Bei Jugendlichen lagen Griechenland mit 35,5 % und Spanien mit 34,8 % deutlich über Deutschland mit 6,9 %.

Die Finanzkrise ist in der Zeitreihe klar erkennbar: Die Arbeitslosenquote der EU-27 sank zunächst von 9,7 % im Jahr 2005 auf 7,3 % 2008, stieg dann bis 2013 auf 11,6 % und fiel bis 2022 auf 6,1 %. Das deutsche duale Ausbildungssystem wird als möglicher Grund für die vergleichsweise niedrige Jugendarbeitslosigkeit genannt. Diese Aussage und weitere Angaben des Abschnitts sind im Artikel jedoch ausdrücklich als nicht hinreichend belegt gekennzeichnet.

Auch die Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern unterscheidet sich. Die geschlechtsspezifische Beschäftigungsdifferenz betrug 2015 EU-weit 11,6 Prozentpunkte. Besonders gering war sie in Finnland mit 2,1, Litauen mit 2,4 und Lettland mit 4,0 Prozentpunkten, besonders groß in Malta mit 27,8 und Italien mit 20,0. Das 2006 gegründete Europäische Institut für Gleichstellungsfragen unterstützt EU-Institutionen und Mitgliedstaaten bei Gleichstellung und beim Vorgehen gegen geschlechtsbezogene Diskriminierung.

Groß sind ebenfalls die Einkommensunterschiede. 2023 reichte das Pro-Kopf-Einkommen von 129.810 US-Dollar in Luxemburg bis 15.774 US-Dollar in Bulgarien. Im Oktober 2010 lag der durchschnittliche Bruttostundenverdienst in Dänemark bei 25,00 Euro, in Bulgarien bei 1,50 Euro. Das Verhältnis betrug nominal 16 zu 1, nach Kaufkraftstandard noch 5 zu 1. 2022 hatten 21 von 27 Staaten einen gesetzlichen Mindestlohn; er reichte laut Text von 363 Euro in Bulgarien bis 2.313 Euro in Luxemburg pro Monat. Dänemark, Finnland, Schweden, Italien und Österreich regelten Mindestlöhne stattdessen über Branchentarifverträge; Zypern setzte sie nur für bestimmte Berufe fest.

Binnen- und Außenhandel

Der Handel innerhalb des europäischen Binnenmarktes ist für die Mitgliedstaaten besonders wichtig. 2010 wurden knapp zwei Drittel des gesamten EU-Warenhandels innerhalb der EU abgewickelt. 2015 entfielen 63,1 % der Importe und 61,0 % der Exporte auf den Binnenhandel. Deutschland hatte mit 1.306.500 Mio. Euro das größte Binnenhandelsvolumen und einen Anteil von 21,82 % am gesamten EU-Binnenhandel. Die Binnenexporte der EU stiegen von 2.515.949 Mio. Euro im Jahr 2006 auf 3.347.263 Mio. Euro 2017, unterbrochen durch einen deutlichen Rückgang 2009.

Im Außenhandel mit Nicht-EU-Staaten erreichte die EU 2021 ein Volumen von 4.299.442 Mio. Euro. China war mit 696.127 Mio. Euro beziehungsweise 16,2 % der größte Handelspartner, gefolgt von den USA mit 631.845 Mio. Euro und 14,7 % sowie dem Vereinigten Königreich mit 430.530 Mio. Euro und 10,0 %. Gegenüber China importierte die EU deutlich mehr als sie exportierte; gegenüber den USA und dem Vereinigten Königreich überwogen die Exporte. Für 2025 werden Ausfuhren von 2.646 Mrd. Euro, Einfuhren von 2.532 Mrd. Euro und damit ein Überschuss von 114 Mrd. Euro angegeben. Die Außenhandelsbilanz schwankte stark, etwa von −432 Mrd. Euro 2022 zu +36 Mrd. Euro 2023.

Wichtige Verkehrsknoten stützen den Handel. Rotterdam war 2014 Europas mit Abstand größter Tiefseehafen. Sein Güterumschlag stieg von 378,4 Mio. Tonnen 2006 auf 469,0 Mio. Tonnen 2018. Dahinter lagen 2018 Antwerpen mit 235,3 Mio. Tonnen und Hamburg mit 135,1 Mio. Tonnen. Seit den 1960er Jahren prägen Standardcontainer, spezialisierte Schiffe und große Containerbrücken den Hafenumschlag. Der Flughafen Frankfurt am Main wird als größter Frachtflughafen der EU genannt.

Energie und erneuerbare Energien

Der Energiebedarf der EU-27 betrug 2008 insgesamt 20,4 Tausend TWh beziehungsweise 40.821 kWh je Einwohner. Gegenüber 1990 stieg der Gesamtbedarf um 7 %, während der Pro-Kopf-Bedarf nur um 1 % zunahm. Energieimporte und -exporte sind dabei eingerechnet. Zum Vergleich lag der Pro-Kopf-Bedarf der USA 2008 bei 87.216 kWh und derjenige Chinas bei 18.608 kWh. Der Primärenergieverbrauch der EU sank von 67.767,5 PJ 1998 auf 65.586,2 PJ 2013; Primärenergie ist die Energie in ursprünglichen Quellen vor ihrer Umwandlung.

Die EU verpflichtete sich am 9. März 2007, ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 gegenüber 1990 um ein Fünftel zu senken und den Anteil erneuerbarer Energien auf durchschnittlich 20 % zu erhöhen. Die Richtlinie 2009/28/EG legte nationale Ziele fest, überließ den Staaten aber die Wahl ihrer Fördersysteme. Für Deutschland galt ein Ziel von 18 %, für Österreich von 34 % des Endenergieverbrauchs. Der EU-Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch stieg von 8,3 % im Jahr 2004 auf 18,9 % 2019 und blieb damit in dieser Tabelle unter dem 20-%-Ziel. 2019 erreichte Schweden 56,4 %, Finnland 43,1 % und Lettland 41,0 %. Teile dieses Abschnitts sind im Artikel ausdrücklich als seit 2020 oder länger nicht aktualisiert gekennzeichnet.

Für 2030 nannte die EU-Kommission zunächst 27 % erneuerbare Energien. Das Europäische Parlament verlangte 35 %, Umweltverbände 45 %. Eine von der Kommission beauftragte IRENA-Studie von Februar 2018 hielt 34 % für technisch machbar sowie wirtschaftlich praktikabel und vorteilhaft.

Photovoltaik wandelt Sonnenlicht in Strom um. Ihre installierte Nennleistung in der EU stieg von 2.172 MWp 2005 auf 114.549 MWp 2018 und 131.700 MWp 2019. Deutschland führte 2018 mit 45.277 MWp. Auch die Windkraft wurde stark ausgebaut: Die installierte EU-Leistung wuchs von 48.122 MW 2006 auf 168.993 MW 2017. Die weltweite Windkraftleistung lag 2017 bei 539.256 MW; China erreichte 188.232 MW und damit mehr als die EU.

Öffentliche Finanzen und regionale Unterschiede

Die EU strebt eine stärkere Abstimmung der Steuern an, um Steuerwettbewerb zu begrenzen und die Besteuerung anzugleichen. Die Steuersätze unterschieden sich 2015 dennoch erheblich. Niedrige Steuern dienten besonders neueren osteuropäischen Mitgliedern als Mittel, Unternehmen anzuziehen und wirtschaftlich zum EU-Durchschnitt aufzuschließen. Seit der Eurokrise 2009/2010 steht zudem die Idee einer Fiskalunion, also einer engeren gemeinsamen Finanzpolitik, weit oben auf der politischen Agenda.

Die 1992 im Vertrag von Maastricht vereinbarten Konvergenzkriterien sollen wirtschaftliche Stabilität und eine Annäherung der nationalen Volkswirtschaften fördern. Sie enthalten fiskalische und monetäre Vorgaben und stehen heute überwiegend in Art. 126 und Art. 140 AEU-Vertrag. Das jährliche Haushaltsdefizit darf nur in krisenhaften Ausnahmesituationen über 3 % des BIP liegen; der staatliche Schuldenstand soll langfristig höchstens 60 % des BIP betragen. Die Tabellen zeigen erhebliche Abweichungen: Für 2018 wurden beispielsweise Schuldenquoten von 174,6 % für Griechenland, 132,5 % für Italien und 9,6 % für Estland ausgewiesen. Die Angaben für 2017 und 2018 waren teilweise Prognosen von Eurostat beziehungsweise EU-Kommission.

Wirtschaftskraft und Wohlstand sind innerhalb der EU sehr ungleich verteilt. Auf Staatsebene liegt das Pro-Kopf-Einkommen in Nord- und Westeuropa meist höher als im Süden und Osten. Auch innerhalb der Staaten bestehen große regionale Unterschiede. Bei den aufgeführten NUTS-2-Regionen – statistisch abgegrenzten Großregionen – erreichte Luxemburg 73.000 Euro je Einwohner beziehungsweise 266 % des EU-28-Durchschnitts. Es folgten die Region Brüssel mit 57.000 Euro und 207 % sowie Hamburg mit 56.600 Euro und 206 %. Am unteren Ende lagen Severozapaden in Bulgarien mit 8.200 Euro beziehungsweise 30 %, Mayotte mit 8.400 Euro beziehungsweise 31 % und Yuzhen tsentralen in Bulgarien mit 8.700 Euro beziehungsweise 32 %.

Unter den aufgeführten Metropolregionen hatte Paris 2015 mit 667.641 Mio. Euro das größte BIP. Dahinter folgten Madrid mit 203.602 Mio. Euro, Mailand mit 193.232 Mio. Euro, München mit 171.189 Mio. Euro und Berlin mit 166.494 Mio. Euro. Diese Zahlen verdeutlichen, dass große Hauptstädte und Industriezentren einen besonders hohen Anteil an der europäischen Wirtschaftsleistung bündeln.

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