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Wirtschaft Spaniens
Die Wirtschaft Spaniens zählt, gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt, zu den 15 größten Volkswirtschaften der Welt. Wichtigste Wirtschaftszweige sind …
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Überblick und Kennzahlen
Die Wirtschaft Spaniens gehört gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt zu den 15 größten Volkswirtschaften der Welt. Spanien nutzt den Euro, ist Mitglied von EU, WTO und OECD und hat wichtige Handelsbeziehungen vor allem mit Frankreich und Deutschland. Wichtige Wirtschaftszweige sind Tourismus, Kommunikations- und Informationstechnik, metallverarbeitende Industrie, Maschinenbau, Landwirtschaft und Petrochemie.
Für 2024 werden ein nominales BIP von 1,7 Billionen US-Dollar und ein BIP nach Kaufkraftparität von 2,7 Billionen US-Dollar genannt. Das BIP pro Kopf lag 2024 nominal bei 35.092 US-Dollar und nach Kaufkraftparität bei 54.451 US-Dollar. Das Wachstum betrug 2024 +3,2 %, die Inflationsrate 2,9 % und die Arbeitslosenquote 11,4 %. Die öffentlichen Schulden lagen 2024 bei 101,8 % des BIP, der Haushaltssaldo bei −3,2 % des BIP.
Die Wirtschaftsstruktur ist stark dienstleistungsorientiert: 2017 entfielen geschätzt 74,2 % des BIP auf Dienstleistungen, 23,2 % auf Industrie und 2,6 % auf Landwirtschaft. Im produktiven Sektor sind 90 % der Unternehmen kleine und mittlere Betriebe; 94 % der Unternehmen haben weniger als 10 Beschäftigte. Viele große Unternehmen sind international tätig, darunter Iberdrola, Naturgy, Repsol, Inditex, Indra, Navantia und Iberia/Vueling. 3,43 Millionen Berufstätige sind selbständig, das entspricht 15,68 % der erwerbstätigen Bevölkerung.
Staat, Außenwirtschaft und Finanzwesen
Der Staat nimmt über zwei wichtige Instrumente Einfluss auf die Wirtschaft: eine Entwicklungsbank, die ähnlich einem Staatsfonds funktioniert, und die Sociedad Estatal de Participaciones Industriales (SEPI), eine Beteiligungsgesellschaft des Wirtschaftsministeriums. Über die SEPI ist der Staat an großen Unternehmen beteiligt, zum Beispiel mit 4,1 % an Airbus, 28 % an Indra und über Enaire mit 51 % an Aena. Auch Enagas, Redeia, Telefónica, Ebro Foods, CaixaBank und Correos werden im Zusammenhang mit staatlichen Beteiligungen genannt.
Spanische Auslandsinvestitionen begannen in größerem Maßstab 1990 mit Telefónicas Investition in Chile. Danach folgten unter anderem Repsol, Naturgy, Endesa und Iberdrola. Zwischen 2010 und 2020 investierten spanische Unternehmen besonders viel in Großbritannien (49.381 Millionen Euro), den Vereinigten Staaten (39.390 Millionen Euro) und Deutschland (12.690 Millionen Euro). In Deutschland waren laut ICEX 194 spanische Unternehmen tätig, darunter Telefónica, Banco Santander, BBVA, Acciona, Inditex, Mango, Grifols, Indra, Mapfre und Prosegur.
Zur Finanzwirtschaft gehören mehrere Börsen, die seit 2002 in der Holding Bolsas y Mercados Españoles gebündelt sind: Madrid, Barcelona, Valencia und Bilbao. Der Leitindex ist der IBEX 35. Unter den Großbanken werden Santander, BBVA, CaixaBank, Sabadell, Bankinter und Unicaja genannt. Santander ist das zweitgrößte Finanzinstitut Europas, BBVA ist unter anderem in Mexiko und der Türkei aktiv. Die Krise der spanischen Sparkassen ab 2011 führte zu Bankenhilfen, Fusionen, Verstaatlichungen einzelner Institute und zur Bad Bank SAREB. Die Euro-Finanzminister beschlossen 2012, Spanien bis zu 100 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung des Bankensektors bereitzustellen; 41,5 Milliarden Euro wurden später in Anspruch genommen.
Arbeitsmarkt und wichtige Branchen
Der Arbeitsmarkt ist ein zentrales Problemfeld der spanischen Wirtschaft. Der Bruttodurchschnittslohn stieg von 1982,3 Euro im Jahr 2019 auf 2335,6 Euro im Jahr 2024. Seit 2018 erhöhte sich der Mindestlohn um 61 % und lag 2025 nach einer Erhöhung um 700 Euro bei jährlich 16.576 Euro; darauf fallen keine Steuern an. 2,4 Millionen Arbeitnehmer erhalten den Mindestlohn, davon 66 % Frauen, 27 % junge Menschen zwischen 16 und 24 Jahren und 31 % Landarbeiter. Im Januar 2026 lag die Arbeitslosigkeit bei 9,9 %, mit 22,4 Millionen Beschäftigten und 2.477.100 als erwerbslos gemeldeten Personen. Regional ist sie sehr unterschiedlich: niedrig etwa auf den Balearen mit 5,77 %, höher in Andalusien mit 15,27 % und Extremadura mit 14 %.
Der Tourismus ist einer der wichtigsten Sektoren. 2025 besuchten 96,8 Millionen Touristen Spanien. Die meisten kamen aus Großbritannien (19 Millionen), Frankreich (12,7 Millionen) und Deutschland (12 Millionen). Hauptziele waren Katalonien mit 20 Millionen Touristen sowie die Balearen und Kanaren mit jeweils 15,7 Millionen Besuchern.
Die Bauindustrie umfasst auch große Infrastrukturprojekte wie Staudämme, Wasserversorgung und Meerwasserentsalzungsanlagen. Unternehmen wie ACS, Ferrovial, Acciona, Técnicas Reunidas, FCC, Sacyr und OHLA gehören weltweit zu den großen Anbietern der Branche. 2025 wurden öffentliche Aufträge im Wert von 13.800 Millionen Euro vergeben. Der Groß- und Einzelhandel wird unter anderem von Mercadona geprägt, das mit 110.000 Mitarbeitern das größte privatwirtschaftliche Unternehmen Spaniens ist. Auch Lidl, Aldi, MediaMarkt, Alcampo und Carrefour sind stark vertreten.
Die pharmazeutische Industrie beschäftigt mehr als 56.000 Menschen und schafft zusätzlich 270.000 Arbeitsplätze bei Zulieferern. Es gibt 181 Produktionsstätten, davon 111 im Bereich Humanmedizin; 80 % der Produktion wird exportiert. Die Automobilindustrie macht Spanien nach Deutschland zum zweitgrößten Fahrzeughersteller Europas. Ende 2025 waren dort 53.943 Arbeitnehmer beschäftigt, und es wurden 2,27 Millionen Fahrzeuge produziert. Wichtige Standorte sind Martorell, Landaben, Vigo, Madrid, Figuerelas, Valladolid, Palencia, Valencia und Vitoria. Die Produktion sank 2025 um 4,3 % und seit 2019 insgesamt um 20 %.
Landwirtschaft, Immobilien und Infrastrukturprobleme
Spanien ist weiterhin einer der größten landwirtschaftlichen Produzenten Westeuropas. Produziert werden unter anderem Getreide, Reis, Gemüse, Kartoffeln, Oliven, Weintrauben, Zitrusfrüchte, Tomaten, Zwiebeln, Fleisch, Milchprodukte, Seefisch und Meeresfrüchte. Spanien hat die größte Rebanbaufläche der Welt, wobei etwa gleich viel Rot- und Weißwein produziert wird. Seit 2004 ist Spanien das einzige europäische Land mit einer signifikanten transgenen Anbaufläche, vor allem genveränderter Mais.
Die Landwirtschaft ist stark von Wasserknappheit betroffen. Der Weinbau gilt durch die Folgen der globalen Erwärmung als gefährdet. 2023 rief die Regierung Kataloniens den Wasserfuhr-Notstand aus, besonders betroffen war die Region um Barcelona. Um Landwirtschaft und Tourismus zu versorgen, werden zunehmend Meerwasserentsalzungsanlagen genutzt. Mit Stand 2024 werden rund 80 % der Agrarflächen künstlich bewässert.
Der Immobilienmarkt spielte eine Schlüsselrolle in Spaniens jüngerer Wirtschaftskrise. Ende 2005 gab es rund 23,7 Millionen Wohnungen und 15,39 Millionen Haushalte, also 1,54 Wohnungen je Haushalt. 85 % der Wohnungen werden von Eigentümern bewohnt, 15 % vermietet. Die Immobilienblase der Jahre 2004 bis 2010 entstand durch Spekulation mit Grundstücken, Umwandlung von Agrarland in Bauland und starke Kreditfinanzierung durch Sparkassen. 2004 waren etwa 2 Millionen Menschen im Bausektor beschäftigt.
Nach dem Platzen der Blase fielen die Immobilienwerte von 2008 bis 2012 um etwa ein Drittel. Viele Eigentümer litten unter Zwangsversteigerungen. 2012 zwang die Regierung Banken zu Wertberichtigungen von 35 % bei fertigen Wohnimmobilien und 80 % bei Grundstücken. Proteste gegen Zwangsräumungen wurden zu einem Teil der Proteste von 2011/2012. 2013 stellte der Europäische Gerichtshof fest, dass spanische Rechtsnormen, die eine Aussetzung der Räumung verhindern, gegen EU-Recht verstoßen.
Wirtschaftsgeschichte bis zur Demokratie
In der Zweiten Spanischen Republik und im Bürgerkrieg war Spanien noch stark agrarisch geprägt: Von 1931 bis 1939 arbeitete etwas weniger als die Hälfte der Bevölkerung im Agrarsektor. Industrie gab es vor allem in Katalonien, im Baskenland und in Bergbauregionen. Die Wirtschaft war nicht unmittelbar stark von der Weltwirtschaftskrise 1929 betroffen, aber Arbeitslosigkeit, Streiks und soziale Konflikte prägten die Zeit. Während des Bürgerkriegs kontrollierte die anarchosyndikalistische Gewerkschaft CNT in Katalonien und Teilen Aragoniens viele Betriebe, Agrarproduktion, Verkehr und Dienstleistungen.
Während der Diktatur Francisco Francos von 1939 bis 1975 versuchte Spanien zunächst, sich wirtschaftlich weitgehend von Importen und Exporten unabhängig zu machen. Diese Autarkiepolitik nutzte staatliche Instrumente wie das 1941 gegründete Instituto Nacional de Industria (INI), hohe Schutzzölle, Höchstpreise und starke Regulierung des Finanzsektors. 1941 wurden die meisten Bahnstrecken verstaatlicht und in der RENFE zusammengefasst. Die Wirtschaft blieb jedoch eingeschränkt und wenig wettbewerbsfähig.
Ab den 1950er Jahren öffnete sich Spanien schrittweise. 1953 durchbrach das Land mit dem Pakt von Madrid seine internationale Isolation, 1955 wurde es in die UN aufgenommen. Der Plan de Estabilización von 1959, ausgearbeitet mit OECD, Weltbank und IWF, leitete eine Liberalisierung und wirtschaftliche Öffnung ein. Nach einem Einbruch 1959/60 wuchs die Wirtschaft ab 1961 bis zum Ende des Jahrzehnts um etwa 10 % pro Jahr. Diese Phase wurde „el milagro español“ genannt. Wachstumskräfte waren Infrastrukturinvestitionen, Industrialisierung und Massentourismus; zugleich wanderten zwischen 1951 und 1981 etwa 5 Millionen Spanier aus ärmeren ländlichen Regionen in Wirtschaftszentren sowie nach Frankreich und Deutschland ab.
Nach Francos Tod 1975 begann die Transition zur Demokratie. Die Ölkrisen von 1973 und 1979 beendeten das lange Wachstum. 1977 lag die Inflation zeitweise bei 42 %, die Peseta wurde um 20 % abgewertet, und der Pakt von Moncloa sollte die wirtschaftlichen Folgen der Krise eindämmen und Grundlagen des demokratischen Staates schaffen. 1986 trat Spanien der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft bei. In den 1980er und 1990er Jahren wurden viele staatliche Unternehmen restrukturiert oder privatisiert, darunter Repsol, Endesa, Telefónica und Tabacalera. 1999 beziehungsweise 2002 übernahm Spanien den Euro.
Boom, Finanzkrise und Reformen
Mit der Einführung des Euro begann ein starker Anstieg der Hauspreise. 2002 überschritt der jährliche Preisanstieg die Marke von 10 %, zwischen 2003 und 2005 erreichte er fast 20 %. Niedrige Kreditzinsen, Bevölkerungswachstum, Zuwanderung und liberalisierte Regeln für bebaubares Land verstärkten den Boom. Von 1998 bis 2008 stieg die arbeitsfähige Bevölkerung durch Zuwanderer um insgesamt 17 %; Zuwanderer waren für 37 % aller Neubauten verantwortlich.
Die internationale Finanzkrise ab 2007 beendete das etwa 15 Jahre dauernde überdurchschnittliche Wachstum. Spanien trat im zweiten Quartal 2008 in die Rezession ein. Der IBEX 35 hatte im November 2007 seinen Höhepunkt erreicht und fiel bis Frühjahr 2009 um über 50 %. Die Regierung Zapatero reagierte 2008 mit Konjunkturmaßnahmen, darunter dem Plan E, der Baumaßnahmen, Arbeitslose, eine Abwrackprämie, Umweltschutzmaßnahmen und Forschung förderte. Nach einem Wirtschaftseinbruch von −3,7 % im Jahr 2009 stabilisierte sich die Wirtschaft 2010 mit −0,3 % und 2011 mit +0,4 %.
Die Kosten der Krise und der steigenden Arbeitslosigkeit erhöhten die Staatsverschuldung stark. Der Staatshaushalt wies 2008 ein Defizit von −4,1 % auf, 2009 stieg die Neuverschuldung auf −11,2 %. Die Staatsverschuldung war von 62,3 % im Jahr 1999 auf 36,2 % im Jahr 2007 gefallen, stieg danach aber wieder stark an: 2008 auf 40,2 %, 2009 auf 53,9 %, 2010 auf 61,2 % und 2011 auf 68,5 %. Die Arbeitslosigkeit stieg von etwa 8 % im Jahr 2007 auf über 20 % im Jahr 2011.
2011 wurde Mariano Rajoy Ministerpräsident. 2012 vereinbarte seine Regierung Kredite von bis zu 100 Milliarden Euro über den EFSF zur Stützung spanischer Banken, von denen 41,5 Milliarden Euro genutzt wurden. Im dritten Quartal 2013 setzte wieder Wirtschaftswachstum ein, und am 23. Januar 2014 verließ Spanien den Rettungsschirm. Die Zinsen für den spanischen Staat sanken deutlich, doch die Arbeitslosigkeit blieb weiterhin sehr hoch, etwa bei 25 %.