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Wirtschaft Russlands
Der Gewinnsteuersatz wurde auf 20 % bis 24 % gesenkt. · Der Einkommensteuersatz beträgt jetzt 13 %, unabhängig von der Einkunftshöhe. · Der Vermögensteuersatz …
Inhalt5 Abschnitte
Grundzüge und aktuelle Kennzahlen
Russland wandelte sich schrittweise von einer Planwirtschaft zu einer marktorientierten Wirtschaft. Seine große Bedeutung beruht vor allem auf umfangreichen natürlichen Ressourcen, besonders Erdöl und Erdgas. Dadurch hängen Exporterlöse, Staatseinnahmen, Wechselkurs und Wachstum stark von Rohstoffpreisen ab.
2024 betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP), also der Wert aller im Land erzeugten Waren und Dienstleistungen, nominal 2,2 Billionen US-Dollar und kaufkraftbereinigt (PPP) 6,9 Billionen US-Dollar. Nach kaufkraftbereinigtem BIP war Russland damit 2024 mit knapp 7 Billionen US-Dollar die viertgrößte Volkswirtschaft; nominal lag es 2023 auf Rang 11. Das reale Wachstum lag 2024 bei 4,1 %, die Inflation bei 8,4 %, die Arbeitslosenquote bei 2,6 % und die öffentlichen Schulden bei 20,3 % des BIP. Die Währung ist der Russische Rubel.
Der Dienstleistungssektor stellte 2016 mit 62,6 % den größten Anteil der Erwerbstätigen, gefolgt von Industrie mit 35,6 % und Landwirtschaft mit 1,8 %. Im Wettbewerbsfähigkeitsindex lag Russland 2019 auf Platz 43 von 141 Ländern, im Index der wirtschaftlichen Freiheit 2017 auf Platz 114 von 180 Ländern.
Vom Produktionseinbruch zur rohstoffgestützten Erholung
Nach Auflösung der Sowjetunion und Zusammenbruch der Planwirtschaft sank die gesamtwirtschaftliche Produktion von 1990 bis 1996 jedes Jahr. Das BIP verringerte sich insgesamt um etwa 40 %. Besonders stark war der Rückgang 1992 mit −14,5 % und 1994 mit −12,7 %. 1996 entsprach die Wirtschaftsleistung nur noch 59,9 % des Niveaus von 1990.
1997/1998 zeichnete sich eine Erholung ab, doch ein Einbruch der Erdölpreise führte zur Finanzkrise. Russland stellte den Schuldendienst für Staatsschulden ein und gab die Dollarbindung des Rubel auf. Der Höhepunkt der Krise war im Sommer 1998 die Abwertung des Rubel.
Ab 1999 erholte sich die Wirtschaft schneller als erwartet. Die Abwertung verbilligte die inländische Produktion gegenüber dem Ausland, zugleich stieg der Ölpreis. Hinzu kamen Reformen unter Präsident Putin: niedrige Einkommen- und Unternehmenssteuern, eine Abschöpfung von Exporterlösen bei steigenden Ölpreisen sowie eine zurückhaltendere Ausgabenpolitik. Staatsschulden konnten getilgt und Zinslasten verringert werden. Von 1999 bis 2007 wuchs das BIP jährlich zwischen 5 und 10 %; 2007 wurde der Einbruch nach der Sowjetauflösung ausgeglichen und der Produktionsstand von 1989 knapp übertroffen.
Von 2004 bis 2008 stieg der Preis für Urals-Öl im Jahresdurchschnitt von etwa 35 auf etwa 94 US-Dollar je Barrel. Das erhöhte Exporte, Leistungsbilanzüberschüsse, Währungsreserven und Haushaltsüberschüsse. Das reale Wachstum blieb jedoch ungefähr bei 7 %, statt sich entsprechend dem Ölpreisanstieg stark zu beschleunigen. Die internationale Finanzkrise und sinkende Rohstoffnachfrage bremsten 2008 die Wirtschaft; 2009 sank das reale BIP um 7,8 %.
Inflation, Haushalt und Staatsfonds
Die hohe Inflation blieb ein zentrales Problem. Der Verbraucherpreisanstieg lag 2006 bei 9,0 %, 2007 bei 11,9 % und 2008 bei 13,3 %. Staatliche Mehrausgaben vor Wahlen, Devisenkäufe der Zentralbank und steigende Weltmarktpreise für Nahrungsmittel verstärkten den Preisauftrieb. Die Zentralbank stand vor einem Zielkonflikt: Der Kauf ausländischer Währungen sollte eine zu schnelle Aufwertung des Rubel und damit Wettbewerbsnachteile begrenzen, erhöhte aber die Geldmenge und das Inflationspotenzial.
Hohe Ölpreise führten zunächst zu großen Haushaltsüberschüssen: 2005 7,7 %, 2006 8,4 %, 2007 6,0 % und 2008 4,8 % des BIP. Nach Ölpreisverfall und Wachstumseinbruch erwartete die OECD 2009 ein Defizit von etwa 6 % des BIP.
Der 2004 eingerichtete Stabilisierungsfonds sollte Einnahmen oberhalb eines Ölpreis-„Schwellenpreises“ ansparen und bei niedrigeren Preisen Staatsausgaben stützen. Anfang 2006 wurde dieser Schwellenpreis von 20 auf 27 US-Dollar je Barrel angehoben. Mittel dienten auch zur vorzeitigen Tilgung öffentlicher Auslandsschulden. 2008 wurde der Fonds als Öl- und Gasfonds in Reservefonds und Fonds für nationalen Wohlstand geteilt. Der Reservefonds sollte bis zu 10 % des BIP besonders sicher anlegen und Haushaltsausfälle abfedern; der Wohlstandsfonds durfte risikoreicher investieren. Später wurden beide wieder zusammengeführt, nachdem der Reservefonds fast aufgebraucht war.
Die staatliche Auslandsschuld sank bis Ende Juni 2009 auf 26 Milliarden US-Dollar, rund 2 % des BIP. Dagegen hatten Unternehmen viele Auslandskredite aufgenommen; die gesamten Auslandsschulden beliefen sich Ende September 2008 auf 541 Milliarden und Ende Juni 2009 auf etwa 475 Milliarden US-Dollar. In der Finanzkrise wurde ihre Refinanzierung schwieriger. Die Währungsreserven erreichten Anfang August 2008 fast 600 Milliarden US-Dollar, fielen bis 20. März 2009 auf rund 385 Milliarden. 2022 zogen die G7-Staaten knapp 300 Milliarden von knapp 600 Milliarden US-Dollar russischer Reserven ein.
Außenhandel und wirtschaftliche Entwicklung seit 2014
Russlands Exportstruktur ist stark energie- und rohstofforientiert. 2024 exportierte das Land Waren im Wert von 475,23 Milliarden US-Dollar, vor allem Erdöl, Erdgas, Kohle und Dünger; die Importe betrugen 381,5 Milliarden US-Dollar. Daraus ergab sich ein Außenhandelsüberschuss von 93,7 Milliarden US-Dollar. Wichtigste Exportpartner waren 2023 China mit 33 %, Indien mit 17 % und die Türkei mit 9 %. Bei Importen dominierte 2024 China mit 53 %.
2008 entfielen etwa 66 % der Warenausfuhren auf Erdöl, Mineralölprodukte und Erdgas. Der Handelsbilanzüberschuss betrug 180 Milliarden US-Dollar, der Leistungsbilanzüberschuss rund 102 Milliarden US-Dollar. Die Leistungsbilanz umfasst neben Waren auch Dienstleistungen und unentgeltliche Leistungen. Als die Ölpreise 2009 sanken, gingen Handels- und Leistungsbilanzüberschüsse deutlich zurück.
Deutschland war lange wichtigster Handelsparter Russlands. Russland lieferte vor allem Energie und Rohstoffe; Deutschland exportierte überwiegend Maschinen, Kraftfahrzeuge sowie Elektrotechnik und Elektronik. Nach 2014 wurden die Beziehungen durch Sanktionen beeinträchtigt, und China überholte Deutschland als wichtigsten Partner. 2022 betrug der bilaterale Handel 49,9 Milliarden Euro. Im Februar 2023 fielen deutsche Importe aus Russland um 90 %.
Nach der Annexion der Krim und dem Krieg in der Ukraine seit 2014 führten westliche Sanktionen und ein Ölpreiseinbruch mehrere Jahre zur Stagnation. 2015 sanken Haushaltseinkommen durchschnittlich um 8,5 %, Lebensmittelpreise stiegen bis 25 % und die Jahresinflation betrug 12,9 %. Staatliche Ausgaben wurden gekürzt, ausgenommen der Rüstungssektor. Die Mehrwertsteuer wurde ab 1. Januar 2019 auf 20 % erhöht; zugleich wurde das Renteneintrittsalter angehoben.
Seit dem russischen Überfall 2022 verschärften sich die Sanktionen; Banken wurden aus SWIFT ausgeschlossen und viele ausländische Unternehmen zogen sich zurück. Kapitalverkehrskontrollen sollten Bankanstürme verhindern und den Rubel stabilisieren. Der Handel wurde stärker auf unter anderem China, Indien und Brasilien ausgerichtet. Der Staat kontrollierte Anfang 2022 direkt oder indirekt 60 bis 75 % der Wirtschaft. Höhere Rüstungs- und Staatsausgaben sowie hohe Ölpreise unterstützten die Erholung nach der milden Rezession 2022. Gleichzeitig herrschte 2024 Arbeitskräftemangel; die Arbeitslosigkeit erreichte im April 2024 mit 2,6 % den niedrigsten Stand seit Ende der Sowjetzeit. Der Leitzins stieg von 4,25 % im Februar 2021 auf 21 % im Oktober 2024.
Reformen, staatlicher Einfluss und Strukturprobleme
Die Reformen von 2000 bis 2004 umfassten Privatisierungen sowie Änderungen im Steuer-, Zoll-, Boden-, Arbeits-, Renten-, Konkurs- und Bankrecht. Das Steuersystem wurde vereinfacht: Der Einkommensteuersatz betrug einheitlich 13 %, der Gewinnsteuersatz 20 bis 24 %, die Vermögensteuer höchstens 2,2 %. Die Mehrwertsteuer sank Anfang 2004 von 20 auf 18 %, wurde jedoch 2019 wieder auf 20 % angehoben.
Seit 2004 kamen Strukturreformen langsamer voran. Als Probleme gelten Bürokratie, Korruption, schwache Rechtssicherheit und eine mangelhafte Umsetzung von Gesetzen. Der Fall Jukos verschlechterte nach Darstellung des Artikels das Investitionsklima. In strategisch wichtigen Sektoren, besonders Energie und Rüstung, baute der Staat seinen Einfluss aus. Der staatliche Anteil an Gazprom wurde auf gut 50 % erhöht. Die Politik der „nationalen Champions“ sollte große russische Unternehmen international stärken, wurde von Weltbank und OECD aber wegen möglicher Marktverzerrungen, Korruption und Zentralisierung kritisiert.
Das Wachstum von 2000 bis 2007 um rund 70 % beruhte besonders auf Energie- und Rohstoffen sowie steigenden Preisen. Eine breite Diversifizierung von Produktion und Export gelang nicht. Infrastruktur und Anlagen waren oft überaltert, Investitionen zu gering und der Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen niedrig. In der Schattenwirtschaft der „Garagenfirmen“ arbeiteten Schätzungen zufolge 2016 noch bis über ein Drittel der Erwerbstätigen.
Bei natürlichen Monopolen – Strom, Gas und Eisenbahn – gab es Fortschritte bei Elektrizität und Eisenbahn, etwa durch private Betreiber im Schienentransport. Die Gasreform blieb dagegen unvollständig; steigende Inlandstarife sollten einen sparsameren Umgang mit Erdgas fördern. Banken spielten bei Investitionen nur eine begrenzte Rolle: Rund 5 % der Investitionen wurden durch Bankkredite finanziert. Große staatliche Banken wie die Sberbank dominierten. Das Einlagensicherungsgesetz von 2004 sicherte Sparguthaben bis 100.000 Rubel und half, eine Bankenkrise zu entschärfen.
Die im Artikel dargestellten Meinungen zur Wirtschaftspolitik sind unterschiedlich und der Abschnitt ist als unzureichend belegt gekennzeichnet. Einige Autoren sehen Chancen in stärkerer staatlicher Steuerung; andere kritisieren einen „bürokratischen Kapitalismus“, Monopole, Korruption und die hohe Rohstoffabhängigkeit. Gemeinsam ist vielen Bewertungen die Einschätzung, dass Diversifizierung, Modernisierung und internationale Wettbewerbsfähigkeit zentrale ungelöste Aufgaben bleiben.