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Wirtschaft Italiens
Die Wirtschaft Italiens ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union und zählt mit einem nominalen Bruttoinlandsprodukt von über 2 Billionen …
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Wirtschaft im Überblick
Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union, 2024 die achtgrößte der Welt nach nominalem Bruttoinlandsprodukt (BIP) und ein Hocheinkommensland der Weltbank. Es ist Mitglied von EU, Eurozone, Schengen-Raum, OECD, G7, G20 und WTO; seine Währung ist der Euro. Die Wirtschaft ist breit aufgestellt, wird aber vom Dienstleistungssektor dominiert. Eine große industrielle Kapazität, viele exportorientierte mittelständische Unternehmen und hochwertige Produkte stehen niedrigem Wachstum und dauerhaften Strukturproblemen gegenüber.
2024 betrug das BIP 2,4 Billionen USD nominal beziehungsweise 3,6 Billionen USD nach Kaufkraftparität (PPP). Das BIP je Einwohner lag bei 40.224 USD nominal und 61.165 USD nach PPP. Die Wirtschaftsleistung wuchs real um 0,7 %, die Inflationsrate lag bei 1,1 %. Von der Wirtschaftsleistung entfielen 2 % auf Landwirtschaft, 21,7 % auf Industrie und 65,6 % auf Dienstleistungen. Es gab 25,8 Millionen Erwerbstätige und eine Arbeitslosenquote von 6,6 %. Der Gini-Index, ein Maß der Einkommensungleichheit, betrug 2023 51,6.
Entwicklung seit der Einigung
Vor der Einigung Italiens war das heutige Staatsgebiet wirtschaftlich uneinheitlich. Nach der Blüte einiger norditalienischer Handels- und Stadtstaaten im Mittelalter verlor Italien mit der Entdeckung Amerikas an Bedeutung im Fernhandel; die Industrialisierung wurde weitgehend verpasst. Besonders Süditalien blieb agrarisch geprägt. Damit zeichnete sich das spätere Nord-Süd-Gefälle schon früh ab.
Nach der Einigung 1861 förderte der Staat Industrie und Infrastruktur vor allem im Norden, etwa durch Eisenbahnen und Schutzzölle. Die Industrialisierung verlief spät und langsam: Um 1914 lag das Pro-Kopf-Einkommen nur bei rund 60 % des westeuropäischen Durchschnitts. Millionen Menschen wanderten insbesondere nach Amerika aus. Unter Benito Mussolini entstand ab 1922 eine zunehmend staatsdirigistische Wirtschaft. Die 1933 gegründete staatliche Holding IRI übernahm Banken und Schlüsselindustrien. Autarkie- und Aufrüstungspolitik hinterließen einen großen, vielfach ineffizienten Staatssektor; 1945 lag das Leistungsniveau bei 40 % des westeuropäischen Durchschnitts.
In den 1950er und 1960er Jahren folgte das Wirtschaftswunder. Marshallplan-Hilfe, europäische Integration, Erdgasfunde in der Po-Ebene und Investitionen in moderne Industrie beschleunigten den Wandel. Von 1958 bis 1963 wuchs die Industrie jährlich um mehr als 8 %. Italien trat 1957 der EWG bei; Konsumgüter wie der Fiat 500 und neue Autobahnen symbolisierten den Übergang von der Agrar- zur Industrienation. Ende der 1960er Jahre lag das Pro-Kopf-Einkommen zeitweise über dem von Deutschland und Frankreich.
Seit den Ölpreisschocks 1973/79 verlangsamte sich die Entwicklung. Staatsausgaben und Staatsverschuldung stiegen stark, die Lira wurde mehrfach abgewertet. Ab den späten 1970er Jahren sank die totale Faktorproduktivität, also der Teil des Produktionswachstums, der nicht allein durch mehr Arbeit oder Kapital erklärt wird. Nach einer Währungskrise 1992 konsolidierte Italien seinen Haushalt und erfüllte 1999 die Euro-Konvergenzkriterien. Nach 2000 blieb das Wachstum dennoch schwach.
Die Finanzkrise führte 2009 zu einem BIP-Rückgang von knapp 5 %, die Euro-Schuldenkrise 2011–2013 zu einer weiteren Rezession. 2013 lag die Wirtschaftsleistung etwa 8,5 % unter dem Niveau von 2007. 2020 sank das BIP infolge der COVID-19-Pandemie um 9 %; 2021/22 setzte eine Erholung ein. Aus dem EU-Wiederaufbaufonds erhält Italien über mehrere Jahre 194 Milliarden Euro, davon 70 Milliarden Euro als Zuschüsse.
Wirtschaftsstruktur und Außenhandel
Dienstleistungen erwirtschaften zwischen 65 und 70 % des BIP und stellen etwa 70 % der Arbeitsplätze. Dazu gehören Handel, Verkehr, Tourismus, öffentliche Verwaltung, Bildung, Gesundheit, Finanz- und Versicherungswesen. 2024 verzeichnete Italien 68 Millionen Auslandsgäste. Große Banken sind Intesa Sanpaolo und UniCredit; zugleich gibt es viele Regional- und Genossenschaftsbanken. Nach der Finanzkrise belasteten hohe Bestände fauler Kredite das Bankensystem. Eine Reform von 2015 sollte Genossenschaftsbanken konsolidieren.
Italien ist die zweitgrößte Fertigungswirtschaft Europas. Industrie einschließlich Baugewerbe und Handwerk trägt rund 22 bis 23 % zum BIP bei. Kennzeichnend sind kleine und mittlere, oft familiengeführte Unternehmen in regionalen Industriebezirken. Wichtige Branchen sind Maschinenbau, Automatisierung, Textilien und Mode, Keramik, Möbel, Design, Fahrzeuge, Luftfahrt und Energie. Beispiele sind Ferrari und Lamborghini sowie die Konzerne Fiat/Stellantis, Leonardo und ENI. Die industrielle Wertschöpfung wird auf 353 Mrd. USD geschätzt. Die kleinteilige Unternehmensstruktur kann jedoch Forschung, Entwicklung und Innovation erschweren.
Die Landwirtschaft erbringt etwa 2 % des BIP und beschäftigt rund 4 % der Erwerbstätigen. Bedeutend sind Wein, Olivenöl, Obst, Gemüse und Getreide. Italien erzeugt durchschnittlich etwa 50 Millionen Hektoliter Wein jährlich und war in den letzten Jahren regelmäßig weltweit führender Weinproduzent. Im Norden dominieren größere, stärker mechanisierte Betriebe; im Süden kleinere Familienbetriebe. Geschützte regionale Produkte wie Parmigiano Reggiano, Prosciutto di Parma und Chianti schaffen hohe Wertschöpfung. Zugleich sind viele Betriebe auf EU-Subventionen angewiesen, und Italien importiert unter anderem Futtermittel und Fleisch.
Italien ist stark in den Welthandel eingebunden und lag 2024 im Warenexport auf Platz 9. Die Exporte betrugen 778,898 Mrd. $ und die Importe 717,278 Mrd. $. Deutschland war 2023 sowohl wichtigster Exportpartner mit 11 % als auch wichtigster Importpartner mit 15 %. Exportiert werden vor allem Maschinen, Fahrzeuge und Teile, Chemie- und Pharmaerzeugnisse, Mode, Möbel sowie Lebensmittel. Rohstoffe, Energie und Vorprodukte prägen die Einfuhren; bei Erdöl und Erdgas besteht hohe Importabhängigkeit. Für 2024 nennt die Übersicht einen Außenhandelsbilanzüberschuss von 62 Mrd. €, der Text etwa 59,3 Mrd. €.
Italienische Unternehmen investieren auch im Ausland; ihre Direktinvestitionen in den USA beliefen sich 2022 auf etwa 46,2 Mrd. USD. Der Bestand ausländischer Direktinvestitionen in Italien liegt aber unter dem vergleichbarer EU-Staaten. Bürokratie, unberechenbare Regulierung und lange Genehmigungen gelten als Hemmnisse.
Arbeitsmarkt und Lebensstandard
Der Arbeitsmarkt war lange durch starken Kündigungsschutz für Festangestellte und unsichere Beschäftigung für Neueinsteiger geprägt. Reformen erlaubten 1997 Leiharbeit und befristete Verträge; das Biagi-Gesetz von 2003 erweiterte flexible Beschäftigungsformen. Der Jobs Act von 2015 lockerte den Kündigungsschutz bei Neueinstellungen und ersetzte die Wiedereinstellung teilweise durch gleitende Abfindungen. Zusammen mit zeitweisen Senkungen der Lohnnebenkosten entstanden binnen zwei Jahren über 500.000 neue Stellen.
Probleme bleiben Arbeitslosigkeit, befristete Arbeit und regionale Unterschiede. 2022 lag die Arbeitslosenquote bei etwa 9 %, die Jugendarbeitslosigkeit im März 2023 bei 22,3 % für 15- bis 24-Jährige. Rund 20 % der jungen Arbeitnehmer hatten fünf Jahre nach Berufseinstieg noch befristete Verträge. 2022 waren etwa 18 % der 15- bis 34-Jährigen NEETs, also weder in Arbeit noch Ausbildung. Schätzungsweise 1,8 Millionen Italiener unter 30 Jahren leben im Ausland. Nur rund 55 % der Frauen im erwerbsfähigen Alter sind berufstätig. 2024 ersetzten Assegno di inclusione und Supporto per la formazione e il lavoro das frühere Grundeinkommen Reddito di cittadinanza.
Das durchschnittliche Nettoeinkommen der Haushalte lag 2023 bei rund 37.500 Euro, der Median bei etwa 30.000 Euro. Reale Einkommen gingen zwischen 2007 und 2023 zurück. Die reichsten 20 % der Haushalte verfügten über etwa das 5,5-Fache des Einkommens der ärmsten 20 %. Rund 23,1 % der Bevölkerung beziehungsweise etwa 13,5 Millionen Menschen waren armutsgefährdet oder sozial ausgeschlossen; betroffen waren 26,7 % der unter 16-Jährigen und knapp 29,5 % der allein lebenden Senioren.
Italien gibt viel für soziale Sicherung aus: 2022 lagen die Sozialausgaben bei über 30 % des BIP, öffentliche Renten allein bei über 15 %. Zugleich besitzen private Haushalte vergleichsweise viel Vermögen. Ende 2023 betrug ihr Nettovermögen etwa 11,29 Billionen Euro; das Medianvermögen je Haushalt lag 2024/25 bei 161.000 Euro. Etwa 76 % der Haushalte wohnen im Eigentum.
Strukturelle Probleme und Reformen
Das Nord-Süd-Gefälle ist zentral: 2023 lag das BIP pro Kopf der nördlichen Regionen um 83,1 % über dem des Mezzogiorno. Dieser stellt ein Drittel der Bevölkerung, erzeugt aber nur ein Viertel des Gesamtprodukts. Im Mezzogiorno betrug die Arbeitslosenquote 2024 12,1 %, in Norditalien 4,1 %. Abwanderung gut ausgebildeter junger Menschen, schwache Forschung und Industrie sowie die Veruntreuung von Hilfsmitteln durch Mafia-Präsenz erschweren die Entwicklung im Süden.
Die Produktivität wächst seit Mitte der 1990er Jahre kaum. Das jährliche Produktivitätswachstum betrug 1999–2008 nur 0,3 % und 2008–2021 nur 0,2 %, gegenüber 1,4 % jährlich 1989–1999. Drei Viertel der Beschäftigten arbeiten in kleinen und mittleren Betrieben. Italien gibt rund 1,3 % des BIP für Forschung und Entwicklung aus; in Schweden sind es etwa 3,5 bis 3,8 %. Nur etwa 20 % der Erwerbsbevölkerung haben einen Hochschulabschluss. Langsame Digitalisierung und Wettbewerb über Kosten statt Technologie schwächen ebenfalls die Entwicklung.
Mit rund 2,8 Billionen Euro oder 135,3 % des BIP im Jahr 2024 ist die Staatsverschuldung sehr hoch. Für 2025 erwartet die EU-Kommission 136,7 % des BIP, nach Griechenland den zweithöchsten Wert der EU. Die Zinsausgaben betrugen 2023 etwa 3,7 % des BIP. Hohe Schulden begrenzen den finanzpolitischen Spielraum und erhöhen die Anfälligkeit für Vertrauenskrisen. Die niedrige Geburtenrate von rund 1,2 Kindern je Frau 2023, eine Lebenserwartung von über 83 Jahren und ein Medianalter von etwa 48 Jahren lassen die Erwerbsbevölkerung schrumpfen und belasten das Rentensystem.
Weitere Hemmnisse sind komplexe Verwaltung, langsame Justiz, hohe Markteintrittsbarrieren, schwieriger Kreditzugang und Steuerhinterziehung. Die Mehrwertsteuer-Lücke lag bei rund 21 %, gegenüber 7–9 % in Deutschland oder Frankreich. Im Ease of Doing Business Index 2020 lag Italien auf Rang 58 von 190 Ländern; im Index für wirtschaftliche Freiheit 2025 auf Rang 81.
Reformen umfassten seit den 1990er Jahren Privatisierungen und Haushaltskonsolidierung. Die Regierung Monti führte 2011–2013 Rentenreformen, Steuererhöhungen und Arbeitsmarktreformen durch. Der 2021 gestartete nationale Aufbau- und Resilienzplan PNRR bündelt über 190 Mrd. € EU-Mittel bis 2026 für Digitalisierung, schnellere Justiz, grüne Technologien, Bildung, Infrastruktur und Wettbewerb. 2023 beschloss die Regierung Meloni Steuervergünstigungen für ausländische Fachkräfte und rückkehrende qualifizierte Auslandsitaliener.