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Wirtschaft Frankreichs
Die Wirtschaft gilt als relativ breit aufgestellt und als durchschnittlich abhängig von Außenhandel und Finanzmärkten; sie kam etwas besser durch die Finanz …
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Wirtschaftsprofil und zentrale Kennzahlen
Frankreich besitzt eine breit aufgestellte Volkswirtschaft und gilt nach Deutschland als zweitwichtigstes Industrieland der Europäischen Union. Gemessen am absoluten Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird es im Artikel als sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt bezeichnet. Die Kennzahlentabelle weist Frankreich für 2024 dagegen auf Rang 7 beim nominalen BIP aus. Die Regierung nimmt aktiv Einfluss auf die Wirtschaft; deshalb wird sie häufig als gelenkte Volkswirtschaft bezeichnet. Frankreich ist Mitglied der EU, der WTO und der OECD und verwendet den Euro (EUR).
Für 2024 werden ein nominales BIP von 3,16 Billionen USD, ein BIP nach Kaufkraftparität (PPP) von 4,36 Billionen USD und ein BIP von 2,9 Billionen Euro angegeben. Das nominale BIP pro Kopf betrug 46.203 USD, das BIP pro Kopf nach PPP 63.698 USD. Das Wirtschaftswachstum lag bei 1,1 %, die Inflationsrate bei 2,3 %. Von den 31,725 Millionen Erwerbstätigen entfielen 2024 1,4 % der Wirtschaftsleistung auf die Landwirtschaft, 17,5 % auf die Industrie und 70,4 % auf Dienstleistungen. Als ältere Beschäftigungsstruktur nennt der Artikel für 2009 2,5 % Landwirtschaft, 20 % Industrie und 77,5 % Dienstleistungen. Die reale Erwerbsquote wird mit 40 % angegeben, die Arbeitslosenquote 2024 mit 7,4 %.
Frankreich exportierte 2024 Waren im Wert von 1.071 Mrd. € und importierte Waren im Wert von 1.074 Mrd. €. Daraus ergab sich eine Außenhandelsbilanz von −3 Mrd. €. Zu den wichtigsten Exportgütern gehören Flugzeuge, Autos und Autoteile, Pharmazeutika und Maschinen. Importiert werden vor allem Autos, Erdöl und Erdgas sowie Textilien. Wichtigster Exportpartner war 2023 Deutschland mit 11 %, gefolgt von Italien mit 9 %, den Vereinigten Staaten und Belgien mit jeweils 8 % sowie Spanien mit 7 %. Bei den Importen lag Deutschland mit 15 % vor Belgien mit 11 %, den Niederlanden mit 9 %, Spanien mit 8 % und Italien mit 8 %.
Die öffentlichen Schulden beliefen sich 2024 auf 113,1 % des BIP. Die Staatseinnahmen betrugen 51,4 %, die Staatsausgaben 57,2 % und der Haushaltssaldo −5,8 % des BIP. Die langfristige Kennzahlenreihe zeigt einen starken Anstieg der Staatsverschuldung: von 20,8 % des BIP 1980 auf 68,8 % 2008, 83,0 % 2009, 95,6 % 2015, 114,7 % 2020 und 112,6 % 2021. Das reale BIP-Wachstum lag 2009 bei −2,8 % und 2020 bei −7,9 %, danach 2021 bei 6,8 %. Die Arbeitslosenquote erreichte 2014 mit 10,3 % einen hohen Wert und lag 2021 bei 7,9 %.
Landwirtschaft und Strukturwandel
Die französische Landwirtschaft wird seit den 1960er Jahren maßgeblich durch die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Gemeinschaft und später der Europäischen Union geprägt. Je nach Region überwiegen Ackerbau oder Viehwirtschaft. Im Süden werden mediterrane Erzeugnisse angebaut; in den Übersee-Départements kommen tropische Produkte wie Bananen hinzu.
Rund 30 Millionen Hektar werden landwirtschaftlich genutzt. Das entspricht etwa 55 % der Staatsfläche Frankreichs und etwa 23 % der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche der EU. Auf etwa 14,6 Millionen Hektar wachsen Tierfutterpflanzen, auf 9 Millionen Hektar Getreide.
Obwohl die Anbaufläche seit 50 Jahren nahezu unverändert ist, ging die Zahl der Betriebe stark zurück: von 1,6 Millionen im Jahr 1970 auf etwa 527.000 im Jahr 2007. Viele Mischbetriebe mit Mischkulturen und Viehzucht wurden durch spezialisierte Betriebe ersetzt. Auch die Zahl der Beschäftigten sank von 2 Millionen 1988 auf etwa 1,02 Millionen 2007. Etwa 85 % dieser Beschäftigten arbeiteten im heimischen Familienbetrieb.
Der Anteil der Landwirtschaft am gesamten BIP ist gering. Der Artikel nennt hierfür 1,7 % und für 2024 1,4 %. Trotzdem war Frankreich 2009 weltweit der zweitgrößte Exporteur landwirtschaftlicher Erzeugnisse nach den USA. Zu den Exportprodukten gehören Wein, Champagner, Getreide und Milchprodukte.
Industrie und Automobilbau
Die französische Industrie gewann nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung. Die erste Ölkrise 1973/74 und weitere Faktoren beendeten in den 1970er Jahren eine längere Wachstumsphase. In diesem Jahrzehnt begann außerdem der Bau zahlreicher Kernkraftwerke. Nach dem Regierungsantritt eines Präsidenten der Parti socialiste im Jahr 1981 wurden einige Industrieunternehmen für wenige Jahre verstaatlicht. Zugleich sollte die historisch starke Konzentration der Industrie auf Paris verringert und andere Regionen gestärkt werden.
Frankreich verfügt nur über wenige Rohstoffe und bezog lange Zeit viele Rohstoffe aus seinen Kolonien. Der Industrieanteil am BIP wird im Artikel allgemein mit etwa 19 % angegeben; für 2024 nennt die Kennzahlentabelle 17,5 %. Zu den wichtigsten Industriezweigen zählen Telekommunikation, Luftfahrt, Rüstungsgüter, Automobilbau, Pharmazeutik und Nahrungsmittel. Genannt werden unter anderem Orange, Airbus, PSA Peugeot Citroën, Renault, Michelin, Alstom, Alcatel, Sanofi-Aventis, Saint-Gobain, Lafarge, L’Oréal und Danone. Der CAC 40 ist der Leitindex der französischen Wirtschaft.
Die Automobilindustrie besitzt eine bedeutende Stellung. 2019 wurden 2,2 Millionen Fahrzeuge abgesetzt. 2021 entstand aus der Groupe PSA und Fiat Chrysler Automobiles der Konzern Stellantis, der nach verkauften Fahrzeugen der viertgrößte Automobilhersteller war. Wichtige französische Hersteller waren 2023 Peugeot, Renault, Citroën, DS Automobiles und Bugatti Automobiles. Die Renault Group gehört zur internationalen Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi und unterhält ein Joint Venture mit dem chinesischen Hersteller Geely. Die Groupe PSA kooperierte bis 2020 mit Changan und seit 1992 mit Dongfeng. Stellantis erwog 2022 einen Rückzug vom chinesischen Markt und eine stärkere Konzentration auf Indien. 2013 verkaufte die französische Automobilindustrie knapp 1,8 Millionen Fahrzeuge; die EU unterstützte die Branche damals massiv.
Tourismus und Bauwirtschaft
Frankreich gehört zu den meistbesuchten Ländern der Welt. 2010 kamen etwa 76 Millionen ausländische Besucher. Jeweils etwa ein Sechstel der ausländischen Gäste waren Briten und Deutsche. 2006 trug der Tourismus etwa 6,3 % zum BIP bei; direkt und indirekt hingen zwei Millionen Arbeitsplätze von ihm ab. Frankreich erzielte 32 Milliarden Euro beziehungsweise 6,3 % der weltweiten Tourismuseinnahmen und lag damit hinter den USA und Spanien.
Öffentliche und private Einrichtungen versuchten, das Land als Reiseziel attraktiver zu machen. Dazu gehörten Maison de la France, die Nationale Agentur für Urlaubschecks und ODIT France. Auch der ländliche Tourismus war gut entwickelt, unter anderem durch Vereine wie Gîtes de France. Zu den beliebten Zielen 2009 gehörten der Louvre mit 8,4 Millionen Besuchern, der Eiffelturm mit 6,9 Millionen, das Schloss Versailles mit 5,6 Millionen, das Centre Pompidou mit 5,5 Millionen, der Mont-Saint-Michel mit 3,5 Millionen und das Museum d’Orsay mit 3 Millionen Besuchern.
Die französische Bauindustrie umfasste 2018 nach Angaben des Bauverbandes FFB, der Fédération Francaise du Batiment, 394.000 Unternehmen mit über einer Million Beschäftigten. Große Unternehmen mit mindestens einer Milliarde Euro Umsatz waren Vinci, Bouygues, Eiffage, Spie, Fayat, NGE, Spie Batignolles, Demathieu Bard, GCC und Idex. 2018 wurden 430.000 Wohnungen gebaut.
Finanzwirtschaft, Banken und Börse
Frankreich ist Sitz bedeutender Finanzdienstleister. 2008 erwirtschaftete die Finanzwirtschaft etwa 80 Milliarden Euro, entsprechend 4,6 % des BIP.
Zu den größten Banken zählen BNP Paribas, Crédit Agricole, Société Générale und Crédit Lyonnais. Die Pariser Börse fusionierte 2007 mit der NYSE und wurde in NYSE Euronext umbenannt. Diese Fusion wurde 2013/14 rückgängig gemacht. Der CAC 40 ist der wichtigste französische Börsenindex und gilt als Leitindex der französischen Volkswirtschaft.
Der französische Versicherungssektor war 2009 mit einem Jahresumsatz von etwa 200 Milliarden Euro der fünftgrößte der Welt. Er beschäftigte etwa 200.000 Menschen. Als größte Versicherungen werden AXA, CNP und Allianz France genannt.
Mit Bpifrance verfügt der französische Staat über eine Investitionsbank, die ähnlich wie ein Staatsfonds fungiert. Bpifrance ist außerdem Mitglied im IFSWF.
Luxusgüter und Vermögensverteilung
Die französische Luxusgüterproduktion beruht wesentlich auf handwerklicher Herstellung in Werkstätten oder Manufakturen. Diese bewahrt Qualität und sorgt für eine relative Knappheit der Produkte. Seit den 1990er Jahren veränderte sich jedoch die Organisation der Branche: Bernard Arnault mit LVMH und François Pinault mit Kering übernahmen einzelne Unternehmen und bündelten sie zu großen Gruppen. Dabei sollte nicht die Menge der Produkte steigen, weil dies dem Luxusimage geschadet hätte. Stattdessen wurde das Angebot durch verwandte Produkte erweitert. Haute-Couture-Häuser bieten etwa Parfums an; Hermès ergänzte seine ursprüngliche Ausrichtung auf Taschen und Koffer um Textilien und Uhren.
Der Anteil der traditionellen Luxusindustrie am französischen Sozialprodukt liegt bei knapp 1 %. 2013 entfielen weltweit knapp 40 % des Umsatzes auf französische Hersteller. LVMH erzielte 2021 rund 64,2 Milliarden Euro Umsatz und etwa 12 Milliarden Euro Gewinn; 2020 waren mehr als 24.000 Beschäftigte in der Herstellung tätig. Für Kering arbeiteten 2021 etwas mehr als 38.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit, die rund 17,6 Milliarden Euro Umsatz erwirtschafteten.
Nach einer Studie der Credit Suisse aus dem Jahr 2017 lag Frankreich beim nationalen Gesamtvermögen weltweit auf Rang 6. Der Besitz an Immobilien, Aktien und Bargeld betrug insgesamt 12.969 Milliarden US-Dollar. Pro erwachsene Person wurden durchschnittlich 263.399 US-Dollar und als Median 119.720 US-Dollar angegeben; für Deutschland nennt die Studie 203.946 beziehungsweise 47.091 US-Dollar. Der höhere Durchschnitt gegenüber Deutschland wird vor allem mit dem größeren Anteil an Immobilienbesitzern erklärt.
39,8 % des Vermögens waren finanzielles Vermögen und 60,2 % nicht-finanzielles Vermögen. Der Gini-Koeffizient der Vermögensverteilung lag 2017 bei 70,2. Die obersten 10 % besaßen 53,7 %, das oberste 1 % 21,6 % des Vermögens. Der Artikel beschreibt Frankreich wegen starker Umverteilung als weniger ungleich als die meisten anderen Industrieländer. 25,3 % der Bevölkerung besaßen weniger als 10.000 US-Dollar, 4 % mehr als 1 Million US-Dollar. Mitte 2018 lebten 38 Milliardäre in Frankreich. Anfang 2023 war Bernard Arnault mit über 190 Mrd. US-Dollar der reichste Mann der Welt; Françoise Bettencourt-Meyers war 2022 mit 73,6 Mrd. US-Dollar die reichste Frau der Welt.