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Wirtschaft Afrikas
Ursachen der wirtschaftlichen Unterentwicklung · Reichtum an natürlichen Ressourcen · Geographie und Verkehrsinfrastruktur · Erbe des Kolonialismus · Kriege.
Inhalt6 Abschnitte
Überblick und regionale Unterschiede
Afrikas Wirtschaft umfasst rund 1 Milliarde Menschen in 54 Staaten. Der Kontinent besitzt große mineralische und andere natürliche Ressourcen, hat aber im Durchschnitt den niedrigsten Lebensstandard aller Kontinente. Nach dem Index der menschlichen Entwicklung liegen 22 der 24 Länder mit „geringer menschlicher Entwicklung“ in Afrika. Von den 14 Ländern, deren kaufkraftbereinigtes Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf 2008 unter 1000 US-Dollar lag, befanden sich 13 in Afrika.
Die Unterschiede zwischen und innerhalb der Staaten sind groß. Hauptstädte und andere städtische Räume sind meist besser entwickelt als dünn besiedelte ländliche Gebiete. Häufig steht eine kleine wohlhabende Oberschicht einer armen Bevölkerungsmehrheit gegenüber. Die wirtschaftlich stärkeren Länder liegen vor allem in Nordafrika und im südlichen Afrika. Südafrika und Botswana zählen zu den höchstentwickelten Staaten; Angola, Gabun und Äquatorialguinea profitieren von Erdöl. Besonders schwierig ist die Lage unter anderem in Niger, Tschad, der Zentralafrikanischen Republik, der Demokratischen Republik Kongo und Somalia.
In Subsahara-Afrika ohne Südafrika stieg die Armut seit 1990 trotz eines höheren realen Pro-Kopf-Einkommens: Die absolute Zahl der Armen nahm um etwa 100 Millionen zu, und mehr als zwei Drittel der Menschen verfügten über weniger als zwei US-Dollar täglich. Geldbasierte Kennzahlen erfassen allerdings die Subsistenzwirtschaft nur unvollständig. Mehr als ein Drittel der Bauern produziert Nahrung und andere Güter hauptsächlich für den eigenen Haushalt oder die örtliche Gemeinschaft; weitere 50 % verbinden Selbstversorgung mit Marktproduktion in Familienbetrieben von höchstens 2 ha.
Zwischen 1960 und 2000 wuchs die Bevölkerung im Mittel um 3 %, die Wirtschaft aber nur um 2 %. Seit Mitte der 1990er Jahre beschleunigte sich das Wachstum. Ursachen waren höhere Rohstoffpreise, ausländische Direktinvestitionen – besonders aus China –, Demokratisierung, bessere Regierungsführung, das Ende mehrerer Bürgerkriege und Schuldenerlasse. Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts lag das Wachstum bei fast 6 %; 2010 betrug es laut Weltbank 5,1 %. Das kaufkraftbereinigte BIP pro Kopf ohne das wirtschaftlich starke Südafrika stieg bis 2018 auf 3969 US-Dollar. Nigeria löste 2013 mit gut 372 Milliarden Euro BIP Südafrika mit knapp 229 Milliarden Euro als größte Volkswirtschaft des Kontinents ab.
Historische Entwicklung
Nordafrika war früh in den Mittelmeerhandel eingebunden. Das 331 v. Chr. von Alexander dem Großen gegründete Alexandria war jahrhundertelang ein bedeutendes Handelszentrum. Südlich der Sahara begrenzte die Sahara den Austausch, obwohl Transsahararouten bestanden. Engere Kontakte zum Mittelmeerraum unterhielt das Horn von Afrika. Im ersten Jahrtausend n. Chr. war Aksum eine wichtige Handelsmacht mit Verbindungen vom Byzantinischen Reich bis Indien. In der westlichen Sahelzone entstanden Reiche wie Ghana, Kanem-Bornu und Mali. Im Karawanenhandel wurden vor allem Salz, Stoffe und Waffen gegen Gold und Sklaven getauscht. An der Ostküste entwickelte sich ein maritimer Handel, bei dem die Swahili unter anderem Elfenbein und Sklaven bis nach Indien exportierten.
Ab dem 15. Jahrhundert umgingen portugiesische und später weitere europäische Händler den Saharahandel auf dem Seeweg. Der Sklavenhandel wurde zum wirtschaftlichen Rückgrat vieler Handelsbeziehungen und endete nach der Abschaffung der Sklaverei in Amerika im 19. Jahrhundert.
Die Kolonien verzeichneten zwischen den 1890er und 1920er Jahren kaum Wachstum. Entwicklungsprojekte ab den 1930er Jahren blieben wegen Weltwirtschaftskrise, Zweitem Weltkrieg und europäischem Wiederaufbau begrenzt. In den 1950er Jahren sorgte die hohe Nachfrage der Industrieländer nach Rohstoffen für Wachstum. Nach der Unabhängigkeit der meisten Kolonien ab 1960 hielten Wachstum und zugleich Staatsverschuldung zunächst an. Misswirtschaft, Korruption und häufig von den USA oder der UdSSR unterstützte Bürgerkriege belasteten die Staaten. Sinkende Rohstoffpreise und steigende Ölpreise verschärften ab den 1970er Jahren die Lage. Die Auslandsschulden stiegen von 6,9 Milliarden US-Dollar 1970 auf 218 Milliarden US-Dollar 2004.
Wie Kolonialismus und Außenhandel langfristig zu bewerten sind, ist umstritten. Einerseits erreichten viele Länder um 1960 einen hohen relativen Wohlstand. Andererseits schuf die koloniale Konzentration auf wenige Exportgüter wie Baumwolle, Kaffee oder Kakao dauerhafte Abhängigkeiten und eine hohe Anfälligkeit für Preisschwankungen. Auch die nach der Berliner Kongo-Konferenz ohne Rücksicht auf bestehende soziale, sprachliche und wirtschaftliche Räume gezogenen Grenzen erschweren Staatsbildung und Handel. Ihr Einfluss darf laut Artikel jedoch nicht überbewertet werden, weil nicht kolonisierte Staaten keineswegs erfolgreicher sind.
Zentrale Wirtschaftsbereiche
Mehr als 60 % der erwerbstätigen Afrikaner arbeiten in der Landwirtschaft; mehr als drei Fünftel der Landwirte betreiben überwiegend Subsistenzwirtschaft. Wegen Bevölkerungswachstum, sozialen Veränderungen und geschädigten Ökosystemen reicht reine Selbstversorgung jedoch oft nicht mehr aus. Große, marktorientierte Farmen erzeugen Kaffee, Baumwolle, Kakao oder Kautschuk, befinden sich aber häufig in europäischem Besitz und beschäftigen Tagelöhner. Der Export solcher Produkte wird angesichts gleichzeitiger Unterernährung kritisiert. Agrarsubventionen der EU und der USA fördern dort Überproduktion und drücken Weltmarktpreise, sodass afrikanische Erzeuger oft nicht konkurrieren können. Damit bleiben ihnen neben der Selbstversorgung vor allem wenige tropische Exportpflanzen, deren Preise stark schwanken.
Bergbau und Erdölförderung sind die wichtigsten Exportbereiche, doch die Vorkommen sind ungleich verteilt. Kupfer findet sich besonders in der Demokratischen Republik Kongo und Sambia, Gold und Diamanten unter anderem in Angola, Botswana, Liberia, Sierra Leone, Simbabwe und Südafrika. Wichtige Erdölexporteure sind Libyen, Algerien, Nigeria und Gabun; zusätzliche Felder wurden vor Angola und Äquatorialguinea sowie im Südsudan und im Tschad erschlossen.
Afrika ist der am wenigsten industrialisierte Kontinent. Nur Südafrika, Simbabwe und Mauritius besitzen laut Artikel eine nennenswerte Fertigung. Ein Großteil der Rohstoffe wird unverarbeitet exportiert; die Industrie erzeugt nur etwa ein Drittel des BIP. Investitionen werden durch politische Unsicherheit, mangelhafte Verkehrs- und Energieversorgung sowie fehlende Ausbildung erschwert. Eigene Industrialisierungsversuche scheiterten häufig an Kapital- und Technologiemangel, kleinen lokalen Märkten, langen Transportwegen und abschreckender staatlicher Regulierung.
Lokale Banken gelten in vielen Staaten als instabil und korrupt, weshalb Regierungen und Unternehmen internationale Banken nutzen. Südafrika bildet mit seinem entwickelten Bankensektor eine Ausnahme. Seit der Jahrtausendwende wuchsen besonders Investitionen aus China und Indien. Auch Rücküberweisungen der afrikanischen Diaspora sind wirtschaftlich bedeutsam. Afrika besitzt zudem zwei Währungsunionen, UEMOA und CEMAC, die beide den CFA-Franc verwenden; daneben bestehen zahlreiche nationale Währungen.
Strukturelle Entwicklungshemmnisse
Die Ursachen wirtschaftlicher Unterentwicklung sind umstritten und wirken oft gegenseitig aufeinander ein. Natürliche Ressourcen können statt Wohlstand Abhängigkeit, Konflikte und schlechte Regierungsführung fördern; dieses Paradox heißt Ressourcenfluch.
Die kompakte Form Afrikas ergibt ein niedriges Verhältnis von Küste zu Fläche, und 16 Entwicklungsländer haben keinen Meereszugang. Regenwälder und Sahara erschweren den Verkehr. Große Flüsse wie Nil, Niger, Kongo, Sambesi und Oranje sind nicht durch Kanäle verbunden und wegen Stromschnellen, Wasserfällen, Staudämmen, Sandbänken oder geringer Wassertiefe nur eingeschränkt schiffbar. Das koloniale Verkehrsnetz führt meist von Rohstoffgebieten zu Exporthäfen, nicht zwischen afrikanischen Regionen. Viele Straßen sind nicht asphaltiert und während der Regenzeit kaum befahrbar.
Kriege zerstören Infrastruktur, verbrauchen knappe staatliche Mittel und schrecken Investoren ab. Während des Kalten Krieges unterstützten beide Machtblöcke afrikanische Regierungen, Aufstände und Separatisten; Waffenlieferungen und tolerierte Korruption verschärften Konflikte. Auch danach dauerten Bürgerkriege und zwischenstaatliche Kriege an.
Fehlende Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und der Schutz von Privateigentum machen Investitionen riskant. Freedom House stufte laut Artikel nur 19 afrikanische Länder als Demokratien und davon elf als frei ein. Exporteinnahmen dienten häufig der Bereicherung von Eliten und wurden ins Ausland geschafft. Für 30 Länder südlich der Sahara wurde die Kapitalflucht zwischen 1970 und 1996 auf 187 Milliarden US-Dollar geschätzt, mehr als ihre Auslandsverschuldung. Eine Herrschaft, die vor allem der persönlichen Bereicherung dient, heißt Kleptokratie. Korruption verstärkt soziale Ungleichheit, schwächt Vertrauen und behindert die Entstehung einer Mittelschicht. Studien zufolge werden jährlich mehr als 50 Milliarden Dollar rechtswidrig aus Afrika abgeschöpft; zugleich entgehen den Staaten über 38 Milliarden Dollar Steuereinnahmen.
Die große Sprachenvielfalt erschwert ebenfalls Kommunikation und Bildung: Von etwa 6000 beschriebenen Sprachen weltweit werden ungefähr 2000 in Afrika gesprochen. Verkehrssprachen wie Swahili, Bambara und Hausa erleichtern den überregionalen Austausch. Amtssprachen sind jedoch meist die Sprachen ehemaliger Kolonialmächte, die viele Menschen nicht sicher beherrschen.
Armut, Gesundheit und Umwelt
Armut, Krankheiten, Krieg, Misswirtschaft und Korruption können einander als Ursache und Wirkung verstärken. Mehr als ein Fünftel der Menschen südlich der Sahara gilt als unterernährt. Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug 2017 nur 61 Jahre; fast 40 % lebten ohne ausreichende Wasserversorgung und fast 70 % ohne angemessene Sanitärversorgung. Der Anteil der Menschen in extremer Armut unter 1,90 US-Dollar pro Tag sank zwar von 54,7 % im Jahr 1990 auf 41,4 % im Jahr 2015, blieb aber sehr hoch.
Infektionskrankheiten werden durch tropisches Klima, mangelhafte Hygiene, schwache Gesundheitssysteme und geringes Gesundheitswissen begünstigt. Malaria und Dengue-Fieber treten besonders in den Tropen auf. Tsetsefliegen übertragen Krankheiten und schädigen dadurch Menschen, Nutztiere, Landwirtschaft und Transport. AIDS forderte zwischen 1981 und 2005 etwa 20 Millionen Todesopfer. 2005 waren im südlichen Afrika 25,8 Millionen Menschen infiziert; in manchen Ländern betraf die Krankheit mehr als ein Drittel der arbeitsfähigen Bevölkerung und senkte die Lebenserwartung um bis zu zehn Jahre. Dadurch fehlen Fachkräfte, während Behandlungskosten die Gesundheitssysteme belasten.
Dürren, Kriegsfolgen und gelegentlich Heuschreckenplagen verursachen schwere Hungersnöte, besonders am Horn von Afrika. Hohe Arbeitslosigkeit belastet vor allem die Slums großer Städte. Armut fördert zudem die Übernutzung natürlicher Ressourcen: Rodung, Überweidung, Buschfleischjagd, Wilderei und Tropenholzeinschlag können kurzfristig das Überleben oder Einkommen sichern, treiben aber langfristig Entwaldung und Desertifikation voran. Einige Angaben dieses Artikelteils werden im Ausgangstext als möglicherweise seit etwa 2004 veraltet oder unzureichend belegt gekennzeichnet.
Förderungsansätze und Zusammenarbeit
Die bisherigen Förderungsansätze erzielten meist nur begrenzte Erfolge. Nach der Unabhängigkeit setzten viele Staaten auf Planwirtschaft, staatliche Eingriffe und Schwerindustrie. Der sogenannte afrikanische Sozialismus sollte Ressourcen gemeinschaftlich und nach als traditionell afrikanisch verstandenen Grundsätzen nutzen. Kredite sollten Wachstum finanzieren und später durch Exporterlöse zurückgezahlt werden. Die Ölkrise von 1973, steigende Schulden und der Zusammenbruch der Sowjetunion schwächten dieses Modell.
In den 1980er Jahren folgte eine Orientierung am freien Markt. 1990 stimmten 40 südafrikanische Nationen IWF-Programmen zu, die eine Abwertung der Währungen um 50 %, Privatisierungen und den Abbau staatlicher Unterstützung vorsahen. Nach 20 Jahren war das durchschnittliche jährliche Wachstum nur von 2,3 % auf 2,8 % gestiegen. Als Gründe werden fehlende Demokratisierung und Rechtssicherheit, grundsätzliche Fehler oder eine unvollständige Liberalisierung diskutiert. Kritisiert wird außerdem, dass Industrieländer afrikanische Marktöffnungen verlangten, ihre eigenen Agrarmärkte aber durch Subventionen abschirmten.
Autarkie, also wirtschaftliche Selbstversorgung, wurde nur begrenzt versucht. Nigeria verbot in den 1980er Jahren zeitweise Nahrungsmittelimporte. Malawis auf Kleinbauern gestütztes System ADMARC schuf Marktzugang und berechenbare Einkommen, verlor aber nach der Förderung von Exportpflanzen und dem Verschwinden einer Jahresernte aus den Silos seine Tragfähigkeit.
Entwicklungshilfe wurde teils unterschlagen, falsch eingesetzt oder während des Kalten Krieges zur Sicherung politischer Loyalität vergeben. Kleine lokale Projekte gelten inzwischen als geeigneter als staatliche Großprojekte. Nahrungsmittelhilfe ist umstritten, weil sie örtliche Produktion verdrängen kann. Amartya Sen erklärte Hungersnöte häufiger durch den Verlust von Kaufkraft oder anderen Zugangsrechten zu Nahrung als durch einen tatsächlichen Angebotsmangel. Auch Schuldenerlasse sind kein Allheilmittel: Sie können Wachstum ermöglichen, garantieren aber keine höheren Sozialausgaben und könnten künftige Kredite erschweren. Im Februar 2022 billigte die EU ein Investitionspaket von 150 Milliarden Euro, zur Hälfte Kredite.
Regionale Organisationen wie COMESA, EAC, SADC und ECOWAS sollen Freihandel, Zoll- und Währungsunionen sowie gemeinsame Problemlösungen fördern. Ihre Zuständigkeiten überschneiden und konkurrieren jedoch teilweise. Internationale Kooperation bleibt besonders wichtig, weil Afrika viele relativ kleine Staaten besitzt.