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Deflationsspirale

Deflationsspirale bezeichnet einen sich selbst verstärkenden konjunkturellen Abwärtstrend. Eine klassische Deflationsspirale wird aufgrund sinkender …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundmechanismus
  2. 2. Theoretische Erklärungen
  3. 3. Auslöser und Verstärker
  4. 4. Warum Gegenmaßnahmen spät wirken

Begriff und Grundmechanismus

Eine Deflationsspirale ist ein sich selbst verstärkender konjunktureller Abwärtstrend. Die klassische Vorstellung beginnt mit einer sinkenden Preistendenz. Diese Erklärung ist jedoch vereinfacht: Zuvor müssen Ereignisse eingetreten sein, die fallende Preise auslösen oder die Erwartung fallender Preise erzeugen.

Sinkende Preise verringern die Nominaleinkommen, während die nominale Höhe von Schulden und Zinsen unverändert bleibt. Dadurch steigt die reale Schuldenlast. Schuldner geraten in Zahlungsschwierigkeiten oder werden insolvent; Banken erleiden Aktiva-Entwertungen und vergeben weniger Kredite. Die daraus entstehende Kreditklemme senkt Investitionen und gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Das verstärkt den Preisverfall, wodurch Einkommen und Nachfrage weiter sinken.

Theoretische Erklärungen

Während des Goldstandards war eine restriktive Geldpolitik erforderlich, wenn Gold wegen von Leistungsbilanzdefiziten ins Ausland abfloss. Ein sinkendes Geldangebot im Inland verringerte Kreditangebot, Geldmenge und Preise. Sinkende Löhne und Preise sollten die Handelsbilanz verbessern und einen Goldzufluss aus dem Ausland anregen. Hans Gestrich beschrieb 1936, dass eine Erhöhung des Diskontsatzes das Preisniveau drückt, die Zahlungsbilanz aktiviert, den Wechselkurs verbessert und bei internationalem Goldstandard Geld aus dem Ausland anzieht. Zugleich könne der Währungsschutz den inneren Wirtschaftsbedürfnissen widersprechen.

Wilhelm Lautenbach schrieb 1937, gesamtwirtschaftliche Nachfrage und Produktivität der Unternehmen verhielten sich genau umgekehrt. Staaten mit generellem Leistungsbilanzdefizit und ihre kreditgewährenden Institute seien tendenziell auf ausländisches Kapital angewiesen. Drastische Sparpolitik zur Verringerung dieser Abhängigkeit führe üblicherweise zu einer Deflationstendenz, besonders wenn Wechselkursabwertungen nicht gewünscht oder möglich seien.

Das Platzen meist kreditfinanzierter Spekulationsblasen kann als Vermögensdeflation eine besonders gefährliche Entwicklung auslösen, wenn Geld- und Fiskalpolitik nicht ausgleichend expansiv eingreifen. Irving Fisher beschrieb 1933 die Schuldendeflation als eigentliche Ursache der Deflationsspirale; Ben Bernanke vertiefte diesen Ansatz 1983. Für die Weltwirtschaftskrise besitzt die Schuldendeflation eine starke empirische Validität als wesentliche Ursache.

Auslöser und Verstärker

Typische Auslöser und Verstärker sind:

  • Sinkende Nettokreditaufnahme öffentlicher Haushalte, wodurch komplementäre Sektoren weniger Einnahmen erhalten.
  • Ausgabenzurückhaltung und eine höhere Sparquote privater Haushalte; dadurch steigen Transaktions- und Vorsichtskasse an liquiden Mitteln.
  • Der Rückzug aus weniger liquiden Anlageformen, etwa Unternehmensanleihen, wodurch sich die Finanzierung und Konsolidierung von Unternehmen erschwert.
  • Investitionszurückhaltung der Unternehmen wegen erwarteter oder beobachteter Nachfragerückgänge, verbunden mit Ausgabenzurückhaltung, Personalabbau, sinkender Produktion und Bemühungen um höhere Liquidität.
  • Zahlungsprobleme von Unternehmen, sinkende Werte in Bankbilanzen und Liquiditätsprobleme der Kreditinstitute.
  • Eine Kreditklemme: Kredite werden kaum vergeben oder nur nach strenger Bonitätsprüfung. Private Investitionen und kreditfinanzierte Ausgaben sinken weiter.
  • Sinkende liquide Mittel, ein geringeres Geldangebot und eine sinkende Geldnachfrage. Ein steigender Realzins kurbelt Investitionen nicht an (Investitionsfalle).
  • Sinkende Produktion, steigende Arbeitslosigkeit, nachlassende Kaufkraft und weiter sinkende Unternehmensinvestitionen.
  • Gekürzte staatliche Sozialleistungen und dadurch weiter sinkende Staatseinnahmen.

Ein riskierter Spardruck durch eine Schuldenbremse kann die Entwicklung verstärken. Eine höhere Sparquote verursacht zusätzlichen Nachfrageausfall. Das Angebot der Unternehmen nimmt ab, Lager bleiben gefüllt, Bestellungen werden reduziert oder eingestellt und zahlreiche Branchen schließen. In offenen Volkswirtschaften verschärft sich die Spirale, wenn Staaten mit passiver Leistungs- und Zahlungsbilanz nur eingeschränkt kreditfinanziert sind, ausländische Gläubiger während einer globalen Deflationsphase weniger Kapital bereitstellen und eine Kapitalflucht die Liquidität und Solvenz inländischer Kreditinstitute beeinträchtigt. Dadurch sinken Kreditvergabe, Investitionen, Ausgaben und Einnahmen weiter.

Warum Gegenmaßnahmen spät wirken

Sind private Haushalte im Verlauf der Krise überschuldet, wirken konjunkturelle Gegenmaßnahmen nicht unmittelbar. Die Haushalte verwenden zusätzlich verfügbares Geld zunächst zur Verringerung ihrer Überschuldung. Deshalb kommt „mehr Geld“ anfangs nicht in der Realwirtschaft an und löst die Deflationsspirale nicht sofort.

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