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Weltbund für Freundschaftsarbeit der Kirchen

Weltbund für Freundschaftsarbeit der Kirchen · Inhaltsverzeichnis · Vorgeschichte · Die Gründungsversammlung in Konstanz 1914 · Die weitere Entwicklung bis 1919.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Gründung 1914
  3. 3. Arbeit während des Ersten Weltkriegs
  4. 4. Friedens- und Ökumenearbeit in den 1920er Jahren
  5. 5. Krise, Ende und Nachwirkung

Aufgabe und Bedeutung

Der Weltbund für Freundschaftsarbeit der Kirchen, auch Weltbund für internationale Freundschaftsarbeit der Kirchen, war eine Organisation der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie wollte dazu beitragen, dass Kirchen Frieden bewahren, Völker versöhnen und internationale Freundschaft fördern. Zunächst hieß sie auf Englisch World Alliance of Churches for Promoting International Friendship, ab 1920 World Alliance for International Friendship Through the Churches. Der Weltbund gilt als eine Wurzel sowohl der christlichen Friedensbewegung als auch der ökumenischen Bewegung, also der Zusammenarbeit verschiedener christlicher Kirchen.

Sein Grundgedanke lautete, dass Versöhnung und Freundschaft wesentliche christliche Aufgaben seien. Kirchen aller Länder sollten deshalb ihren Einfluss auf Bevölkerung, Parlamente und Regierungen nutzen, damit zwischen den Völkern Vertrauen und friedliche Beziehungen entstehen. Der Weltbund verband politische Friedensforderungen mit praktischer Hilfe und kirchlicher Zusammenarbeit über nationale und konfessionelle Grenzen hinweg.

Entstehung und Gründung 1914

Die Initiative entstand 1907 am Rand der Zweiten Haager Friedenskonferenz. Der Frankfurter Bankier Eduard de Neufville und der britische liberale Unterhausabgeordnete und Quäker Joseph Allen Baker vereinbarten, dass die Kirchen Deutschlands und Großbritanniens zum Frieden beitragen sollten. Als erste Schritte fanden 1908 und 1909 gegenseitige Besuche hochrangiger Kirchenvertreter statt. Danach entstanden in beiden Ländern Kirchliche Komitees zur Pflege freundschaftlicher Beziehungen. In Deutschland leitete Friedrich Albert Spiecker das Komitee; Friedrich Siegmund-Schultze wurde Sekretär und gab ab 1913 die Zeitschrift Die Eiche heraus. Auf britischer Seite standen Erzbischof Randall Davidson sowie Baker und Willoughby Dickinson an zentralen Stellen; dort erschien The Peacemaker.

1911 gewannen Baker und Siegmund-Schultze in den USA den Federal Council of the Churches of Christ für die Initiative. Andrew Carnegie gründete Anfang 1914 die Church Peace Union und stellte Geld für internationale Friedensarbeit bereit. Auch die Schweizerische Kirchenkonferenz lud im Januar 1914 zu einer Friedenskonferenz ein. Daraufhin wurde für den 1. bis 5. August 1914 eine Konferenz im Insel-Hotel in Konstanz geplant.

Angemeldet waren 153 Delegierte aus 12 Ländern. Wegen der Mobilmachung am Vorabend des Ersten Weltkriegs konnten nur etwa 80 Personen kommen und mussten bereits am 3. August abreisen. Sie beschlossen einen Friedensappell, der per Telegramm an die Staatsoberhäupter Europas und der USA gesandt wurde, und vereinbarten eine internationale Dachorganisation für die nationalen christlichen Friedenskomitees. In London gründeten britische und amerikanische Delegierte den Weltbund formell. Baker wurde Vorsitzender des Geschäftsführenden Ausschusses; zu ihm gehörten unter anderem Dickinson, Siegmund-Schultze, William P. Merrill, Frederick Lynch, Louis Emery und Jacques Dumas.

Arbeit während des Ersten Weltkriegs

Trotz des Krieges entstanden in vielen Ländern nationale Komitees. Sie verbreiteten Friedensbotschaften und unterstützten Kriegsgefangene sowie Internierte praktisch. Besonders aktive Gruppen gab es in Großbritannien, Deutschland und den USA. In Großbritannien arbeiteten Freikirchen und die Church of England zusammen; 1915 ersetzte die Zeitschrift Goodwill den Peacemaker. Das deutsche Komitee wurde im Frühjahr 1915 gegründet und von Spiecker geleitet; Siegmund-Schultze führte Die Eiche als Organ des Weltbundes weiter. In den USA standen Merrill und Lynch an der Spitze, und Henry Atkinson war von 1918 bis 1955 Generalsekretär.

Im August 1915 konnte das internationale Komitee sogar in Bern tagen, obwohl Vertreter aus Großbritannien, Deutschland und Italien beteiligt waren. Weil nicht die Kirchen selbst, sondern vor allem Komitees Träger des Weltbundes geworden waren, änderte man den Namen in World Alliance for Promoting International Friendship Through the Churches; 1920 entfiel das Wort Promoting. Die Konstanzer Leitsätze wurden bestätigt und eine Satzung beschlossen.

Mit fortschreitendem Krieg wurde internationale Zusammenarbeit schwieriger. Eine für Dezember 1917 in Uppsala geplante größere Konferenz konnte nur Delegierte neutraler Länder versammeln; ein neuer Versuch 1918 scheiterte. Im Herbst 1919 trafen sich dann etwa 60 Vertreter aus 14 Ländern in Oud Wassenaar bei Den Haag. Sie forderten die Anerkennung des Völkerrechts sowie der Rechte nationaler und religiöser Minderheiten und unterstützten den Völkerbund. Da eine geplante breite Weltkirchenkonferenz auch soziale Fragen und das Zusammenwachsen der Konfessionen behandeln sollte, entstanden für sie eigene Vorbereitungskomitees. Daraus ging die Bewegung für Praktisches Christentum hervor.

Friedens- und Ökumenearbeit in den 1920er Jahren

In den 1920er Jahren stand der Weltbund teilweise im Schatten der Bewegung für Praktisches Christentum, erzielte aber weiterhin Erfolge. Nachdem sich orthodoxe Kirchen angeschlossen hatten, wurden auf dem Balkan Friedenskonferenzen durchgeführt. Jugendseminare leisteten friedenspädagogische Arbeit. Die Versöhnung zwischen Kirchen aus ehemaligen Kriegsgegnerstaaten blieb jedoch schwierig; besonders die Frage der Kriegsschuld führte zu Konflikten. Auf der 4. Tagung in Beatenberg im August 1920 wurde Erzbischof Randall Davidson zum Präsidenten gewählt.

In Deutschland war der Deutsche Arbeitsausschuss des Weltbundes für die frühe ökumenische Arbeit wichtig. Er entstand 1915 als Freundeskreis und erhielt 1920 eine Satzung. Spiecker war bis 1929 Präsident, Siegmund-Schultze hauptamtlicher Sekretär. Der Ausschuss brachte Landeskirchler und Freikirchler zusammen und stellte für die Konferenz von Lausanne 1927 eine deutsche Delegation zusammen.

Im August 1928 veranstaltete der Weltbund in Prag die groß angelegte Weltkonferenz für Frieden und Freundschaft. Ihre Hauptthemen waren Abrüstung, die Ächtung des Krieges nach dem fast gleichzeitig unterzeichneten Kellogg-Briand-Pakt sowie ein internationales Schiedsgerichtssystem auf Grundlage des Völkerbundes. Die Konferenz verlangte, dass Völker ihre „brüderliche Solidarität“ und ihre Pflicht zur zielbewussten Zusammenarbeit bejahen. Die Kirchen sollten ihren Regierungen erklären, keinen Krieg zu unterstützen, bevor nicht alle friedlichen Möglichkeiten der Konfliktlösung ausgeschöpft seien. Einige Kirchen, auch die Lambeth-Konferenz von 1930, gaben entsprechende Erklärungen ab. Prag gilt daher als Höhepunkt der Arbeit des Weltbundes.

Krise, Ende und Nachwirkung

Die politischen Spannungen der 1930er Jahre schwächten den Weltbund. Bei der Tagung in Cambridge im September 1931 überwogen pessimistische Stimmen. Nach Davidsons Tod wurde Dickinson Präsident, 1935 der dänische lutherische Bischof Valdemar Ammundsen, der bereits 1936 starb. Zugleich arbeitete der Weltbund enger mit dem Ökumenischen Rat für Praktisches Christentum zusammen. Ab 1933 war der Franzose Henri-Louis Henriod gemeinsamer Generalsekretär; es gab gemeinsame Tagungen und eine gemeinsame Jugendkommission.

In Deutschland wurde Georg Burghart 1929 Präsident des deutschen Zweiges. Nationalprotestantische Kräfte lehnten den Weltbund jedoch zunehmend ab. 1931 griffen Emanuel Hirsch und Paul Althaus die deutsche Sektion scharf an. Nachdem Siegmund-Schultze im Juni 1933 ausgebürgert und in die Schweiz abgeschoben worden war, verlor sie ihren aktivsten Vorkämpfer. Auf der gemeinsamen Tagung in Fanø im August 1934 bezogen Weltbund und Rat für Praktisches Christentum klar Stellung für die Bekennende Kirche und gegen die von der NSDAP kontrollierte Reichskirche. Dietrich Bonhoeffer, seit 1931 einer von drei Jugendsekretären des Weltbundes, hielt dort seine Rede Kirche und Völkerwelt. 1935 gehörte die Hilfe für in Deutschland verfolgte nicht-arische Christen in Chamby zu den Hauptthemen.

Seit 1936 wurde eine Vereinigung des Weltbundes mit den Räten für Praktisches Christentum sowie für Glaube und Kirchenverfassung vorbereitet. Nach dem Beschluss zur Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen 1938 war die Tagung in Larvik die letzte größere Zusammenkunft des Weltbundes. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs kam seine Arbeit fast vollständig zum Stillstand. Wiederbelebungsversuche nach 1945 scheiterten. Kurz vor der Gründungsversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen 1948 wurde der Weltbund formell aufgelöst. Teile seiner Anliegen wurden im Weltbund für internationale Freundschaft der Religionen und in der Kommission der Kirchen für internationale Angelegenheiten weitergeführt.

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