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Wald von Fontainebleau

Der Wald von Fontainebleau (franz. Forêt de Fontainebleau) in Frankreich ist eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Westeuropas.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Lage, Naturraum und Schutz
  3. 3. Entstehung der Landschaft
  4. 4. Geschichte und menschliche Nutzung
  5. 5. Bouldern und Freizeit
  6. 6. Sehenswürdigkeiten und Kulturbezüge

Überblick und Bedeutung

Der Wald von Fontainebleau (französisch Forêt de Fontainebleau) ist eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Westeuropas. Er liegt etwa 60 Kilometer südlich von Paris und ist nach der Stadt Fontainebleau und dem Schloss Fontainebleau benannt, die in seiner Mitte liegen. Seit 1996 steht er auf der Vorschlagsliste Frankreichs zum UNESCO-Welterbe.

Der Wald ist wichtig als Naturraum, Erholungsgebiet, historischer königlicher Wald, Motiv für Künstler und als weltbekanntes Bouldergebiet. Besonders auffällig sind seine oft bizarren Sandsteinformationen. Die Maler der Schule von Barbizon fanden hier viele Motive.

Lage, Naturraum und Schutz

Der Wald liegt zwischen der Brie und dem Gâtinais in der Umgebung der Stadt Fontainebleau. Er umfasst 22.000 Hektar und liegt auf 42 bis 144 m ü. M. Der größte Teil, etwa 19.200 ha, befindet sich im Département Seine-et-Marne; ein kleinerer westlicher Teil von etwa 800 ha liegt im Département Essonne. Das Gebiet besteht aus dem ursprünglichen Wald von Fontainebleau, der seit dem 10. Jahrhundert zu den königlichen Wäldern gehört, und dem Gebiet Trois Pignons, das 1984 vom Staat gekauft und eingegliedert wurde. Der Wald ist heute der zweitgrößte Staatswald Frankreichs.

Er ist von drei Flüssen umgeben: der Seine im Osten, der École im Westen und dem Loing im Süden. Durch ihn führen die Autobahn A6, die ehemaligen Nationalstraßen 5 und 7 sowie die Eisenbahnlinie Paris–Lyon(–Marseille). Dadurch ist er von Paris aus leicht erreichbar. Jährlich besuchen ihn geschätzt fast 10 Millionen Menschen zur Erholung und für sportliche Aktivitäten.

Der Boden enthält viel Sand. Dadurch entstand eine Heidelandschaft mit lichtem Bewuchs, Felsblöcken und Kalksteinplateaus. Die Baumarten setzen sich ungefähr aus 45 % Eichen, 40 % Kiefern und 10 % Buchen zusammen. Außerdem kommen 3.000 Pilzarten und 7.000 Tierarten vor, darunter 5.000 Insektenarten.

Zum Schutz des Gebiets gehört der Wald zum Netzwerk der UNESCO-Biosphärenreservate und ist ein Natura-2000-Standort. In biologischen Reservaten kann sich die Natur ohne oder mit nur geringen menschlichen Eingriffen entwickeln. In Fontainebleau sind 2.367 Hektar solchen Schutzgebieten gewidmet; sie dürfen nicht betreten werden.

Entstehung der Landschaft

Die besondere Landschaft des Waldes entstand durch geologische Prozesse. Vor etwa 25 Millionen Jahren bedeckte ein Süßwassersee den größten Teil des Gebiets. Er hatte sich aus einer Lagune gebildet, die anfangs noch mit dem Atlantik verbunden war. Dadurch wurden große Mengen Sand eingespült. Später verlor die Lagune durch tektonische Verschiebungen und eine Senkung des Meeresspiegels den Zugang zum Meer.

Im Pleistozän entstanden Quellen im Kalkstein sowie härtere Bänke aus „Kalksandstein“. Diese verkieselten Bänke lagen teils in lockerem Sand. Der umgebende Kalkstein wurde durch Erosion abgetragen, während die Sandbänke stehen blieben. Sie zerbrachen teilweise in Blöcke oder wurden umgeformt. Der weiße, feine Sand gilt als einer der reinsten der Welt und wird für die Glasherstellung verwendet, unter anderem für Murano in Venedig. Aus sehr reinem Quarzsand entstand Sandstein, der typische Formen bildet; solche Formen werden gogottes genannt und können sehr ungewöhnlich aussehen.

Die Felsen bedecken fast 4000 Hektar. Sie bilden lange, fast parallele Ketten, die von Ost nach Südost und von West nach Nordwest verlaufen. An ihren Enden liegen offene Täler, die entlang der Fließrichtung einiger Bäche entstanden sind. Weil der Waldboden sehr sandig und durchlässig ist, gibt es kaum Quellen, und der Boden trocknet leicht aus. Das erklärt den typischen lockeren Waldcharakter.

Geschichte und menschliche Nutzung

Im Massiv von Fontainebleau gibt es an Abris und in Höhlen zahlreiche Gravierungen aus der Steinzeit, ab etwa 8000 v. Chr. Sie wurden von der deutschen Amateurarchäologin Marie E. P. König erforscht. Um das Jahr 1000 hieß das Gebiet noch „Wald von Brière“. Seit 1167 ist dort eine königliche Residenz belegt.

Anfang des 16. Jahrhunderts wurde Franz I. auf das Gebiet aufmerksam, vor allem wegen der Jagd. Der Wald war wildreich. Als repräsentativer Rahmen für die Jagd entstand das Château de Fontainebleau, das von französischen Königen von Heinrich IV. über Ludwig XIV. bis Napoleon III. häufig genutzt wurde. Um das Schloss entwickelte sich die Stadt Fontainebleau für den Hofstaat und das Gefolge.

Durch intensive Nutzung war Mitte des 17. Jahrhunderts nur noch etwa 20 % der heutigen Fläche bewaldet. Colbert, Minister Ludwigs XIV., ließ deshalb großflächig neu pflanzen. Allein 1716 wurden rund 6.000 ha Wald neu geschaffen. 1786 wurden Kiefern eingeführt, und 1830 kamen weitere 6.000 ha Kiefern hinzu.

Im 19. Jahrhundert wurde der Wald für Künstler und Intellektuelle besonders wichtig. Die französische Romantik entdeckte ihn als Refugium. Viele Kunstwerke stellen den Wald dar oder beschreiben ihn. Ein bekanntes Motiv war die Bodmer-Eiche, benannt nach Karl Bodmer, der sie 1850 malte; 1865 wurde sie von Claude Monet verewigt. Seit 1849 führte die Eisenbahn nach Fontainebleau, wodurch das Gebiet für die Pariser Bevölkerung ein beliebtes Ausflugsziel wurde. 1861 wurde ein erstes Naturschutzgebiet eingerichtet.

Der Sandstein wird seit 1330 kommerziell genutzt. Traditionell diente er Paris als Straßenbelag; 1831 wurden 3.000.000 Pflastersteine geliefert. Wegen des Naturschutzes wurde diese Nutzung gegen Ende des 19. Jahrhunderts stark eingeschränkt, obwohl sie etwa 2.000 Menschen Arbeit gegeben hatte. Die Nutzung der Sandbestände für die Glasbläserei hat eine über dreihundertjährige Tradition und besteht bis heute. Heute gibt es 365 km markierte Wege. Die Vereinigung Amis de la Forêt de Fontainebleau setzt sich besonders für den Erhalt des Waldes ein.

Am 12. Juli 2026 brach ein Feuer aus. Der Waldbrand erreichte nach einigen Tagen etwa 2250 Hektar. Das Innenministerium geht von Brandstiftung aus. Bei der Brandbekämpfung wurden erstmals in der Region Île-de-France Löschflugzeuge eingesetzt.

Bouldern und Freizeit

Das Klettern an den Sandsteinformationen des Waldes, das sogenannte Bouldern, wurde in Fontainebleau erfunden. Bouldern bedeutet Klettern in Absprunghöhe ohne Seil, meist an einzelnen Felsblöcken. Fontainebleau zählt bis heute zu den bekanntesten, größten und abwechslungsreichsten Boulder- und Klettergebieten weltweit. Die Website thecrag.com listet Stand 2025 knapp 29.000 Boulder.

Schon um 1900 bestiegen die „Bleausards“, so nennen sich die dortigen Boulderer, die Sandsteinfelsen. 1947 wurde in Fontainebleau der Boulderparcours erfunden. Ein Boulderparcours ist eine Folge einzelner Boulderprobleme mit ähnlichem Schwierigkeitsgrad. Die Routen sind durchnummeriert, farblich gekennzeichnet und werden nacheinander geklettert. Manche Parcours sind so angelegt, dass der Boden während der Begehung nicht betreten werden muss: Durch Abklettern, Queren und Hinüberspringen bleibt man durchgehend in Felskontakt.

Sehenswürdigkeiten und Kulturbezüge

Zu den bekannten Gebäuden und Erinnerungsorten der Region gehört der Tour Denecourt, der 1851 erbaut und nach einer teilweisen Zerstörung durch ein Erdbeben 1878 neu errichtet wurde. Aus 136 m Höhe bietet er einen Panoramablick über den Wald. Weitere Sehenswürdigkeiten sind der Aqueduc de la Vanne, der früher das Réservoir de Montsouris in Paris mit Wasser versorgte und heute das Réservoir de l’Haÿ-les-Roses versorgt, sowie der Aquädukt du Loing.

Das Millet-Rousseau-Denkmal erinnert an zwei Maler der Schule von Barbizon. Diese Künstlergruppe, zu der auch Corot gehörte, gilt als Vorläufer der Impressionisten. Der Wald lieferte ihnen zahlreiche Motive. Weitere genannte Orte sind die Abtei von Franchard und das Georges-Mandel-Denkmal, das an die Ermordung dieses Ministers am 7. Juli 1944 erinnert.

Ein Abbild des Waldes von Fontainebleau befindet sich im Innenhof der Bibliothèque nationale Site François Mitterrand in Paris, wo die Flora des Waldes mit entsprechendem Baumbestand nachgepflanzt wurde. Außerdem spielt der erste Akt von Giuseppe Verdis Oper „Don Carlos“ im Wald von Fontainebleau. Der Wald diente auch als Kulisse der Film-Trilogie „Fourmis“ von Bernard Werber.

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