Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Jean-Baptiste Colbert

September 1683 in Paris) war ein französischer Staatsmann und der Begründer des Merkantilismus (Colbertismus). Er kann zur vorklassischen Ökonomie gezählt …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Bedeutung
  2. 2. Aufstieg und staatliche Ämter
  3. 3. Wirtschafts-, Finanz- und Kolonialpolitik
  4. 4. Tod und Bestattung

Einordnung und Bedeutung

Jean-Baptiste Colbert (29. August 1619 in Reims – 6. September 1683 in Paris) war ein französischer Staatsmann und unter Ludwig XIV. ein erfolgreicher Finanzminister. Er gilt als Begründer des Merkantilismus, auch Colbertismus genannt, und wird der vorklassischen Ökonomie zugerechnet. Sein Ziel war, den Staatshaushalt zu sanieren, damit die hohen Ausgaben für den König, den Hofstaat, das Militär und die Kriegszüge finanziert werden konnten. Colbert legte damit wichtige Grundlagen der französischen Wirtschafts- und Kolonialpolitik.

Aufstieg und staatliche Ämter

Colbert stammte aus der Reimser Tuchhändlerfamilie Colbert. Seine ersten finanzpolitischen Erfahrungen sammelte er als privater Vermögensverwalter des Kardinals Jules Mazarin (1602–1661), der ihn König Ludwig XIV. empfahl. Nach Mazarins Tod im März 1661 organisierte Colbert die Verhaftung des Finanzministers Nicolas Fouquet am 5. September 1661. Fouquets Amt, der Surintendant des Finances, wurde abgeschafft; Colbert wurde Intendant des finances.

In den folgenden Jahren übernahm Colbert zahlreiche Aufgaben. Er war unter anderem Surintendant des Bâtiments du Roi (1664), Contrôleur général des finances (1665) sowie ab 1669 Secrétaire d’État de la Marine und Secrétaire d’État à la Maison du Roi. Damit war er für Bauwesen, Finanzen, Handel, Verkehr, Marine, Kolonien, Kunst und Wissenschaft zuständig; über ihm standen nur der König und das Heer außerhalb seiner Verantwortung.

Colbert gründete und reorganisierte mehrere Handelsgesellschaften. 1664 gründete er die Französische Ostindienkompanie mit Sitz in Lorient und die Französische Westindienkompanie mit Le Havre als Heimathafen. Außerdem war er an der Gründung und Reorganisation der Nordischen Kompanie, der Levantekompanie und der Senegalkompanie beteiligt. 1666 gründete er die naturwissenschaftliche Académie royale des sciences und förderte Wissenschaftler. 1674 gründete er die Caisse des Emprunts als Depositenbank; sie wurde jedoch bereits 1709 wegen Zahlungsunfähigkeit geschlossen.

Wirtschafts-, Finanz- und Kolonialpolitik

Colbert sah die wichtigste Quelle des nationalen Reichtums in einer aktiven Außenhandelsbilanz. Frankreich sollte möglichst mehr ausführen und weniger einführen. Dazu förderte und gründete er Manufakturen, um teure Importe durch in Frankreich hergestellte Waren zu ersetzen. Ausländische Fachkräfte wurden angeworben, damit auch hochwertige Erzeugnisse anderer Staaten in Frankreich produziert werden konnten.

Zur Unterstützung des Handels ließ Colbert Ausfuhrzölle abbauen und Landstraßen zu festen Chausseen ausbauen. Detaillierte Kataloge mit Produktionsvorschriften sollten die Qualität französischer Waren erhöhen. In der Steuerpolitik reformierte er das staatliche Rechnungswesen und vereinfachte dadurch die Finanzverwaltung. Er verringerte die direkten Steuern und steigerte die indirekten Steuern, doch seine Erfolge bei der Verringerung der chronischen Schulden des Ancien Régime blieben begrenzt.

Für die Verwaltung setzte Colbert in den einzelnen Bezirken Intendanten ein. Um die Rohstoffe der Kolonien zu erschließen, verstärkte er die Kriegsflotte und gilt deshalb als eigentlicher Schöpfer der französischen Seemacht. Auch der Code Noir, eine Regelung zum Umgang mit schwarzen Sklaven, geht auf ihn zurück. Colbert war mit Marie Charron de Ménars verheiratet. Sein gleichnamiger ältester Sohn folgte ihm als Staatssekretär für das königliche Haus und die Marine nach. Seine angeblich letzten Worte bezogen sich auf Ludwig XIV.: „Hätte ich für Gott so viel getan wie für diesen Mann, so wäre ich zehnfach gerettet.“

Tod und Bestattung

Colbert starb am 6. September 1683 in Paris und wurde nachts in der Kirche Saint-Eustache bestattet. Die Trauerfeier fand unter großer Beteiligung der Pariser Bevölkerung und unter militärischem Schutz statt. Seine Witwe beauftragte Charles Le Brun mit dem Entwurf eines Grabmals. Die Bildhauer Jean-Baptiste Tuby und Antoine Coysevox führten es aus.

Weiterlesen

Reims Reims ([ʁɛ̃s], deutsch auch [ ʁaɪ̯ms]), früher auch Rheims geschrieben, ist eine Stadt in der Champagne im Nordosten Frankreichs, etwa 130 Kilometer von … Paris Paris (deutsch: [paˈʁiːs]; französisch: [paʁi]) ist die Hauptstadt der Französischen Republik und Hauptort der Region Île-de-France. Frankreich Die Französische Republik wird in ihrer Verfassung als unteilbar, laizistisch, demokratisch und sozial erklärt. Ihr Grundsatz lautet: „Regierung des Volkes … Merkantilismus Diese Wirtschaftspolitik prägte die moderneren Länder in Europa und Bereiche in Afrika vom 16. Jahrhundert bis ins späte 18. und frühe 19. Jahrhundert. In der … Schloss Versailles Ursprünglich von Philibert Le Roy als Jagdschloss für König Ludwig XIII. errichtet, wurde die Anlage ab 1661 unter Ludwig XIV. durch Louis Le Vau, François … Französische Kolonien Im 19. Jahrhundert wurde Frankreich zur zweitgrößten Kolonialmacht der Welt. Nach 1945 zerfiel das französische Kolonialreich rasch. Der Auflösungsprozess … Ancien Régime Die Periode zwischen 1712 und 1798 in der Geschichte der alten Eidgenossenschaft wird auch als Ancien Régime bezeichnet. Ancien Régime (IPA: [ɑ̃ˌsi̯ɛ̃ːʁeˈʒiːm], … Rechnungswesen Zum einen werden Geld- und Güterströme in einem Unternehmen dokumentiert, um gegenüber Außenstehenden Rechenschaft ablegen zu können (externes Rechnungswesen), … Code Noir Der Code Noir (Code: französisch für Gesetzbuch, noir: französisch für schwarz) ist ein Dekret, das Frankreichs König Ludwig XIV. 1685 zur Regelung des …