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In situ
„unmittelbar am Ort“ oder „in der ursprünglichen Position“ bedeuten kann. Das Antonym (Gegensatzwort) ist ex situ.
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Grundbedeutung
„In situ“ ist ein Fachbegriff, der in verschiedenen Bereichen „unmittelbar am Ort“ oder „in der ursprünglichen Position“ bedeutet. Gemeint ist, dass ein Gegenstand, eine Probe, ein Organismus, eine Messung oder eine Tätigkeit dort betrachtet oder durchgeführt wird, wo sie ursprünglich vorkommt oder vorgesehen ist. Das Gegensatzwort ist „ex situ“: Dabei wird etwas außerhalb seines ursprünglichen Ortes untersucht, erhalten oder bearbeitet.
Die genaue Bedeutung hängt vom Fachgebiet ab. Gemeinsam ist den Anwendungen, dass eine Verlagerung vermieden oder ausdrücklich berücksichtigt wird. Dadurch bleiben die ursprüngliche Lage, die natürlichen Bedingungen oder die Verbindung zu anderen Bestandteilen erhalten.
Wissenschaftliche Bedeutungen
In der Archäologie befindet sich ein Fund in situ, wenn er noch in seiner Originallage liegt oder am Ort seiner ehemaligen Nutzung geblieben ist. Er wurde also nicht durch geologische Prozesse oder spätere menschliche oder tierische Aktivitäten umgelagert.
Im Artenschutz bezeichnet In-situ-Schutz eine lokale Schutzmaßnahme am Ort, an dem eine Art vorkommt. Der Lebensraum wird dort erhalten. Beim Ex-situ-Artenschutz werden Populationen dagegen außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes bewahrt, etwa durch Erhaltungszuchtmaßnahmen.
In der synthetischen Chemie bedeutet in situ, dass eine meist sehr reaktive Ausgangsverbindung hergestellt und unmittelbar im selben Reaktionsgefäß weiterverwendet wird. In der Linguistik, besonders in der Generativen Transformationsgrammatik, ist die In-situ-Position die Position in der syntaktischen Struktur, in der ein Ausdruck steht, wenn keine Bewegungstransformation auf ihn angewandt wurde.
In der Molekularbiologie ist „in situ“ eine Abkürzung für In-situ-Hybridisierung. Eine In-situ-Messung in den Naturwissenschaften findet statt, während sich die Probe verändert, zum Beispiel durch eine Wärmebehandlung. In der Physik wird bei einer In-situ-Probenpräparation eine Probe unter Ultrahochvakuumbedingungen hergestellt und sofort gemessen, ohne dass sie das Vakuum verlässt. In der Veterinärmedizin kann damit die Bestimmung der Verdaulichkeit von Futtermitteln direkt im Pansen von Wiederkäuern gemeint sein.
Medizin und Paläontologie
In der Medizin bedeutet in situ, dass sich etwas in seiner natürlichen Lage im Körper befindet. Ein Implantat liegt in situ, wenn es sich an der gewünschten Position im Körper befindet. „Carcinoma in situ“ bezeichnet einen lokal begrenzten Krebsherd und damit das früheste, in der Regel heilbare Krebsstadium. LASIK ist die Abkürzung für „Laser-in-situ-Keratomileusis“ und bezeichnet ein Verfahren zur Korrektur von Fehlsichtigkeiten direkt am Auge.
In der Paläontologie liegt ein Fossil in situ vor, wenn es im ursprünglichen Lebensraum des betreffenden Organismus und in „Lebendstellung“ überliefert ist. Es wurde beispielsweise nicht durch Strömung oder tierische Aktivitäten umgekippt oder umgelagert. Solche Fossilien können als Geopetalgefüge dienen. Ein Beispiel sind natürliche Ausfüllungen, sogenannte Steinkerne, von Baumstümpfen in Ablagerungen von „Kohlesümpfen“. Eine In-situ-Fossilüberlieferung eines Baumstumpfes ist unter anderem an den Joggins Fossil Cliffs in Kanada dokumentiert. „Drama aus der Urzeit“ ist ein bekanntes In-situ-Fossilpräparat aus dem Solnhofener Plattenkalk.
Bei der In-situ-Präparation werden Organismenreste mechanisch freigelegt und nötigenfalls konserviert, ohne ihre Lage zu korrigieren. Das gilt sowohl für artikulierte, also anatomisch zusammenhängende, als auch für verdrückte, zerscherte oder verdriftete Funde. Das Ergebnis heißt In-situ-Präparat. Diese Präparationsform ist bei kleineren Tieren, Pflanzen oder Pflanzenteilen mit einem Größenspektrum von mehreren Zentimetern bis mehreren Dezimetern und relativ filigranen Strukturen üblich, besonders bei den Innenskeletten von Wirbeltieren.
Bei Fossilien in Festgesteinen bleibt aus Stabilitätsgründen so viel wie nötig von der umhüllenden oder ausfüllenden Sedimentmatrix erhalten. Halbfestgesteine können bei Verlust der Bergfeuchte zerfallen. In solchen Fällen kann beispielsweise eine Umbettung in Kunstharz erfolgen, wie beim Umbettungsverfahren der Grube Messel.
Technische Anwendungen
Im Bauwesen und in der Umwelttechnik werden bestimmte Verfahren in situ, also vor Ort, ausgeführt. Ein Beispiel ist die Altlastensanierung. Im Bergbau und in der Geologie bedeutet in situ, Bodenschätze direkt in der Lagerstätte aufzubereiten, ohne diese großräumig aufzuschließen. Dazu gehört beispielsweise die Förderung von Rohöl aus Ölsandlagerstätten.
Beim „in-situ leaching“, auch Lösungsbergbau genannt, werden keine klassischen bergmännischen Methoden angewandt. Das gesuchte Material wird mit Lösungsmitteln, zumeist auf Wasserbasis, aus dem Gestein gelöst und anschließend gefällt oder durch Eindampfen gewonnen. Besonders im Uranbergbau gewinnt dieses Verfahren immer mehr Bedeutung. Der Solebergbau bei Salzen kann als verwandtes Verfahren angesehen werden.
In der Informatik bezeichnet „in situ“ beziehungsweise „in-place“ einen Algorithmus, der nur den Speicherplatz benötigt, den die bereits vorhandenen Elemente benutzen. Die Elemente werden im vorhandenen Speicher bearbeitet und nicht in einen neuen Speicherbereich umkopiert.
In der Luft- und Raumfahrttechnik wird die Ausrüstung nach dem Einbau aller Geräte am endgültigen Ort getestet. So wird geprüft, ob die Geräte gemeinsam funktionieren. Bei Raumfahrzeugen können außerdem neutrale Gase, Plasma, Staubpartikel, Strahlung sowie elektrische und magnetische Felder direkt am Aufenthaltsort gemessen werden.
In der Hörakustik bezeichnet eine Sondenmikrofonmessung oder In-Situ-Audiometrie eine Messung, die die natürliche Gehörgangsresonanz bei der Hörgeräteanpassung berücksichtigt. In der Papierrestaurierung werden konservatorische oder restauratorische Maßnahmen an einem Buch durchgeführt, ohne es zuvor auseinanderzunehmen. Im Strahlenschutz wird Radioaktivität gemessen, ohne das Material von seinem Platz zu bewegen, etwa mit In-situ-Gammaspektrometrie.
Weitere Verwendungen
In einem Freilichtmuseum ist ein Gebäude in situ, wenn es nicht in das Museum transloziert wurde, sondern bereits bei der Museumsgründung an diesem Platz stand und in der Regel auch dort erbaut wurde.
In der Architektur ist INSITU der Titel einer seit 2009 erscheinenden Zeitschrift für Architekturgeschichte. In der Ökologie bedeutet In-situ-Erhaltung von Ökosystemen und Biotopen die Erhaltung oder Wiederansiedlung von Arten in ihrem natürlichen Lebensraum.
Im Gartenbau bezeichnet die In-situ-Aussaat das Aussäen von mehrjährigen Pflanzen direkt an der Stelle, an der sie später wachsen sollen. Bei Dienstleistungen, insbesondere bei Ingenieurdienstleistungen, wird unterschieden, ob ein Arbeitspaket vor Ort im Betrieb des Auftraggebers ausgeführt wird, also in situ, oder extern im Betrieb des Auftragnehmers, also ex situ.