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Wahl-O-Mat

Der Wahl-O-Mat bietet Bürgern die Möglichkeit, durch die Bewertung vorausgewählter politischer Thesen die eigene Meinung mit den Meinungen der zur Wahl …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Zweck und Verbreitung
  2. 2. Ablauf und Auswertung
  3. 3. Entstehung der Thesen
  4. 4. Kritik und rechtliche Kontroversen
  5. 5. Andere Wahlhilfen und Adaptionen

Zweck und Verbreitung

Der Wahl-O-Mat ist eine internetbasierte Wahlentscheidungshilfe der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Er wird seit 2002 zu Europa-, Bundestags- und Landtagswahlen in Deutschland angeboten. Nutzerinnen und Nutzer bewerten politische Thesen und vergleichen ihre eigenen Positionen anschließend mit den von den Parteien autorisierten Antworten. Die Website verweist außerdem auf Hintergrundinformationen der bpb zur jeweiligen Wahl.

Die Thesen richten sich besonders an Jungwähler, der Wahl-O-Mat wird aber in allen Altersgruppen genutzt. Nach Angaben für 2018 war ein Drittel der Nutzenden unter 30 Jahre alt, ein Viertel 50 Jahre oder älter. Frauen sowie Menschen ohne Abitur waren unterrepräsentiert. Bis Juni 2024 wurde das Angebot mehr als 130 Millionen Mal genutzt. Es stand seit 2002 zu 66 Wahlen bereit: sechs Bundestagswahlen, fünf Europawahlen und 55 Landtagswahlen. Den Rekord erzielte die Bundestagswahl 2025 mit etwa 26 Millionen Aufrufen; zur Europawahl 2024 waren es 14,8 Millionen, bei einer Landtagswahl 2,95 Millionen in Bayern 2023.

Ablauf und Auswertung

Etwa vier Wochen vor einer Wahl wird der Wahl-O-Mat freigeschaltet. Zu 38 politischen Thesen – bis 2008 waren es 30 – wählen die Nutzenden „stimme zu“, „neutral“ oder „stimme nicht zu“. Thesen können auch übersprungen werden. Anschließend dürfen beliebig viele nicht übersprungene Thesen doppelt gewichtet werden, wenn sie besonders wichtig sind.

Die Antworten werden mit den autorisierten Parteiantworten verglichen; die Berechnungsvorschrift ist öffentlich einsehbar. Das Ergebnis zeigt ein Balkendiagramm zur Stärke der Übereinstimmung und eine detaillierte Tabelle, welche die eigenen Antworten den Positionen ausgewählter Parteien gegenüberstellt. Zusätzlich gibt es eine PDF-Tabelle mit allen Parteiantworten und Begründungen, die auf der Ergebnisseite heruntergeladen werden kann.

Seit der Europawahl 2009 werden alle zur Wahl zugelassenen Parteien einbezogen, sofern sie den Fragebogen beantwortet haben. Frühere Ausgaben beschränkten sich auf eine Auswahl parlamentarisch vertretener Parteien. Die frühere Begrenzung auf höchstens acht gleichzeitig vergleichbare Parteien wurde aufgehoben. Seit den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg 2021 erlaubt das „Tuning“, Eingaben nachträglich zu ändern und die Folgen direkt zu sehen. Der „Parteienvergleich“ stellt Unterschiede zwischen bis zu drei Parteien dar. Bei der Europawahl 2019 konnte außerdem über VoteWatch Europe eine Übereinstimmung mit Parteien anderer EU-Staaten berechnet werden.

Entstehung der Thesen

Die Thesen entstehen in einem mehrstufigen Redaktionsverfahren. Ausgangspunkt sind Wahlprogramme und programmatische Aussagen aller zugelassenen Parteien. Ein Redaktionsteam entwickelt zunächst eine größere Zahl möglicher Thesen. Es setzt sich aus Jungwählern, Fachleuten aus Wissenschaft, Journalismus und Bildung sowie Vertretern der bpb oder einer Landeszentrale für politische Bildung zusammen. Beispielsweise bestand das Team zur Bundestagswahl 2013 aus 25 Jungwählern im Alter von 18 bis 26 Jahren aus verschiedenen Teilen Deutschlands.

In einem ersten Workshop formuliert die Redaktion die Thesen. Danach erhalten alle zugelassenen Parteien diese zur Beantwortung und können jede Position mit einer Begründung von bis zu 500 Zeichen erläutern. In einem Auswahlworkshop reduziert die gesamte Redaktion den Katalog. Ausgewählt werden vor allem wichtige Wahlthemen, bei denen Parteien möglichst unterschiedliche oder kontroverse Positionen vertreten. So sollen sich Parteien unterscheiden lassen und Nutzende ein breites Themenspektrum kennenlernen.

Die Parteien formulieren und wählen die Thesen nicht aus. Sie beantworten sie, begründen ihre Positionen und autorisieren diese Antworten. Damit soll das Angebot unabhängig bleiben und zugleich offizielle Parteipositionen korrekt wiedergeben.

Kritik und rechtliche Kontroversen

Kritisiert wurden seit der Einführung besonders die Auswahl und Formulierung der Fragen, die begrenzten Antwortmöglichkeiten und die Frage, ob Parteiaussagen im Wahlkampf späterem Handeln entsprechen. Vor der Bundestagswahl 2005 beanstandeten Parteien und Politiker teilweise, Abfragen entsprächen nicht den offiziellen Wahlprogrammen. 2006 hieß es, Fragen seien nicht professionell genug ausgearbeitet oder ließen sich nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten. CDU und SPD lehnten beispielsweise bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern 2006, 2011 und 2016 gemeinsam eine Zusammenarbeit ab.

Zunächst berücksichtigte der Wahl-O-Mat nur größere Parteien. Eine Eilentscheidung des Verwaltungsgerichts München untersagte dies 2008. Auch später wurde über die Einbeziehung kleiner Parteien gestritten. Zur Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2011 entschied die Mehrheit des Kuratoriums der Landeszentrale gegen eine Neuauflage: Mit solchen Fragen lasse sich die Grundhaltung einer Partei nicht erkennen; besonders mit Blick auf die rechtsextreme NPD könnten junge Wähler eher verschreckt als aufgeklärt werden.

Die Begrenzung auf acht vergleichbare Parteien wurde ebenfalls als Nachteil für kleine Parteien kritisiert. Auf Klage von Volt Deutschland entschied das Verwaltungsgericht Köln am 20. Mai 2019, die Begrenzung verletze bei der Europawahl 2019 die Chancengleichheit der Parteien nach Art. 21 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 GG. Der Wahl-O-Mat wurde noch am selben Tag abgeschaltet. Nach einer außergerichtlichen Einigung, die einen Vergleich aller Parteien ab September 2019 vorsah, ging er am 23. Mai 2019 wieder online.

Ein grundsätzlicher Einwand lautet, dass behauptete Wahlkampfpositionen nicht dem späteren tatsächlichen Abstimmungsverhalten entsprechen müssen. Angebote wie DeinWal oder Real-O-Mat wählen deshalb einen anderen Ansatz und werten Parlamentabstimmungen aus.

Andere Wahlhilfen und Adaptionen

Weitere Wahlhilfen übernehmen teils das Prinzip des Wahl-O-Mat, setzen aber andere Schwerpunkte. DeinWal und der von FragDenStaat betriebene Real-O-Mat vergleichen die persönliche Position mit tatsächlichem Abstimmungsverhalten im Parlament statt mit Wahlprogrammen. Dadurch erfassen sie nur Parteien, die bereits parlamentarisch vertreten waren. Der Euro Party Check zur Europawahl 2024 ordnet Parteien anhand von Befragungen von Politikwissenschaftlern ein. Frag Die Partei nutzt einen KI-Chatbot, mit dem Nutzende über Wahlprogramme und Internetinhalte sprechen können.

Der KandidierendenCheck von Abgeordnetenwatch vergleicht Wahlkreiskandidaten: Nach Thesenbewertung und Postleitzahl werden die Kandidierenden angezeigt, einschließlich einer Übereinstimmung in Prozent und eines Vergleichs von je zwei Personen. WahlSwiper arbeitet spielerisch mit „ja“ und „nein“ per Wischbewegung; Fragen können übersprungen oder doppelt gewichtet werden, Erklärvideos erläutern Themen, und die Parteiauswahl ist nicht begrenzt. Beim Wahltest gibt es komplexere Multiple-Choice-Antworten, etwa zur gewünschten Höhe des Mindestlohns. Der Wahlkompass stellt das Ergebnis in einem zweidimensionalen politischen Spektrum dar.

Thematische Angebote beschränken sich auf einzelne Bereiche: Der Klimawahlcheck behandelte Klimaschutzziele, Wahltraut Gleichstellung, Inklusion, LGBTQ+ und Antirassismus. Agrar-O-Mat, Euromat und Sozial-O-Mat fokussieren Agrar-, Europa- beziehungsweise Sozialpolitik. Weitere Adaptionen betreffen etwa digitale Freiheitsrechte, Energiewende, soziales Engagement oder Themen von Scientists for Future.

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