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Viertelgeviertstrich
Ein Viertelgeviertstrich (‐), auch Kurzstrich, ist in der Typografie ein kurzer waagerechter Strich. In der Rechtschreibung kann er verschiedenen Zwecken dienen …
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Begriff und Grundfunktionen
Der Viertelgeviertstrich (‐), auch Kurzstrich, ist ein kurzer waagerechter Strich der Typografie. Seine Länge und Dicke sind nicht festgelegt, sondern hängen von der Schriftart ab. In der deutschen Rechtschreibung erfüllt er vor allem drei Aufgaben: als Bindestrich verbindet oder gliedert er Wortbestandteile, als Trennstrich kennzeichnet er die Worttrennung am Zeilenende, und als Ergänzungsstrich ersetzt er einen ausgelassenen gemeinsamen Wortbestandteil.
Der typografische Fachausdruck Divis bezeichnet Zeichen, die als Binde- oder Trennstriche dienen. In den meisten gebrochenen Schriften, etwa der Fraktur, haben sie die Form eines schräg aufsteigenden Doppelstrichs. Solche Doppelbindestriche zählen zu den Divisen, wegen ihrer Form aber nicht zu den Viertelgeviertstrichen.
Für den orthografischen Bindestrich stehen am Computer aus historischen Gründen zwei Zeichen zur Verfügung: das Divis U+2010 (‐) und das Bindestrich-Minus U+002D (-). Die Rechtschreibung unterscheidet nicht zwischen ihnen. Beide dürfen grundsätzlich als Stelle für einen automatischen Zeilenumbruch dienen.
Regeln für den Bindestrich
Ein Bindestrich verbindet Bestandteile zusammengesetzter Wörter oder gliedert sie übersichtlich. Vorgeschrieben ist er insbesondere in folgenden Fällen:
• bei Zusammensetzungen mit Abkürzungen, Einzelbuchstaben oder Ziffern, etwa Kfz-Brief, H-Milch, i-Punkt, 100-prozentig und 15°-Meridian; • bei substantivisch gebrauchten Wortgruppen, etwa das Entweder-oder oder das Auf-die-lange-Bank-Schieben; übersichtliche Zusammensetzungen mit Infinitiv wie das Autofahren sind ausgenommen; • zwischen gleichrangigen Adjektiven, etwa deutsch-polnische Grenze oder manisch-depressives Verhalten; kurze Verbindungen wie süßsauer und schwarzweiß werden dagegen zusammengeschrieben; • in einer übergeordneten Zusammensetzung, wenn ein Bestandteil bereits einen Bindestrich enthält, etwa S-Bahn-Wagen; • bei der Durchkopplung von Wortgruppen, etwa Kopf-an-Kopf-Rennen, 3-Zimmer-Wohnung, Hals-Nasen-Ohren-Arzt und Service-Center-Mitarbeiterin; • bei mehrteiligen Eigennamen in Zusammensetzungen, etwa Karl-Marx-Straße; • bei Eigennamen als hinterem Bestandteil, etwa Frau Müller-Weber, sowie bei gleichberechtigten Namen in Länder- und Städtenamen wie Rheinland-Pfalz und Neukirchen-Vluyn; • bei englischen Substantivierungen aus Verb und Adverb, etwa Make-up und Stand-by, wobei bei ausreichender Lesbarkeit auch Standby zulässig ist.
Bei Suffixen gelten Sonderregeln: Ein Einzelbuchstabe wird abgetrennt, etwa der x-te; dagegen schreibt man 32stel und DGBler. Wird eine Verbindung aus Ziffer und Suffix weiter zusammengesetzt, steht ein Bindestrich, etwa 24er-Gruppe. Bei 20er Jahre und 20er-Jahre sind beide Formen möglich. Bei Bildungen mit dem Suffix -er kann in bestimmten Namen das Leerzeichen erhalten bleiben, etwa New Yorker.
Wahlmöglichkeiten und Fehler
Ein Bindestrich darf gesetzt werden, wenn er Verständnis und Lesbarkeit verbessert. Er kann mehrdeutige Wörter unterscheiden, etwa Druck-Erzeugnis und Drucker-Zeugnis, schwer lesbare Buchstabenfolgen gliedern, etwa re-integrieren oder Ur-Instinkt, und lange Zusammensetzungen übersichtlicher machen, etwa Arbeiter-Unfallversicherungsgesetz. Dabei soll er zunächst an der wichtigsten Wortfuge stehen. Wahlfreiheit besteht außerdem beim Zusammentreffen dreier gleicher Buchstaben, beispielsweise Schlussstein oder Schluss-Stein und Teeernte oder Tee-Ernte, sowie bei manchen fremdsprachigen Zusammensetzungen wie Midlifecrisis oder Midlife-Crisis. Als Stilmittel kann er Wortbestandteile hervorheben, etwa in Soll-Stärke oder Nach-Denken.
Kurze und leicht lesbare Zusammensetzungen wie Golfplatz schreibt man üblicherweise zusammen. Golf-Platz gilt nicht als eindeutig falsch, aber als stilistisch schlecht. Umgangssprachlich werden unnötige Bindestriche als „Deppenbindestriche“ bezeichnet. In der Leichten Sprache sind Bindestriche in zusammengesetzten Wörtern dagegen ausdrücklich vorgesehen, um das Verständnis zu erleichtern.
Falsch ist die Trennung eines Kompositums durch ein Leerzeichen, etwa Kräuter Lexikon statt Kräuterlexikon. Diese standardsprachlich nicht korrekte Form wird abwertend „Deppenleerzeichen“ genannt und kann die Bedeutung verfälschen. Ebenfalls falsch sind Leerzeichen unmittelbar vor oder nach dem Bindestrich, etwa Kräuter - Lexikon.
Trenn- und Ergänzungsstrich
Der Trennstrich, auch Trennungsstrich, kennzeichnet eine Worttrennung am Zeilenende. Passt ein Wort nicht vollständig in die Zeile, wird es an einer nach den Trennregeln zulässigen Stelle geteilt; dort steht der Trennstrich, danach folgt der Zeilenwechsel. Das nutzt den verfügbaren Platz besser und sorgt für gleichmäßiger gefüllte Zeilen oder Spalten.
Der Ergänzungsstrich ersetzt in zusammengesetzten oder abgeleiteten Wörtern einen gemeinsamen Bestandteil. Als Ergänzungsbindestrich verhindert er unnötige Wiederholungen, beispielsweise in Haupt- und Nebeneingang, Verkehrslenkung und ‑überwachung, Schüler/‑innen sowie Sonnenauf- und ‑untergang. Er kann Ergänzungen vor und hinter einem Wortbestandteil anzeigen, etwa in Laserstrahlschmelz-, ‑brenn- und ‑sublimierschneiden.
In gedruckten Telefonverzeichnissen kann der Ergänzungsstrich außerdem den häufigen Adressbestandteil ‑straße beziehungsweise Straße ersetzen. Andere Bestandteile wie ‑weg oder ‑platz werden dort nicht auf diese Weise abgekürzt. Längere Auslassungen ganzer Wörter oder Textstücke werden nicht mit dem Viertelgeviertstrich, sondern mit einem Halbgeviertstrich oder manchmal einem Geviertstrich angezeigt. Der Viertelgeviertstrich wird zudem bei Monatsangaben von Zeitschriften verwendet, etwa 2017-11 oder 11-2017 für November 2017.
Typografische Entwicklung
Im Bleisatz waren Binde- und Trennstrich dasselbe Schriftzeichen. Die Bezeichnung Viertelgeviertstrich bezog sich nicht auf die genaue Länge des gedruckten Strichs, sondern ungefähr auf die Breite, die Dickte, seiner Bleiletter. Das Geviert war dabei kein Maß der Schrifthöhe, sondern der Mindestabstand zwischen zwei Textzeilen. Länge, Dicke und Höhe des Strichs über der Grundlinie unterschieden sich schon damals je nach Schriftart.
Mit der Schreibmaschine entstand das Bindestrich-Minus als gemeinsamer Ersatz für das kurze Divis, den längeren Halbgeviertstrich und das Minuszeichen. Es war ursprünglich etwas länger als ein durchschnittliches Divis und etwas kürzer als Halbgeviertstrich und Minuszeichen. Der gemeinsame Strich vermied bei nichtproportionalen Schriften große Lücken neben schmalen Buchstaben und sparte zugleich Tasten sowie mechanische Bauteile.
Am Computer wird meist das direkt auf der Tastatur vorhandene Bindestrich-Minus eingegeben. Gründe sind die fehlende orthografische Unterscheidung, geringe Kenntnis des Divis und die umständlichere Eingabe. Moderne Schriftarten enthalten häufig beide Zeichen, doch ihr Aussehen kann stark oder gar nicht voneinander abweichen. Unterschiede sind bei Länge, Dicke oder Höhe möglich; eine allgemeine Gestaltungsregel gibt es nicht. In vielen heutigen Satzschriften sind beide Zeichen ähnlich kurz.
Umsetzung am Computer
Das Divis trägt in Unicode die Bezeichnung Hyphen und den Code U+2010 (‐). In HTML kann es als ‐ oder ‐ dargestellt werden. Es fehlt jedoch in manchen, besonders älteren kostenlosen Schriftarten sowie in ASCII und ISO 8859 und ist normalerweise nicht direkt auf Tastaturen vorhanden.
Das Bindestrich-Minus hat den Unicode-Code U+002D (-); in ASCII und ISO 8859 lautet sein hexadezimaler Code 2D. Bei einer deutschen QWERTZ-Tastatur liegt seine Taste zwischen Punkt und rechter Umschalttaste; auch die Minustaste des Ziffernblocks erzeugt dieses Zeichen. Zwei Bindestrich-Minusse hintereinander sind kein korrekter Ersatz für einen Gedanken- oder Spiegelstrich. Sie sollten allenfalls als Eingabe dienen, wenn eine automatische Korrektur daraus einen Halbgeviertstrich macht.
Der geschützte Bindestrich U+2011 (‑) verhindert einen automatischen Zeilenumbruch an seiner Stelle. Er eignet sich etwa für O‑Beine oder S‑Kurve, damit nicht nur der einzelne Anfangsbuchstabe am Zeilenende zurückbleibt.
Der bedingte Trennstrich U+00AD, in HTML , heißt auch weiches Trennzeichen. Er markiert innerhalb eines Wortes eine mögliche Trennstelle. Erfolgt dort tatsächlich ein Zeilenumbruch, erscheint am Zeilenende ein Trennstrich; ohne Umbruch bleibt das Zeichen unsichtbar. Gewöhnliche Trennstriche werden von heutigen Textverarbeitungen meist automatisch erzeugt und müssen daher normalerweise nicht eingegeben werden.