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Video-Assistent
Überprüft der Videoschiedsrichter eine strittige Spielszene, so wird als Oberbegriff auch vom Videobeweis gesprochen. In Deutschland wurde der Video-Assistent …
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Aufgabe und Ablauf
Der Video-Assistent oder Videoschiedsrichter (englisch video assistant referee, VAR) unterstützt im Fußball den leitenden Schiedsrichter bei möglichen Fehlentscheidungen. VAR und sein Assistent, der Assistant Video Assistant Referee (AVAR), gehören zu den Video-Spieloffiziellen (Video Match Officials, VMO). Sie sitzen nicht auf dem Spielfeld, sondern im Video Assist Center (VAC), sehen strittige Szenen als Wiederholung und Zeitlupe auf Bildschirmen und teilen ihre Einschätzung per Funk mit. Die Überprüfung einer Szene wird auch Videobeweis genannt.
Der VAR darf nur eingreifen, wenn eine „klare und offensichtliche Fehlentscheidung“ vorliegt oder ein „schwerwiegender übersehener Vorfall“ festgestellt wird. Die endgültige Entscheidung bleibt beim Schiedsrichter auf dem Platz. Er kann sich auf Empfehlung des VAR Bilder an einem Monitor am Spielfeldrand selbst ansehen; dies heißt On-Field Review. Wenn eine Entscheidung auf VAR-Basis getroffen oder ein On-Field Review durchgeführt wird, zeichnet der Schiedsrichter mit beiden Händen ein Rechteck in die Luft.
Überprüfbare Entscheidungen
Überprüft werden können vier Entscheidungsarten:
- Tore, wenn vor der Torerzielung möglicherweise ein Regelverstoß wie Abseits, Foul oder Handspiel vorlag;
- Strafstöße;
- Rote Karten;
- falsche Identität, also die Verwechslung von Spielern bei einer Strafe.
Seit der Weltmeisterschaft 2026 gehören außerdem Gelb-Rote Karten dazu. Auch ein Eckstoß kann überprüft werden, allerdings nur, „sofern die Überprüfung sofort und ohne Verzögerung der Spielfortsetzung durchgeführt werden kann“.
Typische strittige Fälle sind ein nicht gegebenes oder zu Unrecht gegebenes Tor, ein übersehenes Handspiel, ein falsch bewertetes Foul im Strafraum, eine Schwalbe, eine übersehene Abseitsstellung oder ein unberechtigter beziehungsweise unterlassener Platzverweis.
Entwicklung und Einführung
Der Einsatz technischer Hilfen wurde besonders durch Fehlentscheidungen bei der Beurteilung von Toren diskutiert. Beispiele waren das nicht gegebene Tor für England gegen Deutschland bei der WM 2010, der nicht anerkannte Treffer von Marko Dević im EM-Spiel England – Ukraine 2012, das „Phantomtor“ von Stefan Kießling im Oktober 2013 sowie ein nicht gegebenes Tor von Mats Hummels im DFB-Pokalfinale Borussia Dortmund gegen Bayern München am 17. Mai 2014.
Bis Juli 2012 war der Video-Assistent von der FIFA nicht zugelassen. Danach wurde zunächst die Torlinientechnologie eingeführt: Sie soll feststellen, ob der Ball die Torlinie vollständig überquert hat. Zulässig sind Torkameras wie Hawk-Eye und GoalControl sowie das GoalRef-System mit Funk-Chip im Ball.
Nach einer vierjährigen Testphase setzte der niederländische Verband KNVB den VAR in 26 Pokalspielen der Saison 2016/17 ein. Der erste Einsatz erfolgte am 21. September 2016 bei Ajax Amsterdam gegen Willem II Tilburg: Nach einem Foul von Anouar Kali an Lasse Schöne wurde eine zunächst gezeigte Gelbe Karte nach VAR-Prüfung in einen Platzverweis geändert. Am 13. August 2016 wurde der VAR erstmals in einem United-Soccer-League-Spiel in den Vereinigten Staaten und Kanada genutzt, am 10. April 2017 erstmals in der australischen A-League. 2018 nahm das IFAB den VAR nach Tests unter anderem beim Konföderationen-Pokal und in der Bundesliga in die Spielregeln auf.
Einsatz in Deutschland, Österreich und Europa
In der deutschen Bundesliga wurde der VAR zur Saison 2017/18 eingeführt; das Video Assist Center liegt in der DFL-Zentrale im „Kölner Keller“. In der 2. Bundesliga ist er seit der Saison 2019/20 verfügbar. Im DFB-Pokal wird er seit 2017/18 ab dem Viertelfinale und seit 2019/20 bereits im Achtelfinale eingesetzt. In Deutschland sollte sein Eingreifen auf Tore, Rote Karten, Elfmeter und Spielerverwechslungen begrenzt sein; Gelb-Rote Karten waren dabei zunächst ausgenommen. Seit der Saison 2025/26 werden Entscheidungen nach einem VAR-Eingriff in den Bundesligen flächendeckend über Stadionlautsprecher erklärt.
In Österreich wird der VAR seit der Saison 2021/22 in der Bundesliga und im ÖFB-Cup-Finale verwendet. Bei Toren, Platzverweisen, falscher Identitätsfeststellung und Strafstößen kann er den Schiedsrichter informieren, der gegebenenfalls Bilder am Spielfeldrand ansieht und abschließend entscheidet. Die Technik wird bis Sommer 2026 für 1,5 Millionen Euro pro Jahr von Hawk-Eye Ltd. geliefert, anschließend bis 2034 von Sportec Solutions.
Das IFAB beschloss am 3. März 2018 in Zürich einstimmig die Aufnahme des VAR in die „Laws of the Game“; nationale Verbände entscheiden jedoch selbst über die Nutzung. Der VAR kam bei der WM 2018 in Russland zum Einsatz, ab 2019 in der Champions League und erstmals beim Europa-League-Finale 2019 in Baku. In der Europa League wird er seit der Saison 2020/21 flächendeckend genutzt.
Abseits und kontroverse Bewertung
Seit der Saison 2022/23 wird in einigen internationalen Wettbewerben die halbautomatische Abseitserkennung verwendet. Ein Kamerasystem und ein Sensor im Ball prüfen bei Toren, ob eine Abseitsposition vorlag. Der VAR muss dann noch beurteilen, ob ein abseits stehender Spieler aktiv ins Spiel eingegriffen hat. Ohne diese Technik werden mit Software erzeugte kalibrierte Linien genutzt. Die Wiener Zeitung kritisierte die bei der WM 2022 in Katar großflächig verwendete Technik, weil millimetergenaue Messungen den früheren Vorteil der Angreifer bei „gleicher Höhe“ auflösen könnten.
Kritik am VAR betrifft vor allem lange Unterbrechungen, mangelnde Transparenz im Stadion, mögliche Manipulation, nicht erfolgte Eingriffe bei offensichtlichen Vergehen und Eingriffe ohne klare Fehlentscheidung. Für Deutschland wurden zudem technische Probleme wie unzureichende Bildqualität, Ausfälle der Funkverbindung und mangelnde Erfahrung von Operatoren berichtet. Vorwürfe gegen den Supervisor Hellmut Krug nach dem Bundesligaspiel FC Schalke 04 gegen VfL Wolfsburg am 10. Spieltag 2017/18 wies Krug zurück.
Die Bewertungen sind geteilt: Bei einer Befragung im September 2019 befürworteten 50 % von 150.000 Personen den VAR, 40 % lehnten ihn ab; 71 % bewerteten die Umsetzung als „schlecht“, und 62 % meinten, er nehme dem Fußball Emotionen. Von 239 befragten Bundesligaspielern lehnten 151 den VAR ab. Zugleich ergaben Auswertungen weniger Abseitssituationen, Fouls und Gelbe Karten sowie mehr Torchancen, weil bei knappen Abseitsfällen häufiger zunächst weitergespielt wird. Eine UEFA-Studie zu etwa 3500 Spielen stellte fest, dass der VAR in etwa 1200 Spielen meist Fehlentscheidungen richtig korrigierte. Der DFB zählte 82 korrigierte Fehlentscheidungen in der Saison 2018/19. Nach Angaben von Lutz Michael Fröhlich wurden 2017/18 etwa 80 % und 2021 „98% der klaren Fehlentscheidungen“ verhindert; die Premier League nennt einen Anstieg korrekter Entscheidungen bei Schlüsselszenen von 82 % vor dem VAR auf 94 % in der Saison 2019/20.