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Guyana
Am stärksten besiedelt ist der Küstenraum. Im Hochland siedeln einzelne indigene Stämme. Im Jahr 2020 lebten 27 Prozent der Einwohner Guyanas in Städten …
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Staat und Raum
Guyana, amtlich Kooperative Republik Guyana, ist ein Staat an der Atlantikküste Südamerikas. Es grenzt im Süden und Westen an Brasilien, im Nordwesten an Venezuela und im Osten an Suriname. Die Hauptstadt ist Georgetown, die Amtssprache Englisch, die Staatsform eine semipräsidentielle Republik. Staatsoberhaupt ist Präsident Irfaan Ali, Regierungschef Premierminister Mark Phillips. Die Fläche beträgt 214.970 km², die Einwohnerzahl wurde 2023 auf 813.834 geschätzt. Die Bevölkerungsdichte liegt bei nur 4 Einwohnern pro km². Die Währung ist der Guyana-Dollar (GYD). Guyana wurde am 26. Mai 1966 vom Vereinigten Königreich unabhängig; Nationalfeiertag ist der 23. Februar, der an die Änderung der Staatsform 1970 erinnert.
Guyana ist das westlichste der drei Gebiete, die den Namen „Guyana“ tragen oder trugen: östlich liegt Suriname, früher Niederländisch-Guayana, und weiter östlich Französisch-Guayana, heute ein französisches Übersee-Département. Der Name „Guyana“ geht auf die Region Guiana zurück und bedeutet laut Oxford English Dictionary „Land der vielen Gewässer“.
Geografie, Klima und Umwelt
Guyana liegt zwischen 1° und 8,5° nördlicher Breite sowie 57° und 61° westlicher Länge. Der tiefste Punkt liegt an der Atlantikküste, der höchste Punkt ist der Roraima-Tepui mit 2810 m. An der Grenze zu Venezuela und Brasilien erhebt sich das Bergland von Guayana. Der wichtigste Fluss ist der Essequibo, der im Süden entspringt und im Norden in den Atlantik mündet. Im Nationalpark Potaro liegen die 225 m hohen Kaieteur-Fälle.
Etwa 85 % des Landes bestehen aus dünn besiedeltem tropischem Regenwald. Westen und Süden sind von Gebirgsketten geprägt, in denen viele Flüsse entspringen. An der Küste befindet sich ein sumpfiger Küstenstreifen. Dahinter liegt eine 20 bis 70 km breite Schwemmlandzone, die teilweise auf Meeresspiegelniveau liegt. Sie wurde im 18. Jahrhundert von niederländischen Siedlern eingedeicht und durch Entwässerungskanäle trockengelegt. Dort liegt der Agrargürtel Guyanas mit Reis, Zuckerrohr, Kokosnüssen und Zitrusfrüchten.
Das Klima ist tropisch. Es fallen bis zu 3000 mm Niederschlag pro Jahr. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 27 °C, Höchsttemperaturen liegen um 34 °C, Tiefsttemperaturen um 20 °C. Die Luftfeuchtigkeit beträgt 73 bis 88 %. Es gibt mehrere Regenzeiten: stark von April bis August, schwächer von September bis November, wieder stärker bis Ende Januar; danach folgt Trockenheit bis Anfang April.
Guyana gilt als besonders gefährdet durch den Klimawandel. Nach Einschätzung von Klimaexperten der Weltbank würde ein Meeresspiegelanstieg von einem Meter ein Gebiet überschwemmen, in dem 70 % der Bevölkerung leben und 40 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche liegen. 2004 stellte die Regierung im Südwesten ein rund 4.000 km² großes Gebiet unter Schutz, in dem das indigene Volk der Waiwai lebt. Im Environmental Performance Index von 2021 lag Guyana auf Platz 126 von 180 Ländern; im WeltRisikoBericht 2021 auf Rang 7 von 181 Staaten mit besonders hohem Risiko, dass ein extremes Naturereignis zur Katastrophe wird.
Bevölkerung und Gesellschaft
Guyana hatte 2022 etwa 809.000 Einwohner; für 2023 wird eine Zahl von 813.837 genannt. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug +0,5 %. Der Geburtenüberschuss trug dazu bei: 19,9 Geburten pro 1000 Einwohner standen 9,8 Sterbefällen pro 1000 Einwohner gegenüber. Die statistische Geburtenzahl pro Frau lag 2022 bei 2,4. Die Lebenserwartung ab Geburt betrug 2022 66 Jahre. Der Median des Alters lag 2021 bei 25,5 Jahren. Im Jahr 2023 waren 28,5 % der Bevölkerung unter 15 Jahre alt, 6,5 % über 64 Jahre.
Die Bevölkerung konzentriert sich stark an der Küste; im Hochland leben einzelne indigene Gruppen. 2023 lebten 27 % der Einwohner in Städten. Die größten Städte waren Georgetown mit 235.017 Einwohnern, Linden mit 44.690, New Amsterdam mit 35.039 und Anna Regina mit 12.448 Einwohnern. In der Hauptstadtregion lebten bei der Volkszählung 2002 etwa 137.330 Menschen; rund 20 % der Bevölkerung konzentrieren sich dort.
Nach der Volkszählung von 2002 bestand die Bevölkerung aus 43,4 % Menschen indischer Herkunft aus dem ehemaligen Britisch-Indien, 30,2 % Kreolen beziehungsweise Afro-Guyanern, 16,7 % Menschen gemischter Herkunft, 9,2 % indigenen Völkern, 0,2 % Chinesen, 0,2 % Portugiesen und 0,1 % übrigen Europäern. Diese Zusammensetzung ist für die Geschichte und Politik wichtig, weil ethnische Spannungen zwischen Afro-Guyanern und Indisch-Guyanern seit den 1960er Jahren immer wieder eine Rolle spielten.
Religionen sind vielfältig vertreten: 56,7 % sind Christen, darunter Pfingstler, Katholiken, Anglikaner, Siebenten-Tags-Adventisten, Methodisten und Zeugen Jehovas. 28,8 % sind Hindus, 7,3 % Muslime, 4,3 % Atheisten, 0,5 % Rastafaris, 0,1 % Bahai und 1,3 % gehören anderen Gruppen an. Im Hochland praktizieren Indigene weiterhin eigene ethnische Religionen. Umgangssprache ist vor allem ein teilweise kreolisiertes Englisch; daneben werden indische Sprachen wie Hindi sowie indigene Sprachen gesprochen. Außer Englisch haben elf weitere Sprachen den Status einer amtlich anerkannten Sprache.
Im Gesundheitswesen betrugen die Ausgaben 2021 4,9 % des Bruttoinlandsprodukts. 2018 gab es 18 Ärzte je 10.000 Einwohner. Die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren lag 2022 bei 26,6 pro 1000 Lebendgeburten.
Geschichte und Politik
In der Kolonialzeit bestanden im Gebiet die von den Niederlanden gegründeten Kolonien Essequibo, Demerara und Berbice. 1763 kam es in Berbice zum Sklavenaufstand unter Cuffy, der heute als Nationalheld gilt. Der Besitz wechselte mehrmals zwischen den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich. Durch den Britisch-Niederländischen Vertrag von 1814 kamen Essequibo, Demerara und Berbice an das Vereinigte Königreich; 1831 wurden sie zur Kolonie Britisch-Guayana vereinigt. Die Sklaverei wurde am 1. August 1834 abgeschafft. Nach einer anschließenden Arbeitspflicht bis 31. Juli 1838 warben die Briten Kontraktarbeiter aus Britisch-Indien an, vor allem für die Plantagen.
Das Wahlrecht entwickelte sich schrittweise und war lange an Besitz oder Geschlecht gebunden. 1812 wurde auch Frauen das Stimmrecht zugestanden, wenn sie Sklaven besaßen oder Einkommensteuer auf mindestens 10.000 Gulden zahlen konnten; die Quelle sagt nicht, ob dadurch Gleichheit zwischen Frauen und Männern entstand. Ab 1849 durften nur männliche britische Staatsbürger wählen, weiterhin mit Vermögensanforderungen. Für das aktive Frauenwahlrecht werden im Artikel 1928 und in einer anderen Quelle 1945 genannt.
1953 intervenierten britische Truppen in Britisch-Guayana, weil sie befürchteten, die von Janet und Cheddi Jagan gegründete People’s Progressive Party (PPP) wolle einen kommunistischen Staat errichten. Am 26. Mai 1966 wurde Guyana unabhängig. Am 23. Februar 1970 erklärte Premier Forbes Burnham vom People’s National Congress (PNC) das Land zur Kooperativen Republik. 1978 wurde Guyana durch das Jonestown-Massaker weltweit bekannt: Nach der Ermordung eines US-amerikanischen Politikers ordnete Sektenführer Jim Jones vom Peoples Temple einen kollektiven Selbstmord an; über 900 Menschen starben. 1980 wurde eine neue Verfassung verabschiedet, die die Rolle des Präsidenten stärkte.
Seit 1989 wandelte Guyana seine Wirtschaftspolitik von einer staatlich kontrollierten Planwirtschaft zu einer freien Marktwirtschaft mit offenen Märkten. Politisch wechselten sich lange PPP und PNC beziehungsweise Bündnisse um diese Parteien ab. Cheddi Jagan gewann 1992 die Präsidentschaftswahl; nach seinem Tod wurde 1997 Janet Jagan Präsidentin. Später folgten Bharrat Jagdeo, Donald Ramotar, David Granger und nach der umstrittenen Wahl von 2020 Irfaan Ali. Bei dieser Wahl wurde die Stimmauszählung von internationalen Wahlbeobachtern teilweise als regelwidrig bewertet; nach Protesten kam es zu einer Neuauszählung.
Das politische System ist nicht eindeutig einzuordnen, weil es Merkmale einer semipräsidentiellen Republik und einer Republik mit parlamentsgebundener Exekutive verbindet. Der Präsident übt die Exekutivgewalt aus, ernennt Premierminister und Minister und kann das Parlament auflösen. Parteien benennen vor der Parlamentswahl einen Präsidentschaftskandidaten; die Partei mit den meisten Stimmen stellt den Präsidenten. Die Nationalversammlung ist ein Einkammerparlament. Seit der Reform von 2001 werden 25 Mitglieder in 10 Wahlkreisen nach Verhältniswahlrecht gewählt, zusätzlich 40 Mitglieder über landesweite Parteilisten. Ein erfolgreiches Misstrauensvotum verpflichtet Präsident und Kabinett zum Rücktritt und zu Neuwahlen innerhalb von drei Monaten.
Außenpolitik und Grenzkonflikte
Guyana bemüht sich seit der Unabhängigkeit 1966 um eine wichtige Rolle in der internationalen Politik. Es war dreimal Mitglied des UN-Sicherheitsrates: 1975–1976, 1982–1983 und 2024–2025. Guyana unterhält diplomatische Beziehungen zu vielen Staaten und Organisationen. In Georgetown haben unter anderem die Vereinten Nationen, die Europäische Union, die Interamerikanische Entwicklungsbank, das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, die Weltgesundheitsorganisation und die Organisation Amerikanischer Staaten Niederlassungen. Guyana ist Mitglied des Commonwealth und der CELAC sowie Gründungsmitglied der Karibischen Gemeinschaft CARICOM.
Zwei wichtige außenpolitische Probleme sind Grenzkonflikte mit Venezuela und Suriname. Venezuela beansprucht das gesamte Gebiet westlich des Essequibo. Ein Schiedsspruch von 1899 legte die heutigen Grenzen fest. In den 1960er Jahren erneuerte Venezuela seine Ansprüche, weil es Hinweise auf eine mögliche Voreingenommenheit der damaligen Vermittlungskommission sah. 1966 verschärfte die venezolanische Besetzung von Ankoko Island die Beziehungen. Würde Venezuelas Anspruch anerkannt, verlöre Guyana mehr als die Hälfte seines Territoriums. Guyana brachte den Fall 2018 vor den Internationalen Gerichtshof. Am 3. Dezember 2023 fand in Venezuela ein Referendum über Esequiba statt; angeblich stimmten 96 % der Abstimmenden für die Schaffung eines venezolanischen Bundesstaats „Guayana Esequiba“ und für die venezolanische Staatsbürgerschaft der dortigen Bevölkerung.
Auch Suriname erhob Ansprüche. Im Juni 2000 setzte Suriname maritime Ansprüche militärisch mit zwei Kanonenbooten gegen das kanadische Unternehmen CGX Energy durch und verhinderte den Bau einer Ölbohrplattform. Guyana rief 2004 den Ständigen Schiedshof in Den Haag an. Das Urteil von 2007 sprach Guyana 33.152 km² und Suriname 17.871 km² des rohstoffreichen Meeresgebiets zu. Beide Staaten begrüßten die Entscheidung. Die von Guyana geforderte Entschädigung von 34 Millionen US-Dollar wurde abgewiesen. Das Schiedsgericht bestätigte außerdem, dass der gesamte Corantijnfluss zu Suriname gehört; damit kontrolliert Suriname dort den Schiffsverkehr.
Wirtschaft, Verkehr und Kultur
Guyanas Wirtschaft beruht vor allem auf Landwirtschaft, Bergbau und seit 2020 stark wachsender Erdölförderung. Wichtige Exportprodukte sind Bauxit, Gold, Manganerze, Diamanten, Zucker, Reis, Garnelen, Rum und Holz. Für den Bergbau wurden große Waldflächen abgeholzt, obwohl das Land zugleich besonders vom Meeresspiegelanstieg bedroht ist. Die Arbeitslosenquote wurde 2017 mit 11,1 % angegeben; Unterbeschäftigung ist verbreitet. Das Bruttoinlandsprodukt nach Kaufkraftparität stieg von 6,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2010 auf 66,6 Milliarden US-Dollar 2024. Das reale BIP-Wachstum erreichte 2020 43,5 %, 2022 63,3 %, 2023 33,8 % und 2024 43,6 %.
Seit 2015 wurden vor der Küste unter Führung von ExxonMobil 13 Ölfelder mit geschätzt 11 Milliarden Barrel Öl entdeckt. Die Förderung begann am 20. Dezember 2019; seit 2020 exportiert Guyana Erdöl. Experten erwarten, dass Guyana zu einem der größten Ölproduzenten Lateinamerikas werden könnte. Die Regierung Irfaan Ali erteilte ExxonMobil Förderkonzessionen für vier Erdölfelder im Stabroek Block: Liza One, Liza Two, Payara und Yellowtail. Am Stabroek Block sind Exxon mit 45 %, CNOOC mit 25 % und Hess mit 30 % beteiligt; Hess wurde von Chevron für 53 Milliarden Dollar gekauft. Der plötzliche Ölreichtum wird auch kritisch gesehen, weil Guyana laut Kritikern nicht ausreichend über Expertise sowie rechtliche und regulatorische Voraussetzungen verfüge.
Der Guyana-Dollar wird nach ISO 4217 mit GYD abgekürzt. Außerhalb des Landes ist er nicht verwertbar und unterliegt einer relativ starken Inflation. Der kleinste Geldschein hat 20 GYD, der größte 5000 GYD. Im August 2017 entsprach 1 EUR etwa 240,50 GYD. Kreditkarten werden nur von größeren Geschäften und Banken akzeptiert, das Konto wird dabei in US-Dollar belastet.
Wichtigster Verkehrsknotenpunkt ist Georgetown. 2011 umfasste das Straßennetz etwa 7.970 km, davon 509 km asphaltiert; es gilt Linksverkehr. Straßen verbinden vor allem Küste, Flusshäfen und Bergbaugebiete, größere Flüsse werden mit Fähren überquert. Der wichtigste Seehafen ist Georgetown. Der Demerara River ist bis in die Minengebiete für Erzschiffe befahrbar; andere Flüsse dienen ebenfalls der Erschließung des Landesinneren, sind aber durch Stromschnellen und Wasserfälle erschwert. Es gibt zwei internationale Flughäfen: den Cheddi Jagan International Airport etwa 40 km südlich von Georgetown und den Eugene F. Correira International Airport etwa 6 km östlich der Hauptstadt. Die erste Eisenbahnstrecke Südamerikas wurde zwischen Georgetown und Plaisance 1848 in Betrieb genommen; spätere Strecken wurden 1974 beziehungsweise 1994 stillgelegt.
Die Kultur ist stark durch die Kolonialgeschichte sowie durch Afro-Guyaner und Indisch-Guyaner geprägt. Wichtige Feiertage spiegeln die Religionen wider, darunter Ostern, Weihnachten, Holi und Diwali. Der 23. Februar ist Nationalfeiertag, Tag der Republik und zugleich Karnevalstag Mashramani. Cricket ist der beliebteste Sport und gilt als Nationalsport. Guyana gehört zu den Ländern, die gemeinsam das West Indies Cricket Team bilden, das im internationalen Cricket Teststatus besitzt.