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Usbekistan

Geographie. Bearbeiten. Usbekistan erstreckt sich zwischen dem 37. und 46. nördlichen Breitengrad sowie zwischen dem 56. und 73. östlichen Längengrad. Die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Staat und Naturraum
  2. 2. Bevölkerung, Sprachen und Bildung
  3. 3. Geschichte und Unabhängigkeit
  4. 4. Staat, Politik und Außenbeziehungen
  5. 5. Wirtschaft und Infrastruktur
  6. 6. Kultur, Religion und Alltag

Staat und Naturraum

Usbekistan, amtlich Republik Usbekistan (usbekisch Oʻzbekiston Respublikasi), ist ein 448.978 km² großer Binnenstaat in Zentralasien. Es ist neben Liechtenstein einer von weltweit zwei doppelten Binnenstaaten: Alle Nachbarstaaten sind ebenfalls Binnenstaaten. Usbekistan grenzt an Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Afghanistan und Turkmenistan. Die Staatsgrenze ist insgesamt 6893 km lang. Hauptstadt und größte Stadt ist Taschkent, das etwa 3,1 Millionen Einwohner hat. Staats- und Regierungsform ist eine präsidentielle Republik. Amtssprache ist Usbekisch; in Karakalpakistan ist zusätzlich Karakalpakisch Amtssprache. Die Währung ist der Soʻm (UZS), die Zeitzone UTC+5.

Das Land reicht von den Wüsten am Aralsee im Westen bis zum fruchtbaren, dicht besiedelten Ferghanatal im Osten. Rund zwei Fünftel der Staatsfläche nimmt die Kysylkum-Wüste ein. Im Südosten liegen Ausläufer des Tian Shan, der Turkestan-Gebirgskette und des Alai-Gebirges. Seit 2023 gilt der 4668 m hohe Alpomish an der Grenze zu Tadschikistan als höchster Berg Usbekistans; zuvor wurde der 4643 m hohe Hazrat Sulton als höchste Erhebung angesehen. Die tiefste Stelle liegt in der Kysylkum-Wüste zwölf Meter unter dem Meeresspiegel.

Die wichtigsten Flüsse sind Amudarja (2539 km) und Syrdarja (2212 km), die beide nur teilweise durch Usbekistan fließen und zu den Hauptzuflüssen des Aralsees gehören. Weitere wichtige Flüsse sind Surxondaryo, Qashqadaryo und Zarafshon. Große Bewässerungskanäle sind der Große, Nördliche und Südliche Ferghanakanal. Zu den bedeutenden Seen und Stauseen zählen der Westliche Aralsee, der Aibugirsee, der Sarykamyschsee, der Aydarsee und der Talimardschan-Stausee.

Das gemäßigte Klima ist je nach Region feuchtkontinental, gemäßigtes Steppen- oder Wüstenklima. Die Sommer sind meist heiß und wolkenlos, die Winter kalt und unbeständig. Der Jahresniederschlag beträgt 50–400 mm, in den Gebirgen teilweise über 1000 mm. Etwa 80 % der Landesfläche bestehen aus Wüste und Steppe. Nachgewiesen sind gut 4300 Pflanzenarten und über 40 Säugetier-, 400 Vogel-, 60 Reptilien- sowie über 70 Fischarten. Knapp zwei Prozent der Fläche stehen unter Naturschutz.

Ein zentrales Umweltproblem ist die Austrocknung des Aralsees. Übermäßige Wasserentnahme zur Bewässerung, besonders für den Baumwollanbau, verursachte Bodenversalzung sowie Belastungen durch Dünger, Herbizide und Pestizide. Die Seefläche sank von 66.000 km² auf etwa 7000 km² (Stand 2018); 2004 betrug sie nur noch ungefähr 17.000 km². Der fast völlig ausgetrocknete See verschärft die Trockenheit. Am 1. Mai 2020 brach außerdem der 2017 in Betrieb genommene Sardoba-Damm. Mehr als 100.000 Menschen wurden bis zum 3. Mai in Usbekistan und Kasachstan evakuiert, und Tausende Hektar Ackerland wurden überflutet. Als Ursachen wurden starke Regenfälle und Stürme im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung, aber auch technische Mängel diskutiert.

Bevölkerung, Sprachen und Bildung

Usbekistan gehört zu den bevölkerungsreicheren Staaten Zentralasiens. Für den 1. Januar 2025 nennt die Infobox 37,5 Millionen Einwohner, während der Abschnitt zur Demografie für dasselbe Datum 35,5 Millionen angibt. Auch bei der Bevölkerungsdichte stehen unterschiedliche Angaben: 84 beziehungsweise 78 Einwohner pro km². Das jährliche Bevölkerungswachstum wird mit etwa 1,9 % angegeben. 2020 lag die Geburtenzahl bei 2,9 Kindern pro Frau, die Lebenserwartung bei 70,3 Jahren (Frauen 72,8, Männer 67,9). Das Medianalter betrug 27,8 Jahre; 29,8 % der Bevölkerung waren jünger als 15 Jahre, 4,9 % älter als 64 Jahre.

Die Bevölkerung ist räumlich sehr ungleich verteilt. Im Ferghana-Becken leben über 570 Menschen pro km², in der Viloyat Navoiy dagegen nur 8,4. 2023 lebten 51 % der Einwohner in Städten. Neben Taschkent sind Namangan, Samarkand, Andijon, Nukus und Fargʻona wichtige Großstädte. Die Bevölkerung besteht aus über 100 Völkerschaften. Für 2021 werden 29,2 Millionen Usbeken beziehungsweise 84,4 % der Bevölkerung genannt; außerdem unter anderem 1,7 Millionen Tadschiken, 821.200 Kasachen, 752.700 Karakalpaken, 720.300 Russen, 291.600 Kirgisen und 206.200 Turkmenen.

Der tatsächliche Anteil der Tadschiken ist umstritten. Von tadschikischer Seite und von einigen Menschenrechtsorganisationen wird er deutlich höher als in den offiziellen Angaben eingeschätzt. Besonders um Samarkand und Buchara ist eine eindeutige Zuordnung schwierig, weil viele Menschen traditionell zweisprachig sind. Zudem gaben während der Usbekisierung unter Scharaf Raschidow viele Tadschiken bei offiziellen Erhebungen „Usbeke“ an. Für 2000 werden Zwangsvertreibungen und Inhaftierungen von Tadschiken berichtet.

Usbekisch ist eine Turksprache und Staatssprache. In Karakalpakistan ist Karakalpakisch zusätzlich offiziell. Tadschikisch ist in Samarkand und Buchara weit verbreitet. Russisch bleibt Verkehrs-, Bildungs- und Wirtschaftssprache; 57–70 % der Bevölkerung sprechen zumindest etwas Russisch. Seit Mitte der 1990er Jahre erfolgt der Wechsel vom kyrillischen zum lateinischen Alphabet, praktisch werden beide Schriften parallel verwendet. Gut 50 % von rund 1,2 Millionen Schülern lernen Deutsch als Fremdsprache; als Höchstangabe werden 750.000 genannt.

Die Schulbildung dauert nach einer Darstellung zwölf Jahre, zugleich wird das formale Ende der Ausbildung mit der 11. Klasse angegeben. Es gibt anschließend Hochschulen und Universitäten, darunter englischsprachige Einrichtungen in Taschkent. Die Alphabetisierungsrate der Erwachsenen über 15 Jahre beträgt 99,9 %. Gleichzeitig besuchen nur 76 % der unter 15-Jährigen eine Schule und 20 % der Drei- bis Sechsjährigen einen Kindergarten. Zu Beginn des Schuljahres 2022/2023 gab es 10.522 allgemeinbildende Einrichtungen; 51,3 % der Schüler waren Jungen und 48,7 % Mädchen. Die öffentlichen Bildungsausgaben betrugen 2019 5,6 % und 2021 6,2 % des BIP. Das Gesundheitssystem beruht weitgehend auf staatlichen Polikliniken sowjetischer Prägung; daneben entstand ein privater Sektor. 2019 wurden 5,6 % des BIP für Gesundheit ausgegeben, 2021 lag die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren bei 14,1 je 1000 Lebendgeburten.

Geschichte und Unabhängigkeit

Das heutige Usbekistan entstand politisch erst in den 1920er Jahren. Archäologische Funde von Teshik-Tosh, darunter Steinwerkzeuge, Tierknochen und ein Kinderskelett, werden auf 30.000 bis 40.000 v. Chr. datiert. In der Antike gehörte das Gebiet zunächst zum Machtbereich der Achämeniden. Alexander der Große beendete diese Herrschaft; später war die Region Teil Baktriens. Die Seidenstraße prägte Wirtschaft und Kultur, weil sie seit dem Altertum teilweise durch das heutige Staatsgebiet verlief.

Ab dem frühen 8. Jahrhundert setzte sich durch die arabische Eroberung der Islam durch; 751 gehörte Transoxanien endgültig zur islamischen Welt. Es folgten unter anderem die Samaniden in Buchara (819–1005), die Kara-Chaniden, die Choresm-Schahs und die Kara Kitai. 1220 drangen die Mongolen ein. 1370 rief sich Timur Lenk, in Usbekistan Amir Timur genannt, zum Herrscher von Transoxanien aus. Die Timuriden förderten Kunst, Literatur und Wissenschaft; Timurs Enkel Ulugh Beg war ein bedeutender Astronom. Im frühen 16. Jahrhundert begann die Herrschaft der eigentlichen Usbeken, eines ursprünglich aus Westsibirien stammenden Turkvolks.

Das Gebiet bestand später vor allem aus den Khanaten Chiwa und Kokand sowie dem Emirat Buchara. Im 19. Jahrhundert setzte sich im „Great Game“ zwischen dem Russischen Reich und dem Vereinigten Königreich Russland durch. 1868 wurden Buchara und Chiwa russische Protektorate, Kokand wurde annektiert. 1918 entstand die Turkestanische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik. 1924/1925 wurden daraus sowie aus den Volksrepubliken Choresmien und Buchara die Usbekische Sozialistische Sowjetrepublik. Tadschikistan wurde 1929 selbstständige Sowjetrepublik; Karakalpakistan wurde in Usbekistan eingegliedert. Samarkand war zunächst Hauptstadt, 1930 wurde Taschkent Hauptstadt. 1963 übertrug die Kasachische SSR 40.000 km² an Usbekistan, womit die heutigen Grenzen entstanden.

Am 20. Juni 1991 erklärte Usbekistan seine Unabhängigkeit von der UdSSR; am 1. September 1991 entstand die Republik Usbekistan. Islom Karimov, seit 1989 Parteisekretär und seit 1990 Präsident, wurde 1991 erster Präsident und regierte bis zu seinem Tod am 2. September 2016. Die 1990er Jahre waren von Konflikten im Ferghana-Tal geprägt. 1999 starben bei einem Bombenanschlag in Taschkent 20 Menschen; 2004 folgten weitere Anschläge, für die offizielle Stellen die Islamische Bewegung Usbekistans verantwortlich machten. Diese kämpfte zunächst gegen Korruption und Karimovs autoritären Regierungsstil, schloss sich 2001 den Taliban und 2015 dem Islamischen Staat an.

Besonders folgenreich waren die Unruhen von Andijon im Mai 2005. Während einer Demonstration erschossen Militär- und Polizeikräfte 400–600 Menschen; Menschenrechtsaktivisten und westliche Beobachter schätzten etwa 500 Todesopfer. Das Regime machte Islamisten verantwortlich, während soziale und politische Ursachen wie Arbeitslosigkeit, Armut, Wohnungsnot und Unterdrückung als wahrscheinliche Auslöser genannt wurden. Die EU verhängte ein Waffenexport- und ein Einreiseverbot, hob die Sanktionen aber schrittweise bis 2009 auf.

Staat, Politik und Außenbeziehungen

Die Verfassung orientiert sich an Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Marktwirtschaft, sozialen Garantien und Grundrechtsschutz. Ihre praktische Umsetzung wird jedoch wegen mangelnder Rechtsstaatlichkeit und erheblicher Demokratiedefizite kritisiert. Staatspräsident ist Shavkat Mirziyoyev, Premierminister Abdulla Aripov. Mirziyoyev wurde am 14. Dezember 2016 Präsident, nachdem er am 8. September 2016 zum Interimspräsidenten ernannt worden war. Ein Referendum vom 30. April 2023 verlängerte die Amtszeit des Präsidenten auf sieben Jahre und ermöglicht Mirziyoyev nach Darstellung des Artikels eine Herrschaft bis 2040. Wahlbeobachter der OSZE bewerteten das Referendum nicht als freie Wahl.

Unter Karimov bestimmte der Präsident die Innenpolitik nahezu vollständig. Oppositionelle gingen ins Exil oder wurden inhaftiert; eine wirksame Opposition im Land existierte de facto nicht. Kritische ausländische Webseiten wurden blockiert. Für 2004 nennt Human Rights Watch etwa 7000 politisch und religiös Verfolgte in Haft. Die Todesstrafe ist seit 2008 abgeschafft, dennoch berichten Organisationen von Folter und Todesfällen in Gefängnissen sowie von routinemäßigen Misshandlungen durch Sicherheitskräfte. Seit 2016 wurden politische Gefangene freigelassen, Beziehungen zu Nachbarstaaten verbessert und eine vorsichtige Liberalisierung begonnen. Gleichzeitig blieb die Pressefreiheit eingeschränkt; 2017 wurde ein Rundfunkleiter wegen einer kritischen Sendung entlassen. Die Indizes zeichnen weiterhin ein autoritäres Bild: Demokratieindex 2,1 von 10, Rang 146 von 167 (2024), Freedom in the World 12 von 100 (2024) und Korruptionswahrnehmungsindex 31 von 100, Rang 124 von 181 (2025).

Das Parlament Oliy Majlis ist das höchste repräsentative Staatsorgan und übt die Gesetzgebung aus. Seit 2004 besteht es aus einer gesetzgebenden Kammer mit 120 auf fünf Jahre gewählten Abgeordneten und einem Senat mit 100 Senatoren. Davon ernennt der Präsident 16; jeweils sechs werden durch Provinzräte, den Rat der Stadt Taschkent und den Rat Karakalpakistans gewählt. Das Land ist in zwölf Viloyate, die autonome Republik Karakalpakistan und die Stadt Taschkent gegliedert. Die Verfassung gewährt Karakalpakistan eine eigene Verfassung und Gesetze sowie das Recht, per Volksabstimmung die Loslösung zu beschließen.

Usbekistan unterhält Beziehungen zu mehr als 100 Ländern und ist Mitglied der UNO, SOZ, GUS, ECO, OIC, OSZE und der Organisation der Turkstaaten. Es arbeitet mit EU und NATO zusammen, ist aber nicht Mitglied der WTO. Außenpolitisch steht es Russland und China näher als dem Westen. Zu Russland besteht eine strategische Partnerschaft; 2005 wurde ein militärischer Beistandspakt geschlossen. Mit Kasachstan verbinden das Land enge kulturelle Beziehungen und Verträge über „Ewige Freundschaft“ von 1997 und 1998. Das Verhältnis zu Kirgisistan war wegen Grenzstreitigkeiten und der ethnischen Auseinandersetzungen von 2010 angespannt. Deutschland ist ein wichtiger europäischer Partner; Ende 2024 wurde ein Migrationsabkommen unterzeichnet.

Wirtschaft und Infrastruktur

Usbekistan war in der Sowjetunion eine der ärmeren Regionen. Nach 1991 hielt die Regierung zunächst an einer stark kontrollierten Planwirtschaft fest. Ab 1994 wurden wegen hoher Inflation Reformen begonnen: Privatisierung, strengere Geldpolitik, ein besseres Investitionsklima und eine schrittweise Verringerung der staatlichen Rolle waren Ziele. Der Staat blieb jedoch dominierend; hohe Importzölle schützen viele Betriebe vor ausländischer Konkurrenz. Der Internationale Währungsfonds verschob 1996 einen Kredit von 185 Millionen US-Dollar, weil die politischen Bedingungen die Erfüllung der Auflagen verhinderten.

Das BIP nach Kaufkraftparität stieg von 142,4 Mrd. US-Dollar 2010 auf 432,8 Mrd. US-Dollar 2024; das BIP pro Kopf erreichte 2024 11.721 US-Dollar. Das reale BIP-Wachstum betrug 2024 6,5 %, die Inflation 9,6 % und die Staatsverschuldung 33 % des BIP. Für 2024 nennt die Infobox ein nominales BIP von 115 Mrd. US-Dollar. 2020 lag die Arbeitslosenquote bei 6,1 %. 2019 arbeiteten 5,7 Millionen Menschen im formellen und 7,8 Millionen im informellen Sektor.

Baumwolle ist das wichtigste Agrarprodukt. 2023/24 dienten etwa 50 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche ihrem Anbau. Wegen der Umweltfolgen wird zunehmend Tropfbewässerung eingesetzt; zugleich wachsen Acker- und Gartenbau mit Getreide, Gemüse, Obst und Kürbissen. 2022/23 war Usbekistan der achtgrößte Baumwollproduzent. 2023/24 wurde die produzierte Baumwolle vollständig im Land verarbeitet. Kinderarbeit wurde 2008 verboten. Die maschinelle Ernte erreichte 2024 etwa 20 %, je nach Quelle 15–40 %. Eine IAO-Überwachung bestätigte, dass keine systemische Kinder- und Zwangsarbeit mehr festgestellt wurde, auch wenn Herausforderungen bleiben. Margilan ist das Zentrum der Seidenherstellung.

Usbekistan fördert Erdgas, Gold, Kupfer und Uran; außerdem gibt es Erdöl, Silber, Blei, Zink, Wolfram, Molybdän und Kaolin. Die Erdölförderung von etwa 100.000 Barrel pro Tag reicht bei einem Verbrauch von über 150.000 Barrel nicht aus. Gold bringt höhere Deviseneinnahmen als Erdgas. Usbekistan war der weltweit fünftgrößte Uranproduzent; die Uranproduktion ist vollständig für den Export bestimmt. Die Industrie umfasst unter anderem Chemie, Maschinenbau und Fahrzeugproduktion. In Asaka wurden 2009 etwa 190.000 Kleinwagen jährlich hergestellt; in Taschkent wurden Militärtransport- und Passagierflugzeuge produziert.

Der Verkehr erfolgt überwiegend über Straßen: 90,7 % des Güter- und 98,5 % des Personenverkehrs entfallen auf die Straße. Das Straßennetz ist über 81.600 km lang, davon 71.237 km befestigt (Stand 2007). Das Eisenbahnnetz der staatlichen Oʻzbekiston Temir Yoʻllari umfasst etwa 3950 km; wichtige Strecken wurden elektrifiziert, und der Hochgeschwindigkeitszug Afrosiyob verkürzt die Fahrt Taschkent–Samarkand auf zwei Stunden. 2016 wurde durch den 19 km langen Kamchiq-Tunnel erstmals eine innerusbekische Bahnverbindung ins Ferghana-Tal geschaffen. 1100 km Wasserwege sind schiffbar, der bedeutendste Hafen liegt in Termiz. Uzbekistan Airways verbindet das Land international; moderne Flughäfen gibt es unter anderem in Taschkent, Samarkand, Buchara und Urganch. Strom wird in Kohle-, Gas- und Wasserkraftwerken erzeugt. In Städten ist die Versorgung meist zuverlässig, auf dem Land kommt es häufiger zu Stromausfällen. 2020 nutzten 71 % der Bevölkerung das Internet.

Kultur, Religion und Alltag

Usbekistan ist ein historisches Zentrum islamischer und persisch geprägter Stadtkultur. Besonders Buchara und Samarkand waren wichtige Orte für Wissenschaft, Theologie und Kunst. Die Staatssprache Usbekisch entwickelte sich aus osttürkischen Idiomen, während persische beziehungsweise tadschikische Sprache und Kultur vor allem im Umfeld dieser Städte fortbestehen. Die klassische Kunstmusik beruht auf dem Maqam-System. Bedeutende regionale Formen sind Schaschmaqam in Buchara und Samarkand, Alti-yarim Makom im Norden und Tschahar Maqam im Ferghanatal. Das traditionelle indoiranische Neujahrsfest Navroʻz wird im Frühling gefeiert und ist gesetzlicher Feiertag.

Rund 90 % der Bevölkerung sind sunnitische Muslime; schiitische Muslime leben besonders in Buchara und Samarkand. Etwa 8 % sind russisch-orthodox. Außerdem gibt es armenisch-apostolische, katholische, lutherische und protestantische Christen, Juden, Buddhisten, Bahai und Anhänger der Lehren Krishnas. Die Verfassung garantiert Säkularismus und Religionsfreiheit, doch nicht zugelassene Gruppen werden benachteiligt. Im Volksislam wirken Einflüsse des Zoroastrismus, Buddhismus und Schamanismus fort. Den Ramadan praktizieren vermutlich 40 % der Muslime in Städten und 85 % auf dem Land.

Fünf Kulturstätten und zwei Naturstätten werden in der UNESCO-Liste des Artikels genannt: Ichan Qalʼа in Chiwa (1990), das historische Zentrum von Buchara (1993), das historische Zentrum von Schachrisjabz (2000), „Samarqand – Kreuzung der Kulturen“ (2001) sowie der Zarafshan-Karakum-Korridor der Seidenstraße (2023); als Naturstätten westliches Tian Shan (2016) und die kalten Winterwüsten von Turan (2023). Zusätzlich stehen 35 Stätten auf der vorläufigen Liste. Die Darstellung nennt an anderer Stelle zunächst vier Kultur- und eine Naturstätte und ist damit zahlenmäßig widersprüchlich.

Typische Gerichte sind Shoʻrva, Naryn, Bachor, Plov, Manti, Lagʻmon und Halva. Ganzjährig wird vor allem grüner Tee in Choyxonas getrunken; im Sommer sind Ayron und Fruchtsäfte beliebt. Boxen gehört zu den beliebtesten Sportarten. Bei den Olympischen Spielen 2016 gewann die usbekische Boxmannschaft drei Gold-, zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen; 2024 gewannen fünf usbekische Boxer Gold. Im Schach wurde Rustam Kasimjanov 2004 FIDE-Weltmeister, und Usbekistan gewann 2022 erstmals die offene Schacholympiade. Die Fußballnationalmannschaft qualifizierte sich erstmals für die Weltmeisterschaft 2026.

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