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Ursprünge des Hip-Hop
Die Ursprünge der Hip-Hop-Musik liegen in der musikalischen Kultur der US-Amerikaner der 1970er-Jahre, insbesondere in der South Bronx, und weisen …
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Entstehung und Bedeutung
Hip-Hop-Musik entstand in den 1970er-Jahren in der musikalischen Kultur der USA, besonders in der South Bronx in New York. Kulturelle Wurzeln reichen bis nach Afrika zurück. Hip-Hop umfasst dabei nicht nur Rap, sondern entwickelte sich zusammen mit DJing, Breakdance und Graffiti-Writing. Er wurde zu einer Ausdrucksform für Jugendliche in armen Stadtvierteln und gelangte durch frühe Studioaufnahmen rasch in den Mainstream und schließlich weltweit.
Als erste Hip-Hop-Platten gelten allgemein King Tim III der Fatback Band und danach „Rapper’s Delight“ (1979) der Sugarhill Gang. Musikalisch verband Hip-Hop unter anderem Scat-Gesang, Blues, Funk, Soul, Jazz und jamaikanische Soundsysteme. DJs wie Kool DJ Herc, Grandmaster Flash, Afrika Bambaataa und Disco King Mario prägten die frühe Szene entscheidend.
Kulturelle und musikalische Wurzeln
Zu den ältesten Vorbildern gehören westafrikanische Griots: Wanderer und Geschichtenerzähler, die eine Art Sprechgesang verwendeten. Wichtig war die Interaktion mit dem Publikum, das Kommentare, Beifall oder Ablehnung äußerte. Nach der Verschleppung von Afrikanern nach Amerika entwickelten sich unter veränderten Bedingungen Toasts: Treffen von Männern zu Themen wie Politik, Gesellschaft, Kultur und Frauen. Dort entstanden Verbal Contests, also sprachliche Wettstreite; sie wurden später zum Battle-Rap weiterentwickelt. Auch Toasting, das Sprechen oder Reimen über Musik, gehört zu dieser Entwicklungslinie.
Aus der US-amerikanischen Musiktradition wirkten Scat-Gesang – das Nachahmen eines Instruments mit der Stimme – sowie afro-amerikanische Gottesdienste ein. Dort interagierten Prediger und Gemeinde intensiv; Prediger nutzten häufig eine Art Sprechgesang. Über Blues, Jazz und Rhythm and Blues führte eine Entwicklung zu Soul und Funk, die den Oldschool-Hip-Hop stark beeinflussten.
Weitere mögliche Einflüsse waren Voice instrumentals, bei denen Stimmen Instrumente ersetzen, Dirty Dozens als stilisierte gegenseitige Beleidigungen, Talking Blues mit gesprochenen und oft ironischen Bemerkungen zum Publikum sowie „Proto-Rapper“ wie Gil Scott-Heron und die Last Poets. Auch Abzählreime sowie bestimmte Formen von Jazz und Doo Wop spielten eine Rolle. Den wahrscheinlich stärksten direkten Einfluss hatten jamaikanische Soundsystems.
Soziale Lage der South Bronx
Rap entwickelte sich vor dem Niedergang der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und dem sozialen sowie wirtschaftlichen Niedergang der Innenstädte. Seit den 1970ern verließen Industriebetriebe die Städte in Richtung Vororte oder Ausland. Die Arbeitslosenquote unter schwarzen Jugendlichen stieg auf bis zu 40 %. Mittelständische Arbeitnehmer zogen ebenfalls weg, wodurch Gemeinden weniger Einnahmen für öffentliche Infrastruktur hatten. Konservative Regierungen kürzten zudem die Budgets des Wohlfahrtsstaats.
Für viele Jugendliche nahmen legale Möglichkeiten ab, sozialen und materiellen Status zu gewinnen; Kriminalität und besonders Drogenhandel wurden wichtiger. In den 1980ern entwickelte und vermarktete das Cali-Kartell Crack, das für verarmte Innenstädte billig genug war. Der florierende Drogenhandel zerstörte zugleich wichtige soziale Zusammenhänge in den Vierteln.
Die South Bronx war ein besonderes Notstandsgebiet. In ihren drei Kernbezirken sank die Bevölkerung von 383.000 im Jahr 1970 auf 166.000 im Jahr 1980. Seit den 1960ern brachte die New Yorker Stadtverwaltung gezielt Sozialhilfeempfänger in das Viertel; seit den späten 1960ern verbreiteten sich Drogen schnell. Von 1970 bis 1975 soll es in der Bronx über 68.000 Brände gegeben haben, mehr als 33 täglich, überwiegend in der South Bronx. Berichten zufolge tolerierte die Stadt Brandstiftungen teilweise, während sie die Zahl der Feuerwachen stark verringerte.
Die Gegend wurde zum Symbol urbanen Verfalls. Gangs betrachteten sich seit den späten 1960ern zunehmend als Polizei des Viertels. Körperverletzungen stiegen von 998 (1960) auf 4.256 (1969), Diebstähle von 1.765 auf 29.276. Nach Schätzungen der Polizei standen 70 % der Kriminalfälle mit Drogen in Zusammenhang.
Block Partys, Breakbeats und Rap
Hip-Hop, Rap und Turntablism entstanden aus Block Partys, die in den 1970ern besonders in der Bronx populär waren. Mehr als ein Fünftel der dortigen Bevölkerung stammte aus der Karibik; die Partys ähnelten jamaikanischen Soundsystems. Besitzer großer Stereoanlagen traten in musikalischen Wettkämpfen gegeneinander an und begannen, über Musik zu toasten oder einfache Reime zu sprechen.
Kool DJ Herc wanderte aus Kingston, Jamaika, in die Bronx ein. Weil Reggae in New York wenig beliebt war, sprach er über Instrumentalstellen populärer Stücke. Mit zwei identischen Platten auf zwei Plattenspielern verlängerte er diese kurzen Stellen theoretisch unbegrenzt. So schuf er Breakbeats: lange Abschnitte mit ungewöhnlichen rhythmischen Passagen, auf die das Publikum besonders wartete. Er spezialisierte sich später auf DJing; Coke La Rock und Clark Kent übernahmen den Sprachpart. Gemeinsam traten sie als Kool DJ Herc and the Herculoids auf.
Bis etwa 1975 setzte sich dieser Stil bei New Yorker Block Partys durch. DJs entwickelten längere und ausgefeiltere Texte, reimten für einen Wiedererkennungseffekt und passten bekannte, oft aus Abzählreimen stammende Reime an. Ziel war, als originell, gut oder „Def“ zu gelten.
Grandmaster Flash schloss als Erster Kopfhörer an sein System an und konnte dadurch Stücke ohne hörbare Übergänge mischen. Er legte Vocals oder Instrumentalpassagen eines Tracks über die Breakbeats eines anderen und schuf damit am Plattenteller neue Stücke. Mit Backspinning, dem schnellen Zurückziehen einer Platte, wiederholte er einzelne Klänge und erzeugte Sampling-Effekte. Diese Technik entwickelte ungefähr gleichzeitig auch Grand Wizard Theodore. Afrika Bambaataa erweiterte das Repertoire durch eine sehr breite Plattensammlung über Genregrenzen hinweg; besonders schätzte er Kraftwerk. In New York entstand Rap vor allem aus Disco- und Funk-Stücken, da Reggae dort wenig Zuspruch fand.
Szene und Durchbruch
Rap war beliebt, weil er eine einfache künstlerische Möglichkeit bot, Meinungen und Persönlichkeit auszudrücken. Er benötigte kaum materielle Voraussetzungen und ließ sich nahezu überall üben. Anfangs gab es kaum feste Regeln; entscheidend waren Originalität und das Treffen des Rhythmus.
Afrika Bambaataa wollte Rivalitäten der Szene künstlerisch statt gewaltsam austragen. Nachdem ein Freund bei einem Bandenkampf getötet worden war, stieg er aus den Black Spades aus. Ende 1975 oder 1976 gründete er die Universal Zulu Nation, ein Kollektiv aus Rappern, B-Boys und Graffiti-Sprayern. Das genaue Gründungsjahr wird im Artikel mit zwei Angaben genannt. Graffiti-Writing hatte sich bereits in den 1960ern in Philadelphia und anschließend New York entwickelt; Breakdance entstand zusammen mit der breakbeatbetonten Hip-Hop-Musik.
Hip-Hop gelangte von der South Bronx zunächst in kleine Studios in Manhattan und Harlem. Grandmaster Flash spielte 1977 vor 3.000 Besuchern im Harlems Ballroom. Kurtis Blow und Russell Simmons gaben erste Konzerte in Manhattan; in Harlem entstanden frühe Vinylaufnahmen. „Rapper’s Delight“ war international überraschend erfolgreich und verkaufte etwa 2 Millionen Stück, wodurch Major-Labels aufmerksam wurden. Die Sugarhill Gang war in der Szene zuvor unbekannt; ihre Musik wurde von einer Band eingespielt, nicht durch Turntablism.
Wichtige frühe Aufnahmen waren Blondies „Rapture“ sowie „The Message“ von Grandmaster Flash & The Furious Five. „The Message“ erschien 1982, kam direkt aus der South Bronx und sprach erstmals die soziale Lage an, aus der der Stil entstand. Ebenfalls 1982 veröffentlichte Afrika Bambaataa „Planet Rock“ und „Looking for the perfect Beat“; beide wurden national erfolgreich und enthielten erstmals eine Beatbox. Der erste Hip-Hop-Longplayer auf einem Major-Label erschien 1980 von Kurtis Blow. Sein Titel „The Breaks“ war der erste Rapsong mit einer Goldenen Schallplatte.