Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Soundsystem (Kultur)

Ein Soundsystem ist ein Künstlerkollektiv oft mit mobiler Musikanlage, die vor allem in der jamaikanischen Kultur eingesetzt wird.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Aufbau
  2. 2. Entstehung in Jamaika
  3. 3. Soundclashes und weltweite Verbreitung
  4. 4. Freetekno und Entwicklung in Deutschland

Begriff und Aufbau

Ein Soundsystem ist ein Künstlerkollektiv, häufig verbunden mit einer mobilen Musikanlage. Es wird vor allem in der jamaikanischen Kultur eingesetzt. Zum typischen technischen Aufbau gehören unten alte Paletten, darauf Subbässe für sehr tiefe Töne, darüber Kickbässe und Mitten sowie oben Hochtöner für hohe Frequenzen. In der Praxis bezeichnet „Soundsystem“ daher sowohl die beteiligten Künstler als auch die Anlage beziehungsweise deren gemeinsames Auftreten.

Entstehung in Jamaika

Die ersten Soundsysteme entstanden in den 1950er-Jahren, während sich die jamaikanische Musik stark weiterentwickelte und Stilrichtungen wie Ska und Rocksteady aufkamen. Die ersten Plattenaufleger wurden damals Soundman und später Selector genannt. Sie veranstalteten Dances oder Bashments in Dancehalls. Weil diese Veranstaltungen schnell sehr beliebt wurden, wichen die Soundsysteme auf freie Plätze aus, die Lawn, also „Rasen“, genannt wurden.

Die Selectors entwickelten eigene Abspieltechniken und dadurch einen individuellen Klang. Zu den Pionieren dieser Zeit zählen unter anderem „Sir Coxsone“ Dodd, Duke Reid und Prince Buster. Nach Angaben vieler Quellen entstand in der jamaikanischen Soundsystemkultur außerdem eine wichtige Form des Sprechgesangs. Im Laufe der 1960er-Jahre gingen viele DJs von bloßen Ansagen zu rhythmischem Toasting über. Ein Pionier dieser Entwicklung war unter anderem U-Roy. Deshalb werden die Vokalisten in Jamaika häufig Singjays genannt. Der Jamaikaner Kool Herc soll diese Gesangsform später nach New York gebracht haben. In Jamaika entwickelte sich daraus mit der Zeit Dancehall-Reggae beziehungsweise Raggamuffin.

Soundclashes und weltweite Verbreitung

Heute gibt es Reggae-Soundsysteme auf der ganzen Welt. Sie besitzen allerdings meist keine eigene Musikanlage, sondern bestehen vor allem aus Teams von Selectors und Deejays beziehungsweise Singjays.

In Europa finden zunehmend Soundclashes statt. Dabei treten zwei oder mehr Soundsysteme in einer Art Wettbewerb gegeneinander an. Sie versuchen, das Publikum durch eine besonders überzeugende Auswahl ihrer Dubplates und durch originelles Mischen dieser exklusiven Aufnahmen zu begeistern. Das Publikum wird in der Reggaeszene „Massive“ genannt und bestimmt durch seine Reaktion den Gewinner. Das Soundsystem, bei dem die „Massive“ am lautesten jubelt, gewinnt.

Die Wurzeln der Soundclashes reichen ebenfalls in die 1960er-Jahre zurück. Damals wurden solche Wettbewerbe auf der Straße veranstaltet. Die Lautstärke war zu dieser Zeit noch deutlich wichtiger: Das gegnerische Soundsystem sollte mit einer leistungsstärkeren und lauteren Anlage regelrecht niedergekämpft werden.

Freetekno und Entwicklung in Deutschland

Neben den Reggae- und Dub-Soundsystemen gibt es eine eigenständige Soundsystemszene des Freetekno. Seit den 1990er-Jahren werden dort auf Free Partys unter anderem Hardtekno, Acidtekno und Tribe gepflegt.

In Deutschland wurden die ersten Soundsysteme nach jamaikanischem Vorbild in den frühen 1980er-Jahren gegründet. Zu massenhaften Neugründungen kam es jedoch erst ab etwa Mitte der 1990er-Jahre, als ein Boom von Dancehall- und Reggaeveranstaltungen einsetzte. Die neuen deutschen Soundsysteme bestanden zunächst meist nur aus Personen: DJs beziehungsweise Selectors, MCs beziehungsweise DJs und Soundoperators.

Weiterlesen